Édouard Adolphe Mortier

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Mortier, (Eduard), -- Hauptmann im 1sten Bataillon du Nord im J. 1791; General-Adjutant; Bataillons-Chef den 28sten November 1793.

Von den Generalen und Stellvertretern empfohlen.


Biographien.

(1806) Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1806.

(1815) Gallerie der merkwürdigsten Personen des Hofes und Cabinets zu St. Cloud. Amsterdam und Cöln, bei Peter Hammer, 1815.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Eduard Adolph Casimir Joseph Mortier.

Schon vor drei Jahren sah das nördliche Deutschland den Marschall Mortier, als den Anführer eines Französischen Heers, welches sich des linken Elbufers bemeisterte. Am Ende des Jahrs 1806 erschien er auch auf dem rechten Ufer dieses Stroms, indem seine Truppen außer Hessen und Hannover, die Hansestädte und die Gegenden des nördlichen Deutschlands besetzten.


Eduard Adolph Casimir Joseph Mortier ist zu Cambray im Departement du Nord geboren. Im Jahre 1791 wurde er als Lieutenant im Carabiner Regiment angesetzt; er verließ dies Corps, um eine Compagnie in dem am 1sten September 1791 errichteten ersten Bataillon der Freiwilligen des Nord-Departements zu übernehmen. Mit dieser befand er sich in den ersten Gefechte des Französischen Revolutions Kriegs, welches am 30sten April 1793 zu Quivrain vorviel, und worin er ein Pferd unter dem Leibe verlor. In den Schlachten bei Jemmapes, Nerwinden, Pellemberg, bei Löwen, bei der Belagerung und Einnahme des Schlosses von Namur, so wie bei der Belagerung von Mastricht bewies er einen Muth und Talente, welche die Aufmerksamkeit seiner Chefs auf ihn zogen.

Bei der Blokade von Valenciennes mit 150 Mann an den Persiaufluss detaschirt, behauptete er sich daselbst 6 Stunden nach der Räumung des Lagers von Famars. Am folgenden Morgen um 4 Uhr stieß er bei Bouchain wieder zur Armee. An dem merkwürdigen Tage bei Hondschooten erwarb er sich den Grad eines General-Adjutanten. Das erste Bataillon du Nord, wozu er gehörte, bedeckte sich bei Eskelbeck mit Ruhm, und bemächtigte sich dieses wichtigen Postens, den die Engländer und Hannoveraner durch Starke Verschanzungen befestigt hatten. Bei der Entsetzung von Maubeuge, am 16ten October 1793, wurde Mortier während der Erstürmung des Dorfes durch einen Kartätschenschuss verwundet. Dies Dorf ward an einem Tage dreimal genommen und wieder genommen. Auch in der Schlacht von Fleurus, und den vorhergehenden Gefechten, bei der Einnahme von Mons, Brüssel und Löwen, und bei der Uebergang über die Roer war Mortier. Er folgte dem General Kleber vom Rhein nach Mastricht, und nahm an der Belagerung dieser Festung einen lebhaften Antheil, indem er insbesondere das Fort Saint Pierre angriff, welches durch Capitulation überging. Dann diente er wieder am Rhein unter dem General Marceau, als dieser bei Neuwied über diesen Strom ging.

Im folgenden Jahre commandirte der General Adjutant Mortier die Vorposten der Avantgarde der Sambre- und Maas-Armee unter den Befehlen des Generals Lefebvre. Er tournirte die Position der Oesterreicher bei Altenkirchen, während Lefebvre sie mit großem Erfolg in der Flanke angriff, und dem Prinzen von Würtemberg 6000 Gefangene und 11 Kanonen abnahm. An der Spitze der Vorposten bewerkstelligte Mortier den Uebergang über die von den Oesterreichern vertheidigte Nidda; er erstürmte mit der Central Colonne der Avantgarde die Anhöhen von Wilnsdorf, und nahm, immer als Befehlshaber der Vorposten des Generals Lefebvre, Gießen ein. Frankfurt ward eingeschlossen. Nach einem Bombardement von einigen Stunden wurde Mortier zu dem Oesterreichischen Obergeneral Grafen von Wartensleben gesendet, um ihm die Vorschläge des Generals Kleber in Hinsicht der Uebergabe dieser Stadt vorzulegen. Am nämlichen tage wurde die Capitulation unterzeichnet.

Hierauf eroberte Mortier nach einem zweistündigen Gefechte Schweinfurt, trieb die Oesterreicher über den Main, und nahm auf Befehl des Obergenerals im Rücken des Generals Wartensleben eine Stellung, die diesen nöthigte, seine Position hinter Würzburg zu verlassen, und sich nach Bamberg zurückzuziehen. Vierzehn Tage nachher trat er in einem Gefechte an die Stelle des verwundeten General-Adjudanten Richepanse, und bewies im Handgemenge eine so seltene Herzhaftigkeit und Kaltblütigkeit, dass der General Kleber in seinem Berichte äußerte: „mit solchen Anführern enthalte man sich die Anzahl seiner Feinde zu zählen.“ Da dieser General die Absicht hatte, die Oesterreicher auf beiden Ufern der Rednitz zwischen Ebermannstadt und Hochstett anzugreifen, so drang die Division Lefebvre über Trugendorff vor. Ein Oesterreichisches Corps von 1200 Mann Infanterie und 600 Pferden nebst einigen Kanonen hielt Ebermannstadt besetzt. Es musste nach einer Stunde weichen, als der General-Adjudant Mortier mit einem Bataillon, vier Escadrons und 2 Feldstücken anrückte, um sich dieses Posten zu bemeistern.

Am Ende desselbigen Jahrs machte Mortier zwei Reisen nach Aschaffenburg, und unterhandelte im Auftrags der Generals Hatry direct mit dem Churfürsten über die Uebergabe von Mainz. Zufolge dieser Negociation wurde diese unschätzbar wichtige Festung ruhig von den Franzosen besetzt. - Nach dem Frieden von Campo Formio schlug der General-Adjudant Mortier den Grad eines Brigadegenerals aus, um das Commando des 23sten Cavallerie Regiments zu übernehmen. Als der Krieg wieder ausbrach, ward er bei der Eröffnung des Feldzugs von 1799 abermals zum Brigadegeneral ernannt. Jetzt nahm er diese Würde an, und verließ sein Regiment, um die Vorposten der Avantgarde der Donau Armee zu commandiren. Diese musste sich zurückziehen. Nur mit einem kleinen detaschirten Corps von 2 bis 3000 Mann blieb der General Mortier vor Offenburg. Hier behauptete er sich geraume Zeit, bis zu dem Augenblicke, da er den Befehl erhielt, sich persönlich zur Helvetischen Armee zu begeben.

Die von ihm befehligte Division zeichnete sich in dem Gefecht bei Wollishofen und in den verschiedenen Actionen aus, die der Einnahme von Zürich vorangingen und folgten. Er war es, der nebst dem General Klein den auf dem linken Rheinufer unternommenen Angriff auf diese Stadt leitete. Dann hielt der General Mortier auch bei Mutten, allein mit seiner Division die Anstrengungen des halben Russischen Heers unter dem General Rosenberg ab. Dieser Kampf gereichte ihm besonders zum Ehre.

Nach der Niederlage Korsakows und dem Fall des Oesterreichischen Generals Hotze, marschirte der Obergeneral Massena selbst mit der vom General Mortier commandirten vierten Division nach Schwitz, um in Muttenthal auf Suworow zu stoßen. Dieser Marsch führte ihn auf das ganze Corps des Generals Rosenberg, welches die Hälfte der Russischen Armee ausmachte. Er beschloss es am folgenden Tage anzugreifen, obgleich er nur die Division des Generals Mortier und eine Halbbrigade von der Division Lecourbe bei sich hatte. Sein Zweck ging dabei weniger dahin, entscheidende Vortheile zu erringen, als vielmehr Suworows's Marsch aufzuhalten, und den von allen Seiten wider denselben anrückenden Verstärkungen, die zur Erreichung ihrer verschiedenen Bestimmungen erforderliche Zeit zu verschaffen.

Zur Rechten und Linken dieses engen Thals wurden auf den Anhöhen Corps aufgestellt, um die allgemeine Bewegung zu unterstützen und die der Gegner zu beobachten. Ihre Positionen wurden auch, ohngeachtet des lebhaftesten Widerstandes, nach einander eingenommen, und die Russen sahen sich nach Mutten zurückgedrängt, wo der Kern ihrer Macht war. Die Division Mortier, die bis zu ihrer Fronte gelangt war, richtete durch ihr Gewehr- und Geschützfeuer eine solche Verheerung unter dem Russen an, dass diese, unvermögend es länger zu ertragen, sich in mehrere starke Angriffs-Colonnen formirten, die sich wie verzweifelnd auf die Division Mortier stürzten. Sie war ihnen an Zahl nicht gewachsen. Die 108te Halbbrigade hielt lange mit beispielloser hartnäckigkeit den Choc von einigen dieser Colonnen aus. Sie war in Schlachtordnung; in geschlossener Colonne fielen die Russen sie mit gefälltem Bajonnet an. Diese Art der Kampfes erhöhete nur ihre Energie. Mitten im Handgemenge bemerkte der General einem Unterlieutenant, der aus der Mitte der Russischen Colonne die Fahne hinwegriss, die sie zum Streite führte. Er ernannte ihn auf dem Schlachtfelde zum Lieutenant.

Inzwischen verstärkten die Russen sich immer mehr; sie erlangten wesentliche Vortheile, indem sie ihre Anstrengungen verdoppelten, und schon waren sie im Begriffe sich de Französischen Position zu bemächtigen, als die Spitze der 67sten Halbbrigade, die vier Stunden früher eintreffen sollte, allein durch ein Mißverständniß aufgehalten worden war, auf dem Kampfplatz erschien. Mit diesem Beistande wurden die Russen abermals auf allen Puncten angegriffen, und endlich mit Verlust zurückgedrängt. Die Franzosen gewannen die verlorne Position wieder, so wie die Kanonen und die Verwunderten, die in die Gewalt der Russen gefallen waren, und nöthigten sie in dem Passe hinter Mutten zu bleiben. Der von Ihnen sehr geschätzte und bedauerte Kosacken-General fiel in diesem Treffen. Der General Mortier, der von den Generalen Bruner und Drouet sehr muthig unterstützt worden war, erhielt hierauf den Auftrag, die Russen mit zwei Brigaden zu verfolgen, die Massena ihm gelassen hatte. Seine Operationen waren mit denen der Division des Generals Loison zu einem gemeinschaftlichen Zwecke berechnet. Zu Feldsberg wurde die Vereinigung der Generale Mortier und Loison bewerkstelligt. Das Resultat ihrer vereinigten Bewegungen war die gänzliche Vertreibung der Russischen Truppen, die sich noch auf dem linken Rheinufer und in Graubünden befanden. Nachher verdrängten diese beiden Generale auch die Oesterreicher aus Graubünden, Vorarlberg und mehrern Gegenden Tirols.

Nach einer so thätigen Theilnahme an den Erfolgen der Helvetischen Armee, erhielt der General Mortier den Befehl über die zweite Donau-Armee, die er nach einigen Monaten wieder verließ, um das Commando der 15ten und 16ten Division (Paris) zu übernehmen, wozu ihn ein Consular-Beschluß vom 25sten Germinal des achten Jahrs berief.

Der Ruhm, der auf dem Felde der Ehre errungen wird, erlangt durch die Vereinigung bürgerlicher Tugend einen noch höhern Glanz. Der General Mortier zeigte sich in den neuen ihm übertragenen Functionen seines Rufs würdig. Er war es, der, wie das Volk und die Armee über die Frage der lebenslänglichen Verleihung des Consulats an Bonaparte berathschlagten, als das Organ der Corps, welche die von ihm befehligte Division ausmachten, dem Kriegs-Minister ihre Stimmen und Wünsche überbrachte.

"Alle, sagte er, Officiere, Unterofficiere und Soldaten, haben einförmig und mit dem Ausbruche des lebhaftesten Enthusiasmus ihre Stimmer für das lebenslängliche Consulat gegeben. Dieser Wunsch was eben so sehr in ihrem Herzen als die Empfindungen der Dankbarkeit und Ergebenheit gegen die erhabene Magistratsperson, die den Sieg so oft an ihre Fahnen gefesselt hat, und der das Vaterland die Stufe des Ruhms, der Macht und des Glücks verdankt, auf welcher es steht. Dies, Bürger Minister, sind die Ausdrücke ihrer Anhänglichkeit an die Person des ersten Consuls; ich mache mir eine Pflicht daraus sie Ihnen zu überbringen."

Ganz Frankreich hatte denselben Wunsch. Als der General Mortier dem ersten Consul seine Glückwünsche darlegte, drückte er sich folgendergestalt aus: "Das Französische Volk hat, indem es Ihnen, General Consul, die höchste obrigkeitliche Würde auf Ihre Lebenszeit übertrug, seine Bewunderung Ihres Genies, und zu der Dauer seines eignen Glücks ausgesprochen. Der Senat hat durch die Annahme der von der Regierung vorgeschlagenen schützenden Einrichtungen das Schicksal der Republik unter die Sauvegarde der Weisheit gestellt. Die Nachkommen, die wie wir die Früchte Ihrer Arbeiten einärndten, werden uns wenigstens um die Ehre beneiden, Zeugen derselben gewesen zu seyn. Die erhabenen Entschließungen des Volks und des Senats haben die Truppen der ersten Militär-Division mit Freude und Enthusiasmus erfüllt. Warum vermögen sie für ihr persönliches Glück nicht das alles das, was ihnen ihr bewegtes Gefühl einflößt! Ihre Wünsche, die die Gränzen des Möglichen überschreiten, würden Ihnen eine Summe des Glücks, die der gleich ist, deren Sie das Vaterland genießen lassen, und Ihren Tagen eine gleiche Dauer mit Ihrem Ruhme zusichern."

Als die Verletzung des Friedens von Amiens die Franzosen im Jahr 1803 wieder unter die Waffen rief, wurde der General Mortier von Bonaparte zum Oberbefehlshaber der Französischen Armee erkohren, die bestimmt war durch die Besitznahme von Hannover England einen empfindlichen Streich zu versetzen. Der General Mortier traf alle Anstalten, den Erfolg dieser Expedition, und im Fall des Widerstandes den Sieg der Französische Waffen zu sichern. Die Armee stieß nach sehr ermüdeten Märschen durch Haiden und Sandflächen auf den, den Franzosen durch seine Tapferkeit schon bekannten General Hammerstein, der mit der Avantgarde von zwei Infanterie, zwei Cavallerie-Regimentern und einer Division Artillerie Diepholz besetzt hielt. Eben als er angegriffen werden sollte, zog er sich in der Nacht zurück, da er sich auf der rechten Flanke durch die vom General Mortier angeordnete Bewegung bedroht sah. Am folgenden Tage kam es zu einem lebhaften Scharmützel zwischen der Hannöverschen Arriergarde und der Französischen Avantgarde. Der General Drouet, der sie anführte, lieferte auch noch zwei tage nachher ein zweites Gefecht, worin das zweite Husaren-Regiment die Linie des 9ten Hannöverschen Regiments leichter Dragoner durchbrach.

Der commandirende General Mortier, der durch seine Spione erfahren hatte, dass die ganze Hannöversche Artillerie auf dem rechten Ufer der Weser vereinigt war, überzeugte sich von der Wichtigkeit einer beschleunigten Bewegung, welche die Communication mit der Hauptstadt aufhöbe. Er ließ seine Reserve-Artillerie anrücken, und die Französischen Truppen waren schon im Marsche nach diesem Strome begriffen, als ihm eine entgegengesandte Deputation durch die am 3ten Junius zu Suhlingen geschlossene Convention das Land und die Mündungen der Elbe und Weser überlieferte. Als aber der König von England diese Capitulation, welche den Hannöverschen Truppen auf dem rechten Elb-Ufer, im Lauenburgschen eine Ruhestätte vergönnte, aus publicistisch-politischen Gründen nicht ratificiren wollte, so erhielt der General Mortier von Napoleon Bonaparte den Befehl ins Lauenburgsche einzudringen, und die concentrirten Hannöverschen Truppen zu desarmiren. Er vollführte diesen Auftrag mit so großer Einsicht, dass schon am 3ten Julius eine neue Capitulation zu Stande kam, nach welcher das Hannöversche Armee-Corps die Waffen niederlegte und sich auflösete.

Nachdem der General Mortier ungefähr ein Jahr lang in Hannover commandirt hatte, ernannte Ihn Napoleon zur Zeit der Entdeckung der letzten Verschwörung zu einem der vier General-Obersten der Garde, bei der er die Artillerie und die Matrosen commandirt. Als er in Paris ankam, ertheilte ihm der Erste Consul öffentliches Lob über die Eroberung von Hannover und die gute Ordnung, die er im Lande und unter den Truppen eingeführt hatte. Bald darauf wurde der General Mortier bei der Gründung des Französischen Kaiserthums zum Reichs-Marschall erhoben. Im vorigen Jahre führte er eines der sieben Armee-Corps wider die Oesterreich-Russischen Heere an. Dies Corps drang so kühn auf dem linken Ufer der Donau vor, dass es bei Krems zu der bekannten hitzigen Affaire kam. In diesem Kriege commandirt der Marschall Mortier das achte Corps der großen Armee, welches den siegreichen Französischen Truppen nachrückte, und das nördliche Deutschland in Besitz nahm.


Marschall Mortier, Herzog von Treviso.

Mortier, Herzog von Treviso, französischer Reichsmarschall.

Dieser General betrat die militärische Laufbahn als Hauptmann in einem Bataillon Freiwilliger seines Departements, ward Obristlieutenant und erhob sich von Stufe zu Stufe bis zum Divisionsgeneral. Den 15. März 1800 erhielt er das wichtige Kommando der 17. Militärdivision (Paris) und in Folge des verunglückten Mordversuchs vom 3. Nivose kam er mit seinem Generalstabe, und wünschte dem ersten Consul Glück, dieser Gefahr entgangen zu seyn. Nach dem Wiederausbruch der Feindseligkeiten mit England 1803, führte er die französischen Truppen beinahe ohne allen Widerstand in das Kuhrfürstenthum Hannover; er nahm verschiedene Maassregeln, um die Plünderung zu verhindern. Nach seiner Zurückkunft aus diesem Lande ward er einer von den vier Generalen der Consulargarde, präsidirte im März 1804 das Wahlkollegium des Norddepartements, wurde den 19 Mai zur Würde eines Reichsmarschalls und sodann zum Chef der zweiten Cohorte der Ehrenlegion erhoben, und erhielt den 1. Februar 805 das rothe Band und nachher den portugiesischen Christorden. Im September übernahm er das Kommando einer Division der grossen Armee, ging im Oktober auf das linke Donauufer, und wurde in dem blutigen Gefecht von Dürnstein geschlagen. In dem Krieg mit Preussen nahm er am 1. November von den Kuhrhessischen Landen Besitz, zog sich sodann durch das Hannövrische an die Küsten der Ostsee, besetzte die Hansestädte und leitete die Feindseligkeiten gegen Schweden, bis ihn der Kaiser Napoleon gegen Ende des Feldzugs zur grossen Armee rief, wo er vornehmlich zu dem Siege bei Friedland beitrug. Im Oktober 1808 kehrte er nach Frankreich zurück, nachdem er früher zum Herzog von Treviso ernannt war. Späterhin kommandirte er ein Korps in Spanien.

Mortier ist einer von den wenigen Favorit-Officieren Bonaparte's, die sich unter seinen Heldenruhms-Rivalen Pichegrü und Moreau hervorgethan haben, ohne dass sie jemals unter ihm selbst gedient hätten.

Mortier ist der Sohn eines Krämers, und im Jahre 1768 zu Cambray gebohren, wo er als Ladendiener bis ins Jahr 1791 bei seinem Vater stand.

Das erstemal, dass er einen Feind zu sehen bekam, war am 30. April 1792. Dies geschah bei Quievrain, wo ihm ein Pferd unter dem Leibe todtgeschossen wurde Nachher wohnte er den Schlachten bei Jemappes, bei Neerwinden und bei Pellenberg bei. In der Schlacht bei Honscote zeichnete er sich so rühmlich aus, dass er zum General-Adjudanten befördert ward. In der Schlacht bei Fleurus ward er verwundet, und bei dem Uebergang über den Rhein 1795, unter dem General Moreau, wiederfuhr ihm dieses abermals. Während der Jahre 1797 und 1798 hat er ununterbrochen in Deutschland gedient; aber in den Jahren 1798 und 1799 stand er in der Schweiz an der Spitze einer Division. Aus der Schweiz rief ihn im Jahr 1800 Buonaparte zurück, die Truppen in der Hauptstadt und den umliegenden Gegenden zu kommandiren.

Seine Anreden an Buonaparte'n, da er ihm die Stimmen der unter seinem Kommando stehenden Truppen in Betreff des lebenslänglichen Consulats, und hernach der Erhebung auf den Kaiserthron berichtete, enthalten eine so niedrige und verächtliche Schmeichelei, dass es bei einem ächten Soldaten mehr Selbstverläugnung und Muth erfordert haben muss, sie auszusprechen, als dem Feuer von hundert Kanonen entgegen zu gehen; aber freilich erwarb er sich durch diese Anreden, so verachtenswerth auch ihr Inhalt ist, den Marschallsstab.

Mortier kannte wohl seinen Mann, und wusste also, dass ihm seine Kriecherei in Antichambern besser belohnt werden würde, als seine Dienste im Felde. Ich selbst bin nicht dabei gewesen, da Mortier so schändlich gesprochen hat; aber ich habe mir von Leuten, welche Augen- und Ohrenzeugen bei diesem Gaukelspiele gewesen sind, sagen lassen, er hätte die ganze Zeit über die Augen auf den Boden geheftet gehabt, als wollte er sagen: "ich geb' es zu, dass ich wie ein nichtswürdiges Wesen rede, und räume auch ein, dass ich dieses bin, aber was kann ich thun, da mich die ehrsüchtige Begirde quält, eine Figur unter den Grossen zu machen, und mit dem Reichen zu schwelgen? Habt Mitleiden mit meiner Schwachheit, oder habt ihr keine, so muss und will ich mich mit dem Gedanken trösten, dass meine Niederträchtigkeit nur eine halbe Stunde dauerte, dagegen aber der Lohn dafür -- mein Rang -- von bleibender Dauer seyn wird."

"Mortier hat im Jahe 1799 (so erzählt die geh. Geschichte des Hofes von St. Cloud,) die Tochter eines Koblenzer Gastwirths, geheirathet. Sie ist artig, aber nicht eigentlich schön, und nutzt die Gefälligkeit ihres Eheherrn, sich sowohl über seine Abwesenheit, als über seine Treulosigkeiten zu trösten. Da sie mit ihrem letzten Kinde niederkam, erklärte sich Mortier rund heraus, dass er 'n Jahr und Tage nicht bei ihr geschlafen habe, und in der That hat das Püppchen nicht so viel Aehnlichkeit mit ihm, als mit seinem Valet de Chambre. Indessen wurde doch dieses Kind mit grosser Pracht getauft; die Pathen waren der Kaiser und die Kaiserinn; die Taufhandlung verrichtete der Cardinal Fesch, und Buonaparte beschenkte bei dieser Gelegenheit die Wöchnerinn mit einem diamantenen Halsbande, dessen Werth auf hundert und fünfzig tausend Livres geschätzt ward."

"Er hat sich während seiner verschiedenen Feldzüge und besonders während seines glorreichen Feldzugs im Hannövrischen, ein Vermögen zu dem Belaufe von sieben Millionen Livres gesammelt, die in Herrschaften und Ländereien angelegt sind, Von andern Generalen wird er für einen braven Hauptmann, aber nur für einen mittelmässigen Chef gehalten, und bei unsern Mode-Knechten und Hofschranzen gilt er für ein Muster von ehelicher Treue, weil er sich begnügt, nicht mehr als drei Mätressen zu halten."


Eduard Adolph Casimir Mortier, Herzog von Treviso.

Mortier (Eduard Adolph Casimir), Marschall von Frankreich, Duc de Trevise.

Mortier betrat die militärische Laufbahn als Hauptmann in einem Bataillon Freiwilliger seines Departements, ward Obristlieutenant und erhob sich Stufe zu Stufe bis zum Divisionsgeneral.

Den 15ten März 1800 erhielt er das wichtige Commando der 17ten Militärdivision (Paris) und zeigte seine Anhänglichkeit an Bonaparte unter andern auch nach dem verunglückten Versuch auf das Leben des ersten Consuls am 3ten Nivose, indem er ihm an der Spitze seines Generalstabes Glück wünschte, dieser Gefahr entgangen zu seyn.

Nach dem Wiederausbruch der Feindseligkeiten mit England 1803 besetzte er fast ohne allen Widerstand das Churfürstenthum Hannover.

Nach seiner Rückkunft aus diesem Lande ward er einer von den vier Generalen der Consulargarde, präsidirte im März 1804 das Wahlcollegium des Norddepartements, wurde den 19ten Mai zum Würde eines Reichsmarschall und sodann zum Chef der zweiter Cohorte der Ehrenlegion erhoben, und erhielt den 1sten Februar 1805 das rothe Band und nachher den portugiesischen Christorden.

Im September übernahm er das Commando einer Division der großen Armee, ging im October auf das linke Donauufer und wurde in dem blutigen Gefecht von Dürnstein geschlagen.

In dem darauf folgenden Kriege mit Preussen nahm er am 1sten November das Churfürstenthum Hessen in Besitz, zog sich sodann durch das hannövrische an die Küsten der Ostsee, besetzte die Hansestädte, und leitete die Feindseligkeiten gegen Schweden, bis Napoleon ihn gegen Ende des Feldzugs zur großen Armee berief, wo er an der Schlacht bei Friedland Antheil nahm.

Er wurde zum Duc de Trevise ernannt, kehrte 1808 nach Frankreich zurück, commandirte sodann in Spanien, seit 1812 in Rußland, Deutschland und Frankreich bis zur Thronentsagung Napoleons.

Im März 1815 begleitete er den König auf seiner Flucht, bis an die Gränze Belgiens und ging dann wieder nach Paris zurück.

1816 erhielt er die Gouverneursstelle bei der 15ten Militär-Division.


Die Wetterfahnen Frankreichs.

Mortier. Zu Dünkirchen geboren. Bewies sich in der Schlacht bey Jemappes als einer der besten Generale der Republik. Der Kaiser ernannte ihn zum Marschall, Herzog von Treviso, Grossoffizier des Reichs; Grosskreuz der Ehrenlegion und Kommandirenden en chef der Südarmee in Spanien. Der König ernannte ihn zum Pair von Frankreich; zum Ludwigsritter (I. 4. Juny 1814), und zum Gouverneur der sechsten Militairdivision zu Lille. Wie er sich in dieser Eigenschaft und später benommen, erhellt aus nachstehendem Zeitungsartikel:

"Gestern vor der Messe, wartete der von Lille eingetroffene Herzog von Treviso dem Kaiser auf. Dieser Marschall hat durch seine Festigkeit und zweckmässigen Maassregeln, Lille dem Kaiser erhalten. Die Prinzen hatten beabsichtet, den Theil der Königlichen Haustruppen, auf den sie sicher bauen konnten, in diese Festung zu werfen. Dieser Plan scheiterte an dem Patriotism des Marschalls und der Garnison, die fest entschlossen waren, durchaus keine Truppen, die dem Kaiser nicht unbedingt ergeben wären, in die Stadt einzunehmen."
(Journal de l' Empire vom 28. März 1815.)

Für diese Treue wurde der Marschall von Napoleon zum Pair von Frankreich ernannt. (Kaiserl. Dekret vom 4. Juny 1815.)

Der Marschall hatte die Ehre gehabt, am 30. April 1814 zu Compiegne mit dem Könige zu speisen; er speiste auch am 27. März 1815 in den Palais des Tuileries mit dem Kaiser.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1806.
  • Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.
  • Gallerie der merkwürdigsten Personen des Hofes und Cabinets zu St. Cloud. Amsterdam und Cöln, bei Peter Hammer, 1815.
  • Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.