Étienne-François Le Tourneur

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Stephan Franz Ludwig Honorius la Tourneur.

Stephan Franz Ludwig Honorius la Tourneur, gebohren zu Granville, im Departement von la Manche, den 15 März 1751; dermalen also 46 Jahre alt.

Sohn eines Chef de Bureau, der das AdelsDiplom ausschlug welches der Herzog von Choiseul, der ihn sehr schäzte, ihm anbot. Von diesem verdienstvollen Manne erzogen, bestimmte le Tourneur sich für das Genie, und schon im Jahre 1768 trat er in dis Korps ein. Er war Hauptmann, als die Revolution anfieng. Zu St. Germain ward er zum Commandanten einer Compagnie NationalGarden ernannt; dann begab er sich nach Cherbourg, um seinen Dienst als Ingenieur zu versehen; ward daselbst Präsident einer VolksGesellschaft, und hierauf Deputirter zur gesezgebenden Versammlung. Man ernannte ihn darin zum Präsidenten des SeeAusschusses; er erhielt den Auftrag, die Arbeiten des Lagers bei Paris zu dirigiren; bald darauf ward er zur Beaugenscheinigung der Küsten des MittelMeers, und von da aus zur OstPyrenäenArmee abgeschikt: überall war er nüzlich, ohne irgend eine Klage gegen sich zu veranlassen. Nachdem er Mitglied der ersten NationalVersammlung gewesen, ward er auf's neue in den NationalConvent erwählt: während der 15 Monde der Robespierrischen Tyrannei lebte er im Dunkeln; er erschien wieder mit der Freiheit, und ward an die Spize des KriegsAusschusses gestellt, bis die Wahl ihn traf, einer von den 5 Directoren zu seyn. . . . Liebenswürdige Einfachheit charakterisirt seine Sitten und seinen Geschmak; Feind der Royalisten, aber mehr noch der revolutionären Kannibalen; bis izt unangetastet von Verläumdern; einer aus der kleinen Zahl von Franken, denen der Name Republikaner in seinem wahren Sinne anpaßt.


Letourneur.

Einfache Sitten, eine sprechende Ordnungsliebe, Ruhe und Mäßigung bey den tobendsten Begebenheiten, waren die Eigenschaften, mit welchen Letourneur das Amt eines Directors antrat. Im Schooße der Verführung und der Trugbilder der Macht, hatte er den Muth, sie zu behaupten. Dennoch hatte sein Character nicht Festigkeit genug, um alles Gute hervorzubringen, was er bey diesen Eigenschaften hätte bewirken können. Er hätte, wenn er die Kraft sie zu bestreiten gehabt, nicht an Handlungen, zu denen er blos aus Weichlichkeit seine Zustimmung gab, Antheil genommen.

Letourneur wurde am 15 May 1751. zu Granville geboren. Als die Revolution ausbrach, war er Chef eines Ingenieur-Bataillons zu St. Germain en Laye. Als Kommandeur einer Compagnie der Nationalgarde trug er viel zur Erhaltung des Disciplin und der öffentlichen Ruhe bey. Bey seiner Zurückkunft zu Cherbourg wurde er zum Wahlherrn und nachher zum Deputirten der gesezgebenden Versammlung ernannt. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Seewesen, und erschien nur dann auf dem Tribunal, wenn er in dieser Hinsicht etwas zu rapportiren hatte. Als die Gefahr, in welcher das Vaterland schwebte, ein Lager bey Paris nothwendig machte, wurde ihm die Oberaufsicht über dieses Lagers aufgetragen. Nachdem es ihm gelungen war, dort alles ohne Verwirrung zu beenden sandte man ihn als Inspecteur nach den Küsten des mittelländischen Meeres, und als der Krieg mit Spanien erklärt wurde, gieng er nach den Pirenäen, stand den Bedürfnissen der Armee vor, und stellte das Lager der Eintracht den Fortschritten des Feindes entgegen. Nach dem 8 Thermidor bekam er die Stelle eines Präsidenten im National-Konvent, und die eines Mitgliedes des Wohlfahrts-Ausschusses, welche ihm die Direction der bewaffneten Macht in Paris anvertraute. Bey seiner Erhebung zum Director erhielt er öffentliche schmeichelhafte Beweise von der Zufriedenheit des Volkes. Man sah ihn mit Vergnugen auf einer Stelle, auf welcher man mehr von seiner Moralität als von seinen Talenten hofte. Unglücklicher Weise machte die Neutralität, in der er sich erhielt, daß er bald vergessen wurde. Am 30 Floreal im 8ten Jahre d. R. wurde er durch das Loos seiner Stelle entsezt und nur seine Freunde, die er in jeder Lage zu erhalten verdiente, betrauerten seinen Verlust.


Karl Ludwig Franz Honor. Letourneur.

Letourneur (Karl Ludwig Franz Honor.) geboren 1751 zu Grenville aus einer wohlhabenden bürgerlichen Familie, machte bey guter Zeit Fortschritte in der Mathematik, trat 1768 in das Geniekorps und stieg darin bis zum Hauptmann.

Bey dem Ausbruche der Revolution war er in Cherburg angestellt, zeigte sich der Volksparthey zugethan und wurde im September 1791 zum Deputirten bey der Gesetzgebung ernannt, wo er selten die Tribune bestieg. Er legte bloß einige Berichte über das Seewesen vor und erhielt im Herbst 1792 die Leitung der Arbeiten in dem Lager bey Paris. Als Mitglied des Konvents votirte er Ludwigs XVI. Tod, arbeitete fleißig im Militärausschusse, stattete häufige Berichte über die Armeen ab, und half vornemlich die Armee der östlichen Pyrenäen organisiren, welche wiederhohlten Verlust erlitten hatte.

Zu Ende des Oktobers 1795 wurde er, nebst Barras und Carnot, zum Mitglied des Direktoriums ernannt und bewilligte im May 1797, als eines der Mitglieder aus dem Direktorium treten sollte, daß das Loos ihn traf. Er erhielt zur Entschädigung die Stelle eines Generalinspekteurs der Artillerie, und wie man ziemlich allgemein geglaubt hat, eine Summe in klingender Münze. Sodann ging er als bevollmächtigter Minister nach Lille, um mit dem englischen Bothschafter zu unterhandeln, wurde aber noch dem 18. Fructidor zurückberufen.

Die Konsuln ernannten ihn 1800 zum Präfect der Nieder-Loire, von welcher Stelle man ihn 1804 zurückberief.


Quellen und Literatur.

  • Europäische Annalen Jahrgang 1797 von D. Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1797.
  • Französische Miscellen Erster Band. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung 1803.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.