Étienne Jacques Joseph Macdonald

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Macdonald, (Stephan Jakob Joseph Alexander)

Lieutenant in der Legion von Maillebois im J. 1784; Kadet beim 87sten Regiment im J. 1787; General-Adjutant; Divisions-General den 24sten November 1793.

Vortreflicher Offizier, den man bei der Armee zu behalten suchen muß.


Biographien.

(1801) Taschenbuch für die neuste Geschichte herausgegeben von D. Ernst Ludwig Posselt. Siebenter Jahrgang. Nürnberg, in der Bauer- und Mannischen Buchhandlung. 1801.

(1802) Historisch-Chronologische Darstellung des wichtigen Feldzugs in Deutschland vom Jahre 1800. Von Franz Eugen Reichsfreyherrn von Seida und Landesberg. Leipzig 1802.

(1811) Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Stephan Jacob Joseph Alexander Macdonald.

Stephan Jacob Joseph Alexander Macdonald ist der Abkömmling einer sehr bekannten Familie dieses Namens in Schotland; er selbst ward in Frankreich geboren und erzogen. Im Jahr 1784 trat er als Lieutnant in die Legion Maillebois, und während seines damaligen Aufenthalts in Holland erwarb er sich einige Kenntniß der teutschen Sprache. Im Jahr 1787 ward er Cadet beim 87 Regiment.

Macdonald.

Als der Revolutionskrieg ausbrach, kam er zur NordArmee, wo er unter Dumouriez als GeneralAdjutant diente. In dem berühmten Feldzug von 1794, in welchem die Franken unter Pichergru's Anführung, ganz Belgien und Holland eroberten, stand er als BrigadeGeneral bei der ersten Division (Souham), die nahe an 30,000 Mann enthielt. Er zeichnete sich durch grose militairische Talente und durch kühne Kaltblütigkeit aus. Dieser seiner Kaltblütigkeit hatten die Franken den Sieg bei Hooglede (13 Jun.) zu danken, der den Fall von Ypern zur Folge hatte, und eben dadurch dem weitern Fortlaufe des Feldzuges jenen kühnen Schwung gab. Er war von dem Repräsentanten St. Just abgesezt worden; "wir müssen," hatte St. Just gesagt, "nur feurige Republikaner haben, und Macdonald hat weder die Figur noch den Namen eines Republikaners;" aber der Repräsentant Richard ließ den Beschluß seines Collegen nicht vollziehen, und Macdonald sezte seinen Dienst fort. Bald nachher ward er DivisionsGeneral bei der NordArmee.

Im Jahre 1798 kommandirte er eine Zeitlang in Rom, bis zu Anfang Novembers der General Championnet dort eintraf, um den OberBefehl der Armee von Rom zu übernehmen. Bei dem unmittelbar darauf erfolgten Ausbruch des Krieges mit Neapel, war es Macdonald's Division, die bei Otricoli zuerst die neapolitanischen Truppen auf eine Art schlug, daß sie nachher nirgends mehr Stand hielten. Als bald nachher dem General Championnet wegen seiner Irrungen mit dem Commissair Faipoult das Kommando der Armee von Neapel abgenommen wurde, erhielt Macdonald dasselbe; doch war er dabei den Befehlen Scherer's, und nachher Moreau's untergeordnet. Sein Rükzug von Neapel gehört unter die schwierigsten Unternehmungen dieser Art, die jemals ausgeführt wurden; so wie seine Schlacht an der Trebia, obgleich für ihn unglüklich, doch eine der hartnäkigsten des Krieges war, und ihn nicht verhinderte, sich mit der Armee von Italien zu vereinigen.

Er beklagte sich damals, daß das VollziehungsDirectorium seinen AmtsBerichten über diese Vorfälle keine Publizität gegeben hätte, und versprach selbst eine Geschichte seines Feldzuges zu liefern, die aber bis izt noch nicht erschienen ist.

Um ihm einen Beweis seiner Achtung und seines Zutrauens zu geben, und dadurch das Gerüchte zu widerlegen, als ob die Schuld, daß die beiden fränkischen Armeen in Italien nicht ihre Vereinigung in den Ebenen von Tortona bewirken konnten, an seine verspäteten Märschen läge, ernannte ihn der General Moreau, sobald er den OberBefehl über die RheinArmee erhalten hatte, im Nov. 1799, zu seinem GeneralLieutnant.

Macdonald nahm jedoch diese Stelle nicht an, sondern blieb in Paris, wo er bei der Revolution vom 18 Brumaire, durch welche Bonaparte sich an die Spize der fränkischen Regierung schwang, sich unter den Generalen befunden hatte, die an diesem merkwürdigen Tage die verschiedenen Posten in Paris kommandirten.

Im Feldzuge vom Jahr 1800 ward er zum OberGeneral der zweiten ReserveArmee angestellt, die nachher den Namen der Armee von Graubünden erhielt. Sein Zug über den Splügen, an der Spize dieser Armee, mitten im Winter, ist das gröste Wagestük dieser Art im ganzen Laufe des Krieges.

Offiziere, die ihn näher kennen, sprechen mit einer Art von Bewunderung von den Talenten dieses noch jungen Mannes.


Stephan Jakob Joseph Macdonald.

Stephan Jakob Joseph Macdonald gehört zu einer sehr bekannten Familie dieses Namens in Schottland, die in den Reisen durch diesen Theil von Großbrittanien oft genannt wird; er selbst wurde in Frankreich geboren und erzogen. Im Jahre 1784 trat er als Lieutenant in die Legion von Maillebois, brachte als solcher ein paar Jahre in Holland zu, und machte sich während seines dortigen Aufenthalts mit der teutschen Litteratur uns Sprache ziemlich bekannt. Er ist ein junger feuriger und ruhmbegieriger Mann, der nach seinem Aeußern nicht über 38 Jahre alt seyn kann, voll militärischer Talente und hat selbst Kenntnisse in der Taktik. In den Feldzügen dieses unseligen Krieges, wie es noch keinen gab, besonders in den Niederlanden und in Italien hat er sich als einen erfahrnen, rastlosen und unternehmenden Kriegsmann, zugleich aber auch als einen gebildeten, sehr humanen und klugen Oberbefehlshaber erprobt. -- Im Jahre 1787 kehrte er nach Frankreich zurück und ward Kadet beym 87. Regiment.

Als der Revolutionskrieg ausbrach, nahm ihn der General Dumouriez, der die Nordarmee en Chef kommandirte, als Generaladjutant auf. Den berühmten Feldzug von 1794 machte er in der Würde eines Brigadegenerals von der ersten Division (Souham) mit. Ob er gleich die stärkste Kolonne der Nordarmee befehligte,leitete er doch auch die Bewegungen der Division Jardon, und zeichnete sich durch tiefe Einsichten und durch kühne Kaltblütigkeit sehr vortheilhaft aus. Dieser seiner Kaltblütigkeit hatten die Franzosen den Sieg bey Hooglede (am 13. Juny) über den tapfern Clairfayt zu danken, der sie zu Herren von Ypern und Westflandern machte. Hätte Macdonald sich nicht hier befunden, so wären die nachherigen Erfolge größtentheils verloren gegangen. Seine Brigade, welche die Ebene von Hooglede besetzt hielt und rechts keine Stütze mehr hatte, wurde in der Fronte und im Rücken angegriffen, und befand sich in einer so schlimmen Lage, daß jeder andere als Macdonald die Retraite hätte schlagen lassen, aber dieser tapfere Schotte hielt den ersten Anfall mit außerordentlicher Hartnäckigkeit aus. Bald wurde er von der Brigade de Winter verstärkt, und diese beyden Kolonnen schlugen sich nun mit solcher Erbitterung herum, daß die Oesterreicher zum Weichen genöthigt wurden.

St. Just setzte den General Macdonald ab, unter dem elenden Vorwande, daß er in den Volksgesellschaften nicht mit schreie und also kein Patriot seyn könne, zumal er kein Gesicht habe, wie die Leute in den Revolutionsausschüssen, und einen schottischen Namen führe. "Ich weiß nicht, ob er im Grunde seines Herzens Republikaner ist -- sagte Souham zu ihm -- denn ich kein in seiner Seele nicht lesen; aber ich weiß, daß er ein vortreflicher Offizier ist, welcher bey allen Gelegenheiten der Republik sehr gut gedient hat, und ich stehe mit meinem Kopfe dafür, daß er ihr, statt sie zu verrathen, als ein guter, tapferer Krieger dienen wird." Wir dürfen nur -- erwiederte St. Just -- wohl anerkannte, feurige Republikaner haben, und Macdonald hat weder das Gesicht noch den Namen eines Republikaners. Die Absetzung wurde daher ausgesprochen; aber nicht allein die Kammeraden Macdonald's standen ihm muthig bey, in einer Zeit, wo nichts so gefährlich war, als die Partie eines rechtschaffenen Mannes zu nehmen; sondern selbst der Volksrepräsentant Richard ließ den Beschluß seines Kollegen nicht vollziehen, und schützte und erhielt Macdonald auf seinem Posten. Am 24. November 1794 ward er zum Divisionsgenerale ernannt.

Im Jahre 1798 befehligte er eine Zeitlang in Rom, bis zu Anfang Novembers der General Championnet dort eintraf, um den Oberbefehl der Armee von Rom zu übernehmen. Bey dem unmittelbar darauf erfolgten Ausbruch des Kriegs mit Neapel war es Macdonald's Division, die bey Otricoli zuerst die neapolitanischen Truppen auf eine Art schlug, daß sie nachher nirgends mehr stand hielten. Als aber nachher dem General Championnet wegen seiner Irrungen mit dem Kommissär Faipoult das Kommando der Armee von Neapel abgenommen wurde, erhielt Macdonald dasselbe; doch war er dabey den Befehlen Scherer's, und nachher Moreau's untergeordnet.

In eben diesem Feldzuge von 1799 erwarb er sich durch die Rettung seiner ganz abgeschnittenen Armee in Italien nicht geringen Ruhm. Man weiß, unter welch schwierigen Umständen er seinen Rückzug von Neapel bewirken mußte. Die blutige Schlacht an der Trebia, obgleich für ihn unglücklich, verhinderte ihn doch nicht, sich mit der Armee von Italien zu vereinigen. Suwarow grif die Franzosen am 18. Juny an, schlug sie trotz ihrer verzweifelten Gegenwehr, und warf sie über die Trebia zurück. Dies hielt den General Macdonald nicht ab, am 19. abermals rasch über diesen Strom zu gehen und den linken Flügel der Oesterreicher zu überfallen. Dieser wurde zurückgeworfen und bald war die Schlacht allgemein. Abends wurde Macdonald erst zum Rückzuge genöthigt. Mit beyspielloser Ausdauer drang Er um 10 Uhr abermals vor, um den Sieg zu ertrotzen; allein er fand auch hier wieder sein Ziel, und mußte sich endlich mit seiner auf die Hälfte geschmolzenen Armee über die Gebirge in's Genuesische zurückziehen.

Er beklagte sich damals, daß das Vollziehungsdirektorium seinen Amtsberichten über diese Vorfälle keine Publizität gegeben hätte und versprach selbst eine Geschichte seines Feldzuges zu liefern, die aber bis itzt noch nicht erschienen ist. Um ihm einen Beweis seiner Achtung und seines Zutrauens zu geben, und dadurch das Gerüchte zu widerlegen, als ob die Schuld, daß die beyden fränkischen Armeen in Italien nicht ihre Vereinigung in den Ebenen von Tortona bewerkstelligen konnten, an seinen verspäteten Märschen läge, ernannte ihn der General Moreau, sobald er den Oberbefehl über die Rheinarmee erhalten hatte, im Nov. 1799, zu seinem Generallieutenant. Macdonald nahm jedoch diese Stelle nicht an, sondern blieb in Paris, (wo er bey der Revolution vom 18. Brümaire, als Bonaparte das Ruder des französischen Staates ergrif, der, gleich einen lecken Schiffe auf dem stürmenden Ozean zwischen Felsen den nahem Untergang dräute, sich unter den Generalen befunden hatte, die an diesem merkwürdigen Tage die verschiedenen Posten in Paris kommandirten).

Am 24. Oktob. dieses Jahrs (1800) ward er hierauf, wie wir bereits oben erwähnten, zum Obergeneral der zweyten Reserve oder Graubündner Armee ernannt.


Der Marschall (Macdonald), Herzog von Tarante.

Schon längst war Macdonald unter den vorzüglichsten Feldherren der französischen Armee genannt. Militärischer Scharfblick und Bravour hatten ihm vorzüglich in Italien einen Namen erworben. Die blutige Schlacht an der Trebia, in welcher er drey Tage lang mit geringen Kräften, Suworows Kriegsglück zweifelhaft machte, hatte ihn mit Wunden und Ruhm bedeckt, und, wiewohl er überwunden worden war, sein großes Feldherrntalent beurkundet. -- Würdig, in dem glänzenden Range der ersten Heerführer Frankreichs zu stehen, begrüßte ihn sein Kaiser nach der Schlacht von Wagram, die den Krieg 1809 endigte, auf dem Siegesfelde als Marschall des Reiches, und erhob ihn bald darauf zum Herzog von Taranto.


Stephan Jacob Joseph Alexander Macdonald, von irländischer Herkunft, wie sein Name bezeugt, aber in Frankreich (17ten November 1765) zu Santerre geboren und erzogen, trat als Jüngling in die Kriegsdienste seines neuen Vaterlandes, da der General-Lieutenant Graf von Maillebois im Jahre 1784 von seinem Hofe nach Holland geschickt ward, um die antioranische Parthey gegen den Erbstatthalter und Preußen zu unterstützen. Er ward mit Lieutenantsrang in der Legion Maillebois angestellt, und im Jahr 1787 beym 87sten Linien-Infanterie-Regimente. In dieser subalternen Rolle weihete er sich mit seltenem Eifer dem Studium der Kriegeskunst, in welcher er sich einst verewigen wollte. Frankreich war damals viel zu sehr mit seinen verworrenen Finanzen beschäftigt, um sich in Kriege zu verwickeln. Macdonald studirte die Schlachten der Alten, bis einst der große Tag erscheinen würde, welcher ihm selbst die blutige Heldenbahn aufschlösse. Nur zu früh für das Glück der Welt kam dieser Tag mit dem Ausbruche der französischen Revolution.

Die werdende Republik von vielen ihrer vorzüglichsten Land- und Seeofficieren verlassen, schuf neue Armeen, und stellte ohne Unterschied die talentvollsten Männer an die Spitzen der kaum gebildeten Brigaden. Macdonald, welcher der Republik treu blieb, und für den ein schon zehnjähriger Militärdienst ehrenvoll sprach, wurde im Jahr 1793 zum Brigade-General ernannt und mit dem Anfange des Jahres 1794 der Nordarmee zugetheilt, welche Pichegru über die lorbeerreichen Schlachtfelder von Cortryk, Tourcoing, Tournay und Herzogenbusch erobernd nach Holland führte. Bald stand Macdonald bey dem Vortrabe, bald vertrauete ihm Pichegru das Commando eines detaschirten Corps an. Er hatte am Ruhme seines Oberfeldherrn keinen geringen Theil. Er war es, durch dessen Schlauheit und Muth der Weg durch Flandern oft gebahnt ward; er war es, der die Posten von Cammines-Nord, von Warneton und Warvik wegnahm, und nachmals die Einnahme von Ostfriesland befehligte. Diese kurze Zeit voll Ruhm und Thaten galt ihm ein langes Dienstalter. Schon am 28sten November 1794 wurde er zum Divisions-General erhoben.

Als solcher commandirte er anfangs zu Düsseldorf und Kölln, kam dann zur Rhein-Armee, und ward endlich der Armee in Italien zugegeben, wo Napoleon Bonaparte, selbst kaum seit einigen Jahren Feldherr, den Glanz der Alten vernichtete, und eine Schule neuer großer Heerführer bildete. Auch Macdonald drängte sich zu den Fahnen des Eroberers von Italien, und gewann seine Aufmerksamkeit, bald sein Vertrauen. Er blieb auch nach dem Frieden von Campo Formio in Italien, und commandirte bey der Einnahme von Rom und dem Kirchenstaate unter Berthier's Anführung. Es ist bekannt, wie gleich nach Besetzung des Kirchenstaates im Februar 1798 das Vollziehungs-Directorium Rom revolutionirend in eine Republik verwandelte, und den Papst aller weltlichen Herrschaft beraubte. Macdonald empfing das Conmando von Rom, und leitete die politischen Operationen des römischen Consulats, dessen Name nur an die Tage des Alterthums zu mahnen schien, um die Versunkenheit dieser einst weltgebietenden Stadt desto auffallender darzustellen. Der französische General arbeitete mit vergeblichen Anstrengungen, dieser Schattenrepublik Kraft und Wesen zu geben. Aufwieglerische Priester suchten sie mit fanatischen Predigten zu vernichten; Macdonald ließ die Gefährlichsten entfernen. Ohne Finanzen, ohne Kredit, ohne Hülfsquellen drohte der junge Freystaat von selbst nahen Einsturz, Macdonald erzwang den Umlauf römischer Assignate; ohne eigene Heere und Bewaffnung war Rom dem Spott und Drohen Neapels ausgesetzt, Macdonald ordnete die Bildung römischer Milizen an.

Doch bald ward er für immer aus diesem Wirkungskreise gerissen. Neapel rüstete den Krieg. Der österreichsiche General Mack, dessen Unglück ihn berühmter, als seine flüchtige Siege gegen Rom, gemacht hat, war an der Spitze von 50,000 Neapolitanern im November 1798 gegen den schwach besetzten Kirchenstaat vorgedrungen. Der französische Obergeneral Championnet sammelte die durch Italien zerstreut stehenden Truppen seiner Republik. Auch Macdonald mußte Rom verlassen und sich mit ihm vereinigen. Sobald Championnet stark genug war, seinem Gegner die Spitze zu bieten, marschirte er ihm entgegen. Bey Trento, Montarossi und Baccano, wurden de Neapolitaner geschlagen; bei Calvi und Civita-Castellana wurden zwey ihrer Armeecorps aufgerieben, und Macdonald zog schon am 14ten December in Folge seiner Siege wieder in die Thore Roms ein, nachdem er die Stadt kaum drey Wochen verlassen hatte. -- Die Zerstörung der neapolitanischen Armee, die Gefangennahme Mack's, die Flucht des Hofes von Neapel nach Sicilien, die Verwandlung des Königreichs Neapel in eine ephemere parthenopeische Republik, waren die Folge der schnellen Siege, welche man allgemein weniger dem Obergeneral Championnet, als der Klugheit des unter ihm commandirenden Macdonald zuschrieb.

Wirklich hatte Championnet bey Fleurus, bey der Einnahme von Würzburg, und bey vielen andern Gelegenheiten, als Divisions-General große Talente gezeigt; dennoch schien er Macdonald's überlegene Geisteskraft zu fühlen, und die Armee, wie die Regierung, erkannte das Verdienst Macdonald's laut an. Auch empfing dieser, nach Championnet's Absetzung im Frühjahr 1799, den Oberbefehl über die französische Armee zu Neapel.

Während er sich noch gegen den Cardinal Ruffo und die Calabresen Meister von ganz Unter-Italien zu machen suchte, hatten in Ober-Italien der schreckliche Suworow mit seinen Russen, und Melas, Obergeneral der österreichischen Armee, die Hälfte von Bonaparte's Schöpfungen zerstört. General Scherer war schon bey Magnano geschlagen, Serrurier hatte bei Cassano die Waffen strecken müssen, Mayland, selbst Turin fielen in die Hände von Frankreichs Feinden, und nur Moreau, der Zauderer, rettete durch kluge, löwenhafte Vertheidigung noch Frankreichs eigene Grenzen. Zu spät hatte Scherer die neapolitanische Armee zu Hülfe gerufen, aber beym ersten Rufe machte sich Macdonald mit seinem Heere auf, und durchzog im Fluge die ganze Halbinsel Italien. Auf seinem Marsche nahm er alle französische Truppen, wo er sie fand, an sich; aber als er Nord-Italien erreicht hatte, sah er sich überall durch den Feind abgeschnitten. Moreau erwartete nun ihn, um dann mit doppelter Kraft gegen Suworow und Melas vorrücken zu können; aber diesen lag alles daran, die Vereinigung unmöglich zu machen.

In der That ward Macdonald schon für verloren gehalten; es herrschte schon allgemein der Glaube, er sey umringt, als er mit unglaublicher Kühnheit plötzlich durch Toskana hervorbrach, und mit seinem kleinen, von langen Märschen ermüdeten, Heere sich gegen den linken Flügel der Alliirten warf, indem er denselben im Rücken angriff. Dieser That geschah am 12ten Junius 1799, im Angesichte der Stadt Modena. Die Oesterreicher, unter Hohenzollern's Befehl, wurden von ihm geschlagen; dann marschirte er am 14ten auf Parma, und wagte es, der vereinten sieggewohnten Macht Rußlands und Oesterreichs den Kampf zu bieten. Er wollte, mitten durch sie, sich den Weg bahnen zur Vereinigung mit Moreau.

Suworow und Melas, als sie Macdonalds verwegenen Plan erkannten, warfen sich schnell mit aller Macht auf ihn. Bey St. Giovanni stand er, unweit Piacenza, am Strome der Trebia. Der Kampf begann am Morgen des 17ten Junius; die Deutschen und Russen zweifelten nicht bey ihrer Uebermacht am baldigen Siege. Der Abend kam; das Schlachtfeld war mit tapfern Todten besäet, aber Macdonald stand unerschüttert. Die Schlacht wurde am folgenden Tage fortgesetzt, der Streit noch ergrimmter; die Nacht trat ein, ehe er endete, und Macdonald stand noch unerschüttert. Selbst Suworow fing an zu verzweifeln. Der dritte Tag mußte die Schlacht erneuern, und nun erst, an Kräften erschöpft, räumte die französische Armee den Siegern das blutige Feld und zog sich aus Toskana zurück. Macdonald selbst war in dieser Schlacht mehrmals verwundet; und mit Wunden, die er schon vorher bey Modena erhalten hatte, war er in diesen schrecklichen Kampf getreten.

Er verließ, wie gesagt, Toskana, aber nicht wie ein besiegter Feldherr, sondern wie ein Krieger, der den beyden greisen Heerführern der Alliirten Ehrgefühl eingeflößt hatte. Muthig und ungehindert überstieg er mit dem Reste seiner Tapfern die Appenninen, und erreichte glücklich die genuesische Meeresküste, wohin sich Moreau gezogen hatte.

Um sich von seinen wunden zu erholen, ging er nach Frankreich. Bonaparte war aus Aegypten zurückgekommen, und diesem Helden getreu, vereinte sich Macdonald mit ihm zur Revolution vom 18ten Brumaire (9ten November 1799). Macdonald commandirte in diesen Tagen zu Versailles, unterdrückte die dortigen Jacobiner, hab ihren Clubb zu Versailles auf, und trug kräftig zur Gründung des französischen Consulats bey.

Bonaparte, als erster Consul, behielt den tapfern und gewandten General im thätigen Dienste. Ihm übertrug er 1800 das Commando der Reserve-Armee in Graubünden, mit welcher er mitten im Winter (6ten December) über die tief beschneiten Alpen des Splügen zog, und durch das Veltlin vordrang. Der Friede von Lüneville gab aber bald darauf den Waffen Ruhe.

Macdonald empfing nun, (Ende März 1801) als bevollmächtigter Minister Frankreichs, eine der wichtigsten Missionen am dänischen Hofe. England, welches keines Neutralen achtete, hatte auch dieses nordische Königreich in den Strom der allgemeinen europäischen Revolution gerissen, und durch die Schlacht vor Kopenhagen (2ten April 1801) bewiesen, wie es seine Maximen geltend machen könne, Macdonald blieb einige Jahre am dänischen Hofe. Er kam im Jahre 1803 zurück, und Napoleon Bonaparte erhob ihn in den Rang der Großofficiere der Ehrenlegion. Während des Moreauschen Prozesses nahm Macdonald, mit Lecourbe vereinigt, sich des Angeklagten an, worauf er aus dem activen Dienst und von Paris entfernt wurde, bis der Befehl des Kaisers Napoleon ihn im Jahre 1809 wieder zur Thätigkeit aufrief.

Wie er nun, unter dem Oberbefehl des Vicekönigs Eugen, den rechten Flügel von dessen Armee führend, von Italien bis Ungarn vordrang, seine Theilnahme an den Waffenthaten des Feldzuges vom Jahre 1809 in den österreichischen Staates, ist noch in zu frischem Andenken, um hier erwähnt zu werden.


Stephan Jaques Joseph Alexandre Macdonald.

Macdonald (Stephan Jaques Joseph Alexandre), von schottischer Herkunft, wie sein Name bezeugt, aber in Frankreich geboren.


Macdonald trat als Jüngling in die Kriegsdienste seines Vaterlandes, als der Generallieutenant, Graf von Maillebois im Jahre 1784 von seinem Hofe nach Holland geschickt ward, um die antioranische Partei gegen den Erbstatthalter und Preußen zu unterstützen. Er ward mit Lieutenantsrang in der Legion Maillebois und im Jahr 1787 beim 87 Linien-Infanterieregiment angestellt. In dieser untergeordneten Rolle widmete er sich mit seltenem Eifer dem Studium der Kriegskunst, bis der Ausbruch der Revolution ihn zu Thaten aufrief.

Die werdende Republik, von allen Seiten angegriffen, schuf neue Armeen und stellte ohne Unterschied die talentvollsten Männer an die Spitze. Macdonald, welcher der Republik treu blieb und für welchen ein schon zehnjähriger Militärdienst ehrenvoll sprach, wurde im Jahr 1793 zum Brigadegeneral ernannt und mit dem Anfange des Jahrs 1794 der Nordarmee zugeheilt, welche Pichegru erobernd nach Holland führte. Er war es, der die Posten von Cammines-Nord, von Warneton und Warwik wegnahm und nachher die Einnahme von Ostfriesland befehligte.

Schon im Jahr 1796 ward er Divisionsgeneral. Als solcher commandirte er anfangs zu Düsseldorf und Cöln, kam dann zur Rheinarmee und endlich nach Italien, wo er sich unter Bonaparte einen Ruf als Feldherr erwarb. Er blieb auch nach dem Frieden von Campo Formio in Italien und commandirte bei der Einnahme von Rom und dem Kirchenstaate unter Berthiers Anführung. Als gleich darauf auch hier die republikanische Regierungsform eingeführt ward, empfing Macdonald des Commando von Rom und leitete die politischen Operationen des römischen Consulats. Neapel rüstete sich indeß zum Kriege. Mack an der Spitze von 50,000 Neapolitanern, besetzte Rom und den Kirchenstaat. Die französische Obergeneral Championnet, zog die durch Italien zerstreuten französischen Corps zusammen; auch Macdonald mußte zu ihm stoßen. Sobald Championnet stark genug war, seinem Gegner die Spitze zu bieten, ging er ihm entgegen. Bei Trento, Monterosi und Baccano wurden die Neapolitaner geschlagen, bei Calvi und Civita Castellana zwei ihrer Armeecorps aufgerieben, und schon am 14ten December zog Macdonald zum zweiten Mal siegreich in Rom ein. Nach Championnets Absetzung empfieng Macdonald im Frühjahr 1799 den Oberbefehl über die französische Armee zu Neapel.

Während er noch gegen den Cardinal Ruffo und die Calabresen focht, hatten Suwarow und Melas mit ihren tapfern Schaaren die Lombardei erobert und waren siegend bis Turin vorgedrungen. Moreau rettete durch kluges Zaudern eben noch Frankreichs Gränzen, und erwartete Macdonalds Ankunft. Jeder glaubte diesen verloren, als er plötzlich durch Toscana hervor brach, und am 12ten Juni 1799 im Angesichte von Modena die Oestreicher unter Hohenzollern zurück schlug. Dann marschirte er am 14ten auf Parma, und bot mit seinem, durch Märsche und Kämpfe erschöpften Heere der vereinten Macht Rußlands und Oestreichs den Kampf an, um sich mitten durch sie den Weg zur Vereinigung mit Moreau zu Bahnen. Drei Tage währte die Schlacht bei S. Giovanni, unweit Piacenza an der Trebia. Erst am Abend des dritten Tages räumte Macdonald, selbst von neuem verwundet, den Siegern Suwarow und Melas das Feld, verließ Toscana, überstieg mit Reste seines Heeres ungehindert die Apenninen, und vereinigte sich auf der genuesischen Meeresküste glücklich mit Moreau. Um seine Wunden zu heilen, ging er nach Frankreich.

Bonaparte war aus Aegypten zurückgekommen, und fing an, seine ehrgeizigen Plane zu entwickeln. Macdonald vereinigte sich mit ihm zur Revolution des 18ten Brumaire, hob den Club der Jacobiner zu Versailles auf, und wirkte kräftig zur Gründung des französischen Consulats.

Im Jahr 1800 führte er das Commando der Reservenarmee in Graubündten, mit welcher er mitten im Winter über die tief beschneiten Alpen des Splügen zog und durch das Veltlin vordrang, als der Friede von Lüneville abgeschlossen wurde. Macdonald begab sich jetzt als französischer Gesandter nach Dänemark, wo er bis 1803 blieb. Kurz darauf erhielt er die Decoration als Großofficier der Ehrenlegion, blieb jedoch lange ohne Commando, weil er im Verdacht stand, sehr an Moreau zu hängen.

Erst in dem Feldzuge von 1809 ward er wieder angestellt, drang mit dem rechten Flügel des Vicekönigs über die Piave vor, nahm Laybach, drang in Ungarn ein, und entschied endlich durch Wegnahme des letzten Dorfs den Sieg bei Wagram, so daß der Kaiser, indem er ihn zum Marschall erhob, ihn umarmte und sagte: "Ihnen und meiner Garde-Artillerie dank' ich vorzüglich diesen Sieg."

1810 bekam er das Commando von Augereau's Corps in Catalonien, und behauptete auch hier, so wie 1812 und 1813, in dem Kriege gegen Rußland seinen Feldherrnruhm. Der Abfall der Preußen unter York, die unter seinem befehle standen, zwang ihn zum Rückzug, den er mit gewohnter Ordnung ausführte. Er nahm im Mai 1813 Merseburg, focht ehrenvoll bei Lützen, Bautzen, Leipzig, Hanau und Nangis.

Als im Anfang das April 1814 Napoleons erste Katastrophe eintrat, hatte er verschiedene Audienzen bei Alexander, um für Napoleon zu unterhandeln. Er war es auch, der diesen, da alle andre Bedingungen verworfen wurden, zur Thronentsagung bewog, worauf er Ludwig XVIII. seine Unterwerfung zusandte, "da er nunmehr seines Eides gegen den Kaiser Napoleon entbunden sey." Der König ernannte ihn zum Mitglied des geh. Kriegsraths und St. Ludwigsritter. Während Napoleons Rückkunft 1815 blieb er auf seinen Gütern, und nach dessen Sturz ward er Kanzler der Ehrenlegion und erhielt den Oberbefehl über die Loire-Armee, deren Auflösung er hernach bewirkte.


Die Wetterfahnen Frankreichs.

Macdonald (Jacques Etienne-Joseph-Alexandre). Am 7. November 1756 geboren, von Herkunft ein Schotte. Er diente vor 1789 in Frankreich in einer der Irländischen Brigaden; während der Revolution wurde er von der Republik angestellt, und schwang sich in deren Dienste zum General empor. Seit dem 14. August 1809 wurde er, unter dem Kaiser, Grossoffizier des Reichs; Marschall; Herzog von Tarent, und Grosskreuz der Ehrenlegion. Der König ernannte ihn am 1. Juny 1814 zum Ludwigsritter, und am 4. desselben Monats zum Pair von Frankreich. Er war einer der Sekretaire der Pairkammer, und unterzeichnete deren Adresse an den König, mit nachstehendem Eingange:

"Sire,
"Ihre, die Kammer der Pairs bildenden getreuen Unterthanen, statten am Fusse des Throns, Euer Majestät, für die Mittheilung der Uebersicht der gegenwärtigen Lage des Königreichs, welche Sie an dieselbe gelangen zu lassen geruht haben, ihren ehrfurchtvollesten Dank ab. Sie sind mit den Ministern Euer Majestät einverstanden, dass der grösste Theil der Leiden, welchen Frankreich erlag, aus dem Despotism der letzten Regierung, aus einer zügellosen Kriegswuth, aus der Verachtung der Konstitution, der Gesetze, der Verträge und selbst der Rechte des einzelnen Bürgers, und endlich aus dem unseligen Gebrauche von Kräften, welche diese Regierung nicht erzeugt hatte, und von Hilfsquellen, die ihr Werk nicht waren, entsprungen sind."


Man kennt dagegen Macdonalds frühere Proklamationen aus dem Moniteur.

Grosse Armee. Generalstab.
Proklamation.
Im Hauptquartier Maestricht, am 16. Januar 1814.
"Soldaten,
"Eure Winterquartiere sind aufgehoben; in einigen Augenblicken seyd Ihr versammelt; in wenigen Tagen zieht Ihr zum Kampfe. Gedenkt Eures zwanzigjährigen Ruhmes, und der zahllosen Waffenthaten, die Euch solchen erworben, und der Feind wird abermals vor eurem Muthe und eurer Tapferkeit zittern.
"Unsere Grenzen sind überschritten, aber auf den Ruf des Kaisers hat sich die Nation erhoben. Das Vaterland rief seinen Kindern; sie eilten zu den Waffen; sie marschiren, rücken vor; der Monarch ist an ihrer Spitze, das Schwert in der Rechten, den Oelzweig des Friedens in der Linken.
"Franzosen! Wir werden für das Vaterland kämpfen; lasst uns nicht dulden, dass es länger vom Feinde überschwemmt und zerrissen werde.
"Der Kaiser und Frankreich blicken auf uns. Sieg oder Tod sey unser Feldgeschrey.
Der Marschall Herzog von Tarent, Macdonald,
In Auftrag Sr. Exc.
Der General, Chef des Generalstabes, Baron Grundler.


Kommandant en chef der, unter den Befehlen S. K. H. des Herzogs von Berry, zur Vertheidigung von Paris zusammengezogenen Armee. (Moniteur vom 18. März 1815) Am 20. desselben Monats führte er die, nach Melun gegen den Kaiser abgeschickten Truppen, nach Paris zurück. (Journal de l'Empire vom 22. März 1815.)

Seine Excellenz der Herzog von Tarent, liess sich, im July 1815, in die Register der Pariser Nationalgarde einschreiben, in der er als simpler Grenadier dient. (Gazette de France vom 7. July 1815.)


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Taschenbuch für die neuste Geschichte herausgegeben von D. Ernst Ludwig Posselt. Siebenter Jahrgang. Nürnberg, in der Bauer- und Mannischen Buchhandlung. 1801.
  • Historisch-Chronologische Darstellung des wichtigen Feldzugs in Deutschland vom Jahre 1800. Von Franz Eugen Reichsfreyherrn von Seida und Landesberg. Leipzig 1802. und zu Augsburg in Commission bey Joh. Georg Christ. Braun.
  • Cabinet von biographischen Gemälden der merkwürdigsten Personen aus der neuesten Zeitgeschichte. Gesammelt und herausgegeben von Karl Stein. Berlin 1811.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.