Étienne Maurice Gérard

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Graf Etienne Gérard.

Geb. 4ten April 1773.

Gérard Etienne, Graf, Pair und Marschall von Frankreich, trat 1791 als Freiwilliger in das 2. Bataillon des Departement der Meuse, und wohnte als Subalternoffizier den Feldzügen des Generals Dumouriez bei, focht bei Fleurus, und zeichnete sich besonders bei dem Übergange über die Roer 1795 aus. In Folge seiner bewiesenen Tapferkeit zum Hauptmann, und 1797 zum Adjutanten Bernadotte's ernannt, begleitete er diesen bei seinen Feldzügen in Italien und am Rhein, so wie auf seinen Gesandtschaftsposten nach Wien. Als Oberst an der Spitze mehrerer Schwadronen wurde Gérard in der Schlacht von Austerlitz schwer verwundet, und zur Belohnung seines Muthes zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. In dem Feldzuge von Preußen war er Brigade-General, und nach dem Tilsiter Frieden wurde er Chef des Generalstabes der Prinzen von Pontecorvo. Als solcher gab er neue Beweise seiner Tapferkeit vor Linz, und kommandirte bei Wagram die sächsische Cavallerie, welche sich an diesem Tage wohlverdienten Ruhm erwarb. Im Jahre 1810 befehligte er unter Graf Erlon eine Brigade in Portugal, und entwickelte besonders in dem Gefechte von Fuentes d'honor seine militärischen Talente. 1812 hatte er eine Brigade der großen Armee unter dem Fürsten von Eckmühl, wirkte thätig mit zur Eroberung von Smolensk, und zog in dem Treffen bei Valutina, wo er die Division des verwundeten General Gudin führte, durch wiederholt bewiesene unerschütterliche Bravour die Aufmerksamkeit des Kaisers auf sich, der ihn, den Bitten des sterbenden Gudin's gemäß, zum Divisions-General erhob. Seine Division war unter den Befehlen des Vice-Königs Eugen in der Schlacht an der Moskwa, und erhielt bei dem verhängnißvollen Rückzuge den ehrenvollen Auftrag die Arrieregarde des Fürsten von Eckmühl zu bilden. Jeder Tag, jedes neue Gefecht, gab dem General Gelegenheit, seine Umsicht und Kaltblütigkeit zu bewähren, und seinen Verdiensten täglich eine größere Anerkennung zu verschaffen. Bei der Vertheidigung von Kowno warf sich Gérard als ein lippe'sches Bataillon seinen Posten verließ, selbst den Stürmenden entgegen, und feuerte in den Reihen einiger Braven so entschlossen auf den Feind, daß die französische Infanterie Zeit gewann herbei zu eilen, und so 10 - 12000 Mann einer sicheren Gefangenschaft zu entreißen. In dem Feldzuge 1813 stand er an der Spitze einer Division des 11. Korps und bildete mit derselben stets die Vorhut. Ihm ganz besonders dankt der Kaiser Napoleon den Sieg bei Bautzen, da Gérard ob er gleich Befehl zum Rückzuge hatte, dennoch die Schlacht nicht verloren gab, und noch einen entschlossenen Angriff versuchte. Daßelbe that er in dem Gefecht bei Goldberg, und der Kaiser übertrug ihm, der erst seit einem Jahre Divisions-General war, den Oberbefehl über das 11. Armee-Korps, dem er den ganzen sächsischen Feldzug durch vorstand, in dessen Verlaufe er dreimal, darunter sehr schwer bei Leipzig verwundet worden war. Zu Ende des Jahres 1813 ward er Kommandant des Reserve-Korps zu Paris, welche aus jungen Conscribirten bestehend, in den ersten Tagen des Jahres 1814 gegen die Verbündeten focht. In der Schlacht von la Rothiére hielt Gérard auf dem rechten Flügel die hartnäckigen Angriffe der Oesterreicher unter Gyulay auf, und verließ erst auf den ausdrücklichen Befehl des Kaisers um Mitternacht die Brücke von Dienville. Das Gefecht von Montereau gab Gérard neue Gelegenheit seinen Ruhm zu vermehren. Als schon mehrere Angriffe der Franzosen vergeblich gewesen waren, übernahm er die ersten Divisionen, stürmte unaufhaltsam gegen den Feind, entriß ihm den Sieg, und machte eine große Anzahl Gefangener. Im März 1815 wurde Gérard zum Oberbefehlshaber der Mosel-Armee berufen, und vom Kaiser Napoleon zum Pair von Frankreich ernannt. Mit unglaublicher Schnelligkeit eilte der General in 5 Tagen von Metz bis zur Sambre, und flocht in der blutigen Schlacht von Ligny neue Lorbeere in den Kranze seines Ruhmes. An diesem Tage, und an dem von Waterloo wo er durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet wurde, erwarb er sich die ganze Zufriedenheit der Kaisers, der ihn als einen der ersten zur Marschallswürde bezeichnete. Bis Ende September 1815 blieb Gérard zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in Tours, erhielt darauf nach seiner Rückkehr nach Paris die Erlaubniß ins Ausland zu reisen, ging nach Brüssel, und lebte dann bis 1822 auf seinem Landgute Villers im Departement Oise, wo ihn der Ruf als Deputirten in die Nationalversammlung traf. In der Revolution engriff er die Partei der neuen Regierung, und wurde von derselben am 17. August 1830 zum Marschall ernannt. Er war dann eine Zeit lang Kriegsminister, zog sich jedoch bald seiner geschwächten Gesundheit wegen zurück. Die belgischen Angelegenheiten haben in neuester Zeit seine Thätigkeit wieder in Anspruch genommen. Er eilte als Oberbefehlshaber der Nord-Armee dem König von Belgien gegen Holland zu Hilfe, und rückte dann im November 1832 in Belgien ein, um mitten im Frieden die merkwürdige Belagerung von Antwerpen zu unternehmen. Die Ausdauer und die Thätigkeit welche er dabei bewies, so wie der günstige Erfolg sind genugsam bekannt. Die ihm allgemein zu Theil gewordene Achtung ist eine wohl erworbene Folge seiner vielfachen Verdienste.


Quellen und Literatur.

  • Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit nebst entsprechenden Aphorismen. Seinen Waffenbrüdern geweiht von Johann Nep. v. Szöllösy, k. k. Oesterr. pens. Rittmeister. Fünfkirchen in Ungarn, Gedruckt in der königl. priv. bischöfl. Lyc. Buchdruckerei. 1837.