Adam Duncan, 1. Viscount Duncan

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Duncan.

Lord Viscount Duncan.

In dem Verlaufe dieses blutigen, beispiellosen Krieges hat die brittische Seemacht Siege erfochten, von denen die Jahrbücher der Seegefechte wohl schwerlich ein Beispiel aufzeichnen können. Der Admiral Howe war es, der im Juni 1794 die französische Seemacht ruinirte; der Admiral Jarvis besiegte im Februar 1797 die spanische Seemacht; und der Admiral Duncan vollendete im October des nemlichen Jahres die Siegserfolge seiner Vorgänger durch die Zugrundrichtung der holländischen Seemacht -- wodurch Großbritannien die drohende Furchtbarkeit der drei verbundenen Seemächte durch den siegenden Muth seiner Krieger vernichtet hat. Wir wollen uns itzt begnügen, unsern Lesern nur einige Züge aus dem Leben des letztern der drei Seehelden zu zeichnen.

Adam Duncan, ist ein in der Marine alt gewordener Seemann, der im Jahr 1735 gebohren wurde. Er ist der jüngere Sohn einer adelichen alten Familie in Schottland, deren Stamm-Erbe Lundie, in der Landschaft Parth ist. Nachdem er alle Stufen des brittischen Seedienstes durchgegangen war, wurde er im Jahr 1795 Admiral der blauen Flagge. Da wir aber die Geschichte seiner frühern Jahre, während dem er nicht wenige Proben seines Muths, seiner Entschlossenheit und seiner Klugheit gegeben hat, aus Mangel des Raums übergeben müssen, so glauben wir unsern Lesern einigermassen Genüge zu leisten, wenn wir itzt nur bei dem Meisterwerke seines Heldenmuths etwas verweilen.

Es war am 7. October 1797, als die grosse holländische Flotte, unter dem Oberbefehl des Admirals Winter den Texel verließ und in See ging. Sie bestand aus 15 Linienschiffen. Die ganze Flotte hatte 1032 Kanonen am Bord. Die Rückkehr der englischen Flotte des Admirals Duncan, der die so lange Blokade des Texels, wahrscheinlich in der Absicht, die Holländer in die See zu locken, aufhob, und an 3. October nach Yarmouth zurückging, eröffnete der holländischen Flotte die längst erwartete Gelegenheit zum Auslaufen. Sie blieb nach ihrer Abfahrt in der Nähe der holländischen Küsten, und wurde von einer kleinen, vom Admiral Duncan zurückgelassenen englischen Escadre, unter dem Capitain Trallape beobachtet. Sobald der Admiral Duncan zu Yarmouth die Nachricht vom Auslaufen der holländischen Flotte erhielt, beschleunigte er seine Zurüstungen und segelte eilfertig von Yarmouth ab.

Er nahm seinen Zug, vollkommen von dem der Holländer unterrichtet, in einer solchen Richtung, daß er sich zwischen der holländischen Küste und der holländischen Flotte legte. Er hatte 16 Linienschiffe. Nachdem er den Plan zum Seetreffen entwarf, segelte er am 11. October auf die holländische Flotte los, welche kein Mittel hatte, dem Treffen auszuweichen. Zwar suchte sie bei Annäherung der Gefahr eine Linie zu bilden, aber ohne besondern Erfolg, indem sie Schiffe nicht eng genug an einander hielten. Die englische Flotte griff zuerst die Arriergarde der Holländer mit allem Nachdruck an, und segelte dann in einer bewundernswürdigen Stellung durch die Linie der holländischen Flotte an zwei Punkten durch. Dies Manöver war von entscheidender Wirkung; die getrennten holländischen Kriegsschiffe kamen in Unordnung, und wurden einzeln von den Engländern angegriffen. Es entstand eines der heftigsten Seetreffen, welches, ungeachtet aller tapfern Gegenwehr der Holländer, sehr über für sie ausfiel. Ihr Admiralschiff, Freiheit genannt, von 74 Kanonen, gerieth mit mehrern englischen Kriegsschiffen ins Gefecht, verlor in einem kurzen Zeitraum einen grossen Theil seiner Mannschaft, sein Thauwerk, alle Masten, und mußte sich den Engländern ergeben, welche den Admiral Winter gefangen auf das Schiff des Admirals Duncan brachten.

Indessen wurden die Holländer auch auf allen andern Seiten besiegt. Ihr vorzüglichstes Linienschiff Jupiter, von 74 Kanonen, mußte die Segel streichen, und der darauf befindliche zweite holländische Befehlshaber, Viceadmiral Reyntjes wurde ebenfalls englischer Kriegsgefangener. Sechs andere der besten holländischen Linienschiffe wurden gleichfalls, so wie zwei grosse Fregaten von den Engländern erobert. Zehn Kriegsschiffe waren, ausser mehrern Amunizionsschiffe die Siegesfrüchte dieses Tages für die Engländer. Alle übrige holländische Kriegsschiffe waren in einen traurigen Zustand der Unbrauchbarkeit versetzt worden. Sieben und zwanzig Kriegsschiffe stark hatte die holländische Flotte den Texel verlassen, nur siebzehn Kriegsschiffe kamen zurück, und von diesen waren nur 2 Linienschiffe von 74 Kanonen, beide so über behandelt, daß sie schwerlich wieder zum Dienst brauchbar gemacht werden konnten, und 2 von 68 Kanonen, ebenfalls sehr übel zugerichtet. Der übrige Rest bestand aus kleinern Kriegsschiffen. -- So total war die Niederlage.

Die Folgen dieses Sieges waren für Englands Schifffahrt unberechenbar groß. Holland, welches ehemals Großbritannien die Herrschaft zur See streitig gemacht hatte, wurde aus dem Range der Seemächte hinweggeschlagen. -- Unbeschreiblich groß war aber auch der Enthusiasmus und die Freude der englischen Nazion über diesen glorreichen Sieg, die sich 4 Wochen lang auf die manichfaltigste Art zeigte. Für die Wittwen und Waisen der in der Schlacht gebliebenen Seeleute wurden durch ganz England Subscripzionen eröffnet, welche in London allein 111,000 Gulden betrugen. -- Die Regierung ertheilte unter andern Belohnungen, dem Sieger Duncan eine Auszeichnung und Ehre von der neuen Art, welche erst seit kurzem in England in Gebrauch gekommen. Sie gab ihm mit der Pairs-Würde den Namen eines Lords von Camperdovn, dem Orte, in dessen Nähe Duncan die Schlacht angefangen hatte, die nachher bis nach Egmond und Wyk sich zog. Auch von den Magistraten der vornehmsten Städte erhielt Duncan das Bürgerrecht, oder Geschenke an kostbaren Degen und Silberzeuge.

Duncan ist ein grosser starker Mann, über 6 Fuß hoch, und von einfacher Lebensart und Sitten. Er zeigte bei dem Matrosenaufstande einen so standhaften Muth mit Klugheit verbunden, daß er allen Ausbruch hemmte, und in der Blokirung des Texels nicht gehindert wurde. -- Wenn er gezwungen war, der Sicherheit und Erhaltung Großbritanniens in der Schlacht Opfer zu bringen, so erhielt seine Großmuth, durch seine Fürbitte beim König, das Leben von 180 Matrosen, welche wegen Theilnahme an der Rebellion zum Tode verurtheilt waren, und begnadigt wurden.


Lord Vicomte von Duncan.

Duncan (Lord Vicomte von), englischer Admiral, gebohren 1731 aus einer alten Familie Schottlands, kam früh zur Marine und ward 1761 Schiffskapitain.

Sein Benehmen und seine Talente erwarben ihm den Grad eines Contreadmirals, zu dem er 1787 erhoben wurde, und endlich den eines Admirals im Jahre 1795.

Er diente mit vieler Auszeichnung in den Revolutionskriege gegen Frankreich, und im May 1797 unterdrückte er mit lebhafter Thätigkeit einen Aufstand, der sich auf seiner Eskadre zeigte.

Er hatte den Auftrag, die holländische Flotte in dem Texel zu blockiren, legte zu Anfange des Oktobers zu Yarmouth vor Anker, um Erfrischungen aufzunehmen und einige Fahrzeuge auszutauschen, und erfuhr durch Fregatten, die er ausgestellt hatte, daß die Holländer seine Entfernung benutzten und unter Segel gegangen wären. Den 9ten gieng er wieder in See und zog Kenntniß von der feindliche Flotte ein, die um ein wenig schwächer als die englische war. Er gewann hierauf den Wind, so daß er, ohne zu schlagen, jener den Rückzug in den Texel abschnitt, griff sie endlich an, durchbrach die holländische Linie und trennte 5 Fahrzeuge ab. Nach einem hartnäckigen und blutigen Gefechte nahm er 10 Schiffe und eine Fregatte und bohrte eine Brique und eine Goëlette in Grund. Seine Eskadre litt viel bey dieser Aktion.

Er starb 1804 auf der Strasse nach Edimburg in seinem 73sten Jahre.


Quellen und Literatur.

  • Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten und berüchtigtesten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1799. Im Verlage bey Anton Doll.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.