Alexander Iwanowitsch Tschernyschow

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Czernitschef, General-Adjutant Sr. Maj. des Kaisers Alexander.

Czernitscheff, ein durch seine kühnen und stets glücklich ausgeführten Unternehmungen berühmt gewordener russischer General.

Er befand sich vor dem Ausbruche des Krieges bei der russischen Gesandtschaft in Paris und hatte einen Hauptantheil an der Bestechung Michels, welcher ihm die Tabellen über den Bestand und die Stellungen der französischen Armeen mittheilte.

Darauf stand er als Obrist und General-Adjutant des Kaisers bei der Moldauarmee, und wurde, als diese Armee zu derselben Zeit, wo die Franzosen ihren Rückzug aus Moskau antraten, ihren Marsch nach dem russischen Polen richtete, um in dem Rücken des Feindes zu operiren, von dem Oberbefehlshaber Admiral Tschitagow, mit einem Kosackenregiment abgeschickt, um dem Grafen Wittgenstein, welcher von Witepsk her vordrang, Nachricht von dem Anrücken und den Marschdispositionen der Moldauarmee zu geben. Der Auftrag war höchst schwierig, denn es kam darauf an, einen Marsch von mehr als hundert Meilen im Rücken der französischen Armee durch ein von ihr occupirtes Land zu machen, und ebenso wichtig, daß nur durch gemeinschaftliche Zusammenwirkung von beiden entgegengesetzten Seiten die feindliche Armee nachdrücklich bedrängt werden konnte. Czernitscheff vollzog den Auftrag mit dem ausgezeichnetsten Erfolg. Nachdem er Tag und Nacht durch die feindlichen Truppen marschirt, über vier Flüsse schwimmend gesetzt, eine Menge von Proviantfuhren der Franzosen vernichtet, drei Cabinetscouriere mit wichtigen Depeschen aufgefangen, die in Gefangenschaft gerathenen Generale Winzingerode und Swetschin nebst verschiedenen andern Offizieren befreit hatte, erreichte er glücklich das Armeecorps des Grafen Wittgenstein.

Er nahm an den Operationen desselben Antheil, machte zu Anfang des Jahrs 1813 einen kühnen Angriff auf Berlin, wo er den Marschall Augereau allarmirte, und that sich später unter dem Kronprinzen von Schweden in der Schlacht bei Dennewitz rühmlich hervor. Bald nachher wurde er von demselben mit einigen tausend Mann Cavallerie zu einer neuen wichtigen Unternehmung abgeschickt. Sein Auftrag war, Cassel zu überfallen, um wo möglich den König von Westphalen gefangen zu nehmen. Schnell und gewandt führte ihn Czernitscheff aus. Zwar entging ihm der König, aber die Wirkung, die seine Erscheinung in Cassel auf die Gemüther machte, war von den wichtigsten Folgen. Das Königreich Westphalen war von dem Augenblick an schon als aufgelößt zu betrachten.

Nach der leipziger Schlacht, an der er ebenfalls Antheil nahm, eilte er mit seiner leichten Reiterei der fliehenden französischen Armee voraus, so daß ein geistreicher Schriftsteller ihn scherzhaft den Quartiermeister Napoleons genannt hat, that ihr bedeutenden Abbruch, fing mehrere Couriere mit wichtigen Depeschen (welche zum Theil im Druck erschienen sind) auf, und zog endlich siegreich mit in Paris ein. Von da begleitete er seinen Kaiser nach London, dessen besonderes Vertrauen er zu besitzen scheint.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.