Alexander Wassiljewitsch Suworow

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Suwarow-Rimnitzkoi (Peter Alexei Wasiliowitsch, Graf von), Fürst Italinski, kaiserlich russischer, auch kaiserlich königlicher Feldmarschall und Generalissimus der russischen Heere, einer der berühmtesten Feldherren des achtzehnten Jahrhunderts, war 1730 zu Suskoi, einem Dorfe in der Ukraine, geboren.

Sein Vater war Offizier, und brachte ihn auf die Cadettenschule in St. Petersburg. In seinem 17ten Jahre trat Suwarow als gemeiner Gardist in die Dienste seines Vaterlandes, und zeichnete sich in dem Kriege mit Schweden in Finnland durch seinen persönlichen Muth vortheilhaft aus.

1754 wurde er Lieutenant, und erwarb sich noch mehr Beifall und Ehre in der denkwürdigen Schlacht von Zorndorf, wo er trotz seiner Wunden auf dem Schlachtfelde blieb, und seine sehr zusammengeschmolzene Mannschaft aus dem Treffen führte. Eben so muthvollen Antheil nahm er an der Schlacht von Cunnersdorf und an dem Sturme von Schweidnitz.

Wegen dieser und anderer Auszeichnungen ward er nach der Einnahme von Colberg zum Platzmajor von Königsberg mit dem Range eines Oberstlieutenants ernannt, und 1763 sandte ihn der Graf Panin mit einem Empfehlungsschreiben an die Kaiserin Catharina II., welche ihm ein von ihr eigenhändig geschriebenes Oberstenpatent schenkte.

1768 befehligte Suwarow in dem zwischen Rußland und der barer Conföderation wegen der Dissidenten ausgebrochenen Kriege einen Theil der russischen Truppen, zerstreute die Heere der beiden Pulawski, nahm Cracau mit Sturm ein, und erfocht noch mehrere Vortheile, wofür er von der Kaiserin zum Generalmajor ernannt, und mit dem Alexander-Newsky-Orden belohnt wurde.

Nach der ersten Theilung Polens zwischen den drei Mächten wurde er zu Petersburg mit großer Auszeichnung empfangen, und diente 1773 in dem Kriege gegen die Türken unter dem Marschall Romanzoff, wo er bei mehreren Gelegenheiten Beweise seines Muths und seines Unternehmungsgeistes gab. In drei verschiedenen Treffen schlug er die ihm gegenüberstehenden Türken, und nachdem er sich mit dem General Kamenskoi vereinigt hatte, gewann er einen vierten entscheidenden Sieg über den Reis-Effendi bei Kasladgi.

Nach dem Frieden mit der Pforte stillte er im innern Rußlands die Unruhen, welche Pugatschefs Empörung veranlaßt hatte, unterwarf 1783 die Tataren von Kuban und Budziac der russischen Krone, und nöthigte sie, der Kaiserin zu huldigen, welche ihm dafür den Wladimirorden schenkte, und ihn zum General en Chef ernannte.

Im Treffen bei Kinburn 1787 ließ er als Oberbefehlshaber die Infanterie ihre Patrontaschen ablegen, und mit gefälltem Bajonnet auf die verschanzten Feinde losgehen; die Angriffe wurden zurückgeschlagen, Suwarow selbst wurde in den Leib geschossen, und dennoch setzte er sich zu Pferde, sprengte seinen fliehenden Kosaken nach, stürzte sich mitten unter sie vom Pferde herab, und rief: "Lauft nur, lauft, und gebt euren General den Türken Preis."

Bei der Belagerung von Oczakow, zu welcher ihn der Fürst Potemkin commandirte, ließ er sich seinen Muth zu weit verleiten, und würde mit 600 Mann, die ihm folgten, verloren gewesen seyn, hätte nicht der Fürst Repnin ihn gerettet.

Nachher erfocht er in Verbindung mit dem Prinzen von Sachsen-Coburg bei Fokzani (den 1sten August 1789) einen Sieg über den Seraskier Mehmed Pascha. Aber noch einen glänzender Ruhm erwarb er, als er auf die Nachricht, daß der Prinz von Coburg von den Türken umringt sey, ihm zu Hülfe eilte, und mit ihm zugleich im September 1789 an dem Flusse Rymnik das große türkische Heer aufs Haupt schlug. Kaiser Joseph erhob ihn dafür in den deutschen Reiche-, und die Kaiserin Catharina in den russischen Grafenstand. Beide Monarchen machten ihm große Geschenke, und die Kaiserin Catharina ertheilte ihm den Namen: Rymnitzkoi.

Die starke Festung Jomail hatte lange den russischen Waffen widerstanden; und der Oberfeldherr, Fürst Potemkin, fest entschlossen, daß sie ohne fernern Verzug eingenommen werden sollte, trug dem Grafen Suwarow diese Unternehmung auf. Da der Commandant von keiner Capitulation hören wollte, so befahl Suwarow zu stürmen, versprach den Siegern die Plünderung der Stadt, und ertheilte zugleich den Befehl, keinen Pardon zu geben. Es erfolgte eines der schrecklichsten Blutbäder der neuern Zeit. Die Russen wurden zweimal mit großem Verlust zurück geschlagen; doch endlich erstiegen sie die Wälle, brachen in die Festung ein, und begannen ein grauenvolles Morden. 33,000 Türken wurden getödtet oder schwer verwundet, und 10,000 jedes Standes wurden nach dem Gemetzel zu Gefangenen gemacht. Acht Tage Zeit waren nöthig, um die auf beiden Seiten Gefallenen zu begraben.

Dem Feldherrn wurde das Schreckliche dieses Tages zur Last gelegt; allein man darf es billiger Weise zwischen ihm und seinem Kriegsheere, welche durch den Widerstand der Türken aufs äußerste gebracht war, vertheilen. Von der ganzen Beute nahm Suwarow übrigens nichts weiter an, als ein einziges Pferd für sich.

Nach dem Frieden von 1791 ernannte die Kaiserin Catharina den General Suwarow zum Chef der Gouvernements von Catharinoslaw, der Crimm und den eroberten Provinzen am Ausfluß des Dniester, und Suwarow wählte Cherson zu seinem Wohnsitz, wo er zwei Jahre lang blieb.

Als 1794 die Polen zu den Waffen griffen, wurde Suwarow dorthin berufen, um dem Aufstande mit den russischen Armeen Einhalt zu thun. Er gewann mehrere Siege über die Patrioten, belagerte 1794 die befestigte Vorstadt von Warschau, Praga (s. d.), und nahm sie nach einem vierstündigen Kampfe mit Sturm. Suwarow zog feierlich am 9ten November in Warschau ein, und seine Kaiserin ernannte ihn zum Generalfeldmarschall, und schenkte ihm einen goldnen Commandostab, nebst einem Eichenkranz, woran bloß die Diamanten auf 60 000 Rubel geschätzt wurden.

1799 übertrug ihm der Kaiser Paul den Oberbefehl über die Truppen, welche mit den Osterreichern vereint in Italien gegen die Franzosen fochten. Auch von dem deutschen Kaiser wurde er zum Generalfeldmarschall und zum Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen ernannt. Er gewann mehrere glänzende Siege, bei Piacenza, bei Novi u. f., nahm den Franzosen alle Städte und Festungen Oberitaliens, erhielt den Titel eines Fürsten Italinski, und ging über die Alpen und den St. Gotthardsberg nach der Schweiz. Indessen wurde eine Division Russen unter dem Fürsten Korsakow von Massena bei Zürich geschlagen und zum Rückzuge über den Rhein genöthigt. Dieser Unfall und das Ausbleiben der von Oesterreich erwarteten Hülfe nöthigten Suwarow, sich fechtend bis an den costnitzer See zurückzuziehen. Nach außerordentlichen, muthvollen Anstrengungen vereinigte er sich mit dem korsakowschen Heere; allein die Mühseligkeiten des Feldzuges und sein Alter zogen ihm eine gefährliche Krankheit zu.

Der Kaiser von Rußland sandte ihm deßhalb einen seiner geschicktesten Leibärzte, und die Einladung zur Rückkehr nach Petersburg, wo Zimmer im Kaiserlichen Palaste für ihn in Bereitschaft ständen. Suwarow ahnend, daß sein eigensinniger Gebieter von dem Bündnisse abtreten wollte, weigerte sich, und stellte in den stärksten Ausdrücken die Nothwendigkeit der Fortsetzung des Krieges und der Verstärkung seines Heeres vor. Endlich bezog er in Böhmen die Winterquartiere; allein bestimmte Befehle des Kaisers, worin dieser seinen Unwillen aussprach, nöthigten ihn, nach Rußland zurückzugehn. Dadurch fühlte er sich auf das schmerzhafteste ergriffen. Krank kam er in Petersburg an, wo er, statt im kaiserlichen Palast zu wohnen, das Haus eines Verwandten beziehen mußte. er fühlte seine Kraft gebrochen, und starb den 18ten Mai 1800, in einem Alter von 70 Jahren. Sehr feierlich wurde sein Begräbniß, unter Begleitung von 15,000 Mann Truppen, begangen, und Pauls edler Nachfolger, der Kaiser Alexander, ließ 1801 in dem kaiserlichen Garten zu Petersburg eine colasalle Statue von Suwarow aufstellen.


Suwarow war ein ausserordentlicher Mensch. Schmächtig und mager von Gestalt, hatte er doch eine feste Gesundheit, die er durch seine Lebensweise immer mehr abzuhärten suchte. Er schlief auf einem Stroh- oder Heulager unter einer leichten Decke, und begnügte sich mit gemeiner Soldatenkost. Diese Lebensweise behielt er auch bei, als er den höchsten Gipfel seines Glücks erreicht hatte. Seine ganze Garderobe bestand aus der Regimentsuniform und einem Schafpelz. Durch Mäßigkeit und Thätigkeit erhielt er sich bis im Alter sein Jugendfeuer.

Strenge befolgte er die äußerlichen Vorschriften seiner Religion, und hielt darauf, daß dies eben so pünktlich von seinen Untergebenen, denen er an Sonn- und Festtagen Vorlesungen aus Erbauungsschriften hielt, geschahe. Nie gab er das Signal zur Schlacht, ohne ein Kreuz zu machen, und das Bild des heiligen Nicolaus zu küssen.

In seinen Entschlüssen unerschütterlich, war er treu seinen Versprechungen, und durchaus unbestechlich.

Im Reden und Schreiben erkünstelte er einen laconischen Styl, und faßte häufig seine Befehle und Berichte in Knittelversen ab. Wohl bekannt mit mehreren neuen Sprachen, ließ er sich doch nie auf eine politische oder diplomatische Correspondenz ein, und pflegte zu sagen: daß die Feder nicht der Hand eines Soldaten anständig sey.

Durch sein gemeines und rohes Betragen, durch seine Verachtung alles Aufwandes, und seine Furchtlosigkeit ward er der Liebling seiner Soldaten. Die vornehmern Offiziere waren hingegen seine heimlichen Feinde wegen der strengen Subordination, die er hielt. Sein Grundsatz war, daß jeder General an der Spitze und nicht an der Ferse seiner Armee seyn müsse. Ueberhaupt hatte er einen Ueberfluß an kriegerischen Sentenzen. "Wenn Sie" - schrieb er einst einem russischen General - "den Unordnungen nicht Einhalt thun, so werde ich Sie erschießen lassen." Nach seiner Aeußerung bestand seine ganze Tactik in den Worten: Vorwärts und schlage! (Stupai i be.)

Dessen ungeachtet hatte er tactische Kenntnisse; nur das Kleinliche und Pedantische konnte er nicht leiden. Als Paul seine Truppen umformte, und ihnen Zöpfe und Locken gab, sagte Suwarow: Zöpfe sind keine Piken, und Locken keine Kanonen.

Seine Adjutanten mußten ihm, wenn er sich bisweilen vergaß, im Namen des Feldmarschalls Suwarow Erinnerungen machen. Einmal prügelte er einen Soldaten wegen eines Dienstfehlers, und ein Adjutant rief ihm zu: "der Feldmarschall Suwarow habe befohlen, daß man sich nicht von seinem Zorn beherrschen lassen solle!" Wenn der es befohlen hat, so muß man gehorchen! erwiederte Suwarow, und ließ sogleich ab.

An Muth, Unternehmungsgeist und Schnelligkeit des Entschlusses und der Ausführung hatte Suwarow wenige seines Gleichen. Manche Kriegskünstler sprechen ihm gehörige Ueberlegung seiner Entwürfe und Geschicklichkeit in seinen Wendungen ab, und viele beschuldigen ihn der Grausamkeit. Gegen diesen letztern Vorwurf hat ihn Seume, der aber als vormaliger russischer Offizier und eifriger Anhänger seines Feldherrn parteiisch war, zu rechtfertigen gesucht.


Suwarow übernimmt das General-Commando der vereinigten österreichisch-russischen Truppen.

Den 16. April 1799.


Die österreichische Kriegsmacht in Italien sollte der Feldzeugmeister, Prinz Friedrich von Oranien, in dem Feldzuge von 1799 anführen; aber ehe noch die große Krise sich entschied, (6. Jan.) starb dieser hoffnungsvolle junge Fürst zu Padua, an einem hitzigen Fieber. Zu seinem Nachfolger ward der General der Cavallerie, von Melas, ernannt; bis zu dessen Ankunft führte Feldmarschall-Lieutenant Kray das Commando. Da inzwischen auch eine russische Hülfsarmee nach Italien zog, so sollte aus Achtung für einen so mächtigen Bundsgenossen, und um Einheit in die Operationen zu bringen, der nie besiegte Feldmarschall Souwarow den allgemeinen Oberbefehl in Italien führen. Paul III. hatte ihn deßhalb zu sich nach Petersburg beordert. Zugleich voll Demuth gegen seinen Autokrator, und voll Zuversicht auf sein Glück, antwortete Souwarow: "ich werde Euer Majestät zu Füßen fallen, und die Franzosen schlagen." In der Mitte des Monaths Aprils traf das erste russische Hülfscorps von fünf und zwanzig tausend Mann in Italien ein; heute näherte sich die erste Colonne desselben, welcher die übrigen in schnellen Märschen folgten der Stadt Verona, und der Feldmarschall Graf von Souwarow-Rimniskoy übernahm nun den Oberbefehl über die vereinigte österreichisch-russische Kriegsmacht.


Quellen und Literatur.

  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.