Alexandre de Beauharnais

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Alexander Vicomte von Beauharnois.

Alexandre Beauharnois.

Beauharnois (Alexander Vicomte von) wurde 1760 auf der Insel Martinique gebohren.


Als er seiner Jugend nach Paris kam, machte er sich durch seine ausgezeichnete Bildung und durch seine mannigfaltige Talente, unter denen seine Meisterschaft im Tanze besonders glänzte, bald bei den Großen und am Hofe bemerkbar, und stieg bis zum Major eines Infanterieregiments, in welcher Eigenschaft er die Mademoiselle Josephine Tascher de la Pagerie, die nachherige Gemahlin Napoleons heurathete.

Nach dem Ausbruche der Revolution erschien er, als Deputirter von Blois, in der constituirenden Versammlung, zeichnete sich auch hier durch Einsicht und Beredtsamkeit aus, stattete im Namen des Militärcomité mehrere berichte ab, und ward zweymal zum Präsidenten ernannt. Diese letztere Stelle begleitete er gerade auch, als Ludwig XVI. mit seiner Familie seine unglücklicher Weise wieder vereitelte Flucht versuchte.

Nach dem Ausbruche des Kriegs stand er zuerst, als Adjutant-General bei Luckners Armee; noch im Jahre 1792 aber erhielt er das Obercommando über die Rheinarmee. Hier ward ihm, im folgenden Jahre, die große Aufgabe, in Vereinigung mit Houchard, das bedrängte Mainz zu entsetzen. Er rückte zu diesem Ende am 18. Jul. 1793 aus dem Lager von Weissenburg vor, lieferte mehrere wüthende Gefechte, und hatte bereits wichtige Vortheile erfochten, als er die Nachricht erhielt, daß der Platz capitulirt habe.

Da damals das Unglück für ein Verbrechen galt, so wurde er vom Commando abgerufen, als Verdächtiger verhaftet, und nach einem Spruche des Revolutionstribunals, vom 23. Jul. 1794 guillotinirt.

Von seiner Gemahlin Josephine hinterließ er zwei Kinder, den nachherigen Vicekönig von Italien Eugen, und die nachherige Königin von Holland, Hortensie.


Alexander Beaucharnois, General der Frankreichischen Republik, und Mitglied der konstituirenden Nationalversammlung.

Auch dieser rechtschaffene Mann wurde von dem National-Blutgericht, wenige Tage vor der Verhaftnehmung des Tyrannen, hingerichtet. Er schrieb am Tage vor seinem Tode den folgenden Brief an seine Frau, welche seinen Karakter schildert.


Am 4. Thermidor, im 2. Jahre der Republik.


Aus der Art von Verhör, welches man heute über eine ziemliche Anzahl von gefangenen gehalten hat, scheint es, als wär ich das Opfer der boshaften Verleumdungen einiger Aristokraten dieses Gefangenhauses, die sich für Patrioten ausgeben. Die Vermuthung, daß diese höllischen Ränke mich bis vor das Revolutions-Tribunal verfolgen werden, läßt mir keine Hoffnung, Dich, meine liebe Freundin, wieder zu sehen, oder meine lieben Kinder umarmen zu können. Ich will dir nicht sagen, daß mir dieses sehr leid thue; meine zärtliche Liebe für sie, und die brüderliche Anhänglichkeit, welche mich an Dich bindet, können Dir keinen Zweifel lassen, mit welcher Gesinnung ich in dieser Rücksicht das Leben verlasse. Eben so weh es mir, ein Vaterland verlassen zu müssen, welches ich liebe, für welches ich tausendmal hätte mein Leben hingeben wollen, und welchem ich jetzt nicht nur nicht länger werde dienen können, sondern welches mich, in der Voraussetzung, daß ich ein schlechter Staatsbürger sei, von dem Schauplatze wird abtreten sehen. Dieser unausstehliche Gedanke macht es mir zur Pflicht, Dir mein Andenken zu empfehlen. Bemühe Dich, dasselbe wieder in guten Ruf zu bringen, indem Du darthust, daß ein Leben, dessen ganze Beschäftigung es war, seinem Vaterlande zu dienen, und der Freiheit und Gleichheit den Sieg zu verschaffen, dem Volke die beste Widerlegung nichtswürdiger Verläumder seyn müsse, die noch dazu selbst unter die Verdächtigen gehören. Diese Bemühung muß aber noch aufgeschoben werden; denn ein großes Volk, welches für seine Freiheit kämpft, muß, während der Revolutionsstürme, mißtrauisch seyn, und sich mehr davon fürchten, einen Verbrecher unbestraft zu lassen, als einem Unschuldigen hinzurichten. Ich werde mit der Ruhe sterben, bei welcher dennoch der Schmerz der Trennung von allem was uns am liebsten in der Welt ist, empfunden wird, mit dem Muthe, der einem freien Manne, einen unbefleckten Gewissen, und einer rechtschaffenen Seele geziemt, die nichts eifriger wünscht, als das Wohl der Republik. Lebe wohl; meine Freundin, tröste Dich mit meinen Kindern; tröste sie, unterrichte sie, und lehre sie, daß sie das Andenken, an meine Hinrichtung durch Tugenden und Bürgersinn verwischen, und an meine geleisteten Dienste sowohl, als an meine Ansprüche auf die Dankbarkeit der Nation, erinnern müssen, Lebe wohl. Du kennst diejenigen, die mir theuer sind; sei ihr Trost, und verlängere, durch Deine Bemühungen, mein Leben in ihrem Herzen. Lebe wohl. Ich drücke Dich und meine lieben Kinder, zum leztenmal in diesem Leben, an mein Herz.
Alexander Beauharnois.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Almanach der Revolutions-Charaktere für das Jahr 1796, herausgegeben von dem geheimen Hofrath Girtanner. Chemnitz, bei Karl Gottlieb Hofmann.