Amsterdam

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Amsterdam, die Hauptstadt des ehemaligen Hollands, und nach der Vereinigung desselben mit Frankreich nach Paris und Rom die dritte Stadt des französischen Reichs, nun aber die Hauptstadt des Königreichs der Niederlande, am Meerbusen Y, mit mehr als 200,000 Einwohnern.

Zu den schönsten und merkwürdigsten Gebäuden gehören das von Jacob von Kampen erbaute und mit den Bildhauerarbeiten Quellins verzierte, auf 13,659 eingerammelten Mastbäumen gegründete Rathhaus, welches, als Holland zu einem Königreich constituirt wurde, der König zu seinem Pallast einrichten ließ, die Börse, die Admiralität, das ostindische Haus und die berühmten Hospitäler und Arsenäle.

Die Stadt wird durch die Amstel, welche mitten durch sie hinfließt, in die alte und neue Seite getheilt, hat ungefähr drei Meilen im Umkreise, ist auf einem Rost von eichenen Pfählen gebaut und überall von Canälen und Krachten durchschnitten. Gegen die Landseite ist sie mit vielen Bastionen versehen; dennoch wurde sie 1787 von den Preußen, und am 19ten Dec. 1794, in jenem merkwürdigen Winter, von den Franzosen eingenommen. Obgleich Amsterdams Lage zum Seehandel wegen der beschwerlichen Passage durch den Texel nicht sonderlich bequem ist; so gehörte es doch sowohl in Ansehung seines durch die ganze Welt verbreiteten Handels, als auch seiner sonstigen Industrie und seines daraus entsprungenen Reichthums wegen, zu den ersten Städten Europa's.

Der Hauptnahrungszweig der Einwohner bestand und besteht zum Theil noch in der Färberei, Zuckerbäckerei, Wachs- und Leinwandbleiche, und in Verfertigung des Papiers, Segeltuchs, seidener und wollener Waaren. Ferner waren hier starke Niederlagen von Gold, Silber, Edelsteinen, Spezereien u.s.w. aus allen Welttheilen. Außerdem brachte der Wallfischfang, der ostindische, besonders der Gewürzhandel und der Heringsfang, ihnen, große Vortheile.

Amsterdam erhob sich allmählich aus einem Fischerdorfe zu einer Stadt. Der Druck der Spanier zog im 16ten Jahrhundert nach und nach viele Kaufleute des reichen Antwerpens und anderer flandrischen Handelsstädte dahin. Den spanischen Niederlanden wurden durch den westphälischen Frieden die Schelde gesperrt und bald breitete nun Amsterdam seine Geschäfte nach allen Gegenden der Erde aus; es wurde das allgemeine Magazin von den Producten aller Nationen und darf im 17ten und zu Anfang des 18ten Jahrhunderts als die erste Handelsstadt der ganzen Erde betrachtet werden. Inzwischen aber trat London als Nebenbuhlerin auf, und ward besonders wegen seiner wichtigen Seemacht gefährlich. Der Krieg mit den Engländern 1780 schadete dem Vermögen und Handel Amsterdams sehr viel; es entstanden Unordnungen in der großen (1609 gestifteten) Bank, welche den Credit im Auslande schwächten; und Amsterdam mußte schon vor dem Eindringen der Franzosen London den Vorrang einräumen. Seitdem versiegten die Quellen des Handels und Wohlstandes immer mehr. Die Engländer schadeten so viel sie konnten, die Colonien waren verloren, Deutschland zog seine Bedürfnisse über Hamburg und Altona und so trat jener Stillstand in allem Verkehr und Erwerb ein, der vor einem Allgemeinen Frieden in Europa nicht aufhören wird.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.