André Masséna

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Massena (André),

Soldat im 1sten Bataillon der leichten Infanterie im J. 1775; Adjutant im J. 1784; Chef des 3ten Bataillons von Var; Brigade-General; Divisions-General den 20sten Dezember 1793.

Hat militärische Talente und Kenntnisse; als Kommandant des rechten Flügels der Italiänischen Armee hat er sehr gute Dienste geleistet


Massena, Fürst von Eßlingen und Herzog von Rivoli, Marschall von Frankreich, Großadler und Chef der vierzehnten Cohorte der Ehrenlegion u.s.w.


Biographien.

(1800) Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Zweiter Band. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Massena.

Massena.

Da dieser General neuerdings auf dem Kriegsschauplatze erschienen ist, und jetzt sogar als General en Chef die französische Rhein- und Schweizer-Armee kommandirt, so wird es nicht uninteressant seyn, etwas aus dem Leben dieses merkwürdigen Mannes zu wissen.


Massena ist aus Nizza gebürtig. Er ist ein Mann von 37 oder 38 Jahren, von einer ausserordentlichen Leibesbeschaffenheit, groß und braun von Gesicht, gähzornig und aufbrausend, taub und gefühllos beim Anblicke des menschlichen Elendes. Ohne Erziehung, Studien und litterarische Kenntnisse zu besitzen, ist er mit einem gesunden Urtheile begabt und hat vielen natürlichen Verstand. Seine Stärke ist seinem Wuchse angemessen, und seine Tapferkeit ist von der ganzen Armee anerkannt. Vor dem Anfange der französischen Revoluzion war er in Sardinischen Diensten, trat aber bald zu einer französischen Legion über. Hier entwickelte er bei der Einnahme von Sospello zuerst seine militärischen Talente, und die wenigen Vortheile, welche die französischen Waffen im Feldzuge von 1794 bei Saorgio in Italien erhielten, verdanken sie bloß ihm. Er wurde daher für diese Dienste auch mit dem Grade eines Divisionsgenerals belohnt. -- Massena würde an der Spitze von zwei Grenadier-Compagnien, eine Armee von 20,000 Mann mit eben dem Vergnügen angreifen, als wenn er eine gleiche Anzahl kommandirte. Ich sage mit eben dem Vergnügen, denn er kennet kein grösseres, als sich herumzuschlagen. Er war mit seiner Division fast immer bei der Avantgarde, und leistete durch seine Lokalkenntnisse, militärische Erfahrung und durch die Festigkeit seines Charakters dem Obergeneral Bonaparte im Feldzuge von 1796 sehr grosse wichtige Dienste. Er hat besonders in den Schlachten bei Montenotte, Millesimo und Mondovi über die Generale Beaulieu und Provera mit seiner Division mehrere Vortheile errungen. In der Schlacht bei Lodi war er einer von denjenigen, die von ihren Pferden sprangen, an der Spitze einer enggeschlossenen Kolonne über die Brücke drangen, und unter einem Hagel von Kugeln und Kartätschen auf den Feind stürzten, seine Schlachtordnung zerrissen, und ihn zur Flucht zwangen. Nicht weniger glücklich war er in den Schlachten bei Lonato, Castiglione, Roveredo, San Giorgio, Arcole und Rivoli. Während darauf Bernadotte über Laybach und Grätz vorrückte, drang Massena unter Bonaparte über Klagenfurt bis nach Bruck an der Muhr vor, wo er in allen herumliegenden Gegenden plünderte und fast unerschwingliche Kontribuzionen eintrieb.

Als endlich am 18. April 1797 in dem Schlosse Eckenwald, unweit Leoben die Friedens-Präliminarien unterzeichnet waren, traf Massena in der Nacht von 5. zum 6. May mit der Ratifikazion des Kaisers in Paris ein. Er reiste dann wieder zur Armee nach Italien ab, und als zwischen der französischen Republik und dem Papste, nach der Ermordung des französischen Generals Düphot der Krieg neuerdings ausbrach, und der General Berthier am 10. Febr. 1798 Rom besetzte, so ging dieser Ende Februars von der Armee ab, und Massena übernahm das Oberkommando am 13. März über die im römischen Gebiete stehende Armee. Aber seine Ernennung verursachte unter den Offizieren und einem grossen Theil dieser Armee starkes Mißvergnügen, da er durch die im Gebiete der ehemaligen Republik Venedig und vornemlich in Padua begangenen Räubereien und Erpressungen sichere Beweise seiner Unmoralität gegeben hatte. Er suchte sich zwar zu rechtfertigen, aber das Offizierkorps ließ sich nicht befriedigen, Massena mußte Rom verlassen, und an seiner Statt übernahm indessen der General d'Allemagne das Kommando, bis der vom Directorium an seine Stelle ernannte General Brüne angekommen war.

Massena ging nun nach Genua ab, wo er so lange verweilte, bis er späterhin zum kommandirenden General in der Schweiz ernannt wurde. Im Dezember 1798 kam er in Luzern an, und hatte eine öffentliche Audienz beim helvetischen Directorium. Am 6. März 1799 fing er endlich an, ohne vorhergegangene Kriegserklärung, offensive zu agiren, und forderte den in Graubündten kommandirenden kaiserlichen General Auffenberg auf, dieses Land zu verlassen; griff ihn dann mit Uebermacht an, nöthigte ihn sich zurückzuziehen, und nahm ihn mit seinem kleinen Korps nach einigen Tagen gefangen.

Massena griff hierauf zum öfternmalen die Stellung des Generals Hotze bei Feldkirchen an, wurde aber immer zurückgetrieben. Als sich endlich der General Jourdan, der vom Erzherzog Karl überall geschlagen worden war, ganz vom Kriegsschauplatze entfernte, ernannte das Directorium am 4. April den General Massena zum en Chef Kommandirenden, und vereinigte die Schweizer mit der sogenannten Donau-Armee. Er traf am 8. in Straßburg ein, untersuchte die Stellung der Armee, und ging am 12. mit dem Hauptquartier nach Basel ab, und schickte von da aus mehrere seiner Truppen gegen die schweizerischen Insurgenten in den kleinen Kantonen, die er zu Paaren trieb.

Er versuchte darauf mehrere Angriffe auf die österreichischen Truppen, worunter besonders das Gefecht vom 25. Mai eines der hartnäckigsten war und den ganzen Tag währte. Aber am 27. ward Massena von Pfyn und Wyll aus, unter der Leitung der Generale Hotze und Reuß, angegriffen, und überall mit einem namhaften Verluste zurückgeschlagen, worauf Massena genöthiget ward, in seine Stellung bei Zürch sich zurückzuziehen, wo er ein verschanztes Lager bezog. Zwar suchte ihn der Erzherzog Karl aus seinen Verschanzungen zu vertreiben, da er aber mit Uebermacht hinter dem mit Redouten und Flechen garnirten Verhau stand, so war dies bei dem Angriffe vom 4. Junius nicht möglich.

Am 5. Junius rekognoscirte der Erzherzog Karl die feindlichen Retrenchements, und beschloß selbe, ungeachtet ihrer Stärke und vortheilhaften Lage, am nämlichen Tage um 2 Uhr nach Mitternacht anzugreifen, und mit Sturm zu nehmen. Seine Königl. Hoheit liessen in dieser Absicht die Armee im Angesichte des Feindes ausruhen, und sie ordentlich abkochen. Diese unerwartete drohende Contenance verwirrte den Feind, und Massena fand nicht für gut, eine neue Unternehmung auf diese seine Stellung abzuwarten; er zog sich daher noch am 5. mit dem Gros seiner Armee in solcher Eile zurück, daß er 25 Kanonen, 3 Haubitzen, und 18 Munizionskarren in den Verschanzungen zurückließ, und sich auf den Albisberg gegen Zug zurückzog, worauf die Avantgarde der österreichischen Armee die Stadt Zürch besetzte. Seitdem hat General Massena ausser einigen Vorposten-Gefechten, noch keine entscheidende Schlacht gewagt.


Massena, Herzog von Rivoli, Fürst von Eßling.

Massena, Herzog von Rivoli, Fürst von Eßling, französischer Reichsmarschall.

Er ward in der Grafschaft Nizza geboren, und befand sich bey dem Ausbruche der Revolution als Unteroffizier in sardinischen Diensten. Nachdem er sich an die französischen Truppen, da sie sich des Landes zu bemächtigen suchten, angeschlossen hatte, zeigte er Einsicht und persönliche Tapferkeit, ward Oberoffizier und sodann 1793 Brigadegeneral. Er legte, während dieses Feldzugs, wahre Talente an Tag. Nachdem er hierauf Divisionsgeneral geworden war, kommandirte er 1795 den rechten Flügel der Armee in Italien und fuhr fort sich durch seine Thätigkeit, Einsicht und Tapferkeit hervorzuthun.

1796 trug er wesentlich zu dem glorreichen Erfolg der Lage des Aprills bey, die den glänzenden Feldzug des General Bonaparte eröffneten. Den 14. May zog er an der Spitze der französischen Avantgarde in Mailand und den 25. in Verona ein. Bonaparte nannte ihn das Schooßkind des Siegs. Den 6. July richtete er den Angriff gegen die österreichischen Linien zwischen der Etsch und dem See von Guarda, und brachte es dahin, sie zu nehmen. Weniger glücklich war er den 29., wo er sich den wichtigen Posten von Korona nehmen sah, und den 2. August, wo sein auf Befehl des Obergenerals unternommener Angriff auf Lonado zurückgeschlagen wurde. Schon hatte er 600 Mann und 3 Kanonen verloren und war auf dem Punkte, eingeschlossen zu werden, als der Obergeneral mit seiner gewohnten Schnelligkeit herbey eilte, die Gefangenen wieder frey machte, die Kanonen wieder nahm, und den Feind in die Flucht schlug. Während des übrigen ganzen Monats ging Massena von einem Erfolg zum andern. Den 4. September trug er zum Siege bey Roveredo, zur Einnahme der Linien von Santo-Marco bey, und zog den folgenden Tag in Trient ein. Den 13. März 1797 griff er bey Cadon die feindliche Division des General Lusignan an, schloß sie ein, und machte den General selbst zum Gefangenen. Einige Tage darauf machte er sich zum Meister des Forts Chiusa, stürmte den Paß von Cassa-Sola, warf den Feind trotz seiner Verschanzungen und nahm ihn, ausser 600 Gefangenen, alle seine Magazine. Gegen Ende desselben Monats trug er neue Vortheile bey Tarvis und Klagenfurt davon.

Im May sandte ihn der General Bonaparte nach Paris. er wurde mit Glanz in der Hauptstadt empfangen und den 18. Mai gab man ihm in dem Saale des Odeons ein Fest, das sich mit einem Ball und Banket von 800 Couverts endigte. Im August desselben Jahres war seine Division eine von denen, die die nachdruckvollsten Addressen gegen die Mehrheit der Räthe, unter dem Namen der Clichiparthey, an das Direktorium sandte. Nach dem 18. Fruktidor befand sich Massena auf der Kandidatenliste für das Direktorium.

Im Februar 1798 wurde er nach Rom gesandt, wo sich damals ein Aufstand in der Armee gegen ihn erhob, dessen Heftigkeit ihn nöthigte, das Kommando dem General Dallemagne zu überlassen und sich zurückzuziehen. Kurz darauf ließ er eine Rechtfertigungsschrift seines Benehmens erscheinen, blieb einige Zeit ohne Anstellung und erhielt endlich im Dezember das Oberkommando der Armee in der Schweiz.

Nachdem er sich als Divisionsgeneral auf eine vorzügliche Weise ausgezeichnet hatte, blieb ihm noch übrig, seine Talente als Obergeneral zu zeigen. Er drang 1799 bis in Graubündten ein, nahm Chur, machte den General Auffenberg zum Gefangenen, war aber hierauf durch Jourdans Rückzug an der Donau genöthigt, sich gleichfalls zurückzuziehen. Er übernahm nunmehr das Oberkommando der französischen Macht in Deutschland, macht Schritt vor Schritt dem Erzherzog Karl alle Stellungen der Schweiz streitig und schlug endlich vor Zürich die russische Armee unter Korsakow in vollkommene Flucht. Nachdem besetzte er den St. Gotthard, Glaris und die ganzen Thäler wieder. Man kann sagen, daß seine Siege damals Frankreich retteten.

Hierauf ging er zur Armee in Italien, und sein unglücklicher Feldzug von 1800 weit entfernt das Urtheil zu wiederlegen, das wir eben über ihn gefällt haben, dient nur es zu bestätigen. Er that mit einer Handvoll Soldaten, ohne Geld, Lebensmittel, Kleidung, Munitionen alles, was er vor der überlegenen Macht des Generals Melas thun konnte; seine Vertheidigung von Genua macht eben so viel Ehre dem Generalen, der so lange mit einem schwachen Truppenkorps den Feind mit Vortheil zurückgeschlagen, eine ungeheure Volksmenge in Zaum zu halten und ihr den Hunger ertragen zu lernen wußte, als den Soldaten, die so viel Arbeiten, Elend und Entbehrungen über sich nahmen.

Der erste Konsul Bonaparte wußte seine Anstrengungen und Talente zu würdigen und übergab ihm nach der Schlacht von Marengo das Oberkommando der italienischen Armee.

Den 19. May 1804 wurde Massena Reichsmarschall, hierauf Chef der 14. Cohorte und Großoffizier der Ehrenlegion. Im Februar 1805 erhielt er das rothe Band und sodann den Bayerischen Hubertusorden.

Bey dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten mit Oesterreich bekam er das Oberkommando der italienischen Armee, traf den 6. September 1805 in Mayland ein, schlug sein Hauptquartier zu Valeggio auf, eröffnete den Feldzug mit der Einnahme von Verona, erlitt einigen Verlust unter den Redouten von Schlacht von Caldiero (1805)Caldiero, verfolgte jedoch mit Muth die Arriergarde des Erzherzogs Karls, der sich wegen der unglücklichen Ereignisse bey der Armee in Deutschland zurückziehen mußte, ging über die Piave und den Tagliamento, und bewerkstelligte im November seine Vereinigung mit der grossen Armee.

Nach Unterzeichnung des Preßburger Friedens, kehrte er nach Italien zurück und leitete den Marsch der Armee gegen das Königreich Neapel unter dem Prinzen Joseph. Die Eroberung von Neapel kostete beynahe mindere Schwierigkeiten, als die Befestigung der neuen Krone Josephs, die Vertheidigung seines Königreichs wider die englischen Landungsversuche, und die Dämpfung innerer Gährungen und weit verbreiteter Unruhen, die vorzüglich in Kalabrien zu sehr heftigen und blutigen Ausbrüchen kamen. Massenas Talente und Energie fanden Mittel, diese Hindernisse zu überwältigen. Neapel war im Anfange des Jahrs 1807 beruhigt.

Desto mehr war damals ein Feldherr wie Massena in Pohlen an seinem Platze. Auf Napoleons Ruf eilte er dahin und übernahm in den ersten Tagen des März das Kommando über den bey Ostrolenka kantonnirenden rechten Flügel der grossen Armee, der aus dem, vorher von den Marschall Lannes angeführten fünften Armee-Korps, den Bayerschen und mehrern pohlnischen Truppen bestand. Er zeichnete sich in ein paar Gefechten aus. Nach dem Tilsiter Frieden kehrte er nach Paris zurück. Hierauf wurde er zum Herzog von Rivoli und Präsidenten des Wahlkollegiums der Seealpen ernannt.

Bey dem Ausbruche des Kriegs mit Oesterreich im Jahre 1809 übernahm er das Kommando eines Korps, und zeichnete sich vorzüglich in der für die Franzosen unglücklichen |Schlacht bey Aspern aus, wo er sich in Eßling hielt. Nach dem Frieden ernannte ihn Napoleon deßwegen zum Fürsten von Eßling, und er ist nun nach Spanien abgegangen, um das Kommando der Armee gegen Portugal zu übernehmen.


Massena, Fürst von Eßlingen und Herzog von Rivoli.

Massena, Fürst von Eßlingen und Herzog von Rivoli, Marschall von Frankreich, Großadler und Chef der vierzehnten Cohorte der Ehrenlegion u.s.w.

Er war in der Grafschaft Nizza geboren und stand beim Ausbruch der französische Revolution noch als Unteroffizier unter den sardinischen Truppen. Als aber die Krieger der neuen Republik den Mont-Cenis überstiegen hatten, gesellte er sich zu ihnen und that sich bald durch Muth und Einsicht hervor. Er ward Oberoffizier und stand schon 1793 an der Spitze einer republikanischen Brigade. Hier, ohne Meister, lernte er in kleinen Gefechten vom Kriege den Krieg. Er schlug die Piemonteser bei Castel-Geneste (Nov. 93.), zerstreute bei Ponte di Neva ein Corps Oesterreicher, bemeisterte sich Ormea's, und trug das meiste zum Siege bei Saorgio bei. Im April 1794 wurde er Divisionsgeneral, und fuhr fort, manchen glücklichen Erfolg zu erfechten.

Als 1796 Bonaparte Oberbefehlshaber des italienischen Heeres wurde, war Massena sein unzertrennlicher Waffengefährte. Um daher die Thaten desselben in Bonaparte's zwei ersten italienischen Feldzügen zu erzählen, müßte man ihre ganze Geschichte von den Schlachten bei Montenotte, Millesimo und Lodi bis zur Schlacht bei Rivoli und bis zu den Kämpfen in den Gebirgen von Tarvis und Klagenfurt wiederholen. Bei Lonato war er bereits von den österreichischen Colonnen umzingelt und lief Gefahr, gefangen zu werden, als Bonaparte ihn rettete. Er wurde von dem Oberfeldherrn nach Wien gesandt, um die Friedensunterhandlungen zu beenden, und dann 1797 nach Paris, um sie ratificiren zu lassen. Die Hauptstadt empfing ihn mit Jubel und feierte ihm glänzende Feste.

Während Bonaparte in Aegypten focht, waren Massena und Moreau Frankreichs Hoffnung. Er hatte als Divisionsgeneral bisher nur diejenigen Talente entwickeln können, die zur glücklichen Ausführung fremder Entwürfe gehören; aber im Feldzuge von 1799 bewies er in der Schweiz seine Fähigkeit auch als Oberbefehlshaber. Zwar mußte er nach einer glücklichen Eröffnung des Krieges bis zum Albis zurückweichen, hier aber erwartete er in einer festen Stellung den günstigen Augenblick, und kam durch die Schlacht bei Zürich der Vereinigung Korsakows und Suwarows, der bereits den Gotthard überstiegen hatte, zuvor. Dieser Sieg, der das halbe russische Heer aufrieb und in dessen Folge Rußland sich von Oesterreich trennte, rettete Frankreich. Als Massena die helvetischen und rhätischen Alpen wieder erobert hatte, sandte ihn das Directorium im J. 1800 nach Italien, wo allenthalben die Oesterreicher siegend vordrangen. Statt einer Armee fand er einem schwachen Haufen Soldaten, die, von Frankreichs elender Regierung vergessen, ohne Geld, Lebensmittel und Munition gegen einen sieggewohnten überlegenen Feind das Feld behaupten sollten. Massena eilte, Genua zu erhalten. Seine Vertheidigung dieser Stadt gehört zu den außerordentlichen. Zur See von den Engländern, zu Lande von einem starken österreichischen Heere unter Melas belagert, hatte er mit Pest und Hunger im Innern zu kämpfen und ein den Franzosen abgeneigtes Volk im Zaum zu halten. Erst als alle Vertheidigungsmittel erschöpft waren, nahm Massena, zehn Tage vor der Schlacht von Marengo, eine ehrenvolle Capitulation an; aber diese Schlacht schlug Oesterreichs Heer zu Boden, und der Consul Bonaparte, der nach Paris zurückeilte, übergab dem Vertheidiger Genua's den Oberbefehl der Armee. Bald darauf erfolgte der Friede.

Massena wurde vom Seinedepartement in den gesetzgebenden Körper gewählt und Frankreichs neuer Kaiser erhob ihn 1804 zum Reichsmarschall. Im J. 1805 erhielt Massena den Oberbefehl in Italien; dem überlegenen Genie des deutschen Helden Carls gegenüber, unterlag er in der Schlacht bei Caldiero. Als aber dieser durch das Unglück der deutschen Waffen in Franken und Bayern zum Rückzug in das Innere Oesterreichs gezwungen war, verfolgte er ihn, jedoch ohne ihm einen Vortheil abgewinnen zu können. Der Friede von Preßburg wurde geschlossen, und Massena eilte auf Napoleons Befehl nach Neapel, um dieses schwach vertheidigte Königreich für Joseph in Besitz zu nehmen. Hier blieb er, bis ihn 1807 Napoleon nach Polen berief, um den rechten Flügel der weitgedehnten französischen Heeresmacht zu befehligen. Er bestand den mörderischen Kampf bei Pultusk, und am 12. Juni 1807 erstürmte er die Linien von Ostrolenka. Der Friede von Tilsit hatte kaum auf dieser Seite Ruhe gewährt, als 1808 der Krieg in Spanien sich entzündete. Mit dem Titel eines Herzogs von Rivoli betrat er diesen Kriegsschauplatz, von dem er 1809 nach Deutschland abgerufen wurde. Hier kämpfte er die großen Schlachten bei Regensburg, Aspern und Eßlingen und bei Wagram mit. In der zweiten rettete seine Standhaftigkeit und Ausdauer das französische Heer vom gänzlichen Untergange, und Napoleon belohnte ihn mit der Würde eines Fürsten von Eßlingen.

Bald nach dem Frieden eilte er aufs neue nach Spanien, um Englands unbesiegtem Feldherrn sich entgegenzustellen. Dieser zog sich vor der französischen Uebermacht zurück und begnügte sich, in einer felsenfesten Stellung die Hauptstadt Portugals zu vertheidigen, bis der Mangel dem feindlichen Heere den längern Aufenthalt unmöglich machte. Massena würdigte seinem Gegner zu richtig, um einen Angriff auf ihn zu wagen, und zog sich zurück. Sein Heer litt bedeutend, sowohl durch Hunger als durch den thätig verfolgenden Gegner. Napoleon, missvergnügt über diese ihm unerwünschten Resultate eines prahlerisch angekündigten Feldzugs, rief Massena zurück, und ließ ihn bis zu seinem Sturze ohne Anstellung; eine Erscheinung, welche die höchste Spannung zwischen beiden vermuthen läßt.

Auch erklärte sich Massena, der 1814 in Toulon commandirte, sogleich für Ludwig XVIII., und ließ ihm mit vielem Geräusche huldigen. Er ward Commandeur des Gr. Ludwigs-Ordens, und versicherte dem Könige bei der Fahnenweihe in Marseille aufs neue seine unwandelbare treue. Bei Napoleons Landung 1815 aber war sein Betragen in Toulon mindestens zweideutig. Als der Kaiser wieder eingesetzt war, schwor er zu seiner Fahne, und ward Pair und Commandant der pariser Nationalgarde. Als solcher trug er viel zur Erhaltung der Ordnung in der Stadt während der unruhigen Tage bei, die des Königs Rückkunft vorhergingen. Seitdem lebt er von allen Geschäften zurückgezogen. Im Juni 1816 erwarteten die pariser Blätter seinem Tod wegen Engbrüstigkeit.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

"Massena, ein Mann von seltenem Muthe, und einer höchst merkwürdigen Ausdauer, dessen Talent durch das Uebermaß der Gefahr sich erhob; der, wenn er besiegt war, sich immer bereit zeigte, den Kampf wieder zu beginnen, wie wenn er den Sieger gewesen wäre."


"Massena war ein Mann von ausgezeichnetem Talent. Dennoch machte er gewöhnlich kurz vor einer Schlacht schlechte Dispositionen, und nur erst als der Tod ihn bald überfiel, fing er an mit der Einsicht zu handeln, die er hätte vorher entwickeln sollen. Mitten unter den Sterbenden und den Todten, und den Kugeln, die seine Umgebungen hinwegrassten, war er ganz Massena, gab seine Befehle und machte seine Dispositionen mit der größten Einsicht und sang froid. Das ist der wahre Adel von Geblüt. Man sagte mit Wahrheit von ihm, daß er nie eher mit Einsicht zu handeln begonnen, als bis die Schlacht für ihn ungünstig wurde. Bei alle dem war er ein voleur. Er theilte mit den Kommissären der Armee. Ich bedeutete ihm oft, daß ihm ein Geschenk von acht hundert tausend bis eine Million Franks machen wollte, wenn er seine Kassendiebstähle einstellen wollte; aber es war ihm so zur Gewohnheit geworden, daß er seine Hände nicht von dem Gelde halten konnte. Deswegen war er den Soldaten verhaßt, welche sich drei oder viermal gegen ihn auflehnten. Dennoch war er, in Erwägung der Zeitumstände kostbar, und hätte er seine glänzenden Eigenschaften nicht mit dem Laster des Geizes besudelt, er würde ein großer Mann gewesen seyn."


"Massena war ein sehr ausgezeichneter Mann; ihm hatte die Natur das so wichtige Gleichgewicht nur mitten im Feuer vergönnt; es wuchs ihm während der Gefahr."


"Massena war überdieß von einem schmuzigen Geize besessen, und man behauptete, ich hätte ihm einen verzweifelten Streich gespielt. Ich hätte nämlich eines Tags, über seine neuesten Plünderungen empört, auf seinen Bankier zwei oder drei Millionen gezogen. Nun entstand große Verlegenheit; denn meine Name hatte immer einiges Gewicht. Der Bankier schrieb zurück, er könnte ohne die Bevollmächtigung von Massena nicht bezahlen; es wurde ihm aber geantwortet, dennoch zu bezahlen, indem ja Massena die Gerichtshöfe hätte, um zu seinem Recht zu gelangen; Massena that aber nichts der Art, und bezahlte."


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Zweiter Band. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Napoleon in der Verbannung. Von Barry E. O'Maera, Esq. Dresden bei Paul Gottlob Hilscher. 1823.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.