Anne Louis Girodet-Trioson

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Girodet, der eigenthümlichste, vielseitigste und wissenschaftlichste der neuern französischen Maler, ist der trefflichste von Regnaults Schülern.

Er ist in Paris 1769 geboren. Sein Streben ist echt und groß, und nicht in den Schranken einer Manier befangen. Schon in früher Jugend studirte er in Rom.

Man erkennt in seinen Werken eine entschiedne Neigung zu plastischer Vollendung und antikem Styl, doch maltet dabei Leben und Natur mit schönen Eigenthümlichkeit in allen seinen Gemälden; er macht es wie die alten Italiener, die das Antike im romantischen Geist und Sinn zu erreichen suchten. Seine Zeichnung ist höchst richtig und von strenger Bestimmtheit, sein Colorit reich und transparent, doch still harmonisch, fern von Buntheit. Er arbeitet mit eben so ernster Sorgsamkeit als Genialität, es steht alles gediegen da. Er liebt die Lichteffecte, aber sie gehen bei ihm aus dem Geist des Bildes hervor.

Eines von Girodets schönsten Gemälden ist sein Endymion, den er noch in Italien malte. Sein Hippokrates hat eine wundersam schöne Beleuchtung; sein Joseph, der sich seinen Brüdern zu erkennen gibt, ist ein idyllisches, liebliches Werk; sein Ossian hat Schönheiten der Zeichnung, aber dieser Gegenstand ist in der Erfindung verfehlt. Sehr berühmt ist dagegen die große Sündfluthsscene dieses Meisters, ein Hauch von Buonarotti's Riesengeist weht darin. Ein rein schönes und ewig rührendes Kunstwerk ist hingegen Girodets Atala nach der bekannten Erzählung Chateaubriands. Er malte ferner Napoleon, wie er die Schlüssel der Stadt Wien empfängt. Die Porträts dieses Meisters sind vortrefflich, voll Kraft und Wahrheit.

Er selbst ist allgemein geschätzt und geliebt; Rechtlichkeit, Bescheidenheit, Strenge gegen sich und Milde gegen andere tiefer Kunstsinn und warmes Gefühl, sind die Hauptzüge von Girodets Charakter. Im Jahre 1817 wurde er Ritter des St. Michaelordens. Er arbeitet jetzt an einem sehr großen Gemälde, den heiligen Ludwig in Aegypten darstellend.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.