António de Araújo e Azevedo

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Aranjo (Anton Azevedo Ritter von), ist ein Mann von etlich 40 Jahren, aus einer der besten portugiesischen Familien, von vieler wissenschaftlichen Bildung und ein gefühlvoller Dichter. Seine eigentliche öffentliche Laufbahn fieng er als portugiesischer Geschäftsträger in Holland an, wo er 1796 der Eröffnung des batavischen Nationalkonvents beywohnte. Am Ende dieses Jahres gieng er nach Paris, um im Nahmen seines Hofes zu unterhandeln. Hier war er nicht glücklich: er ward, da die Königin den Vertrag nicht ratifizirte, arretirt und erst 1798 entlassen. Der Prinz Regent nahm ihn mit Achtung auf und machte ihn zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Er hat keinen geringen Theil an den letzten Ereignissen in Portugal und verließ mit seinem Hofe das alte Vaterland.


Ueber den Brasilischen Staatsminister, Chevalier d'Araujo, von dem Herrn von Correa.

In Englische Blätter ist folgendes eingerückt:

"Vor wenigen Monaten wurde in einigen öffentlichen Blättern das Betragen des Herrn von Araujo, Minister der auswärtigen Angelegenheiten *) bei Sr. Königl. Hoheit, dem Prinz Regenten, außerordentlich verläumdet. Wer persönlich einen Charakter als Staatsmann und Politiker kennt, der wird das wahr finden, was ich jezt in Ihr Blatt zu Gunsten eines Mannes einrücken lasse, der so oft Beweise der Treue gegen seinen Fürsten und sein Vaterland gegeben hat.
Man erzählte, daß Herr von Araujo an seinem Fürsten und Vaterlande zum Verräther geworden sey; daß man ihn arretirt und in Fesseln nach Brasilien geführt hätte, **) und kurz, daß er gewonnen gewesen wäre, um sein Vaterland zu überliefern. Untreue gegen seinen Fürsten ist aber ein Verbrechen, welches nicht im Charakter eines Portugiesen liegt, wenn er auch aus der niedrigsten Classe der Nation ist; und solchen Schandfleck findet man in der ganzen Portugiesischen Geschichte nicht.
Wer weiß, was ehre ist, der wird argwöhnischen Gedanken nicht eher Raum geben, als bis er augenscheinlichen Beweis hat; und wenn wir so gegen den geringsten Bürger im Staate handeln müssen, um wie vielmehr sind wir verpflichtet, den Charakter desjenigen zu retten, dem die politische Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten anvertraut ist. Der Prinz Regent von Portugall kennt schon beinahe 20 Jahre die Fähigkeiten des Herrn von Araujo im politischen Fache, und er hat seinen Werth als Diplomatiker und Minister durch seltene Beweise beurkundet. Ich mögte fast glauben, daß eine solche Nachricht mehr der Unwissenheit als Bosheit ihren Ursprung verdankte.
Ich könnte eine Correspondenz vorlegen, die augenblicklich allen Argwohn, den Unwissenheit oder Bosheit gegen den Charakter des Herrn von Araujo in Umlauf gebracht haben, vernichten würde; allein Verschwiegenheit und meine Verhältnisse verbieten dies. Herr von Araujo ist immer ein ächter Portugiese gewesen, treu seinem Fürsten, und bieder gegen sein Vaterland. Den Herrn von Aranjo in seinen Grundsätzen einen Franzosen nennen, ist ganz falsch. Er war hierin immer Portugiese, wie es auch seine Pflicht war; denn Parteilichkeit in Grundsätzen gegen diese oder jene Nation ist ein Verbrechen gegen den Patriotismus, und ich überlasse es dem ersten besten Engländer die Wahrheit dieses Satzes zu bekräftigen.
Portugall konnte, bei der gegenwärtigen Lage des Continents, des fremden Einflusses sich nicht erwehren, noch irgend eine Hoffnung von politischer Existenz behalten, als durch eine scheinbare Fügung in fremde Absichten, indem es sich bestrebte, bei ein allgemeiner Friede oder andere Umstände Veränderungen herbeibrächten.
Herr v. Araujo nahm als Staatsmann, gegen einen fremden Minister und dessen zahlreiche Umgebungen, immer die Maske der Freundschaft an; ***) ein entgegengesetztes Betragen würde das Interesse seines Landes zu Grunde gerichtet und die Mittel der Auswanderung vernichtet haben, welche er schon seit dem Frieden von Badajoz immer im Sinn hatte, und die er mir, als seinem Freunde, im Jahre 1802 mittheilte. In der Folge ergriff er in der Stille die nöthigen Maaßregeln, um die Königl. Familie, die Armee, die Marine und die Schätze der Krone in Sicherheit zu bringen.
So war das öffentliche Betragen des Herrn von Araujo, und ich bin überzeugt, daß kein geschickter Staatsmann dieses Verfahren tadeln werde.
Den 12ten April 1808.
J. A. Correa, vormaliger Portugiesischer Geschäftsträger in Schweden.
*) Antonio de Araujo Azevedo, Ministro e Secretario de Estado.
**) Es hieß sogar, er wäre nach seiner Ankunft zu Rio Janeiro mit verschiedenen andern Personen enthauptet worden. Nach den neuesten Berichten aber ist er fortdauernd Mitglied des Conseils und hat in dem Posten als Staatssecretär der auswärtigen Angelegenheiten D. Rodrigo de Souza-Couthinho zum Nachfolger erhalten.
***) Man sieht also, sezt ein Englisches Ministerial-Blatt hinzu, wie richtig man ihn Französischer Seits beurtheilt hat.

Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.