Antoine-Jean Gros

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Gros, Schüler von David, ist unstreitig der größte Bataillenmaler unserer Zeit.

Sein Kunststreben nahm eine ganz verschiedene Richtung von der seines Meisters. Er ist ein ausgezeichnet guter Colorist, alles ist lebendig, genial, glühend und kraftvoll in seinen Werken, doch Anmuth und Würde mangeln bisweilen; seine Gemählde bestechen seht, die Zeichnung ist so kühn, die Farbe so frisch und glänzend, doch den höhern Einklang, das tiefe geistige Leben vermißt man oft darin. Erst machte sich Gros durch sprechend ähnliche Porträts bekannt, bald ging er aber zu dem ihm eigenthümlichern Fach großer und reicher Compositionen über, wobei er sich Paul Veronese scheint zum Vorbild gewählt zu haben.

Sein erstes berühmtes und gekröntes Werk dieser Art war das 1804 ausgestellte Gemählde: die Pestkranken zu Jaffa. Das Furchtbare dieses Gegenstandes ist zwar dabei in grelles Licht gestellt, aber durch treffliche Wirkung und glückliche Gedanken auch wieder gemildert. Drei hohe Arkaden wölben sich hier über dem Schauplatz im Hospital zu Jaffa, wo das Pestelend gegen die Siegerpracht contrastirt. In goldgestickter Uniform, mit Tressenhut und rothem Federbusch, umgürtet mit einem purpurnen Kasimirshawl, an seiner Hüfte Carls des Großen Schwert mit Rubinen und Sapphiren geschmückt, steht Napoleon vor einem Kranken, dessen Wunde er befühlt. Desgenettes steht, ihn zurückhaltend, hinter ihm. Eine Gruppe von Kranken drängt sich mit rührender Zuversicht um ihn her. Um diese Hauptgruppe her ist alles mit Linderung der Wunden und Herbeischaffung der Lebensmittel beschäftigt. Der erste Plan ist in schauerlichem Dunkel gehalten, ein Wundarzt sinkt sterbend über die Todten; viele Sterbende kämpfen mit den fürchterlichsten Schmerzen, dumpfe Verzweiflung spricht aus ihren entflammten Augen. Andere Kranke strecken mit unermeßlicher Sehnsucht die matten Hände nach dem Erfrischungen aus, welche Neger und Muselmänner in vollen Körben herbeitragen. Auf dem Plan der Hauptgruppe wird ein Kranker von einem Muselmann aufrecht erhalten und von einem andern verbunden. Farbenreiches läßt sich nichts ersinnen, als das Costüm dieses alten Arztes: über dem dunkelblauen Stirnbund wölbt sich ein purpurgestickter gelber Shawl, purpurne Aermel, mit weißem Stoff ausgeschlagen, sehen unter dem grünen Kaftan hervor, an goldner Kette hängt die Tabackstasche von Purpur und Gold. So ist hier überall die Fülle orientalischer Pracht neben Blöße und Elend gestellt. Die Umgebungen sind sehr reich, die hochgezackten Mauern, die zierlich bunten Arabesken an den Wänden, der Säulengang, durch dessen Oeffnungen man Bastionen, Meer und Schiffe erblickt, die Ringmauer des Hospitals, über welche die Stadt und ein hoher Thurm hervorschaut, dahinter üppig grüne Bäume und ein dunstbeladener Himmel; im fernsten Hintergrunde das geschäftige Leben französischer Krieger mit Gruppen von Türken und Kameelen gemischt, alles erquickt den von den Leidensgegenständen ermüdeten Blick und führt ihn zuletzt auf den hellen Mittelpunkt des Ganzen zurück.

Dieses Gemälde erregte allgemeines Aufsehen, die Regierung kaufte es und Gros bekam eine neue Aufgabe: die Schlacht bei Abukir. Er entwarf dieses überaus große und reiche Gemälde, dessen nähere Beschreibung uns hier zu weit führen würde, in vollem Feuer erster Begeisterung, und vollendete es in ungefähr 14 Monaten.

Die Schlacht von Eylau, welche Gros malte, ist von ungemeiner Wirkung; doch ist vieles darin übertrieben, und der gute Geschmack muß die Darstellung so vieler Verstümmelten mißbilligen.

Im J. 1814 stellte Gros ein Gemälde aus, den Besuch von Franz I. und Carl V. in der Abtei St. Dénis darstellend, welches allgemein bewundert wurde; es ist für die Sakristei dieser Kirche bestimmt.

Die Abreise des Königs in der Nacht des 20. März 1815 ist der Gegenstand des neuesten Werkes von Gros, welches er 1817 ausstellte. Man tadelt die darin herrschende Verwirrung und das Unedle der Hauptgestalt; eine Gruppe Nationalgardisten ist ausdrucksvoll, der Lichteffect auf dem zweiten Plan und die Gestalt eines alten Dieners sind trefflich.

Gros ist Mitglied des Instituts und der Ehrenlegion, und Professor der Schule der Maler- und Bildhauerkunst.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.