Antoine Charles Louis de Lasalle

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Biographische Skizze des in der Schlacht bei Wagram getödteten Französis. Generals, Grafen Lasalle.

Unter den Helden, deren Tod in den Blutfeldern an der Donau das Eroberungsvolk unserer Tage beklagt, ruht auch der tapfere Graf Lasalle.

Er war am 10ten Mai 1775 zu Metz geboren, Sprößling eines adelichen Geschlechts dieser Stadt. Er trug als Knabe schon die Waffen, und, nicht sein Verdienst, sondern Herkunft und Verwandtschaften gaben ihm schon in seinem eilften Jahre, nemlich 1786, eine Offizierstelle im Regiment Elsaß. Aber die Revolution seines Vaterlandes änderte den gewöhnlichen Lauf der Dinge, und neue Vorurtheile schwangen sich an die Stelle der alten. Sein Adelsbrief, der ihn vorher über Tausende erhob, ward jezt sein Anklagebrief. Darum verläugnete er seinen Namen, aber nicht seinen Beruf zu den Waffen. Er ward gemeiner Soldat im 23sten Regiment der reitenden Jäger, und erwartete alles nur von seinem Muthe.

Bald schloß sich die Gelegenheit auf, durch Verdienst wieder zu erobern, was seine Herkunft ihm nicht mehr gewähren konnte. Sein Regiment diente bei der Nordarmee, wo er den bescheidenen Rang eines Fouriers bekleidete. An der Spitze einiger Chasseurs seiner Compagnie griff er eine feindliche Batterie an, und nahm sie. Seine That kam zu den Ohren des Oberbefehlshabers. Dieser wollte den jungen Lasalle sehen, und machte ihn zum Offizier.

Als er in Italien eines Tages mit 18 Mann Reuterei auf einen Trupp von hundert feindlichen Husaren stieß, bedachte er sich nicht lange, und griff an. Die Deutschen, erst erstaunt, dann erschreckt durch die Verwegenheit der kleinen Schaar, flohen auseinander. Lasalle, hingerissen von seinem Ungestüm, verfolgt sie, und wird plötzlich von vier Husaren umringt, die sich gegen ihn stürzen. Er kämpft, verwundet alle vier, und kommt wieder zu seinem Häuflein zurück, das ihn schon für verloren gehalten hatte.

In der Schlacht von Rivoli vollbrachte er unter den Augen Bonaparte's eine ähnliche Heldenthat. Der Feind hielt eine Berghöhe besetzt, welche die Ebene beherrschte. Die Berghöhe mußte dem Feinde entrissen werden. Bonaparte wählte den wackern Lasalle zu der Unternehmung, deren Gefahr so groß, als ihr Ruhm war. Von Position zu Position ward nun der Feind gedrängt; der bescheidene Sieger, mit Lorbeern und Fahnen bedeckt, kehrt heim und legt sie zu den Füßen seines Generals nieder. "Ruhen Sie aus auf diesen Fahnen, Lasalle" sprach Bonaparte zu ihm: "Sie habens wohl verdient."

In den heißen Kämpfen auf Aegyptens und Syriens Boden erwarb er sich Obersten Rang; dann in Italien wieder, und im Feldzuge vom Jahr 1805 gegen Oesterreich den Rang des Brigadegenerals.

In dem Kriege gegen Preußen im Jahr 1806 war's der General Lasalle, der an der Spitze zweier Cavallerieregimenter Stettin zu berennen wagte. Der glückliche Erfolg rechtfertigte die Verwegenheit seines Schrittes. Die Festung öffnete ihre Thore. Eine 6000 Mann starke Garnison streckte vor ihm das Gewehr, und gegen hundert Kanonen fielen in seine Gewalt.

Bei der Schlacht von Heilsberg war Lasalle überall an der Spitze der leichten Reuterei. Durch eines jener unerklärbaren aber gewöhnlichen Ereignisse des Kriegs ward der Großherzog von Berg, jetziger König von Neapel, von 12 feindlichen Dragonern umzingelt. Lasalle siehts, hat weder Zeit zu überlegen, noch Befehle zu geben, stürzt sich allein, wie er ist, auf den fechtenden Haufen, schmettert den feindlichen Offizier zu Boden, und sprengt die eilf andern aus einander.- Ein paar Stunden später hat Lasalle das Schicksal dessen, den er befreit hatte. Hingerissen von Ungestüm steht er einzig im dicken Haufen der Feinde. Der Großherzog von Berg sieht die Gefahr seines Retters, eilt ihm zu Hülfe, befreit ihn, und sagt, indem er ihn umarmt: General, wir sind quit mit einander.

Der Feldzug in Spanien schloß dem General Lasalle eine neue Bahn der Ehre auf. Mit einem Corps von 6000 Mann Infanterie und 800 Mann Reuterei schlug er bei Torquemada eine Spanische Armee 27,000 Mann stark, und eroberte alle Kanonen derselben. Seinen Sieg verfolgend, gewinnt er ein zweites Treffen bei Palencia, und diese Stadt, umsonst von einem Flusse und zahlreicher Garnison beschützt, muß sich ihm so gut ergeben, als Valladolid. Beauftragt nun mit der Administration der Spanischen Provinzen, die er erobert hatte, machte er die neue Regierung dem Volke eben so Schätzbar, als er ihre Waffen furchtbar gemacht. Jezt war er nicht mehr der Schreckliche, wie man ihn noch eben in den Schlachtfeldern gesehen; sondern die Ueberredung floß von seinen Lippen; Seelengüte malte sich in seinen Mienen; Zartgefühl und Ehre waren die Richtschnur seines Betragens, das ihm alle Herzen gewann

Der zweimal geschlagene Cuesta und Blake, der nach dem Ruhm dürstete, Frankreichs Adler vor sich herzutreiben, hatten ein Heer von 40000 Mann zusammengebracht. Nur 12000 Mann hatte ihnen der Herzog von Istrien [xxx] entgegen zustellen Da begann das schreckliche Gemetzel zu Medina del Rio Secco. Lange war des verzweiflungsvollen Kampfes Ausgang unentschieden, bis General Lasalle [xx] den Sieg entschied. An der Spitze des 10ten und 22sten Regiments der reitenden Jäger hieb er in die erschütterten Heersäulen der feindlichen Macht ein, und zertrümmerte sie. Wenige Tage nach dieser Waffenthat ward er zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.

Beim Rückzuge der Französischen Armee nach Vittoria mußte Lasalle den Nachtrab befehligen. Er that es mit meisterhafter Klugheit, und hielt den feind durch Gewandtheit seiner Manövres in ehrfurchtsvoller ferne. Der Oberbefehlshaber und alle unterrichtete Offiziere zollten ihm lauten Beifall.

Endlich erschien der Kaiser selbst in Spanien. Alles wich vor der Macht der Heerführers der Helden. - Während Napoleon in eigner Person die fast unzählbare Armee von Castilien schlug, griff Lasalle mit seinen zwei Leibregimentern Burgos an, und eroberte den Platz, wo eine ganze feindliche Division verschanzt lag. Zwölf Kanonen und siebzehn Fahnen waren die Frucht dieses neuen Siegs.

Eben so, von seinen treuen Jägern begleitet, eroberte er bei Villariezo siebenzehn Stück schweren Geschützes und 4 Fahnen, und im Treffen bei Medelin war er es, der an der Spitze des 4ten Cuirassierregiments die feindliche reihen durchbrach, zerstörte und das Schicksal dieses Tages entschied.

Napoleon rief ihn nach Deutschland. Aber hier erwartete ihn zwischen den Lorbeeren der Tod. In der ewig denkwürdigen und entscheidenden Schlacht bei Wagram ward er am 6ten Julius durch eine Flintenkugel getödtet.


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.