Antoine Christophe Merlin

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Merlin (Anton) von Thionville, Gerichtsdiener und Municipalitätsoffizier, war Deputirter der Mosel bey der Gesetzgebung, wo er mit Bazire und Chabot das sogenannte Trio Cordelier bildete, das sich, während der ganzen Sitzung, zur Gewohnheit machte, täglich alle Minister und Angestellte zu denunziren. Den 10. August machte er sich an der Spitze von den Feinden des Hofs bemerkt, und er war es vornemlich der Röderer nöthigte, den König in den Saal der Versammlung zu führen.

Nachdem ihn sein Departement wieder zum Deputirten in dem Konvent gewählt hatte, beschuldigte er den 1. Oktober Ludwig XVI., Willens gewesen zu seyn, das Blut des Volks stromweise fliessen zu lassen; den 11. Dezember widersetzte er sich, daß dem Könige Rathgeber zugestanden würden; und als er einige Tage darauf zum Kommissär in Maynz ernannt worden war, schrieb er den 6. Januar 1793 aus dieser Stadt, daß er seinen Tod votire.

Er blieb in dieser Festung, als sie von den Preussen belagert wurde, trug viel zu ihre Vertheidigung bey, zeigte sich an der Spitze aller Ausfälle mit der größten persönlichen Tapferkeit und unterließ nichts, um sich die Liebe des Soldaten zu erwerben. Doch beschuldigte ihn die öffentliche Meinung, bald Geld von dem Könige von Preussen angenommen zu haben, um die Kapitulation zu beschleunigen, bald sich einen Theil der Geräthschaften und des Silbers vom Churfürsten zugeeignet zu haben. So viel ist gewiß, daß er in seinen Sendungen eine grosse Pracht zur Schau trug, hierauf Landhäuser, prächtige Equipagen u. s. w. kaufte, und die Mitgabe von 20000 Franken, welche er mit seiner Frau erhalten, zu allen seinen Verschwendungen nicht hinreichend seyn konnte.

Den 4. August erschien er wieder in dem Konvent, stattete einen Bericht über die Belagerung von Maynz ab und ließ das Verhaftdekret zurücknehmen, welches die Generale, die in dieser Festung kommandirt hatten, treffen sollte.

Den 16. November wurde er zum Volksrepräsentanten in der Vendee ernannt, wohin damals die Maynzer Garnison abgegangen war. Er benahm sich daselbst mit dem Muth, den man schon an ihm gerühmt hatte. Bey seiner Rückkunft vertheidigte er mit Wärme den General Westermann.

Im July 1795 beobachtete er das tiefste Stillschweigen während des Kampfes, der den Sturz Robespierres vorbereitete; und nach dem Siege schlug er sich muthig zum triumphirenden Parthey.

Später erneuerte er seine Angriffe gegen die Gesellschaft, die er einen Schlupfwinkel gegen Tugend und Gerechtigkeit bewaffneter Räuber nannte, gestand laut seinen Haß gegen alle Volksgesellschaften, erklärte, daß er eher umkommen, als sie gelten lassen wollte, und verlangte, daß der Briefwechsel der Jakobiner versiegelt werden möchte.

Er fuhr fort, in den Ausschüssen der Versammlung zu figuriren, ward den 12. Germinal dem General Pichegrü, zur Vertheidigung des Konvents, an die Seite gegeben und sodann von neuem zur Rheinarmee geschickt; allein sein Kredit verminderte sich nach und nach, und er sah ihn vollends ganz sinken im Rathe der 500, in dem er zu Ende dieses Jahres trat. Die Journalisten griffen ihn mit der größten Erbitterung an. Im May 1798 verließ er den Rath und ließ sich bey der Generalkostverwaltung anstellen.

Im Sommer 1799 wurde er in Folge der Krise vom 30. Prairial bey dem Rathe der 500 als Staatsverschwender denunzirt, da er unermeßliche Territorialbesitzungen gegenwärtig, und vor der Revolution deren nicht eine einzige besessen habe. Die Denunziation hatte aber eben so wenig Folge, als eine gegen Rewbel, Scherer, Rapinat und andere; und Merlin ist noch bis diesen Tag in vollem Genusse seines Vermögens. Er hat namentlich das ehemalige Kalvarienkloster bey Paris an sich gekauft.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.