Armée de Sambre-et-Meuse

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Ueber die Französische Armee in Teutschland. Ihre Beschaffenheit. Character und Glück.

Von Augenzeugen. Im Monate August.

Man hat von der Beschaffenheit der Französischen Armee so verschiedne partheyische Urtheile gehört, und gelesen, daß es schwer hält, die reine Wahrheit daher zu abstahiren. Wir haben indeßen von Augenzeugen einige Bemerkungen mitgetheilt bekommen, und einige andre aus unpartheyischen Quellen geschöpft, und glauben dadurch vieles zur richtigen Beurtheilung der jetzigen Begebenheiten, und militairischen Erscheinungen, beytragen zu können.


Die Generale der Französische Armee, welche unter der Anführung Jourdans steht, so wie der ganze Stab, und der General en Chef selbst, sind vollkommen unterrichtete, talentvolle Männer: die subalternen Officiere hingegen sind unter aller Kritik, von den Soldaten gewählte, ununterrichtete Leute, die gemeinen Soldaten, munter, lebhaft, und voller Bravour, keine Gefahr scheuend, unternehmend und rastlos, und unermüdet in Gefechten, und Diensten aller Art, aber schlecht, und unordentlich, zum Theil gar in zerrißne Röcke gekleidet; dagegen mit allem, was zur Armatur gehört, unübertreflich gut versehen. Das Manoeuver ihrer Cavallerie ist sehr gut, ihre reitende Artillerie über alle Beschreibung vortreflich. Auch hat diese die meisten und wesentlichsten Dienste zur Erlangung der Siege geleistet.

Der größere Theil der gebildeten Officiere neigt sich sehr deutlich auf die Seite des Royalismus, die Republicanischen Feste werden gar nicht, als etwann durch beorderte Artillerie-Salven gefeyert. Von Gleichheit ist in der ganzen Armee keine Spur zu bemerken: vielmehr der Abstand den höhern und subalternen Officieren auffallend groß. Das ehemalige Jacobinische Du ist völlig verbannt. Das Wort Bürger (Citoyen) hört man äußerst selten. wenn der Soldat seinen Officier anredet, so nennt er ihn, wie ehedem, Monsieur.

Der General Jourdan hat etwas nachdenkendes, tiefsinniges, was an Schwermüthigkeit grenzt, in seinem Gesichte. Desto muntrer ist le Febre, ohngefähr 45 Jahr alt, und mit Streitlust und Bravour erfüllt.

So lebhaft und thätig auch die Soldaten sind, so viele Tapferkeit sie auch beweisen, so sehr sind sie doch auch des Kriegs überdrüßig. Jeder versichert, der allgemeine Wunsch der ganzen Armee sey Friede. Wir siegen zwar, sagen sie, aber mit welcher Mühe? Wer weiß was wir ausstehen." Alle Französischen Corps haben auch, in den so theuer erkämpften Siegen, äußerst gelitten. Sehr viele Bataillons, die aus 1000 Mann bestehen sollten, haben keine hundert mehr. Die Divisionen, die auf 10 bis 12000 stark seyn sollten, haben lange nicht ein Drittheil. Ein Hauptvortheil, der ihnen fast alle Siege erworben hat, besteht in der Maasregel, daß sie immer mit der gesammten Macht auf die einzelnen Corps, welche ihnen die Oesterreicher entgegen stellten, ungestüm herfielen, und so Furcht und Schrecken verbreiteten. Auch bedienen sie sich meistens der schrägen Schlachtordnung, wodurch sie den Feind in Ungewißheit setzen, und ihm in die Flanke kommen können. In einer großen Schlacht pflegen sie ihre Hauptkraft auf einen Punct, meistens auf einen Flügel zu richten, und bekümmern sich nicht darum, wenn wie bey Herrnalb, bey Rastadt, der schwache Flügel, oder das Centrum zurückgeschlagen wird. Dieß Manouvre hat ihnen mehr als einmal, eine schon verlorne Schlacht zum Siege gemacht.

Der Muth des Französischen Soldaten wird dadurch auch sehr erhöht, daß er, nach geendigten Kriege, Antheil an den National-Gütern, eigenthümliche Wohnungen, und Acker haben soll. Wenigstens hat man ihm dieß versprochen. Er ficht allso aus Enthusiasmus des Intereße. Die Gewalthaber der Republik hingegen, besorgt, daß nach geendigtem Kriege noch zu viele Soldaten übrig bleiben möchten, deren Prätensionen nicht alle befriedigt werden könnten, geben den Generalen die Ordre, kein Volk zu schonen, und es koste so viel Menschen es wolle, Siege zu erfechten. Daher werden dem sogenannten Kriegsglücke so zahlreiche Opfer gebracht. Daher findet man niemals in den Französischen Berichten ordentliche, und officiele Angaben von dem Französischen Menschenverluste. -- So siegte bisher die volkreiche Nation durch ihre eigne Vernichtung. Sollte sie in den Fall kommen, einige male hinter einander geschlagen zu werden, so würden die Folgen im umgekehrten Sinne, noch größer seyn, als die von ihren bisherigen blutigen Siegen."

(Geschrieben am 28 August.)


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1796.