Armée des émigrés

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Die Condéische Armee.

Cernite sim qualis, qui modo gualis eram! Ovid.

Man hat im Laufe dieses Krieges so oft und so viel von der Condéischen Armee gesprochen, daß das endliche Schiksal derselben für die Geschichte aufbewahrt zu werden verdient.

Welch ein Kontrast, dis arme, hofnungslose Häufgen, das mit so stolzen Planen den Kampf für das Königthum gegen die neuentstandene Republik angefangen hatte, und izt seine lezte Zuflucht in der Nähe des Borysthenes sucht, mit den siegreichen Armeen der Republik, dem Schreken Europens und dem Staunen der Nachwelt!

Aber auch in andrer Rüksicht, welche nicht blos durch Verschiedenheit des Glükes bestimmt wird, ist der Kontrast zwischen den Armeen der Franken am Po und am Rhein, und dem Häufgen Franzosen in Volhynien, eben so auffallend und eben so sehr zum Vortheil der erstern. Jene zeigen den Troz der Freiheit und des Sieges nur in ihren Thaten; sonst überall haben, oder heucheln sie doch, Bescheidenheit: bei diesen hingegen herrschte, und herrscht auch wohl noch izt, der freilich nicht so gefährliche, aber weit empörendere Stolz der Worte, und gewiß werden nun bald auch die Volhynier erfahren, daß sie glüklich genug sind, die feinste Blüthe des französischen Adels zu besizen.

Die Person des Unglüklichen soll heilig seyn; * aber die Unglüklichsten, sagt ein alter Weiser, sind, die nicht wissen, daß sie es sind: * und von der Art sind wenigstens ¾ der Condéischen Armee. Jene selige Etiketten- und IntriguenGeist, jene unglüklichstolze Rastlosigkeit, die sie hier am Rhein, während sie bald mit östreichischem bald mit englischem Brode gefüttert wurden, sich doch immer wie den CentralPunkt aller Bewegungen in Frankreich, wie den wichtigsten Theil des Krieges, und die Armeen Oestreichs und Preussens nur wie ihre HilfsTruppen betrachten ließ, wird sie auch in der Nähe der kleinen Tatarei nicht verlassen. Wie der Addisonische Cato sagt: "Rom ist, wo Helden sind," so wird, ihrer Meinung nach, das wahre Frankreich von nun an im untersten Polen, und das andre Frankreich, das uns izt für unser bisheriges politisches System so bange macht, in ihren Augen immer nur das Frankreich der Bettler und der Schurken (gueux et scelerats) seyn.

Damit ist jedoch nicht gesagt, als wäre unter dieser sogenannten Armee nicht mancher würdige, nach Geist und Herz schäzbare Mann. Hier ist nur vom Esprit de corps die Rede, und dieser empörte die einzelnen Vernünftigern unter ihnen eben so sehr, wie nur irgend den kalten dritten Beobachter.

Wir werfen nun einige flüchtige Blike auf ihre Geschichte, insoferne sie mit dem jezigen Kriege in Verbindung steht.

Man weiß, daß nach der Abschaffung des GeburtsAdels in Frankreich, wozu ein Monmorency selbst, der erste Baron der Christenheit, das Signal gab, alles, was von Adel war, oder seyn wollte, als ob die fast Pest in Frankreich grassirte, sich nach England, nach Spanien, gröstentheils aber auf das rechte Rheinufer rettete. So wenig kannten die Leute den Geist und die SchnellKraft ihrer eignen Nation, daß sie, zumal nachdem Kaiser Leopold II und König Friedrich Wilhelm II von Preussen bei ihrer Zusammenkunft in Pilniz das Schiksal Frankreichs entschieden hatten, (denn aus diesem GesichtsPunkte sah man damals die Sache an) gar nicht mehr daran zweifelten, daß das ganze Unwesen da über'm Rhein demnächst ein Ende mit Schreken nehmen werde. "Es wird nur eine Promenade nach Paris seyn," sagte Bouillé bei dieser Gelegenheit zum FeldMarschall Lascy. "Aber sie wird lang seyn," antwortete ihm der bedächtige Lascy. Dieser erste HauptFehler, ein so ungeheures Unternehmen, gegen den Enthusiasm eines Volkes von 25 Millionen Menschen anzukämpfen, für das leichteste Ding der Sonne zu halten; dieser Fehler, von dem der Adel Frankreichs auch in der Folge nie sich freimachen konnte, hatte seinen Grund in dem unbändigsten Stolze. Alles, glaubten die guten Leute, würde, sobald die sich nur zeigten, ihnen die Thore öfnen, und Palmen und Lilien streuen. Auch machten sie sich mehr zum Pompe eines Triumphs, als zu den Gefahren der Schlacht gefaßt. Artois nahm seinen Siz in Coblenz, Condé in Worms. Das alte Ritterthum schien wieder in seinem vollen Glanze erwacht. Man geizte recht nach der Ehre, Haus und Hof in Frankreich zu verlassen, um wie ein Bayard für König und Ehre zu fechten. Kaum nahm man in der Geschwindigkeit so viel mit sich, als man etwa für ein paar Monate brauchte (was freilich damals mehr war, als man izt in Volhynien in ein paar Duzend Jahren brauchen wird); man werde, so zweifelte man nicht, bald alles wieder bekommen, und noch obendrein Ehre und Ruhm die Fülle. Aber nicht jeder ward zur Hofnung eines solchen Glükes aufgenommen: in Coblenz war ein strenges AhnenProbeGericht; und selbst die beiden grosen Ingenieurs, Carnot und D'Arçon, wurden (nach glaubwürdigen Berichten beider Theile) von demselben zurükgewiesen. Man weiß, wie sie sich nachher für diesen Hohn rächten.

Der ritterliche Zug gegen Frankreich fieng nun, im August 1791, an: das Korps, welches sich unter Artois gesammelt hatte, rükte mit der Armee des Herzogs von Braunschweig in Champagne ein, das unter Condé schloß sich an den HeerHaufen des Feldzugmeisters, Prinzen von Hohenlohe, an, und bedrohte, oder zählte vielmehr auf die Uibergabe von Landau, wo Condé geheime Verständnisse hatte.

Wie der Feldzug in Champagne abgelaufen ist weiß der Welt. Vor der Zeit an warfen die, so unter Artois gefochten hatten, sich meist den Britten in die Arme, wo sie zum Theil in WestIndien gebraucht wurden, die grösere Zahl aber, namentlich das Regiment Hector, welches aus lauter Offizieren von der ehemaligen königlichen Marine bestand, im Jahre 1795 von Pitt auf die SchlachtBank nach Quiberon geschikt ward. Die lezte Scholle fränkischer Erde, die Artois Fuß betrat, war das Inselgen D'Yeu, wo er mit den noch übrigen Ausgewanderten in England und mit einem brittischen Korps, unter dem General Doyle, im Sept. des nemlichen Jahres Posten faßte, aber da gerade izt General Hoche so unsanft auf Charette'n getroffen hatte, zu Ende des Jahres unverrichteter Dinge nach England zurükkehrte. Seitdem lebt er zu Edinburg in einem Pallaste, der das für ihn so schäzbare Privilegium hat, daß man in seinem Umkreis nicht Schulden halber in Verhaft genommen werden kan. Das dacht' er wohl nicht, als er unmittelbar nach dem Sturze der Bastille, (im Jul. 1789) bei seiner DurchReise in einer der nächsten teutschen Städte äusserte: "die Herren Pariser haben sich ein bisgen erhizt; aber das wird sich schon bald wieder abkühlen!"

Auch Condé hatte vergebens auf die Uibergabe von Landau gewartet, wo der verrätherische Commandant, auf den er seine Hofnungen baute, sehr zur ungelegenen Zeit für ihn, durch den unglüklichen Custine abgelößt ward. Da der FeldZeugmeister, Prinz von Hohenlohe, sich izt mit seinem HeerHaufen nach Lothringen wandte, um die Belagerung von Thionville zu unternehmen, so muste Condé mit seinem Korps nun auf das rechte RheinUfer zurük, und sich in das Breisgau ziehen. Einer der glühendsten Ritter in seinem Heere, der fast nicht hatte erwarten können, bis es zum Zuschlage käme, war der berüchtigte Vicomte von Mirabeau, von seiner Falstaff'sFigur und seinem Hange zum Trinken, das Faß genannt. Wie sein Bruder, der bei allen seinen Lastern, und zum Theil selbst durch diese Laster, unsterbliche Riquetti Mirabeau mit aller Macht seines Genies die Sache der Plebejer vertheidigte, so war dagegen Er, völlig mit gleichem Ungestümm, der wahre Lancelot unter den modernen Rittern. Er hatte eine eigne Legion errichtet, die noch lange nach ihm den wüthende Haß gegen die neue Ordnung der Dinge in Frankreich behielt, womit er sie begeistert hatte. Glüklich, wenn schon nicht durch den Ruhm seines Lebens, doch durch die Zeit seines Todes, * war er gestorben, noch ehe der RitterZug angefangen hatte, mit den stolzesten Hofnungen, ohne mehr den Triumph der verhaßten Republikaner zu sehen. Seine Soldaten -- so gros war der Enthusiasm, den der FeuerKopf für sich eingeflößt hatte -- schwuren nun seinem so eben gebohrnen Sohne, als ihrem Chef. In der Folge kaufte Graf Roger von Damas das Eigenthum dieser Legion an sich.

Der berühmte Ritter von Mancha hatte WindMühlen für Festungen angesehen. Hier war es umgekehrt: die französischen Ritter sahen Festungen für Windmühlen an. Es fehlte viel, daß diese Illusion durch den ersten Feldzug geheilt worden wäre, an dessen Misglüke nur Monsieur de Bronsvic, wie sie sich auszudrüken liebten, und sein von ihnen erträumtes geheimes Einverständniß mit den Republikanern, Schuld wäre.

Der zweite Feldzug von 1793 nahm freilich Anfangs einen ganz andern Gang. Das Condéische Korps schloß sich nun an Wurmser'n an, dem selbst im Elsaß ein Dorf (Vendenheim) zwischen Hagenau und Strasburg zugehört hatte, und der sich in dieser Rüksicht in gleicher Lage mit ihnen befand. Glüklich überwältigte Wurmser am 13 Oct. die berühmten Linien von Weissenburg, und drang hierauf ohne Mühe bis auf eine Stunde von Strasburg vor. Von nun an war er ihr Held, und sie fiengen nun an, gegen die Patrioten im Elsaß zu wüthen, * wie sie, will's Gott! nach der demnächstigen GegenRevolution es in ganz Frankreich zu thun gedachten. Aber die braven östreichischen Generale legten ihnen bald das Handwerk, und die Schaubühne bot so schnell wieder einen neuen Auftritt! Ein ganz unbekannter Mensch, Pichegru, erschien izt an der Spize der republikanischen Armee. Täglich lieferte er wüthende Gefechte, um die Oestreicher, und mit ihnen die Ausgewanderten, wieder aus dem Elsaß zurükzudrängen. Die Oestreicher thaten, was man von tapfern Truppen erwarten konnte. Auch die Ausgewanderten schlugen sich, so oft dis Loos sie traf, mit Muth und mit Grimm. Der alte Prinz von Condé selbst hatte völlig die Tapferkeit seines Anherrn, des grosen Condé; aber auch nur seine Tapferkeit. In dem Gefechte bei Berstheim ** riß er seinen UieberRok auf, und zeigte den Republikanern, an der Spize seiner Truppen, durch Stern und OrdensBand, daß Er Condé wäre. Sein Sohn (der Herzog von) Bourbon ward durch einen Säbelhieb verwundet. Auch sein Enkel (der Herzog von) Enghien focht nicht minder brav. Wäre hier von einem Kriege die Frage, wie der Krieg der griechischen Kaziken gegen Troja war, so würde das Gefecht bei Berstheim einen Homer verdient haben. Sie selbst ermangelten indeß nicht, sich hierinn die vollste Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen; sie sprechen von dem Tage bei Berstheim, wie die Griechen von denen bei Marathon und Platäa, oder wie ihre republikanischen Landsleute von den Tagen von Jemappe, Fleurus und Arcole sprechen. Pichegru sezte indeß seine kühnen Manövres fort, und die Folge davon war der nur zu bekannte Rükzug von Hagenau. Bei dem Treffen auf dem Geisberg ward besonders die Legion Mirabeau, die den Nachzug bildete, hart getroffen. Das Condéische Korps zog sich mit der Armee unter Wurmser'n in wilder Eile auf das rechte Rheinufer zurük.

Im ganzen Laufe der dritten Feldzuges von 1794 blieb es auf diesem Ufer ruhiger Zuschauer der grosen Ereignisse, die ganz Belgien, das ganze linke RheinUfer und zulezt auch noch ganz Holland, in die Gewalt der Franken brachten.

Desto wichtiger war die Rolle, die es im Jahre 1795 spielen sollte. Oestreich und GrosBritannien, die, seit Preussens Zurüktritt von der Coalition, enger wie jemals sich verbunden hatten, wollten izt mehr politische als militairische Taktik in den Krieg bringen; sie bauten ihre Kalkule auf den grosen Umschwung der Dinge, der inzwischen im innern Frankreich erfolgt war. Robespierre war gestürzt, und mit ihm das System des Schrekens. Der nun herrschende Moderantism rief tausend Intriguen hervor; den Generalen der Republik schwebte izt nicht mehr immer die Guillotine vor dem Blike; der NationalConvent, in seinen lezten Zeiten, war mehr Gegenstand der Verachtung als der Furcht; die Royalisten im Innern arbeiten mit groser Thätigkeit und mit immer gröserer Kühnheit an neuen Planen. Nun war die Absicht der alliirten Mächte -- die nachgerade das Geheimniß enträthselt zu haben glaubten, daß die Franken nur durch Franken bezwungen werden könnten -- daß, von zwei entgegengesezten EndPunkten her, die Ausgewanderten gegen das Innere der Republik, die sich izt in einem so schwankenden und kritischen Zustande befand. loswirken sollten. Daher von Seiten GrosBritanniens die (so schreklich verunglükte) Unternehmung auf Quiberon. Von Seiten Oestreichs sollte ein ähnlicher Schlag, vom OberRhein her, erfolgen. Zu dem Ende hatte sich, unter dem FeldMarschall von Wurmser, eine Armee von 70,000 Mann KernTruppen im Breisgau gesammelt; unter solchen war auch das Condéische Korps, auf welches für den projektirten Zwek am meisten gerechnet war. Der Mann, der am Schlusse von 1793 Wurmser'n und Condé'n von den Mauern von Strasburg zurükgedrängt hatte, der Eroberer Hollands, Pichegru, hatte so sehr seine vorigen Thaten vergessen, daß er, veranlaßt durch die innern Umstände in Frankreich, um diese Zeit Condé ein geheimes Einverständniß zur Wiederherstellung des Königthums unterhielt. Nur in den mitteln des Planes konnten beide sich nicht vereinigen. Condé wollte nicht, daß die Oestreicher an dessen Ausführung Theil hätten, und daß Pichegru mit seiner Armee über den Rhein gieng. Dieser bestand darauf, daß beides geschehen müßte, zumal das leztere, wozu er von dem WohlfahrtsAusschuß die dringendsten und bestimmtesten Befehle hatte. Er gieng also wirklich über den Rhein; aber der Erfolg davon ist bekannt. Nach mehreren Niederlagen legte er das Commando der Rhein- und MoselArmee nieder. Das VollziehungsDirectorium, welches inzwischen die Zügel der Regierung übernommen hatte, ernannte ihn zum GrosBotschafter in Stokholm. Er zögerte sich dahin zu begeben: die (erst späterhin bekanntgewordene) Ursache davon war, weil er glaubte, daß die Armee unter ihrem neuen General, Moreau, Niederlagen leiden; daß sie alsdann ihn wieder laut an ihre Spize zurükfodern, und er in solchen Falle Gelegenheit haben würde, seinen Plan nur mit desto gewisserm Erfolg auszuführen.

Das Condéische Korps blieb also, nach wie vor, in den Gegenden des Breisgaues, und das HauptQuartier des Prinzen von Condé selbst in Müllheim. Durch Buonaparte's Siege aus seinem bisherigen AufenthaltsOrte Verona verjagt, fand sich hier, im Jun. 1796, der Prätendent selbst auch ein; "er könne nirgends besser seyn," sagte er, "als in der Mitte seines treuen Adels." Die armen Leute schwammen in Entzüken, nun Ludwigen XVIII selbst bei sich zu wissen. "Wir haben den König!" riefen sie den Republikanern an das jenseitige RheinUfer zu. "Und wir das Königreich!" scholl es ihnen von daher zurük.

Obgleich die Abreise des Prätendenten von Verona durch Buonaparte's Waffen erzwungen worden war, so war doch, hoher Wahrscheinlichkeit nach, seine Ankunft in Condé's HauptQuartier planmäsig. Man hofte auf Pichergru'n, unter der Voraussezung, daß Moreau geschlagen werden würde. Aber Moreau sezte den 24 Jun. glüklich bei Kehl über den Rhein, und drang, nach einer Reihe von Siegen, bis in das Herz von Baiern vor. Das Condéische Korps war, kurz vor seiner Uibergang, in die Gegend von Ettenheim und Mahlberg hinaufgerükt. Auch izt wieder muste der Prätendent dem republikanischen WaffenGlüke weichen. Er flüchtete sich zuerst nach Leipzig, bis der Herzog von Braunschweig ihm das Städtchen Blankenburg zum AufenthaltsOrte gab. Das Korps unter Condé zog sich vor dem rechten Flügel der Franken, unter General Ferino, über den SchwarzWald, mitten durch Schwaben, zurük. Bei Mindelheim kam es zum Kampfe mit dem General Abatucci, (der nachher in der Vertheidigung des BrükenKopfes von Hüningen blieb). Es litt hier einen Verlust, der dem alten Condé Thränen kostete; aber auch für die Republikaner war es ein blutiger Tag. Es zog sich nun weiter, hinter den Lech und hinter die Iser zurük, bis es, bei Moreau's Rükzuge, sich auf dem linken Flügel von LaTour's ArmeeKorps wieder dem Rhein näherte. Während dieses berühmten Rükzuges bewieß es in der für die Oestreicher unglüklichen Schlacht bei Biberach, wo es den Nachzug dekte, viele Festigkeit. Nachdem alle einzelne östreichische Korps unter dem Erzherzog Karl sich gesammelt hatten, um den General Moreau mit vereinter Macht über den Rhein zurükzuwerfen, nahm es die GebirgsPosten von St. Merges und St. Peter hinweg, und vereinigte sich mit dem Erzherzog bei Freiburg. Auch in der Schlacht bei Schliengen, die vollends den General Moreau zum Rükzuge auf das linke RheinUfer bestimmte, focht es mit Tapferkeit. Es bezog dann wieder die WinterQuartiere in der Gegend von Müllheim.

Da nach dem kurzen Feldzuge von 1797 auch Oestreich mit der fränkischen Republik zu Leoben die FriedensPräliminarien schloß, denen ein halbes Jahr darauf der DefinitifTractat von Campo Formio folgte, so war auf dem festen Lande nun weiter nichts mehr für die Condéer zu thun. England, welches ihrer nun nicht mehr bedurfte, hörte nun auch auf, sie zu besolden.

Schon am Schlusse des ersten unglüklichen Feldzuges hatte die russische Kaiserin, Katharina II, ihnen die Krim, das alte taurische Chersones, mit gewissen Vortheilen, zum Asyl angeboten; aber da es hier in der Nähe kein goldnes Vließ mehr zu erobern gab, wie zur Zeit der Argonauten, so hatten sie vorerst lieber noch weiter ihr Glük versuchen wollen. Izt, da alle Hofnung für sie hingeschwunden war, nahmen sie gerne das Anerbieten ihres Nachfolgers, Kaiser Paul's I, an, der ihnen Volhynien zur Niederlassung anwieß, wo, wie Condé in seiner desfalsigen Bekanntmachung sagt, "das Klima sanft, und der Boden fruchtbar" ist. Sie sollten unter dem unmittelbaren OberBefehl des Prinzen bleiben, und sämmtliche Offiziere ihren vorherigen Grad und Gehalt geniesen. Uibrigens sollte die ganze Truppe unter den russischen KriegsGesezen stehen, die, wie der Prinz sagt, "streng aber gerecht" sind. Der französische Adel sollte dem russischen gleichgestellt seyn. Auch sollten ihnen, unter bestimmten Bedingungen und Vergünstigungen, Ländereien zugetheilt werden. Jedem sollte freistehen, wenn es ihm nicht gefiele, ungehindert wieder fortzuziehen.

Aber manche wollte gar nicht den Versuch machen; und wäre nicht der 18 Fructidor dazwischen gekommen, der den Gesezen gegen die Ausgewanderten in Frankreich wieder neue Schärfe gab, so würde die Zahl derer, die an den Wohlthaten Kaiser Paul's I hätten Theil nehmen wollen, ohne Zweifel noch weit unbeträchtlicher geworden seyn.

Man hatte immer von einer Condéischen Armee gesprochen, und die jungen Herrchen in Paris, die so gerne Nachrichten aus dem HauptQuartier dieser Armee lasen, hatten sich darunter wohl gar ein Ding, wie ihre italienische oder Sambre und MaasArmee gedacht, während es, nach dem naiven Ausdruk eines östreichischen Offiziers, kaum ein CroatenHaufe war. Selbst zur Zeit ihrer grösten Stärke zählte sie nicht über 7 bis 8,000 Mann; und als sie, im October 1797, sich auf der Donau einschifte, um nach den Orte ihrer neuen Bestimmung abzugehen, bestand sie im Ganzen (Offiziere, Fuhrwesen xc. mit eingerechnet) noch aus 4655 Mann.


Die Condéische Armee in Salzburg.

[1800]

Eine sonderbare Erscheinung in Salzburg war die Ankunft des ganzen, noch übrigen Condeischen Armee-Corps, welches aus Rußland über die Oestreichischen Staaten heranzog, und damals bereits im Englischen Solde stand, aber fast durchgehends noch Russische Uniform trug *). Das Regiment Dragoner von Enghien kam zuerst an. Es bestand aus 175 Officieren und 929 Gemeinen, und rückte am 10ten Juny 1800 in Salzburg ein. Am folgenden Tage traff das Regiment Durand ein, welches 117 Offiziere und 595 Gemeine zählte. Am 12ten Juny kam der Oberbefehlshaber, Ludewig Joseph Prinz von Condé (geboren den 9. August 1736) mit einem Gefolge von 113 Officieren und 475 Gemeinen selbst in Salzburg an, und erhielt die erzbischöfliche Sommer-Residenz Mirabell zu seinem Hauptquartiere. An den folgenden Tagen bis auf den 25sten Juny kamen die übrigen Abtheilungen nach; nämlich die Adelichen zu Fuße, 164 Offiziere und 1329 Gemeine; die Artillerie mit 40 Officieren und 420 Gemeinen; die Adelichen zu Pferde, 162 Officiere und 1150 Gemeine; das Regiment Bourbon mit 216 Officieren und 650 Gemeinen; das Spital mit 20 Officieren und 300 Gemeinen, und endlich das Depot mit 8 Officieren und 27 Gemeinen. Die Anzahl der Pferde, welche dieses Corps bey sich hatte, belief sich auf 4893 Stücke. Das übrige Gepäcke, das die Condeer mit sich schleppten, so wie der Troß von Weibern, Kindern, Bedienten und Handwerkern, welcher ihnen nachfolgte, und einen Verein von nomadischen Familien bildete, war überaus zahlreich, und fiel daher dem Landvolke sehr beschwerlich, weil zur Fortführung desselben gegen 1354 Vorspannpferde erfordert wurden. Alle diese Truppen wurden nun in Salzburg theils in der Hauptstadt, als dem Hauptquartiere des Prinzen, theils in den umliegenden Gerichten einquartirt. Sie thaten sich auf ihre Ordenszeichen, mit denen selbst Gemeine behängt waren, sehr vieles zu Gutem, und lebten insgesammt auf einen prächtigen Fuß, zahlten aber Alles mit klingender Münze, und führten sich überhaupt, wenigstens in der Nähe des Hauptquartieres, unklagbar auf. Nur dadurch veranlaßten sie gerechte Klagen, daß sie die Lebensmittel überall vor den Thoren und auf dem Lande aufkauften, und dieselbe hierdurch, zum Nachtheile der ärmeren Einwohnerschaft, nicht wenig vertheuerten. Prinz von Condé betrug sich gegen jedermann sehr artig und lieblich, und hielt gute Mannszucht. Mit seinem Hauptquartiere verblieb er zu Salzburg bis auf den 5ten July, an welchem Tage er Morgens von hier aufbrach, und nach Wasserburg abreisete, um mit seinen Rittern die Vertheidigung des Innstromes zu übernehmen. Sein Corps, welches über 5 Monate in jener Gegend gestanden hatte, verlor viele Leute; allein die Republicaner setzten, unter Anführung des Generallieutenants Lecourbe, ohne viele Schwierigkeiten am 9ten December 1800 bey Neubeuern oberhalb Rosenheim über den Inn, und jagten die Condeer bis Traunstein und Reichenhall zurück. Doch auch hier hielten die Flüchtlinge nicht Stand, sondern marschirten mit Eilschritten und in einer ununterbrochenen Reihe durch Salzburg, und nahmen, ohne sich da zu verweilen, ihren Weg theils über Ischel, theils über Radstadt nach Steyermark, nachdem sie schon einige Tage vorher ihren Schatz, welcher im Franciscanerkloster zu Salzburg aufbewahrt wurde, unter einer Bedeckung vorausgeschickt hatten. Uebrigens sollen sich diese irrenden Ritter auf ihrem Rückzuge bey weitem nicht so sittsam, wie auf ihrer Herreise betragen, und manchen Bauern aus Baiern, der ihnen Frohnfuhren leisten mußte, nicht nur bis nach Rottenmann mit sich geschleppet, sondern ihm sogar seine Pferde abgenommen, auch sonst hin und wieder Plünderungen verübt haben.

*) Uebrigens hatten sich freylich auch schon vorher Condeer im Lande aufgehalten; denn während im Jahre 1796 die Französische Armee vor München stand, befand sich zu Titmaning das ganze Depot des Condeischen Corps nebst dem Spitale und einem zahllosen Trosse. In dem dasigen Augustinerkloster allein lagen mehr als 200 Kranke und Verwundete nebst 30 ausgewanderten Priestern, die zum Theile Krankenwärterdienste thun mußten, und noch vielen andern Personen. Die Bürgershäuser waren gleichfalls mit Einquartirungen stark belegt. Der General des Depots hatte den Auftrag, alle ausgewanderten Französischen Geistlichen in Schutz zu nehmen; und daher flüchteten sich diese aus Baiern in großen Schaaren nach Titmaning.


Quellen und Literatur.

  • Europäische Annalen Jahrgang 1797 von D. Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1797.
  • Beyträge zur Geschichte des Aufenthaltes der Franzosen im Salzburgischen und in den angränzenden Gegenden. Herausgegeben von Judas Thaddäus Zauner. Salzburg, in der Mayrischen Bunchhandlung 1801.