Armand-Gaston Camus

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Mr. Le Camus.

Camus (A. G.), Rath des Churfürsten von Trier und des Hauses Salm-Salm, Mitglied der Akademie der Inschriften, Deputirter bey der Generalständeversammlung und dem Konvent xc., war bey dem Ausbruche der Revolution Advokat der Geistlichkeit in Paris, und ward 1789 von dem dritten Stande dieser Stadt zum Deputirten bey der Generalständeversammlung ernannt.

Er trug mit dem Präsidenten die Papiere aus dem Saale, als er geschlossen wurde, um zur königlichen Sitzung eingerichtet zu werden, half ihm die Versammlung im Ballhause bilden, und leistete ihm den Eid dieses berüchtigten Tages. Im August bestritt er die Anleihe, welche Necker in Vorschlag gebracht hatte, und ward darauf Archivär. Den 28. ernannte ihn die Versammlung zum Präsident. Er erhob sich den 26sten Dezember gegen die übertriebene Grösse der Pensionen und brachte es dahin, daß sie bis auf die des Feldmarschall Luckners und der Erben von Assas sämmtlich heruntergesetzt wurden. Den 3ten July verlangte er die Aufhebung aller Ritterorden, und aller auf Geburtsunterscheidung sich gründenden Verbindungen, und that heftige Ausfälle gegen den Adel.

Während der Gesetzgebenden Versammlung nahm er an den öffentlichen Angelegenheiten keinen Theil.

Als Deputirter der Oberloire beym Nationalkonvent schlug er vor, Ludwig XVI. schuldig zu erklären, und erhielt den Auftrag, die Beschwerden des General Dümouriez in Belgien gegen den Kriegsminister und Kommissäre des Schatzes zu untersuchen. Nach einer abermahligen Sendung in diese Gegenden beschloß der Konvent auf seinen Bericht in der Sitzung vom 30sten März, Dümouriez vor Gericht zu laden, und Beurnonville in Begleitung von fünf Kommissären zur Armee zu schicken, mit der Vollmacht, die Generale zu entsetzen und arretiren zu können. Camus ward zu einem der Kommissäre ernannt, und benahm sich bey Dümouriez mit einem bemerkenswerthen Muthe und vieler Hartnäckigkeit; dieser kam ihm aber zuvor und lieferte ihn sammt seinen Kollegen in die Hände der Oesterreicher. Er saß nach und nach in Mastricht, Koblenz, Spielberg, Königgratz und Ollmütz, bis zur Auswechslung in Basel gegen die Tochter Ludwigs XVI.

Den 25sten Dezember 1795 trat er in den Rath der 500, und ward den 26sten zum Präsidenten ernannt. Kurz darauf schlug er die Stelle des Polizeyministers aus, widmete sich wieder der Gesetzgebung und trug zu einer Menge Entschlüssen über die Verwaltung und die Finanzen bey.

Den 20sten May 1797 verließ er den Rath und beschränkte sich ganz allein auf seine archivarischen Geschäfte.

Nach dem 18ten Brümaire war er von der kleinen Zahl, die gegen die konsularische Verfassung stimmte. Dessen ungeachtet wurde er im July 1800 in seiner Oberaufsicht über das Archiv bestätigt, und erhielt den Auftrag, die Bibliotheken und literärischen Sammlungen in den Departementen zu besuchen, um die alten Chroniken dieser Gegenden zu sammeln.

Den 13ten November 1804 starb er zu Paris an einem Anfalle von Schlag.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.