Armfelt

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Armfelt (Gustav Moritz Graf von).

Er befand sich unter den Verbündeten des Adels, welche der König im März 1789 in Finnland arretiren ließ, als er die Revolution zur Machtbeschränkung der ersten Stände veranstaltete. Dessen ungeachtet erhielt der Baron Armfelt in dem Feldzuge 1790 gegen die Russen das Obercommando und trug verschiedene Vortheile davon. Hierauf ward er zum bevollmächtigten Minister ernannt und schloß in der Ebene von Wareela, in der Mitte der beiderseitigen Vorposten, den 3ten Aug. 1790 mit Rußland den Frieden ab. Den 19ten October 1791 unterzeichnete er einen Allianztractat zwischen den beiden Höfen. Alsbald nach der Ermordung Gustavs III., den 29sten März 1792, ward er Gouverneur der Stadt Stockholm. Im Juli nahm er seinen Abschied als General, weil der Herzog Administrator sich weigerte, dem Vertrage mit Rußland gemäß, Truppen gegen Frankreich marschiren zu lassen.

Den 11ten des Monats ward er zum schwedischen Minister an der italiänischen Höfen ernannt; aber im December 1793 kam er in den Verdacht einer Verschwörung gegen den Herzog Administrator und eines verrätherischen Briefwechsels mit der Gräfin Rüdenskoff. Man schickte deshalb im Februar 1794 einen Courier nach Neapel, um ihn arretiren zu lassen. Der Gouverneur dieser Stadt gab ihm Mittel zur Flucht an die Hand und antwortete auf die deshalb schwedischer Seits angebrachten Beschwerden, daß nicht die nöthige Formalitäten beobachtet worden wären. Diese Angelegenheit, die auf dem Punkt war, die beiden Mächte zu entzweien, wurde jedoch durch die Vermittlung Spaniens beigelegt. Der Baron Armfelt flüchtete sich nach Polen und ließ seine Rechtfertigung in die öffentlichen Blätter einrücken. Den 1sten März wurde er als eines Hochverraths und eines Majestätsverbrechens verdächtig vor das Hofgericht geladen, doch stellte er sich nicht. Nachdem seine verschiedenen aufgefangenen Correspondenzen öffentlich in der Sitzung gelesen waren, erkannte man ihn für überwiesen. Den 10ten Juli wurde er zum Tode verurtheilt; man schloß ihn vom Schutze der Gesetze aus und erklärte ihn, so wie er den schwedischen Boden betreten würde, für vogelfrei. Seine Güter wurden eingezogen und sein Urtheil in allen großen Städten des Königreichs öffentlich angeschlagen.

Als der junge König, Gustav Adolph, an das Ruder der Regierung trat, kam er wieder in Gunst, und seine Gemahlin wurde selbst Großgouvernante der königlichen Kinder. Zu ende 1802 erhielt er von seinem Fürsten einen neuen Beweis des Zutrauens in der Ernennung zum schwedischen Minister am wiener Hof, wo ihm der Kaiser im December die erste Audienz gab. Doch war sein Aufenthalt daselbst nur von kurzer Dauer, da sich sein Souverain weigerte, das Oberhaupt der österreichischen Monarchie in der neuangenommenen Würde eines Kaisers von Oesterreich anzuerkennen.

Zu Ende 1805 commandirte er unter den befehlen des Königs bei der Armee, die damals ins Feld rückte, nachdem er kurz vorher zum Generalgouverneur von Finnland ernannt worden war.

In dem Feldzuge Preußens gegen Frankreich, an welchem auch Schweden Theil nahm, vertraute ihm der König den wichtigen Posten eines Militärgouverneurs von Stralsund. Die Franzosen hielten diese Festung im Februar und März streng blokirt; am 1sten April machte der Generallieutenant von Armfelt einen Ausfall, der die Feinde zur Aufhebung der Blokade nöthigte und sie zurücktrieb, so daß Armfelt am 3ten schon wieder Greifswalde und am 4ten Anklam besetzte. Auf diesen Sieg erhob ihn der König zum General der Infanterie. Der französische Marschall Mortier ließ indeß diese Vortheile nicht lange in den Händen der Schweden. Am 16ten griff er sie bei Belling an und schlug sie wieder zurück: der Baron Armfelt wurde bei diesem Vorfalle verwundet, mußte sich nach Stralsund und von da nach Schweden zurückbringen lassen und konnte weiter keinen Antheil an diesem Feldzuge nehmen.

Später commandirte er einige Zeit in dem Kriege gegen Rußland.

Wenige Personen erlebten so viele und schnelle Glückswechsel als dieser unternehmende, geistvolle und wissenschaftlich gebildete Mann. Nach dem Friedensschlusse von Friedrichshamm vom 17ten Sept. 1809 verließ er die schwedischen Dienste und leistete dem Kaiser Alexander den Eid der Treue. Dies veranlaßte, daß ein Befehl des Königs von Schweden, vom Kronprinzen (dem Fürsten von Pontecorvo) unterzeichnet, dem Directorium der Ritterorden zu Stockholm vorschrieb, Armfelt aus der Liste der schwedischen Edeln wegzustreichen, weil er dem Kaiser von Rußland den Eid der Treue geschworen, folglich aufgehört habe, Unterthan seiner Maj. des Königs von Schweden zu seyn.

Im J. 1812 erhob ihn der russische Kaiser in der Grafenstand, nachdem er in dem Feldzuge dieses Jahrs den Monarchen als Generaladjutant begleitet hatte. Nachher ward er Präsident, der zur Organisation und Verwaltung von Finnland niedergesetzten Commission.

Am 22. Aug. 1814 starb er zu Zarskoe Selo.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.