Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington

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Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1813) A.F. Rittgräff. Die Helden des Tages, oder biographische Notizen über die hervorstechendsten Personen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse. Berlin 1813.

(1816) Geist der Zeit. Ein Journal für Geschichte, Politik, Geographie, Staaten- und Kriegskunde. Wien, 1816.


Sir Arthur Wellesley.

Wellesley, (Sir Arthur,) jetzt Wellington of Talavera, ein Bruder des Vorhergehenden, ist der dritte Sohn des verstorbenen Earl von Mornington.

Im Jahre 1794 nahm er an der Expedition nach Holland Theil. Als sein Bruder, der Marquis, nach Ostindien gesandt wurde, begleitete er denselben als Oberstlieutenant. Nach der Einnahme von Seringapatam ward er Gouverneur dieser Stadt. Hierauf zeichnete er sich in dem Marattenkrieg vorzüglich aus und schloß dann Friede mit dem Rajah von Berar und Scindeah.

Im Anfang 1805 kehrte Wellesley nach England zurück. Er begleitete den Lord Cathcart nach Hannover, ward dann Mitglied des Parlaments, ging hierauf nach Irland, und war bey der Uebergabe von Koppenhagen.

Im Aprill 1809 ging er als General en Chef der Expedition nach Portugall, erfocht dann den Sieg bey Talavera in Spanien, und kommandirt gegenwärtig gegen Massena in Portugall.


Lord Wellington.

Wellington.

(früher Sir Arthur Wellesley,) Generalissimus der Spanischen Landmacht.


Jugend.

Sir Arthur hatte von seinen Vater, Carl von Mornington, (er war der dritte Sohn,) eine seinen hervor stechenden Talenten angemessene, sehr sorgfältige Erziehung erhalten. Er wurde dem berühmten Institute zu Eton übergeben, und bezog nachher die Militär-Akademie zu Angers in Frankreich, (jetzt Departement Maine und Loire.) Ueberall zeigte Arthur Genie, Fleiß und jene ungemeine Gründlichkeit, jenen durchdringenden, kalten, ruhigen und berechnenden Scharfblick, wodurch er sich in seiner nachmahligen wichtigen Sphäre so sehr auszeichnete. Mit dem lebendigsten Eifer widmete sich Arthur Wellesley dem Studium seines Standes, und der Erfolg war, daß er noch sehr jung mit Ehren als Subaltern in Brittische Dienste treten konnte, und bald darauf als Lieutenant vorrückte.

Vergebens hatte sich Wellesley seither nach einer Gelegenheit gesehnt, Beweise seiner Einsicht und Tapferkeit an den Tag zu legen; doch diese fand sich, als er im Jahre 1794 den Earl von Moira auf dem Feldzuge nach Holland begleitete. Hier war es, wo Wellesley den Rückzug einer Brigade von drey Bataillons mit einer solchen Klugheit leitete, welche würdig war, den meisterhaften Manövern eines Cyrus und Schulenburg an die Seite gestellt zu werden. Wellesley erntete durch die Geschicklichkeit dieses Rückzuges allgemeinen Beyfall ein, und jedermann bewunderte schon zum voraus die Großthaten dieses talentvollen Anführers.


Indien.

Bey den Expeditionen gegen Ostindien begleitete Arthur seinen Bruder, den Marquis Wellesley, welcher zum General-Gouverneur von Bengalen ernannt war, und zwar als Oberst-Lieutenant des 33. Regiments, das die Ordre dahin erhalten hatte. Arthur wurde bey der Expedition nach Movilla und den andern Philippinischen Inseln, die eben im Werke war, angestellt. Schon hatte er sich eingeschifft, als die beabsichtete Unternehmung wegen der Unruhen des mit den Franzosen verbundenen Tippo Sahib wieder unterbleiben mußte. Diese Vereitelung einer neuen Gelegenheit, sich auszuzeichnen, erfüllte den ruhmgierigen Wellesley mit der empfindlichsten Unzufriedenheit; allein er hatte bald Ursache, sich zu trösten, da er als Oberster bey der Armee des General-Lieutenants Harris angestellt wurde, welcher eben die Armee der Präsidentschaft Madras gegen Tippo Sahib befehligte. Als die Hülfstruppen des Nizams von Golconda, 15,000 an der Zahl, anlangten, übertrug General Harris dem Obersten Wellesley das selbstständige Commando über sie, als über ein für sich bestehendes, abgesondertes Corps.

An dem gänzlichen Untergange des ohne dieß schon gedemüthigten Tippo Sahib, und an der Eroberung seiner Hauptstadt Seringapatnam, hatte, nebst dem Marquis Wellesley, unser Held Arthur, als Befehlshaber der Reserve, den preiswürdigsten und entschiedensten Antheil, wie es die Berichte des Generals Harris, welche seiner eifernen Unerschrockenheit und Tapferkeit das vollste Lob ertheilten, laut verkündeten.

Bald nach diesem denkwürdigen, für den Ruhm die Brittischen Waffen so glänzenden Ereignisse, veranstalteten die Ueberwinder eine beträchtliche Truppenaushebung in dem Gebiethe von Mysore, wobey Wellesley die trefflichsten Dienste leistete.

Das eroberte Seringapatnam bedurfte eines Gouverneurs, eines tüchtigen Mannes für einen Posten, dessen Schwierigkeit bey den noch nicht gänzlich gedämpften Unruhen nicht abzusehen war; man brauchte einen Mann, dessen Rechtschaffenheit eben so unbestechlich, dessen militärische Fähigkeiten eben so bewährt seyn mußten, als seine Klugheit. Die Brittische Regierung konnte über die Wahl nicht verlegen seyn, sie besaß einen Arthur Wellesley, und in kurzen sah er sich in diesen eben so ehrenvollen als schwierigen Posten. Man hatte von Wellesley viel erwartet; er leistete noch mehr, und stand seinem Platze mit einer solchen Geschicklichkeit vor, daß der General-Gouverneur ihn öffentlich mit den dankbarsten Lobeserhebungen überhäufte.

Als der General Harris aus Indien nach Europa zurück ging, übernahm der General-Major Braithwaite das Commando der Präsidentschaft Madras. In dieser Epoche zeichnete sich der Freybeuter Dhondia Waugh in den Besitzungen der Compagnie durch die zügellosesten Gewaltthätigkeiten aus, welche eine scharfe Ahndung um so mehr und schneller erheischten, als der Anhang dieses Rebellen sich mit jedem Tage vermehrte. Die Unternehmung gegen diesen Aufrührer war von außerordentlicher Wichtigkeit für die Erhaltung und Ruhe der Besitzungen der Compagnie; sie erforderte einen eben so tapfern als verständigen Officier an der Spitze, und Wellesley wurde dazu erkohren. Wellesley zog im September 1800 gegen Dhondia Waugh aus. Nachdem er am 5. das Gebieth des Nizams von Golconda, dessen Gränze 30 Meilen von der Stadt Madras entfernt ist, erreicht hatte, stieß er nach einer Reihe der schlauesten und kühnsten Manöver auf das Heer des Rebellen bey Canaghall. Dhondia Waughs Stellung war vortrefflich; er hatte den Rücken und die linke Flanke durch Felsen und durch das Dorf gedeckt. Wellesley's Fußvolk hatte dem eilfertigen Marsche nicht folgen können; er hatte bloß die Reiterey bey sich; gleichwohl, kampflustig wie er war, beschloß er den Angriff. An der Spitze des 19. und 25. Dragoner-Regiments, en ligne aufgestellt, stürzte Wellesley auf den unerschrockenen Feind. Lange widerstand dieser mit der tapfersten Gegenwehr, und kämpfte verzweifelt gegen die wiederholten Anfälle der Engländer. Wellesley wurde durch einen so unerwarteten und anhaltenden Widerstand nur noch entrüsteter, eine wüthende Charge verwirrte die Rebellen; sie ergriffen die Flucht. Dhondia stürzte todt dahin, und Wellesley ließ sie mehrere Meilen weit verfolgen, und zerstreute den Haufen für immer. Dieser glänzende Erfolg erwarb dem Helden den öffentlichen Dank des General-Majors Braithwaite so wie des General-Gouverneurs, und die gerechte Bewunderung seiner Nation und der Welt.

Wellesley fand bald neue Gelegenheiten, sich Lorbern zu pflücken. Im November 1802 brach der Maratten-Krieg aus, und Lord Clive, Gouverneur der Präsidentschaft Madras, stellte ein Corps von 19,000 Mann auf, deren Commando dem General-Lieutenant Stuart übergeben wurde. Da die Hauptstadt des Peischwahs, Punah *), Bundesgenossen der Engländer, durch Scindeah und Holkar bedroht war, so schickte man einen Theil jener Truppen, die nebst den Hülfs-Corps aus 35,000 Mann bestanden, und einen angemessenen Artillerie-Park bey sich hatten, dahin ab, um der Gefahr zu begegnen. Wellesley wurde dazu als Befehlshaber beordert, nachdem er zugleich zum General-Major erhoben worden war. Unter Wellesley diente der brave Oberste Stevenson. Zwey Drittel dieser Armee wurden dem Nizam von Golconda zur Unterstützung gegeben, der mit seinen sämmtlichen Truppen dem Commando des Obersten Stevenson untergeordnet wurde.

*) Die Hauptstadt des westlichen Maratten-Staates. Sie liegt 125 Deutschen Meilen nordwestlich von Madras, ist schlecht gebaut, und ohne alle Fortification; gleichwohl ist Punah die Residenz des Peischwahs, (eines Englischen Vasallen,) der vier Millionen Pfund Einkünfte genießt.

Während dieser Einrichtung traf die Nachricht ein, daß Holkar die Stadt Punah weggenommen, und den Peischwah selbst aufgehoben habe. Wellesley versäumte nun keinen Augenblick, um mit den unter seinem Befehle stehenden 12,000 Mann gegen Punah aufzubrechen. Auf dem Wege erfuhr Wellesley, daß [Yashwantrao Holkar|Holkar]] die Absicht habe, die Stadt, vor Ankunft der Brittischen Truppen, von deren Anmarsch er bereits unterrichtet war, plündern und anzünden zu lassen. Wellesley verdoppelte nun seine Eile. Durch einen unwegsamen Paß erreichte er, nach einem forcirten Marsche von 60 Englischen Meilen, Punah in weniger als 32 Stunden, und nur durch eine solche Schnelligkeit konnte es ihm gelingen, die bedrohte Stadt zu retten, und dem Peischwah wieder in Besitz derselben zu setzen.

Bey Wellesley's tactischen Operationen waren Schnelligkeit und Energie Haupt-Charaktere, wie es sich nach dem eben erzählten Ereignisse wieder bey der Wegnahme der Stadt und Festung Amednagar, 15 Meilen ostwärts von Punah, zeigte, und wo die meisterhafte Herbeyführung der Schlacht bey Assaye, deren Gewinn dem General Wellesley neue Lorbern brachte, den Ruhm dieses genialen Officiers wiederholt begründete. Als Wellesley in Naulnair eintraf, erfuhr er, daß die Maratten sechs Englische Meilen von diesem Orte sich fest gesetzt hätten, und Miene machten, sich daselbst zu behaupten. Wellesley entwarf unversäumt den Plan, den Feind anzugreifen, der, wie es hieß, bey der Annäherung der Engländer seine Position würde verlassen wollen. Dem General Wellesley mußte es nun darum zu thun seyn, den Feind zu einer Schlacht zu zwingen, und dieß beschloß er, Trotz des unangenehmen Umstandes der Abwesenheit des Stevensonschen Auxiliar-Corps, das wider alle Erwartung sich auf eine Seitenstraße dergestalt getrennt hatte, daß eine für die jetzige Lage der Dinge so nöthig scheinende Vereinigung schlechterdings unmöglich war. Wellesley blieb bey seinem Entschlusse. Nachdem er seinem Heere, das denselben Morgen bereits 14 Meilen marschirt war, einige Ruhestunden gegönnt, und Erfrischungen hatte einnehmen lassen, rückte er weiter. Die Anstrengung des bereits zurück gelegten Weges wurde nun durch die tropische Sonnengluth noch empfindlicher; aber Wellesley's muthiges Beyspiel wirkte mit magischer Kraft auf seine Mannschaft, und nach 6 Meilen gewahrte man den Feind. Seine Stellung schien sehr zweckmäßig gewählt; er hatte seinen rechten Flügel an das Dorf Bokerdun, und den linken an Assaye am nördlichen Ufer des Kaitreah-Stromes, nahe am Adjunten-Paß, gelehnt. Ein blick auf die Macht des Feindes that Wellesley den ungeheuern Unterschied zwischen der seinigen kund, aber er war zu einem Treffen entschlossen, und somit machte er die Anstalten zum Angriffe. Scindeah's Heer bestand aus 38,000 Mann Reiterei, 10,500 Mann Fußvolk, aus 500 Musketirern, 500 Granaten-Schleuderern und 190 Geschützstücken, während Wellesley's Armee nicht stärker als 4500 Mann war.

Anfangs leitete Wellesley den Angriff gegen die Fronte des rechten Flügels; allein alsbald wendete er sich gegen den andern Flügel, da er gewahrte, daß das Fußvolk und die Artillerie des Feindes dort aufgestellt seyen. Zur Deckung der sich bey diesem veränderten Manöver schwenkenden Infanterie stellte er seine Reiterey en arrière, und die des Peischwahs und des Nizams auf die rechte Flanke auf. Nun durchwatete er den, dem linken Flügel des Feindes sich gegen über befindlichen Strom; er stellte die Armee in Schlachtordnung auf; aus der Infanterie formirte er zwey Linien, aus der Englischen Cavallerie eine Dritte, als Reserve, und die Reiterey der Hülfstruppen ordnete er zur Deckung der linken Flanke, welche durch einen neu angekommenen feindlichen Cavallerie-Haufen bedroht worden war.

Eine fürchterliche Kanonade aus mehr als 150 Stücken eröffnete von Seite des Feindes, der in diesem Augenblicke seinen linken Flügel plötzlich verstärkte, das blutige Schauspiel. Der Muth der Britten und ihrer Hülfstruppen stieg durch einen solchen Empfang bis zur Erbitterung. Sie rückten, Trotz der Verwüstungen des feindlichen zahlreichen und ungemein gut bedienten Geschützes rasch vorwärts. Erst in der Nähe von 100 Ellen fingen die Britten ihr Feuer an; allein sie konnten die Wirkung desselben wegen der Menge bereits gefallenen Mannschaft und Zugthiere nicht verfolgen, und es blieb ihnen nichts übrig, als ein Handgemenge zu engagiren. Der Augenblick war kostbar und entscheidend; es handelte sich jetzt um die Existenz der ganzen Armee; nur ein gelungenes Wagestück konnte hier retten; Wellesley begriff das, und mit kalter Fassung trat er an die Spitze der Linie, während der Oberste Maxwell mit der Brittischen Reiterey den rechten Flügel deckte. Dieses Manöver wurde mit einer solchen Raschheit, Energie und Kühnheit ausgeführt, daß die Maratten Anfangs stutzten, und ihr Feuer einstellten, bald darauf aber gänzlich in Unordnung geriethen und zu weichen begannen. Wellesley, durch diesen günstigen Erfolg aufgemuntert, verdoppelte seine Anstrengung, und der Feind ward gezwungen, sich auf seine zweyte Linie, die vor dem Juah-Strome aufgestellt war, zurück zu werfen. Unterdessen geschah es, daß das 74. Regiment, welches den rechten Flügel der Englischen Linie deckte, und von dem feindlichen Feuer schon sehr viel gelitten hatte, von einem verzweifelnden Maratten-Haufen chargirt wurde. So empfindlich dieser gefährliche Angriff, der von einer starken Verwüstung begleitet war, für Wellesley auch seyn mußte, so glücklich schlug er für die Brittischen Waffen aus. Die Brittische Cavallerie war nähmlich noch bey Zeiten zur Hülfe herbey geeilt, hatte die bereits ermatteten Maratten mit kräftigen Ungestüm angegriffen, und sie theils niedergemacht, theils in den Strom gesprengt. Während dieser günstigen Wendung war es auch den Obersten Maxwell gelungen, die feindliche Infanterie zum Weichen zu bringen; und dieser tapfere Officier ließ ihr nicht Zeit, sich neuerdings entgegen zu setzen, sondern verfolgte seinen Vortheil mit einer solchen Beharrlichkeit, daß sich der Feind über den Fluß getrieben sah. Ein großer Theil der Maratten wurde bey diesem muthigen Manöver aufgerieben, und viele gingen bey der übersteigenden Flucht im Strome zu Grunde.

Scheintodte Maratten raffen sich auf, und machen ein lebhaftes Feuer im Rücken der Engländer.

Glänzend war der bisherige Erfolg, doch beynahe hätte die Kriegslist des Feindes dem tapfern Wellesley die errungenen Vortheile wieder entrissen, und die ganze Armee in die gefährlichste Verlegenheit versetzt. In der Verwirrung des Kampfes, bey der in einem Handgemenge fast unvermeidlichen Regellosigkeit, konnte Wellesley, nur stets im Verfolgen des Feindes begriffen, nicht wohl bemerken, daß mehrere feindliche Kanonen im Rücken der Brittischen Armee geblieben waren; noch weniger konnte man vermuthen, daß die um dieses Geschütz herum liegenden Maratten nur als verstellte Todte dalägen. -- Kaum fing Wellesley an, dem flüchtigen Feinde nachzusetzen, als die lauernden Maratten aufsprangen, und ein so heftiges Feuer in dem Rücken der Engländer machten, daß diese überrascht wurden, und dadurch einigen feindliche Bataillons Zeit ließen, sich zu sammeln, und den Streit mit neuem Muthe wieder zu beginnen. Dieß geschah mit der ganzen Wuth der Verzweifelung, dergestalt, daß nur die Geistesgegenwart eines Wellesley die augenscheinliche Gefahr des Unterganges abzuwenden vermögen konnte. An der Spitze des 78. Regiments und des 7. Bataillons der Seapoys eroberte Wellesley, mitten unter dem rings um fallenden Kugelregen, das verderbliche Geschütz im Rücken, unterdessen der Oberste Maxwell die sich wieder gesammelten Bataillons des Feindes mit dem 19. Regimente leichter Dragoner so glücklich angriff, daß sie durchbrochen wurden, und in allen Richtungen flohen. Mit der ganzen Kälte des Brittischen Muthes hatten in diesem entscheidenden Kampfe Wellesley und Maxwell gefochten; ersterem wurde das Pferd unter dem Leibe getödtet; doch der brave Maxwell ward ein Opfer seines kühnen Heldenmuthes. -- Der Feind war vernichtet, und als Trophäen dieses glänzenden Sieges fielen den Britten 98 Kanonen, die ganze Feld-Equipage, eine große Anzahl Büffel und Kamehle, und eine ungeheuere Menge Munition in die Hände. Aber größer noch war der Gewinn für Wellesley's Ruhm, wenn man die Verhältnißlosigkeit der beyden Heere beanschlagt; wenn man erwägt, daß die Maratten drey Mahl stärker, großen Theils von Französischen Officieren commandirt, und mit einer ungleich zahlreicheren, sehr wohl bedienten Artillerie versehen waren.

Nach dieser, für Wellesley's Feldherrn-Talente so rühmlichen Schlacht flog der Held zu neuen Siegen. Der nächste galt dem Heere des Rajahs von Berar, welches Wellesley, nach einem äußerst beschwerlichen Verfolgungsmarsche von vier Wochen, am 25. November in den Ebenen von Agram, im äußersten Norden des Brittischen Indiens, erreichte, und das er ebenfalls vollkommen schlug. Die weiteren Früchte dieses Sieges waren die sämmtlichen Elephanten, die ganze Bagage und Munition, nebst 38 Kanonen. -- Hatte Wellesley seither Soldaten besiegt, so sollte er nun auch sein Genie bey festen Plätzen beurkunden. Es lag jetzt sehr viel an der Einnahme der Festung Gawilghan. Die Lage derselben auf einer der steilsten Anhöhen, ihre augenscheinliche Unzugänglichkeit und ihre gute Besatzung standen der Eroberung wenigstens verzögernd entgegen; aber Wellesley war gewohnt, mit Energie zu handeln, und so geschah es, daß die Batterien bereits den 12. December in der Nacht eröffnet waren. Am folgenden Tage hatte man mit einem so guten Erfolge Bresche geschossen, daß man sogleich einen Sturm unternehmen konnte. Dieser ging auch den 14. Morgens vor sich, und hatte die beabsichtete Eroberung des Platzes zur Folge.

Diese glücklichen Operationen führten endlich den Frieden mit dem Rajah von Berar und seinem Bundesgenossen Scindeah herbey, den Wellesley abschloß, und der so fort von dem General der Britten in Indien ratificirt wurde. Wie früher als Feldherr, so zeigte Wellesley nun bey dem Abschlusse des Friedens-Tractates seine Talente auch als Diplomatiker. Von allen Seiten erntete er die dankbarste Würdigung; so decretirten ihm die beyden Häuser des Parlaments eine öffentliche Danksagung, und der König belohnte ihn mit den Insignien des Ordens vom Bade. Nicht minder suchten ihm seine Waffengefährten ihre Huldigung darzubringen, indem sie ihm eine goldene Vase im Werthe von 2000 Guineen verehrten; und die Einwohner von Calcutta überreichten ihm einen mit Diamanten reich besetzten Säbel, im Werthe über 1000 Pfund Sterling.


Europa.

Gekrönt mit Ruhm und Ehre, mit Gütern gesegnet, und begleitet von Huldigungen, kehrte Wellesley Anfangs des Jahres 1805 nach England zurück. Nicht lange darauf erfolgte die Expedition des Lords Cathcart nach Hannover; und Wellesley begleitete ihn als Brigade-Commandeur. Bey seiner Rückkunft erhielt er das Commando eines Districtes an der Küste. Bald darauf ging der Marquis Cornwallis mit Tode ab, und Wellesley wurde die Obersten-Würde des 33. Regiments, bey dem er dreyzehn Jahre als Oberst-Lieutenant gestanden hatte, verliehen.

Unter dem kurzen Ministerium des Lords Grenville zeichnete sich Wellesley, als Repräsentant eines Irischen Fleckens, im Parlamente aus, und bey dem folgenden Ministerium erhielt er die Würde des ersten Secretärs des Lord Statthalters von Irland, und ging in dieser Eigenschaft mit dem Herzoge von Richmond dahin ab.

Bald sollten aber auch Arthur Wellesley's militärische Talente neue Beschäftigung finden. Als Lord Cathcart gegen Kopenhagen nach dem Baltischen Meere segelte, schlug Wellesley als Befehlshaber einer Division ein Dänisches Detachement bei Kiönge, wodurch den Britten 60 Officiere, 1500 Mann, 14 Kanonen und eine große Menge Munition in die Hände fielen. Da man Wellesley's diplomatische Fähigkeiten kannte: so wurde er bey der Uebergabe von Kopenhagen mit Sir Home Popham und dem Oberst-Lieutenant Murray dazu gewählt, die Puncte der Capitulation fest zu setzen.


Portugal und Spanien.
Battle of Vimeira August 21th. 1808.

Im Aprill 1808 erhielt Wellesley den Befehl, mit der nach Portugal und Spanien bestimmten Englischen Expedition zu Cork unter Segel zu gehen. Zu dieser Expedition waren 29,246 Mann bestimmt. Wellesley commandirte die vierte Division dieser Truppenmasse. Im August 1808 landete Wellesley, und schon am 21. des nähmlichen Monathes siegte er über den Herzog von Abrantes (Marschall Jünot) in der Schlacht bey Vimeira. General-Lieutenant Burrard, einer der Oberbefehlshaber dieser Expedition, sagte in dem Begleitungsschreiben, mit welchem er den Bericht Wellesley's über diese Schlacht an den Viscount Castlereagh nach London abschickte: "Als ich diesen Morgen ans Land stieg, hatte der Feind den Angriff angefangen, und ich war so glücklich, zeitig genug auf dem Schlachtfelde anzukommen, um alle früheren und späteren Dispositionen des Sir Arthur Wellesley zu sehen und zu billigen; sein Genie hatte auf der Stelle Hülfsmittel für alle unvorhergesehenen Fälle erblickt, und ich mußte also nothwendig alles Geschehene vollkommen genehmigen." . . . Dieser Sieg war für die Englischen Waffen von größter Wichtigkeit, da ihm die damahligen Räumung Portugals durch die Franzosen folgte. Bereits am 22. August deselben Jahres wurde im Englischen Haupt-Quartier ein Waffenstillstand mit der Französischen Armee abgeschlossen, und der dießfällige Act durch Wellesley und den Französischen Divisions-General Kellermann unterzeichnet. Die Unterhandlungen wegen der Räumung Portugals fing an, und schon am 30. August 1808 ratificirte der Herzog von Abrantes in seinem Haupt-Quartiere zu Lissabon die definitive Uebereinkunft für die Räumung dieses Landes durch die Französische Armee. Die wichtigsten Artikel dieses Actes waren: 1) Alle feste Plätze und Forts des Königreiches Portugal, welche von den Französischen Truppen besetzt sind, werden der Englischen Armee in dem Zustande übergeben, worin sie sich in dem Augenblicke dieses Vertrages befinden. 2) Die Französischen Truppen werden Portugal mit Waffen und Bagage verlassen; sie werden nicht als Kriegsgefangene betrachtet, und haben die Freyheit, bey ihrer Ankunft in Frankreich wieder zu dienen. 3) Die Englische Regierung verschafft der Französischen Armee, welche in einem der Häfen Frankreichs zwischen Rochefort und l'Orient inclusive ausgeschifft wird, die nöthige Mittel zum Transport. 4) Die Französische Armee nimmt alle ihre Artillerie von Französischem Caliber, so wie auch die dazu gehörigen Pferde und Munitions-Karren, mit 60 Ladungen auf jede Kanone, mit. Alle andere Artillerie, Waffen und Munitionen, deßgleichen die See- und Land-Arsenäle, werden der Englischen Armee und Flotte in dem Zustande übergeben, worin sie sich bey dem Augenblicke der Unterzeichnung der Convention befanden. 8) Die Garnisonen von Elvas und seinen Forts, von Peniche und Palmela werden zu Lissabon, die von Almeida zu Porto, oder in dem nächstgelegenen Hafen eingeschifft. 12) Die Forts St. Julian, Bregio und Cascaes werden nach der Ratification des Vertrages von den Englischen Truppen besetzt. Lissabon und seine Citadelle, so wie die Forts und Batterien bis zum Lazarethe oder Trafaria von einer Seite, und bis zum Fort St. Joseph inclusive von der andern, werden in dem Augenblicke der Einschiffung der zweyten Division übergeben, deßgleichen der Hafen und alle bewaffnete Fahrzeuge, von welcher Art sie seyn mögen, mit ihrem Tauwerke Segeln und Proviant. Die Festungen Elvas, Almeida, Peniche und Palmela werden sogleich übergeben, wenn die Englischen Truppen kommen, um sie zu besetzen. 14) Sollten Zweifel über den Sinn irgend eines Artikels entstehen, so wird er zu Gunsten der Französischen Armee ausgelegt. 20) Von Seite der Englischen Flotte und Armee, und auch von Seite der Französischen Armee werden Geißel von dem Range eines Generals für die wechselseitige Garantie des gegenwärtigen Vertrages gegeben. Der Officier der Englischen Armee wird zurück gegeben, wenn die auf die Armee sich beziehenden Artikel völlig vollzogen sind, und der französischen Truppen in ihrem Vaterlande. Das Nähmliche findet auch von Seite der Französischen Armee statt. 21) Dem General en Chef der Französischen Armee wird erlaubt, einen Officier mit der Nachricht von dem gegenwärtigen Vertrage nach Frankreich zu senden. Der Englische Admiral wird ihm ein Schiff liefern, um diesen Officier nach Bordeaux oder Rochefort zu bringen. 22) Der Englische Admiral wird ersucht werden, Seine Excellenz den Oberbefehlshaber (Marschall Junot) und die andern vornehmsten Officiere der Französischen Armee an Bord von Kriegsschiffen zu nehmen . . .

Zugleich wurde die Russische, im Tajo befindliche Flotte, von dem sie commandirenden Russischen Vice-Admiral Siniavin den Engländern mittelst Convention übergeben.

Im Eingange Septembers 1808 wurde nun die Französische Armee von Portugal nach Frankreich eingeschifft, und die Engländer sahen sich in so kurzer Zeit durch die wichtige Schlacht bey Vimeira im Besitze dieses Landes, das die Franzosen durch volle zehn Monathe occupirt hatten. Lissabon selbst ward den Engländern am 15. September eingeräumt.

Bald rückten aber aus Spanien neue Französische Colonnen gegen Portugal an, und dieses sonst so blühende Reich wurde in den drey Feldzügen 1809, 1810 und 1811 zur halben Wüste umgeschaffen.

So blutig diese drey Feldzüge im Grunde auch waren, so viel Brittische und Gallicanische Blutströme auch flossen, so wenig entschieden sie im Ganzen; Festungen wurden genommen und verloren, Schlachten gewonnen ohne Vortheil des Terrains, und das Resultat von diesem allen war, daß die Engländer doch im eigentlichen Besitze Portugals, so wie die Franzosen zum Theile in jenem von Spanien blieben.

Wellesley hatte bald nach der ersten Räumung Portugals durch die Franzosen die Ehre, daß ihm das Ober-Commando über die Brittisch-Portugiesische Armee in diesem Lande übertragen wurde. Er konnte nun als General en Chef sein Feldherrn-Genie fessellos walten lassen. Bald krönte ihn die Schlacht bey Talevera mit ewig grünenden Lorbern; und er wurde hierauf zur Belohnung seiner großen Verdienste zum Lord Wellington mit dem Beynahmen of Talevera erhoben, und Ciudad Rodrigo erwarb ihm den Titel: Herzog von Ciudad Rodrigo.

Schon zweifelte ganz Europa, daß es den Engländern mehr gelingen werde, bedeutende Fortschritte in Spanien zu machen, als das Jahr 1812 mit einem Mahle die Engländer in Madrid und vor Burgos erblickte, und der Nahme Wellington wieder hellflammend strahlte.

Bereits im August 1811 entwarf Wellington zu dieser Riesenunternehmung den Plan; langsam, doch sicher, ging die Englische Armee in diesem Monathe über den Tajo, schlug sich mit immer abwechselnden Glücke, und behauptete sich die folgenden Winter-Monathe hindurch auf Spanischem Gränzboden. Im May 1812, nachdem Wellington seine Armee ganz completirt, die Uneinigkeiten zwischen seinen und den Portugiesischen Truppen behoben, und diese sich wieder an ihn angeschlossen hatten, auch alles dahin eingeleitet war, daß bey seinem Vorrücken in Spanien ein allgemeiner Aufstand bewirkt, und alle Altspanische Truppen und Guerillas sich an ihn anschließen würden, setzte er seine Armee in Bewegung; am 12. Junius ging er mit ihr über die Agueda, und traf am 16. vor Salamanca ein. Der Französische Feldherr, Marschall Marmont, Herzog von Ragusa, Chef der Armee von Portugal, stand mit seiner Armee in und bey Salamanca, als die Englische Armee daselbst eintraf.

Der Moniteur sagt über die hierauf eingetretenen Ereignisse Folgendes:

"So wie der Marschall die Bewegung der Engländer erfahren hatte, zog er sogleich sein Corps zusammen, und räumte die Stadt selbst vom 16. zum 17., doch behielt er die eben vollendeten Forts besetzt. Er zog sich nun an seine Truppen, und als er fünf Divisionen beysammen hatte, rückte er wieder gegen Salamanca vor. Die Engländer wichen hierauf bis St. Christoval zurück, wo sie eine feste Stellung einnahmen. Obschon auch der übrige Theil der Französischen Truppen inzwischen angekommen war, so fand der Marschall doch die Stellung der Engländer zu vortheilhaft, um einen Angriff zu wagen, und suchte vielmehr Zeit zu gewinnen, weil ihm der General Cafarelli Unterstützung hatte hoffen lassen; damit waren einige Tage vergangen, als die Engländer die Belagerung des Forts von Salamanca erneuerten. Dieses widerstand mehrere Tage, gab aber vom 26. zum 27. durch Signale zu erkennen, daß es sich nur noch durch fünf Tage halten könne. Hierauf machte der Marschall Marmont gleich Anstalten, um in der Nacht vom 28. zum 29. über die Tormes zu gehen, und Salamanca zu retten; allein die Engländer, des Widerstandes des Forts müde, hatten am 27. ihr Feuer verdoppelt, und glühende Kugeln in dasselbe geworfen; dadurch gerieth ein mit Holzwerk gefülltes Magazin in Brand, und die Flamme verbreitete sich sogleich in allen Forts. Die Garnison war dadurch genöthigt, nachdem sie zwey Stürme abgeschlagen, und den Belagerern großen Schaden zugefüget hatte, sich am 28. Mittags auf Discretion zu ergeben."
"Demnach entschloß sich der Marschall, um die Verstärkungen der Nord-Armee abwarten zu können, sich an den Duero zurück zu ziehen. Er brach am 28. Junius auf, und setzte am 2. Julius bey Tordesillas über den Fluß. Die Engländer waren diesen Bewegungen gefolgt u. s. f."
"Die Verstärkung von der Nord-Armee wurde immer vergebens erwartet. Doch die achte Division der Armee von Portugal, unter Commando des Generals Bonnet, welche an der nördlichen Küste war, und die der Marschall, um seine Corps zu vereinigen, plötzlich die Provinz Leon räumen ließ; einerseits von der Armee von Portugal, andererseits, weil die Communicationen mit der Nord-Armee verabsäumt worden waren, von dieser abgeschnitten, auch da sie aus Mangel an Transport-Mitteln nur mit wenig Munition versehen war, in einer sehr bedenklichen Lage sich befindend, hatte ihre Stellung ganz verlassen, um sich dem Haupt-Corps zu nähern, und war glücklich zu Reynosa angekommen, wo sie sich an das Haupt-Corps der Armee von Portugal anschloß. Als man nun vernahm, daß auch die feindliche Armee aus Gallicien anrückte, beschloß der Marschall Marmont, vor derselben Ankunft wieder über den Duero zu gehen, und die Engländer anzugreifen. Er ließ zu dem Ende vom 13. bis 16. Julius seine Truppen verschiedene Bewegungen machen, um die Engländer irre zu führen. -- -- Am 20. Julius Abends stand die Französische Armee an der Tormes bey Aldea-Rubia, und die Engländer bezogen wieder ihre Stellung bey St. Christoval."
"Am 21. Julius ward Alba de Tormes von den Franzosen besetzt, die Französische Armee selbst aber zog sich über den Tormes gegen Salamanca, um eine gute defensive Stellung einzunehmen, und die Gelegenheit zum Angriffe abzuwarten. Zu dem Ende wurden die weiter vorwärts gegen die Engländer gelegenen einzelnen Hügel, Aropiles genannt, besetzt, die Engländer aber zogen sich etwas weiter an die Gebirge von Teljares zurück."

Nun erfolgte der Angriff der Engländer und mit diesem die Schlacht von Salamanca.

"Vorwärts vor der Französischen Stellung, (sagt Marschall Marmont in seinem hierüber aus Tudela am 31. Julius abgesendeten Berichte ferner,) war eine Bergfläche, deren Besetzung der Marschall Marmont sehr wichtig hielt. Er hatte dazu Befehl ertheilt, und hiernach die übrigen Bewegungen seines Corps angeordnet. Diese wurden nicht mit der gehörigen Regelmäßigkeit ausgeführt, und da die Engländer die Bergfläche, welche die Franzosen besetzen wollten, ihnen streitig machten, zugleich auch Bericht eintraf, daß die Englische an beyden Flügeln sich verstärke, und das Treffen unvermeidlich schien, begab sich der Marschall gegen fünf Uhr Nachmittags nach dem Bergrücken, um dessen Besitz schon heftig gestritten wurde. In diesem Augenblicke traf ihn eine Holzkugel (Granate), zerschmetterte ihm den rechten Arm, und machte ihm zwey große Wunden an derselben Seite *)."

Französischer Seits sollte man der Divisions-General Bonnet das Commando statt Marmont übernehmen; allein er wurde einige Augenblicke nach diesem verwundet. General Clauzel erhielt das Ober-Commando.

Um fünf Uhr griffen die Engländer neuerdings an; die Französische Artillerie that Wunder der Tapferkeit; allein die Abwesenheit der Commandanten führte zur Anarchie, und die Anarchie zur Unordnung **). Endlich trat die Französische Armee ihren Rückzug an, nachdem sie einen Verlust von ungefähr 6000 Mann erlitten, und 9 Kanonen verloren hatte. Französischer Seits blieb der General Thomieres auf dem Schlachtfelde, der Divisions-General Ferey und der General Desgraviers starben an ihren Wunden, und außer dem Marschall Marmont wurden auch die Generale Bonnet, Clauzel und Menne verwundet.

*) man sehe hierüber auch die biographische Skizze Marmonts in diesem Bande S. 21.
**) Worte des Französischen Berichts und des Moniteurs.

Die Engländer verfolgten nun die Französische Armee bis an den Duero, wo ihre Cavallerie am 23. Julius eintraf. Zugleich hatte Wellington ein bedeutendes Treffen mit der von dem Könige selbst herbey geführten Armee vom Mittelpuncte (Armee des Centrums) zu bestehen. Er wandte sich dann nach Toledo, hob in der Folge die Belagerung von Cadix auf; Madrid wurde genommen u. s. w., und die Englische Armee drang im Norden von Spanien bis gegen den Ebro vor. In der Richtung vom Duero an den Ebro stießen sie auf das feste Burgos; sie entschlossen sich, dasselbe zu belagern, und Burgos rettete durch die eiserne Standhaftigkeit und alles überwiegende Tapferkeit seiner Garnison das südliche Frankreich von einem Besuche der Engländer.

Die Zeit kann uns erst belehren, ob die in allen Englischen Blättern angeführte Klage, daß Wellington von Seite des Parlaments vernachlässiget worden sey, und daher die Armee ohne Truppenverstärkung u. s. w. geblieben sey, gegründet oder nicht, so wie die Motive entschleyern, die Wellington, inzwischen auch zum Generalissimus der Spanischen Landmacht ernannt, dahin brachten, die edelsten Kräfte seiner Armee vor Burgos zu opfern xc. Doch dem sey, wie ihm wolle, Lord Wellington erhielt am 20. October die Nachricht, daß eine Abtheilung Französischer Truppen über die Bergenge von Pan-Corbo hervor gebrochen sey, und zwey andere Abtheilungen, die Tages zu Logrono und Miranda sich aufgestellt hatten, aus diesen Puncten gegen Burgos vorrückten. Es wäre wohl nicht schwer gewesen, diesen Drohungen mit Nachdruck zu begegnen; aber zugleich lief im Englischen Haupt-Quartiere die Nachricht ein, daß die mit des Königs von Spanien Armee vereinigte Französische Armee von Süden bereits in Minaya auf halben Wege zwischen Valencia und Madrid, und die Französischen Vortruppen zu los Hinojosos, 33 Stunden von Madrid, eingetroffen seyen. Nun mußte Wellington sich schnelle entschließen, die Belagerung von Burgos aufzuheben, und mit dem größeren Theile seines Heeres sich mit dem von dem General Payet bey Aranjuez vor Madrid stehenden Englischen Corps zu vereinigen suchen. Diese Vereinigung fand Statt. Am 1. November zogen die Franzosen in Madrid ein. Nachdem Wellington sich auch mit der Englischen Division des Generals Hill vereinigt hatte, trat er den Rückzug mit der vereinigten Englisch-Spanisch-Portugiesischen Armee gegen die Gränzen Portugals an; doch behielt diese alliirte Armee, außer Portugal, noch von Spanien: Gallicien, einen Theil von Asturien, Castilien und den ganzen südlichen Theil von Spanien bis Ciudad Rodrigo, Toledo und Valenzia besetzt. Gegen Ende Decembers 1812 bezogen beyde Armeen (die alliirte so wohl als die Französische) die Winter-Quartiere.

Schon oben haben wir erwähnt, daß die Junta von Spanien den Lord Wellington zum Generalissimus der Spanischen Landmacht ernannt habe; Ballasteros, einer der Spanischen Oberbefehlshaber, der nach dieser höchsten Militär-Stelle geitzte, wollte sich ihm nicht unterordnen lassen; die Junta verwies aber diesen stolzen Mann nach Ceute, und Wellington blieb Generalissimus, in welcher Eigenschaft er auch von dem Prinzen Regenten von England bestätiget wurde.

Den neuesten Nachrichten zu Folge hat sich Lord Wellington im Januar 1813 selbst nach Cadix begeben, um mit den Spanischen Behörden Rücksprache zu nehmen, wie die Spanischen Truppen in dem bevor stehenden Feldzuge wirksamer gemacht werden könnten.

Ein Augenzeuge schildert Wellington's Lage vor Burgos, einige wenige Tage vor dem Abziehen der Englischen Armee, mit folgenden Worten:

". . . Alles, was ich von Lord Wellington und seiner tapfern Armee gesehen habe, flößt Achtung und Bewunderung ein; allein was vermag jetzt diese Hand voll Tapferer gegen die Macht, welche sie von allen Seiten bedroht? Man macht sich in England eben so wenig einen Begriff von den Entbehrungen und Leiden, denen diese tapfere Armee ausgesetzt ist, und von dem fürchterlichen Verluste an Menschen, den sie erlitten hat, als von der Erschlaffung und unüberwindlichen Trägheit der Spanier. Wenn man die Londoner Blätter lieset, sollte man meinen, alles Volk auf der Halbinsel sey unter Waffen, und rückte von allen Seiten gegen den Feind heran. aber ach! welch ganz verschiedenes Gemählde könnte ich von dem entwerfen, wovon ich selbst Augenzeuge war! Lord Wellington's und seiner Armee Verdienst kann nur von denjenigen gewürdigt werden, die, so wie ich, gesehen haben, was die Spanier ihrerseits thaten, und welche die Hindernisse jeder Art kennen, auf welche die Englische Armee bey jedem Schritte stieß."

Wir haben dieses Schreiben, der Unparteylichkeit wegen, aus Französischen Blättern entlehnt, in die es aus Englischen übergegangen ist. Was läßt sich also nicht noch von dem Manne erwarten, der mit so wenigen Hülfsmitteln so große, wiewohl theilweise, nur ephemere Resultate herbey führte!

Bevor wir diesen Aufsatz schließen, fügen wir noch Arthur Wellesley's gegenwärtigen Titel vollständig bey: Lord Wellington of Talevera, Herzog von Ciudad Rodrigo, General en Chef der Englische-Portugiesischen -Armee, und Generalissimus der Spanischen Landmacht in Portugal und Spanien.


Wellington's Siegerbahn.

Pura qui nititur hasta.
(nach dem Quarterly Review N. XXV.)

Arthur Wellesley, Herzog von Wellington, ist geboren am 1. May 1769 zu Dengan Castle in Irland, wohin seine Vorältern vor drey hundert Jahren aus England gewandert sind. Seinen Großvater, Richard Colley, welcher von einem Verwandten den Nahmen Wellesley angenommen, hob König Georg II. in den Adel, unter dem Nahmen Mornington. Sein Vater, der Graf Mornington, starb 1784 und hinterließ viele Kinder und ein zerrüttetes Vermögen, aber auch eine Witwe von den trefflichsten Eigenschaften, die jetzt noch lebt und durch die Mutterfreude an den Verdiensten und Ehren ihrer Söhne, besonders des vierten, Wellingtons, so reichlich, als je eine Mutter für ihr Sorgen belohnt wird.

Wellington war eine Zeit lang in der Schule zu Eton. Von da kam er, noch sehr jung, in die Militär-Akademie zu Angers; denn damahls hatte Großbrittannien noch keine Lehranstalt dieser Art. In seinem achtzehnten Jahre wurde er Fähndrich; im vier und zwanzigsten Oberlieutenant. Den ersten Feldzug that er 1794 in den Niederlanden, und erwarb auf dem Rückzuge, wozu die Engländer genöthiget wurden, großes Lob. Im Jahre 1797 wurde sein ältester Bruder, Graf Mornington, der jetzt Marquis Wellesley heißt, General-Gouverneur von Ostindien. Dahin ward auch Wellington mit seinem Regiment gesandt. Zu großer Auszeichnung ergab sich bald Gelegenheit.

Der mächtige Fürst auf der Halbinsel, Sultan Tippo, ging, angefeuert und unterstützt von den Franzosen, auf die Zerstörung der Englischen Herrschaft aus. Nur eine Schlacht wurde geliefert; Wellington und Oberst Cotton (nachher auch in Spanien sein Waffenbruder) hatten an dem entscheidenden Siege großen Antheil. Die Hauptstadt des Feindes, Seringapatnam, ward erstürmt; Wellington erhielt darüber den Befehl; ihm ward auch die Aufsicht über die Kinder des umgekommenen Tippo anvertraut. Seine Festigkeit und Klugheit erwarb ihm den Beyfall der Regierung, seine Menschlichkeit die Liebe und Verehrung des unterworfenen Volkes. Hier kam er auch mit den Vornehmen anderer Indischen Völker in vielfache Berührung, und machte sich bey ihnen einen Nahmen, der ihm bald darauf sehr nützlich wurde.

Der, von übermächtigen Vasallen längst bedrängte Beherrscher (Peishwah) der Maratten bath die Engländer um Hülfe wider einen Empörer, Nahmens Holkar, der ihn aus seiner Hauptstadt vertrieben und einen andern König eingesetzt hatte. Wider diesen Abenteurer, der, wenn er sich festsetzte, den Engländern sehr gefährlich werden konnte, sandte der Gouverneur von Madras 12,000 Mann, größten Theils Indier, unter Wellington's Befehl. Es war ein weiter Heerzug in der ungünstigsten Jahreszeit; allein so gut hatte Wellington die Bewegungen seines kleinen Heeres und dessen Versorgung angeordnet, daß er kein Unglück, keinen Verlust erlitt. Hier zeigte er auch schon die Kunst, wovon er späterhin so große Beweise abgelegt; mitten im feindlichen Gebiethe wußte er solche Kriegszucht zu halten, daß die Einwohner überall ihn als ihren Erhalter segneten. Als er den größten Theil des Weges zurückgelegt hatte, erfuhr er, Holkar habe die Hauptstadt Poohnah verlassen, einer seiner Hauptleute aber halte sie besetzt und drohe, auf den Fall des Anzuges der Britten, sie zu verbrennen. Wellington eilte mit seiner Reiterey allein voraus, machte den noch übrigen Weg von 60 Englischen Meilen, durch ein sehr rauhes Land, in 32 Stunden, und war so unvermuthet vor Poohnah, daß Holkar's Hauptmann nur zur Flucht noch Zeit hatte. Die Einwohner empfingen dankvoll ihren Befreyer; der Peishwah kehrte in seine Hauptstadt zurück. Dieß war das erste Mahl, daß die Engländer sich in die Sachen des Maratten-Reiches mischten; glorreicher konnten sie es nicht thun, als durch die Rettung seiner Hauptstadt.

Indessen war der Mächtigste unter den Maratten-Fürsten, Scindiah, noch in den Waffen, both dem Peishwar Trotz und bedrohte von mehreren Seiten her die Englischen Gebiethe um so furchtbarer, weil er nicht nur den Rajah von Berar zum Bundesgenossen hatte, sondern auch ein Franzose, Nahmens Perron, dem er eine weitläufige Besitzung von 1,700,000 Pfund Sterling Einkommen angewiesen, ihm ein wohlgeübtes Hülfsheer zuführte. Die Englische Regierung beschloß, ihn von 3 Seiten angreifen zu lassen. Wellington sollte mit 18,000 Mann den Angriff in der Mitte des Landes führen. Das Gefährlichste für Europäische Krieger in Ostindien, ist die große Geschicklichkeit der Eingebornen, jedes Treffen zu vermeiden, den Gegner in unwirthbare Gegenden zu locken, und so allmählig durch die ermüdenden Züge und durch einzelne Anfälle aufzureiben. Auch Scindiah wollte sich, wie es schien, dieser Kriegslist bedienen. Wellington war daher sehr froh, als er, wenig Tage nach seinem Aufbruche, vernahm, er sey schon in der Nähe der Hauptmacht des Feindes. Ob er gleich nur die Hälfte seines Heeres bey sich hatte (die andere zog in einer andern Richtung), der Feind aber zehn Mahl so stark an der Zahl, und dazu mit hundert wohl bedienten Feuerschlünden versehen war, beschloß er dennoch, sogleich auf ihn los zu gehen, um die so erwünschte Gelegenheit nicht fahren zu lassen. Erst nach Mittag war er vor dem Feinde, der zwischen zwey Flüsse eine gute Stellung hatte, und sich an das befestigte Dorf Assyn lehnte.

Wellington ordnete den Angriff auf die schwächste Seite der Indier; allein diese merkten sogleich seine Absicht, und verstärkten sich durch ihr zahlreiches Geschütz, das in die Reihen der Engländer furchtbar wüthete. Hier war ein kühner Entschluß nöthig; Wellington ließ die feindliche Stellung im Sturmschritte angreifen. In Kurzem waren die Kanonen, welche den Engländern so viel Schaden gethan hatten, alle in ihrer Gewalt. Allein während der fliehende Feind verfolgt wurde, Niemand bey dem eroberten Geschütze blieb, standen viele Maratten, die sich nach Landesart niedergeworfen und todt gestellt hatten, wieder auf und richteten die Stücke abermahls auf die Engländer. Nun blieb das fliehende Heer auch stehen und es mußte von neuem gekämpft werden. Wellington nahm aber das Geschütz wieder im Sturme und nun ward der Feind gänzlich zerstreut, und verlor all seine Ausrüstung. Wellington ließ ihn nicht zu Athem kommen, sondern setzte ihm so nachdrücklich zu, daß er in wenig Wochen den Rajah von Berar, sodann auch Scindiah selbst zu einem, für England sehr vortheilhaften Frieden zwang. Ein Denkmahl dieses Sieges ward in Calcutta errichtet; das Brittische Parlament bezeigte Wellington den Dank der Nation; und als er nach Seringapatnam zurückkehrte, überreichten ihm die Einwohner eine Schrift, worin sie ihm für die Sorge dankten, die er auch in der Ferne für ihr Wohl getragen, feste und Opfer ankündigten, welche jede Kaste seiner glücklichen Rückkehr wegen angeordnet und mit einem Gebethe schlossen, daß der Gott aller Kasten und aller Völker ihn segnen möchte auf allen seinen Wegen.

Im Jahre 1805 kehrte Wellington nach England zurück. Das Jahr darauf erhielt er einen Sitz im Unterhause; in demselben Jahre vermählte er sich mit Katharina Pakenham. Im Jahre 1807 ging er nach Irland, als des Vicekönigs erster Rath; ihm verdankte Dublin die Verbesserung seiner Polizey. Allein schon im Sommer eben dieses Jahres rief der Krieg ihn wieder ab. Er begleitete den Lord Cathcart auf dem Zuge wider Kopenhagen, er war es, der die Dänen vom Strande vertrieb; ihm ward auch die Unterhandlung aufgetragen; diese führte er so rasch als den Krieg; in einer Nacht ward unterhandelt, abgeschlossen, unterzeichnet.

Im folgenden Jahre sollte Wellington eine große Unternehmung auf das Spanische Amerika leiten. Da nämlich Bonaparte sich Spaniens bemächtigt hatte, so dachte die Englische Regierung nur darauf, daß sie sich der auswärtigen Besitzungen des unglücklichen Volkes gegen dessen Unterdrücker versicherte. Allein der 2. May 1808 veränderte die ganze Gestalt der Dinge. Madrid erhob sich gegen die Franzosen, Murat und sein Gehülfe Grouchy dämpften diesen Aufstand und vergossen das Blut der Bürger in Strömen; aber es war Märtyrerblut, so fruchtbar als je eines. Ganz Spanien und Portugal erscholl vom Kriegsruf, beyde Völker suchten Englands Unterstützung. England, das bisher standhaft, doch mit wenig Erfolg gekämpft hatte, durchdrang alsogleich ein neuer Muth; es war, als ginge Jünglingen erst jetzt das Leben, Ältern eine zweyte Jugend aus. Nicht mehr an Vertheidigung der Küste gegen Bonaparte's Landung dachte man jetzt; angegriffen sollte er selbst werden in Gemeinschaft mit den edlen Völkern, den ersten, die ihm endlich Trotz bothen.

Battle of Roleia August 17th. 1808.

Wellington ward mit einigen Regimentern, welche von Gibraltar aus verstärkt werden sollten, nach Corunna gesandt. Obgleich die Spanier bereits eine Schlacht verloren hatten, fand er sie doch wenig muthlos, daß sie ihm sogar widerriethen, in Gallicien stehen zu bleiben; sie seyen stark genug; in Portugal sey sein Beystand nöthiger. Er segelte dahin ab und landete bey Coimbra. Zwischen dieser Stadt und Lissabon hatten die Franzosen die Anhöhen bey Rolissa besetzt. Wellington griff diesen starken Paß am 17. August an und gewann ihn nach einem blutigen Gefechte, das acht Stunden dauerte. Dieß war das erste Treffen zwischen den Engländern und Franzosen auf der Halbinsel, und hier schon, vorbedeutungsvoll siegte die Kraft der erstern über die große Geschicklichkeit der letzteren.

Nun zog Junot, Herzog von Abrantes, den größten Theil seiner Streitkräfte schnell zusammen, um den Engländern entgegen zu gehen. In denselben Tagen aber kam aus England mit Verstärkungen Sir Heinrich Burraed; diesem, als dem älteren Generale, gebührte nun der Oberbefehl.

Wellington begab sich zu ihm auf sein Schiff, und legte ihm seinen Plan vor, die Franzosen sogleich anzugreifen, und zwar so, daß sie von Lissabon abgeschnitten würden. Allein jener achtete sich dazu nicht stark genug, sondern meinte erst die Ankunft noch einiger schon angesagten Verstärkungen abwarten zu müssen. Dagegen bemerkte Wellington, zu vermeiden sey die Schlacht gar nicht, es frage sich nur, ob man den Angriff erwarten, oder, mit entschieden größerem Vortheile, selbst machen wolle. Und so war es. Denn am folgenden Morgen fiel Junot mit seiner ganzen Macht auf die Engländer, die, obgleich an Zahl etwas stärker, doch im Nachtheile waren, weil sie nicht auf einem Puncte vereinigt standen, wie der angreifende Feind. Wellington jedoch, der den Befehl noch führte, weil Burraed eben erst an's Land kam, vereitelte, durch bewundernswürdige schnelle Bewegungen, die Absichten und Künste des Gegners, und an der Englischen Tapferkeit scheiterte desselben Ungestüm. Die Franzosen waren auf dem einen Flügel schon geschlagen, als Burraed hinzukam. Wellington zeigte ihm, daß, wenn jetzt so vorgerückt würde, wie er Tags zuvor gerathen, die Franzosen Lissabon aufgeben, und ihren Rückzug auf einer beschwerlichen Straße antreten müßten, wo ihnen ungleich mehr Schaden widerfahren würde. Allein der Alte ließ sich weder durch Wellingtons Vorstellung, noch durch den Anblick des Sieges, der eben unter seinen Augen vollendet ward, gewinnen. Was ihn Tags zuvor bewogen habe, auf Verstärkungen zu warten, das, sagte er, habe immer noch dasselbe Gewicht. Wellington mußte sehen, wie ihm durch den Eigensinn eines Obern die Frucht eines herrlichen Sieges verdarb; indessen ein Ungehorsam, wie Nelsons, war seinen Grundsätzen zuwider, mit unterdrücktem Unmuthe sagte er zu einem seiner Officiere: Nun gut, da man uns nichts mehr thun läßt, so gehen wir, und schießen Feldhühner. So unwürdig war das Ende der Schlacht bey Vimeiro. Schon am folgenden Morgen mußte Burraed den Oberbefehl an einen noch älteren General, der eben von Gibraltar kam, abtreten.

Die Franzosen schöpften wieder Muth, da ihre Niederlage von dem Sieger so ganz unbenutzt blieb. Sie schlugen dem neuen Englischen Befehlshaber, der mit der Lage der Dinge gänzlich unbekannt war, eine Übereinkunft vor, kraft welcher sie freyen Abzug aus Portugal mit allen Waffen, allem Geschütz und Gepäck erhalten sollten. Zum Erstaunen des Feindes selbst ward diese Übereinkunft angenommen und vollzogen; Englische Schiffe brachten Junots Heere mit seinem Raube nach Frankreich, wo es sogleich wieder ins Feld gestellt wurde. Unbeschreiblich war der Unwille, welchen diese Nachricht in England erregte. Eine Untersuchung ward angeordnet, zu deren Behuf auch Wellington nach Hause gerufen wurde.

Während er hier unthätig war, überschwemmte Bonaparte Spanien mit seinen Heeren. Erst zu Ende Octobers schickte England die schon im August verheißene Hülfe unter Anführung Sir Johann Moore's, eines Mannes, der als Mensch und Feldherr in hohem und verdienten Rufe stand, dem aber Wellington's freudige Kühnheit nicht gegeben war. Allzubehutsam versäumte er die Zeit, wo er in der Mitte Spaniens festen Fuß hätte fassen können. Bonaparte, nachdem er die Spanier in mehreren Treffen geschlagen, ging mit solcher Übermacht auf ihn los, daß ihm nichts übrig blieb, als der Rückzug nach Corunna. Da schlug Moore die Franzosen, welche die Einschiffung verhindern wollten, zurück, und fiel in diesem Treffen, welches ehrenvoll für Englands Waffen, aber ohne Einfluß auf die Entscheidung des großen Streites war.

Im April 1809 ward endlich Wellington mit frischen Truppen nach Lissabon, das unterdessen behauptet worden war, gesandt. Wie nachtheilig die untergeordnete Stellung eines solchen Mannes gewesen, hatte man nun eingesehen; daher war ihm jetzt der Oberbefehl vertraut, aber mit sehr spärlich zugemessenen Streitkräften. Sein erstes Unternehmen war auf Porto, welches der Marschall Soult besetzt hielt, gerichtet. Am Douro empfing ihn das Volk mit unbeschreiblicher Freunde, und pflanzte, als Zeichen seiner Hoffnung eine große Fahne von weißem Linnen, worauf das Kreuz, auf das Gestade. Der Landung am andern Ufer widersetzten sich anfangs die Franzosen heftig; zurückgeworfen aber und von der Seite her bedroht, stürzten sie sich in wilder Flucht Gallicien zu. Engländer und Portugiesen eilten ihnen nach, und thaten ihnen so viel Abbruch, daß Soult nur zwey Drittel seines Heeres nach Spanien zurückführte.

Unterdessen war am Tajo Marschall Victor in Portugal eingebrochen. Kaum hatte Wellington sich gegen ihn gekehrt, so zog er sich nach Spanien zurück. Wellington ihm nach, um in Gemeinschaft mit einem Spanischen Heere unter Cuesta ihn anzugreifen. Allein da sie ihn an einem Sonntage erreicht hatten, weigerte sich Cuesta unter dem elenden Vorwande, am Tage des Herrn erlaube ihm sein Gewissen nicht, zu schlagen. So mußte der Englische Feldherr einen Sieg, dessen er gewiß war, schwinden lassen. Victor zog sich auf ein anders Französisches Heer, das ihm zu Hülfe eilte, zurück. Cuesta, der ihm allein nachsetzte, ward mit empfindlichem Verluste abgewiesen. Wellington setzte sich zu Talavera, wo er aus Mangel an Zugmitteln hatte bleiben müssen, und erwartete den nun sehr verstärkten Feind. Dieser stellte sich bald ein und griff die Engländer uns Spanier mit Übermacht an. Zwey Tage dauerte die Schlacht, die heißeste und blutigste, so bisher in Spanien geliefert worden. Mit großer Anstrengung und nicht geringem Verlust erkämpften die Engländer eine vollständigen Sieg. Die Franzosen mußten das Feld räumen, und viele Leute, auch 20 Kanonen in der Gewalt der Sieger lassen.

Als die Kunde nach England kam, wie der hochmüthige Feind von dem, an Zahl weit schwächern Heere der Britten und Spanier aufs Haupt geschlagen worden, äußerte sich in lautem Jubel der freudige Stolz, der freyen Völkern eigen ist. Alle Hoffnungen, welche der Widerstand der Spanier erzeugt, ihr anhaltendes Unglück aber sehr geschwächt hatte, blühten sogleich wieder auf. Des Feldherrn Nahme war in Aller Munde. Ihn ehrte die Regierung, indem sie ihn zum Pair des Reiches ernannte, d. i. nicht bloß mit einem glänzenden, aber leeren Titel schmückte, sondern mit dem, auf die erstgebornen Söhne erblichen Vorrechte, gebornes Mitglied des Hohen Rathes der Nation zu seyn.

Die neue Begeisterung, welche der Sieg bey Talavera anfachte, war eine herrliche Frucht desselben, aber die einzige. Unmittelbar gewährte er keinen Nutzen. Denn da nicht nur das geschlagene Heer der Franzosen wieder gesammelt und verstärkt, die Engländer an Zahl weit übertraf, sondern auch Marschall Soult mit einem andern Heere sie im Rücken bedrohte, welcher durch die Nachlässigkeit des Spanischen Generals, der die wichtigsten Pässe nicht besetzt hatte, bloßgestellt war; so mußte Wellington, um nicht von Portugal abgeschnitten zu werden, das kaum betretene Spanien in Eile wieder räumen und, so schmerzlich ihm das war, dem Feinde Preis geben. Aller Muth der Spanier konnte die großen Mängel ihrer Kriegsanstalten nicht gut machen; ihr Stolz aber ließ ihnen nicht zu, dem Englischen Feldherrn, der sie verbessern konnte, zu gehorchen. Ein Heer um das andere ward von ihnen aufgestellt, und von dem Feinde vernichtet. Weit gelehriger zeigten sich die Portugiesen. Ihr Land zu vertheidigen, und das ihnen ein tüchtiges Heer zu bilden, war von jetzt an Wellingtons Augenmerk, während die Franzosen auch das südliche Spanien einnahmen, und bis vor Cadix drangen.

Unterdessen war der Krieg in Deutschland zum Vortheile der Franzosen ausgeschlagen, auch die übel berechnete Unternehmung ganz mißlungen, welche die Englische Regierung, anstatt Wellington gehörig zu verstärken, auf die Niederlande gemacht hatte. Bonaparte, mächtiger, wie es schien, als je, nachdem er Österreich zum Frieden genöthigt, hatte nichts Dringenderes zu thun, als die Engländer aus Portugal zu treiben. Gar wohl ermaß Wellington die Gefahr, die sich ihm nahte. Er legte aber Alles darauf an, auf dem Puncte recht stark zu seyn, auf welchen, wie er wohl errieth, die Franzosen ihren Hauptangriff richten würden. Daher stellte er seine ganze Macht zwischen dem Tajo und dem Douro, mitten in Portugal, auf; und während er an dem Flusse Coa, auf der Gränze stand, als forderte er den Feind heraus, ließ er eine Stellung nördlich von Lissabon, deren ungemeine Vorzüge er schon im ersten Feldzuge eingesehen hatte, vortrefflich befestigen. So groß und langwierig diese Arbeit war, so wurde sie doch mit so wenig Aufsehen betrieben, daß außer Portugal weder Freund noch Feind davon vernahm, keine Zeitung nannte Torres Vedras, und den Franzosen war ausgemacht, daß Wellington jenseits der Gränze nirgends mehr eine Zuflucht habe.

In dieser Meinung eröffnete Marschall Massena den Feldzug am Ende April 1810. Zuerst belagerte er die zwey Festungen Ciudad Rodrigo und Almeida. Jene, obgleich nichts weniger als stark, hielt ihn 4 Wochen auf, und kostete ihm 9000 Mann; diese wohl versehen und besetzt, fiel, weil der Pulverthurm gesprungen war, in wenig Tagen. Was man die Zufälle zu nennen pflegt, ist nie für Wellington, sondern beständig gegen ihn gewesen, auf daß sein Verdienst um so selbstständiger und eigenthümlicher wäre.

Nachdem Massena diese Festungen eingenommen, ließ er sein Heer Lebensmittel auf 17 Tage aufladen, in dieser Frist nähmlich gedachte er nach Lissabon zu kommen. Da er nun nach wenig Tagereisen die Engländer auf den Höhen bey Busaco aufgestellt fand, wunderte er sich und sprach zu einem seiner Generale: Ich kann nicht glauben, daß Lord Wellington seinen Ruf wird aufs Spiel setzen wollen; thut er es aber, nun so habe ich ihn; morgen wird Portugal vollends erobert. Das Treffen bey Busaco belehrte den Prahler auf das Furchtbarste eines Anderen; er ließ in den Bergen bey 5000 Todte und Verwundete; gleich viele nahm er nach Coimbra mit. Indessen mußten die Sieger doch die Stellung räumen, weil Massena durch einen Paß, dessen Besetzung durch ein Mißverständniß versäumt war, sie umgangen hatte. Langsam und in größter Ordnung zogen die Engländer dem Tajo zu; ihre Stätigkeit hielt den Muth der Einwohner aufrecht, welche bey dem Anzuge der Franzosen ihr eigenes Land wüst legten. Wellington bezog die Stellung Torres Vedras, die er mit so viel Voraussicht hatte befestigen lassen. Als Massena diese Werke sah, die aus dem Landstriche zwischen dem Meere und dem Tajo eine große Burg machten, fand er, der sich vermessen, die Engländer in die See zu jagen, seine 70,000 Mann nicht zureichend, einen Angriff zu unternehmen. Er nahm auch eine feste Stellung bey Santarem, und harrte auf Verstärkung. Während aber die Engländer von der See her mit allen Bedürfnissen reichlich versorgt wurden, litten die Franzosen bald empfindlichen Mangel, da das Land, von welchem sie leben mußten, theils von ihnen selbst, theils von den Einwohnern verheert, aus Spanien Lebensmittel zu beziehen aber fast unmöglich war.

Nach 5 Monathen unthätigen und vergeblichen Verweilens trat Massena, ob er gleich einige Verstärkungen erhalten hatte, des unerträglichen Mangels wegen, seinen Rückzug an. Mit großer Geschicklichkeit, obwohl von den Engländern verfolgt, führte er ihn aus, bezeichnete ihn aber auch mit schauderhafter Grausamkeit gegen die Einwohner; mit einer, wie Lord Wellington in seinem Berichte sagte, selten erreichten, niemahls übertroffenen Barbarey. Als er an der Gränze war, gab Wellington die Verfolgung auf, ließ sein Heer ihm gegenüber stehen, und eilte an den Guadiana.

Hier war unterdessen großes Unglück geschehen. Marschall Mortier hatte die besten Krieger Spaniens, Romana's Haufen, den jetzt, nach des edlen Mannes Tode ein Neuling führte, überrascht und meist vernichtet, darauf, als Massenas Rückzug schon begonnen hatte, sie Hauptfestung dieser Gegend, Badajoz, eingeschlossen und in wenig Tagen von der Feigheit oder Verrätherey des Gouverneurs die Übergabe erlangt. Wellington versuchte sie wieder zu nehmen, ehe die Franzosen ihre Werke ausgebessert hätten, aber vergebens. Und bald mußte er an dem Coa zu seinem Heere schnell zurück, denn Massena war verstärkt wiedergekehrt, und griff zu Anfang des May 1811 an, in der Absicht, das von den Engländern eingeschlossene Almeida zu entsetzen. Aber das Treffen bey Fuentes d'Onoro setzte diesem neuen Unternehemen ein frühes Ziel, und erhöhete den Ruhm Wellingtons, dem abermahls bey kleineren Streitkräften sein Blick und Muth den Sieg gegeben hatte. Marschall Massena ehemahls von Bonaparte der Liebling des Sieges genannt, jetzt überall so sieglos, ward nun abgerufen, Marmont folgte ihm als Oberbefehlshaber.

Wellington aber eilte wieder an den Guadiana, wo er unter Beresford ein kleines, aus Engländern, Spaniern und Portugiesen gemischtes Heer fand. Er kam zu spät, um die blutige Schlacht bey Albufera zu verhüten, eben hatte sein Unterfeldherr sie geliefert und gewonnen, aber allzu theuer den Sieg erkauft. Zu solchen Thaten unnützen Glanzes hatte Wellington keine Lust. Daher, als Soult und Marmont vereint auf ihn losgingen, hob er sogleich die Belagerung der Feste Badajoz auf, zog sich nach Portugal zurück, und nahm auf der Gränze eine Stellung, wo er dem überlegenen Feind Trotz biethen konnte. Dieser mußte wegen Mangel an Lebensmitteln bald wieder abziehen, sammelte sich aber schnell wieder, als Ciudad Rodrigo von Wellington eingeschlossen ward, und zog dieser Stadt zur Hülfe heran; die Engländer sogleich wieder an den Coa zurück.

Am Ende des Jahres 1811 mußte Marmont einen Theil seines Heeres gegen Valencia absenden. Diesen Zeitpunct benutzte Wellington, um Ciudad Rodrigo einzunehmen. Er rückte am 8. Jänner 1812 davor, und nahm es mit Sturm am 19., vier Tage, bevor Marmont gerüstet war, zum Entsatze aufzubrechen. Sobald die Festung wieder haltbar gemacht war, übergab er die den Spaniern, war vor Badajoz am 16. März, und nahm auch diesen starken Platz in 20 Tagen. Freylich kosteten beyde Eroberungen viel Blut, weil die Engländer in Kunst und mitteln der Belagerung dem Gegner weit nachstanden, und das Beste mit persönlicher Tapferkeit ausrichten mußten. Es war aber auch der Gewinn unschätzbar, da die Franzosen nun keinen Halt mehr an der Gränze, die Engländer hingegen Stützpuncte zu Schutz und Trutz hatten.

Der Feldherr, der, beynahe im Angesichte eines überlegenen Feindes zwey starke Festungen bezwungen, war nun auch den Spaniern bewundernswerth. Sie ernannten ihn zum Herzog von Ciudad Rodrigo und Oberfeldherrn ihrer Heere. Allein an Streitkraft gab ihm das wenig Zuwachs. Die Spanischen Cortes waren zu sehr vertieft in ihre unklugen Handlungen über die neue Verfassung Spaniens, als daß sie sich mit Kriegsanstalten ernstlich hätten beschäftigen mögen; und das Kriegsvolk, unbothmäßig vom Hause aus, dazu durch die bisherige Unordnung verwildert, war nicht in den Gehorsam, der im Felde vor allem nöthig ist, zu bringen, Wellington konnte daher nur auf seine Engländer und Portugiesen sich verlassen, auf beyde allerdings vollkommen, allein zum Angriffe war ihre Zahl immer noch zu schwach.

Dennoch rückte Wellington im Juny gegen Salamanca vor. Marmont aber nahm eine feste Stellung, bis er große Verstärkungen an sich gezogen, wodurch er den Verbündeten beträchtlich überlegen wurde. Nun fand Wellington eine rückgängige Bewegung nöthig. Es war ein furchtbar prächtiger Anblick, wie zwey große Heere in einem ganz offenen und ebenen Lande stätig neben einander hinzogen, oft nur eine halbe Schußweite von einander entfernt, beyde stets einander beobachtend und auf einen günstigen Augenblick lauernd, wo der Gegner eine Blöße gebe. Am 21. July standen die Verbündeten am Tormes, der Abend war sehr schwühl und trübe; es kam ein Gewitter, der Himmel brannte vom beständigen Blitze, Regen fiel in Strömen; dennoch sah man längs der nahen Linie des Feindes seine Feuer. Nun waren beyde Heere auf entgegenstehenden Anhöhen nahe bey Salamanca aufgestellt; nahmentlich der rechte Flügel der Verbündeten und der linke der Franzosen, jeder auf einer Felshöhe, die zwey Arapiles genannt. Marmont, begierig die Verbündeten einmahl zum Schlagen zu bringen, und vertrauend auf seine Überlegenheit, dehnte seinen linken Flügel aus, um damit zwischen das Englische Heer und die Straße nach Ciudad Rodrigo zu kommen. Wellington sah eben zu Tische, als ihm dieß gemeldet ward; in einem Nu sah er den Vortheil, der sich ihm both; stand auf, so hastig, daß er den Tisch umwarf, rief: Marmont hat sein guter Geist verlassen, war plötzlich zu Pferd, und gab die Befehle, die ihm den Sieg bey Salamanca erwarben. Er griff die Franzosen gerade da an, wo sie sich selbst geschwächt hatten, und warf ihr ganzes Heer vom linken zum rechten Fliegel, nahm 7000 Gefangene, 20 Feldstücke und 2 Adler. Marmont verlor im Treffen einen Arm, nur die einbrechende Nacht rettete sein Heer vom gänzlichen Untergange. Dieß war die schwerste Niederlage, welche die Franzosen bis jetzt in Spanien -- und die demüthigendste, welche sie überhaupt seit 12 Jahren erlitten. Wellington, der bisher nur vertheidigend geschlagen hatte, war nun auch angreifend Sieger. Bis Valladolid verfolgte er den Feinde. Dann ging er über den Douro zurück, und auf Madrid los. Joseph Bonaparte floh aus seiner angemaßten Hauptstadt, Wellington zog unter dem Freudenrufe der auf die Straßen ergossenen Menge ein.

Verwegen wäre diese Stellung in dem Herzen des Landes gewesen, da die Verbündeten nur 50,000 Mann, die Feinde aber, wenn sie sich zusammen zogen, dreymahl so stark waren: hätte nicht der englische Feldherr auf den kleinen Krieg, welche die Spanischen Freyscharen (Gerillas) mit großem Erfolge führten, dann, und noch mehr, auf das Spanische Heer in Süden unter Ballasteros, und auf ein Englisches, das von Sicilien hier in Catalonien landen sollte, gerechnet. Aber diese Erwartungen schlugen fehl. Ballasteros, ein Mann von großer Thatkraft, der aber als Heerführer die trotzige Dreistigkeit, die er einst als Schleichhändler geübt, nicht abgelegt hatte, dazu voll Arragonischen Nationalstolzes und von Leuten bearbeitet, denen die Obermacht der Engländer in Spanien, so wohlthätig für sie auch war, demüthigend schien, versagte im entscheidenden Augenblicke Wellingtons Befehlen den Gehorsam, und blieb hartnäckig stehen, wo er ohne nutzen war. Die Spanische Regierung setzte ihn zwar sogleich ab, und strafte ihn mit Verbannung; allein das Übel war einmal geschehen, Soult war nicht mehr abzuhalten, aus dem Süden, wo er gestanden war, mit einer furchtbaren Macht heraufzuziehen. Auch die Hülfsmacht aus Sicilien leistete nicht, was man gehofft hatte; zu klein, um in Catalonien aufzutreten, hielt sie sich zu Alicante, und bewirkte nur, daß nicht auch Suchet auf Madrid ziehen konnte. Die einzige bedeutende Unterstützung, auf welche Wellington noch bauen konnte, both das seit 1809 befreyt gebliebene Galizien, damit aber das Heer, welches von da vorrücken sollte, einen Stützpunct gegen die Franzosen hätte, mußte Burgos genommen werden. Wellington begann am 19. September die Belagerung, allein er hatte dazu nicht mehr als 3 Achtzehnpfünder und 5 Haubitzen; sogar Pulver war nicht genug da; und die Franzosen hatten mit der ihnen eigenen Kunst, die alten, dem Scheine nach verächtlichen Festungswerke sehr haltbar gemacht. Es wurde, da man mit dem Geschütze nichts ausrichtete, mehrmahls der Sturm versucht, aber mit großem Verluste abgeschlagen. In der fünften Woche mußte diese unglückliche Belagerung aufgehoben werden, weil das Französische Heer nahte; fast doppelt so zahlreich, als das Englische. Da nun Wellington sah, daß er Spanien für jetzt nicht behaupten konnte, so zog er sich abermahls in größter Ordnung, ohne den mindesten Verlust, nach Portugal zurück.

So unerfreulich dieser Schluß des Feldzuges, so wurde doch darüber das Große, was in desselben Laufe geleistet worden, keineswegs verkannt, vielmehr als Pfand naher glorreicher Entscheidung hochgeschätzt. Das Englische Parlament verehrte dem Sieger bey Salamanca 100,000 Pfund Sterling zum Ankaufe eines Stammgutes; der Regent von Großbrittannien erhob ihn auf eine höhere Stufe des Reichsadels, und der Regent von Portugal ernannte ihn, mit eben so richtiger Anerkenntniß, als guter Vorbedeutung, zum Herzog von Vittoria. Die Waffenruhe des Winters benutzte Wellington zu großen Rüstungen, er ging nach Cadiz, um die Spanische Regierung persönlich für seine Plane zu gewinnen, und erlangte von ihr jetzt endlich eine zweckmäßigere Einrichtung ihres Kriegsstaates. Auch von England aus ward er nun besser unterstützt, nachdem man ein Mahl eingesehen, daß Anstrengung, um rasch zu enden, die beste Sparsamkeit sey.

Zu Anfange des Jahres 1813 hatte Bonaparte einen bedeutenden Theil seines Kriegsvolks aus Spanien nach Deutschland entbothen, als Kern des neuen Heeres, welches ihm das in Rußland aufgeriebene ersetzen sollte. Dennoch blieben in Spanien noch über 150,000 Franzosen. Mehr als die Hälfte dieser Macht diente aber als Besatzung in Städten und Festungen. Daher das Hauptheer, bey Valladolid aufgestellt, nicht über 70,000 Mann stark war. Zum ersten Mahl konnte Wellington mit einiger Überlegenheit an Zahl auftreten. Gegen das Ende des May eröffnete er mit 80,000 Mann den Feldzug. Die Franzosen setzten sich am Douro, er umging sie. Eilig zogen sie, an Burgos, welches sie räumten und zerstörten, vorbey, dem Ebro zu, wo sie ausnehmend starke Stellungen zu behaupten gedachten. Wellington nöthigte sie ohne Treffen heraus, indem er sie abermahls so schnell, daß sie es nicht hindern konnten, umzog. Nun stellten sie sich an dem Flusse Zadora, nahe der Stadt Vittoria, schlagfertig auf. Die Stellung war gut gewählt, doch auf der linken Seite nicht gehörig besetzt. Hier ließ Wellington durch die Spanier angreifen, nach einem schweren Kampfe wurden die Franzosen von der Höhe geworfen, und da sie nun auch vorn lebhaft angegriffen und im Rücken bedroht wurden, so zogen sie sich auf Vittoria in guter Ordnung. Hier, nächst den Stadtmauern, drängte sich das Gefecht auf einen engern Raum, ward aber bald entschieden. Seine Art ist gut beschrieben von einem Englischen Officier; "Man schlug die Franzosen vor der Stadt und in der Stadt, und durch die Stadt und aus der Stadt, und hinter der Stadt und rings herum der Stadt." Oft hatten die Franzosen den Spaniern blutigere Niederlagen beygebracht, nie eine so schmähliche, als sie jetzt erlitten. An Todten und Gefangenen war ihr Verlust verhältnißmäßig nicht groß, weil das Treffen äußerst kurz gewesen war, aber gänzlich zerstreut wurden sie und in die reißendste Flucht gejagt. Eine Kanone und eine Haubitze war alles, was sie fortbrachten, und auch die einzige Kanone verloren sie, noch ehe sie nach Pampelona kamen. Die Königspuppe, Joseph Bonaparte, entging nur durch einen Sprung aus dem Wagen der Gefangenschaft. Alle seine Schätze, dazu unermeßliches Geräthe der Üppigkeit, womit er in seinem glänzenden Elende sich getröstet, womit die Französischen Officiere nach ihrer Art sich ergetzt hatten, fiel den Siegern in die Hände. Der Soldat nutzte alle diese Beute auf der Stelle zu seiner Fröhlichkeit. Auch die Kriegscasse theilten sich die, welche sie genommen hatten, denn Wellington ließ sie gewähren, und sprach: sie haben Alles, was sie finden, und zehnmahl mehr verdient.

Wie nun die Folgen dieser Niederlage abzuwenden, Bonaparte alle Kräfte des mittäglichen Frankreichs angestrengt, Wellington aber nachdem er die großen Festungen Pampeluna und St. Sebastian eingenommen, in zwey großen Schlachten die Pyrenäen durchbrochen, sodann in Frankreich eingezogen, das Treffen bey Orthies gewonnen, endlich bey Toulouse den Marschall Soult abermahls geschlagen, aber, rechnend auf den Frieden, und alles unnütze Blutvergießen scheuend, den Feind, der ganz vernichtet werden konnte, nicht verfolgt, sondern ihm unter seinen Kanonen freyen Abzug vergönnt; dieses Alles ist aus den umständlichen Berichten, deren Verbreitung die Französische Polizey nicht mehr verwehren konnte, bekannt genug und im frischen Andenken.

Im Laufe der zwey und zwanzig Jahre fast beständigen Kampfes, zwischen dem von Grund aus umgekehrten Frankreich und der zerrütteten Welt, ist des ersteren Streitkraft nicht immer überlegen gewesen; oft sind von den verbundenen Königen große und vortreffliche Heere in's Feld gestellt worden; auch haben ganze Völker wider das fremde Urtheil mit gewaltiger Anstrengung und heftiger Erbitterung gestritten. Dennoch haben die Franzosen anhaltender, als seit Römer Zeit irgend ein Volk in Europa, obgesiegt, und erst als die andern Völker alle sich wider sie vereint bewegten, ward ihre Macht gebeugt, dann mehr überwältigt als besiegt. Der erkennbaren Ursachen dieses langen Unglücks derjenigen, die auf Glück so viel Anspruch hatten, sind viele, eine darunter ist, daß, so manche Führer sich durch manche ersprießliche und rühmliche Eigenschaften hervorthaten, doch gar keinem bis auf Wellington, die ganze Persönlichkeit eines vollkommenen Kriegs-Fürsten verliehen war. So klein England in Vergleichung mit dem ganzen übrigen Europa, und so unerwartet seine Auszeichnung im Landkriege, da es die meiste Kraft längst auf das Seewesen gewandt hat, so ist doch kein Wunder, daß der beste Feldherr des ganzen Zeitalters aus England kam, denn gemeiniglich sind die Menschen, wie der Staat, welchem die Angehören, und wo die beste Verfassung ist, da stehen auch die tüchtigsten Männer auf.

Übersieht man Wellington's Siegesbahn mit all den Schwierigkeiten, Gefahren und Widerwärtigkeiten, die ihn beständig aufhielten, oft bedrohten, mehrmahls zurückwarfen; mit den geringen mitteln, die ihm zu Gebothe, mit den ungeheuern, die wider ihn standen; so wird man nothwendig zu der frohen Bewunderung hingerissen, womit der menschliche Geist die ersten Helden der alten Welt, als die vornehmsten Zeugen seiner schöpferischen Kraft betrachtet. So heiterer Sinn, so kalter Verstand, so heller Blick, so frischer Muth, so viel Kühnheit und Vorsicht, so viel Behendigkeit und Ausdauer konnte allein, aber mußte obsiegen. Auch hat Bonaparte, der die andern Gegner übersah, diesen nicht begriffen, Anfangs nannte er ihn den tollhühnsten, nachher den furchtsamsten unter Allen, nicht ahnend, daß die höchste Kühnheit, mit der höchsten Behutsamkeit vermählt, ihm seinen Überwinder erzog.

Was endlich Wellington nicht nur weit über alle seine Gegner, sondern über die gepreisensten Feldherrn hebt, ist seine Menschlichkeit. Sein halbes Heer, da er in Frankreich einrückte, waren Spanier und Portugiesen, welche, rachgierig von Natur, nur allzuviel Hohn und entsetzliche Grausamkeit, in ihren Ländern Jahre lang von den Franzosen geübt, zu rächen hätten. Aber so beherrschte Wellington die Gemüther dieser Waffengenossen, daß sie nicht die mindeste Vergeltung, nicht eine Mißhandlung oder Erpressung sich erlaubten; daß die Franzosen, welche den Krieg in Spanien nach der Wilden Art geführt hatten, nunmehr von Spaniern selbst überzogen, die edelmüthigsten Feinde sahen. Daher ist in Gascogne, wie in Spanien und Portugal, und wie in Hindostan, der Nahme Wellington im Segen.

Gewiß, mit dem Gefühle, wie Er, hat selten ein Eroberer auf sein Tagwerk zurückgeblickt. Marschallstab und Herzogthum, und Ehren und Reichthümer, ihm von dem dankbaren Vaterlande, ihm von Völkern, die er rettete, gehäuft, sind nicht sein bester Lohn. Mehr als selbst der unsterbliche Ruhm seiner Thaten ist der Gedanke, was diese Thaten bezweckten und erwirkten, die Befreyung zweyer auf das qualvollste unterdrückten Völker, das Heil und die Ehre seines Vaterlandes, ja das Wohl der ganzen Christenheit. Seine Feldzüge sind geheiligt durch den Zweck, kein Frevel hat seine Unternehmungen, keine Grausamkeit je seine Siege befleckt, und auf seinem Todbette mag er sich seiner Kriegsthaten als guter Werke freuen.


Schilderung von Wellington.

Wellington ist jetzt ein Mann von 46 Jahren; er würde von jedem, der ihn unter Tausenden von Offizieren erblickt, sogleich als General erkannt werden. Ein sehr proportionirter Wuchs über die gewöhnliche Größe, keine übermäßige Fülle, kein Mangel an Fleisch, alles Muskel und kraftvolle Bewegung, ganz Militär im Anzuge, nämlich sehr ordentlich ohne phantastisch oder eitel zu scheinen; ein reicher dunkler Haarwuchs, eine Adlernase, ein kleiner Mund, eine offene freye Stirn, alle Züge in dem ernsten Antlitz bestimmt, regelmäßiges, ein nicht sehr großes, aber dunkles, feuriges und redendes Auge, die Fülle der Gesundheit über das ganze Wesen verbreitet -- das ist Wellingtons Aeußeres. Er hält Maaß in jedem Genusse, und nie hat man ihm Ausschweifungen in irgend einem Vergnügen vorwerfen können, was sich doch unter den Strapazen des Krieges so leicht begeben kann. Er schläft wenig, aber im Cantonnement gern regelmäßig in den Stunden vor und nach Mitternacht. Er ist kein Freund von Trinkgelagen, von äußerer Pracht und Schimmer, und eben so wenig geizig als verschwenderisch. Aus allen seinen Feldzügen kann man keinen Fall zeigen, in dem er etwas erpreßt oder für sich selbst verlangt haben sollte. In seinem ganzen Wesen liegt ein großer, hoher, würdiger Ernst, der aber nicht zurückschreckend ist. Ohne daß er darum bemüht scheint, besitzt er jene geheimnißvolle Größe, welche seine Umgebungen unter seinen Willen zwingt. Daher entspringt ohne Zweifel das blinde Zutrauen zu seinen Einsichten, der unbeschränkte Gehorsam gegen seine Befehle. Er redet gewöhnlich wenig; was er sagt ist kurz, unbedingt, die Frucht tiefen Nachdenkens. Kömmt es aber darauf an, sich als Redner zu zeigen, so spricht er schön mit Fülle und Gründlichkeit. Mehrere Male hat er über das neue Frankreich und den Krieg gegen dasselbe geäußert: beide wären die größten Uebel, welche jemals die Welt betroffen hätten; und in diesen Worten liegt eine tiefe Bedeutung, eine Bedeutung, welche erst die kommende Geschlechter gehörig einsehen können, da der Stoff, der 1789 in Gährung gerieth, vielleicht erst nach 30 oder 50 Jahren ganz ausgearbeitet seyn wird. Ein Deutscher Schriftsteller vergleicht ihn mit Julius Agricola, von dem Tacitus sagt: "Nie wurde, was selten ist, sein Ansehn durch seine Milde, die Liebe zu ihm durch seine Strenge geschwächt. Er suchte nicht ein Mal den Ruhm, welchen auch die Guten lieben; und war der Eifersucht eben so fremd, als der Streitsucht." Diese Schilderung paßt vollkommen auf Wellington; und wenn wir ihn in seinen Thaten betrachten, drängt sich uns von selbst Hannibals Bild auf. Auch dieser kämpfte in den Punischen Kriegen auf Spanischen Boden; auch dieser, der Feldherr der herrschenden Seemacht, widersetzte sich mit einem kleinen Haufen dem stolzen Rom, welches das übermüthige Paris vorzustellen prahlte, auch dieser überwand den drei Mal stärkeren Feind immer durch kluge Bewegungen, überraschende Schritte, Mäßigkeit und Zaudern zur rechten Zeit. Aber übrigens wird Brittanien nicht seinem Helden mit derselben Undankbarkeit lohnen, womit der Karthagische Senat seinen Hannibal belohnte. Albion wird nicht in der Stunde der Gefahr, geleitet durch persönlichen Neid -- dessen Opfer Hannibal und bald darauf Karthago selbst wurde -- die Blätter von dem Lorbeerkranze seines Hannibals reißen. --

Wellington ist kalt und scheint zurückhaltend, Eigenschaften, ohne welche ein Feldherr nie einen Anspruch auf dauernde Größe machen kann. Er ist strenge gegen seine Soldaten, hält genau auf Subordination, und wird doch von der Armee vergöttert, welche gerne mit vollem Vertrauen dahin geht, wohin er sie sendet. Die Liebe der Soldaten hat er besonders dadurch gewonnen: daß er im höchsten Grade gerecht ist, daß er die zärtlichste Sorgfalt für die Verpflegung der Armee trägt, daß er sich persönlich unterrichtet, ob der Soldat nicht auch Veranlassung zu irgend einer Klage hat, welcher abgeholfen werden könnte. Und das Vertrauen der Soldaten hat er dadurch erhalten: daß er ohne Leidenschaft handelt, und die Menschen schont, wo der Ausgang nicht dem Opfer entsprechen würde; daß der Held vollendet ist und nicht aus Eitelkeit etwas thut, was der Soldat mit seinem Blute bezahlen muß; daß er seine Stellung mit dem größten Bedachte wählt, so daß der Sieg gewiß seyn kann, wenn er das Zeichen zur Schlacht giebt; und daß er beym Rückzuge aus der Schlacht eben so kalt und ruhig ist, als wenn er den Feind verfolgt. Dabey führt er die genaueste Aufsicht über die Lazarethe, und überläßt die Sorge für den Wahlplatz nicht einem unwürdigen Trosse, der die Verwundeten mit schändlicher Grausamkeit behandelt. Wellington ist der Vater der Soldaten im ganzen Umfange der Wortes. Seine Menschlichkeit gegen den überwundenen Feind vereinigt sich hiermit, um ihm allgemeine Achtung zu verschaffen. Wellington kennt keine Gefahr. Von ihm gilt, was Julius Cäsar von sich selbst sagte: "Die Gefahr und ich wurden an einem Tage geboren, aber ich war der ältere." -- Dennoch weiß er zwischen der Pflicht des Feldherrn und der Tapferkeit des Soldaten zu unterscheiden, und stürzt sich nicht unbedachtsam ins Handgemenge. Männer, die an den blutigen Tagen von 15ten bis 18ten Junius 1815 in seiner Nähe waren, versichern: daß er in allen Lagen die Rollen des großen Trauerspiels mit gleicher Ruhe und Ueberlegung vertheilte. Der Feind findet ihn nie unvorbereitet; er kann geschlagen, aber nicht vernichtet werden; auf seinem guten Rückzuge ist er immer sicher. Sehr wichtig ist Wellington dadurch: daß er der Erste war, der sich Napoleon Buonaparte entgegen stellte, als dieser die bestimmte Höhe überschritten hatte, und nach der Herrschaft über den ganzen Kontinent strebte. Er vernichtete das Traumbild menschlicher Eitelkeit, er warf einen Damm gegen den reißenden Strom Französischer Eroberungen auf: da er den bestürzten Nationen des Kontingents zeigte, die alte Taktik sey noch immer dieselbe, und auch hier besiege endlich die Kunst den Uebermuth der Menge. Das ganze befreite Europa sollte dem ersten wirksamen Retter Europäischer Freiheit eine Ehrensäule setzen. Aber einen weit größern Dank ist ihm sein Vaterland Brittanien schuldig. Durch seine thaten auf der Pyrenäischen Halbinsel und die Schlacht von Waterloo hat er nicht nur den Glanz der Brittischen Waffen mit einer neuen Glorie geschmückt, und durch die That bewiesen, daß das Inselvolk mit siegende, Nachdrucke den Krieg, den es begann, zu enden vermochte: sondern er hat auch, seit er an der Spitze dieser Truppen steht, ein neues Heer, eine Brittische Landmacht in Europa geschaffen. England selbst setzte vorher Mißtrauen in seine Kräfte, und führte den Krieg auf dem Europäischen Kontinente mehr mit Geworbenen, als Eingebornen, mehr mit Geld und mit der Feder, als in Linien. Wellington flößte zuerst den Engländern Vertrauen zu ihrer Landmacht ein, und hat ihnen dadurch neue Aussichten eröffnet; deren Folgen die Vergrößerung des Königreichs Hannover und die Bildung des neuen Belgischen Reichs ist. Mittelbar kann Wellington als Stifter dieser Politik angesehen werden: da durch seine Thaten die Wünsche der Brittischen Regierung, deren Erfüllung man bisher als unmöglich ansah, erreichbar gemacht wurden. --


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • A.F. Rittgräff. Die Helden des Tages, oder biographische Notizen über die hervorstechendsten Personen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse. Berlin 1813.
  • Geist der Zeit. Ein Journal für Geschichte, Politik, Geographie, Staaten- und Kriegskunde. Wien, 1816. Im Verlage bey Katharina Gräffer und Härter.
  • Neue allgemeine Weltbühne für das Jahr 1816. Erfurt, in dem Königl. Preuß. Postamte und in der Keyserschen Buchhandlung.