August Neidhardt von Gneisenau

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Graf von Gneisenau Königl. Preuss. General Lieutenant.

Gneisenau (Graf Neidhart von), königlich preußischer General der Infanterie, ward 175 . bei Jauer in Schlesien geboren.

Ein Sohn des Kriegs bezeigte er schon früh Lust zum Soldatenstande. Wißbegierig erlernte er als Knabe und Jüngling das seine künftige Bestimmung Nöthige, vernachlässigte aber die andern Wissenschaften, besonders Physik und Oekonomie, keineswegs.

Er diente unter der schlesischen Füselier-Brigade als Offizier, und ward gegen das Jahr 1802 Hauptmann.

Im Feldzug 1806 wurden seine Talente bemerkt; sein Monarch sendete ihn als Oberstlieutenant im April 1807, von Königsberg aus, dem bedrängten Colberg zu Hülfe. Er übernahm dort, an der Stelle des alten ganz unfähigen Generals Lucadou, den Posten als Commandant, vereitelte die Folgen der fehlervollen Maßregeln seines Vorgängers durch ein kräftiges und kluges Benehmen, schlug durch zweckmäßige Anstalten alle wüthenden Angriffe des Feindes zurück, und hielt, trotz eines fürchterliches Bombardements, die kleine Festung, welche viele schwache Punkte hat, bis zum tilsiter Frieden.

Er war während der Belagerung Obrist geworden, nach derselben erhielt er scheinbar seinen Abschied, und schien mißvergnügt nach England zu gehen, während er in der That als geheimer Gesandter seines Hofes dort war. Im Jahr 1810 kam er zurück, und arbeitete eine Zeit lang im Ministerium.

1813 ward er Generalmajor und Generalquartiermeister, und leitete in dieser Qualität den ausgezeichneten Rückzug von Lützen bis Breslau so meisterhaft, daß der verfolgende Feind in verschiedenen Gefechten 40 Kanonen verlor, ohne den Verbündeten eine einzige abgenommen zu haben. Während des Waffenstillstandes beschäftigte ihn die Ausbildung der Landwehr. Er wurde während desselben an der Stelle des verstorbenen Scharnhorst Chef des Generalstabes. In dem zweiten Feldzug (nach dem Waffenstillstande) war er beständig bei dem Feldmarschall Blücher; die Vernichtung des macdonaldschen Corps an der Katzbach, der Uebergang bei Wartenburg über die Elbe, und der glückliche Erfolg der Schlacht bei Möckern (Leipzig) am 16ten October waren großentheils Werke seiner Rathschläge. Er ward Generallieutenant.

Im Jahr 1814 nahm er an den Siegen bei Brienne und Paris so wie an der Schlacht bei Montmirail beträchtlichen Antheil; seine Meinung gab in dem Kriegsrath, wo man über das plötzliche Vordringen nach der Hauptstadt berathschlagte, den Ausschlag.

Nach dem pariser Frieden ernannte ihn sein dankbarer König zum General der Infanterie, erhob ihn in den Grafenstand, und gestattete ihm, sich eine Domaine von 10,000 Thalern jährlicher Einkünfte auszuwählen.

Im Jahr 1815 war er es, der die bei Ligny überwundene preußische Armee nach wenigen Stunden wieder in den Stand setzte, eine Schlacht liefern zu können, und der durch die rasch angeordnete Verfolgung der bei Belle-Alliance (Waterloo) geschlagenen französischen Armee diesen Sieg zu einem der glänzendsten in der neuern Geschichte machte; er folgte dem Feinde auf dem Fuße bis Paris, und nahm als Minister an dem dortigen Friedensschlusse Theil.

Hierauf ward ihm das Gouvernement der Rheinprovinzen übertragen. Im Frühjahre 1816 fühlte er sich theils wegen seiner Gesundheit, theils wegen politischer Gründe bewogen, seinen Abschied zu fodern. Sein Monarch, welcher einsah, daß Gneisenau dem Staat unersetzlich sey, gewährte ihm in den huldvollsten Ausdrücken die Erlaubniß, während des Friedens mit ganzem Gehalt nach seinem eignen Willen leben zu können, behielt sich aber vor, denselben im Falle eines Kriegs wieder anzustellen. Gneisenau begab sich hierauf in die böhmischen Bäder, und sodann auf seine Güter in Schlesien.

Mit genauer Kenntniß dessen, was dem Heerführer nöthig ist, verbindet Gneisenau einen bewunderungswürdigen militärischen Blick, eine rasche Uebersicht, und einen durchdringenden Scharfsinn. Schnell weiß er sich, auch in der bedrängtesten Lage, zu fassen, und selbst seine raschesten Entschlüsse tragen das Gepräge der Bestimmtheit, Zweckmäßigkeit und Ruhe. Nie hat man ihn auf dem Schlachtfelde verlegen gesehen. Mit diesen kriegerischen Eigenschaften, die den großen Feldherrn beurkunden, vereinigt er die liebenswürdigste Bescheidenheit, und seine Tugenden als Hausvater, seine Talente eines guten Gesellschafters zwingen denen, sie ihn als Feldherrn verehren, Achtung und Liebe für ihn als Menschen ab.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.