Auguste Marie Henri Picot de Dampierre

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Dampierre.

Das Herkommen dieses Generals, das frühere Leben desselben und seine Kriegsdienste sind unbekannt, wenn wir den einzigen Umstand ausnehmen, daß er im Jahre 1755 gebohren wurde. Erst während der französischen Revoluzion, wo er unter Dümouriez in dem Feldzuge in Champagne diente, fand er Gelegenheit sich auszuzeichnen. Besondere Geschicklichkeit zeigte er in der Anführung leichter Truppen, und der Muth, den er in den größten Gefahren zeigte, verbunden mit dem Glück, welches ihm gewöhnlich lächelte, machten, daß die Streifzüge, welche er unternahm, größtentheils zum Vortheile der Franzosen ausfielen.

Demungeachtet haßte Dümouriez diesen General. Das Mißverständniß, das zwischen diesen beiden Generalen herrschte, gründetet sich auf den Umstand, daß Dampierre den Dümouriez durchblickte, und dann beschloß, lieber die Gunst, in die er sich bei ihm setzen konnte, aufzuopfern, als seinem Vaterlande untreu zu werden.

Als daher Dümouriez seine Entwürfe gegen die Jakobiner laut werden ließ, so hatte die Republik es vorzüglich Dampierre zu verdanken, daß die Armee, welche ihren Chef sehr liebte, und ihm vielleicht gefolgt wäre, erhalten wurde. Er hatte alle Schritte Dümouriezs genau beobachtet, und war jetzt muthig genug, die Soldaten öffentlich zur Treue gegen ihr Vaterland aufzumuntern. Er berichtete von le Quesnoy aus alles, was bei der Armee vorfiel, nach Paris, und hegte wahrscheinlich den Wunsch, statt Dümouriez General en Chef zu werden. Der Abfall der Armee von Dümouriez war größtentheils sein Werk. Der Konvent, der damals alle Tugenden abgeschworen zu haben schien, war dennoch gegen ihn dankbar. Er ernannte ihn zum General en Chef der Nord- Sambre- und Maasarmee an Dümouriezs Stelle.

Nie hat wohl ein General eine Armee in einer verzweifeltern Lage übernommen, als jetzt Dampierre. -- Der Konvent glaubte, das ganze Uebel zu heilen, wenn er grosse Verstärkungen von Nazionaltruppen zur Armee stossen ließ. Aber konnte er auch die Niedergeschlagenheit, die Verwirrung, in welcher sich die Gemüther befanden, vertilgen? War es das Werk eines Augenblicks, die Ordnung wieder herzustellen? Konnte er es verhüten, daß der Geist der Insubordinazion nicht auch die neuangekommenen Bataillone ergriff?

Unbekümmert um alles dieses schickte er dem General Dampierre den Befehl zu, den Feind, welcher bereits auf französischem Gebiete stand, Conde berennt hatte, und Maubeuge bedrohte, es koste, was es wolle, zu schlagen. Dampierre, zu dem man in Frankreich eben kein grosses Vertrauen hatte, weil er erst 38 Jahre alt, nicht genug Erfahrung besaß, hatte sich in das Lager von Famars bei Valenciennes zurückgezogen, und ein anderes Lager, das von Maulde, welches jetzt unhaltbar geworden war, den Feinden Preis gegeben. Durch die hitzigen Scharmützel, in welche er sich täglich mit den österreichischen Truppen einließ, suchte er sie über den wahren Zustand seiner Armee irre zu führen. Die letztern wagten es nicht, ihn aus seiner jetzigen Stellung zu vertreiben. Wegen des Besitzes von Valenciennes, dessen beide Armeen zu ihren Operazionen bedurften, fielen einige hartnäckige Gefechte vor, ohne daß sich einer der beiden Theile rühmen konnte, ausschliessend Meister davon zu seyn.

Dem Befehle des Konvents gemäß, beschloß nun Dampierre, den Feind anzugreifen, und die Kommunikazion zwischen Conde und Valenciennes herzustellen. Und so erfolgte am ersten Mai 1793 ein allgemeiner Angriff. Mit 70,000 Mann rückte Dampierre auf die Oesterreicher heran. Der linke Flügel drang über die Dörfer Saultain und Curgirs hervor, hatte aber viel Mühe, ehe es ihm gelang, die österreichischen Vorposten zu werfen. Unterdessen hatte die Hauptarmee Zeit gewonnen, sich in Schlachtordnung zu stellen; der rechte Flügel derselben rückte heran, und mit einem fürchterlichen Kanonenfeuer wurden die Franzosen aus den eroberten Dörfern in ihr Lager zurückgetrieben. Durch den Sieg des linken Flügels begünstigt; konnte auch das Centrum der Oesterreicher, welches durch die Heftigkeit der Franzosen durchbrochen worden war, sich wieder setzen, und auch auf diesem Punkte mußten die Republikaner weichen. Doch dieses waren nur Nebenangriffe, den Hauptangriff that der rechte Flügel, an dessen Spitze Dampierre selbst stand. Der linke Flügel der Oesterreicher unter Clerfayt wurde auf allen Punkten, besonders aber bei Raismes angegriffen. Mit Tagesanbruch fing das Treffen an, Nachmittags war es eine Stunde ruhig, dann aber dauerte es bis zur einbrechenden Nacht fort. Viermal erneuerte Dampierre den Angriff, und viermal schlug ihn Clerfayt mit der größten Kaltblütigkeit zurück. Die französische Armee mußte auf allen Punkten weichen, und sich mit einem Verluste von fast 5000 Mann an Todten und Verwundeten, von 15 Kanonen, und etlichen und 60 Munizionswagen in das Lager bei Famars zurückziehen. Beide Heere hatten mit der größten Anstrengung gefochten.

Obgleich dieser erste Versuch mißlungen war, so ließ sich Dampierre doch nicht dadurch abschrecken. er ließ sich täglich mit den Oesterreichern in blutige Gefechte ein, um ihre Aufmerksamkeit zu theilen, und sie über den Punkt, wo ein neuer Angriff erfolgen sollte, in Ungewißheit zu lassen. Dieß dauerte bis zum 8. May, wo er in Gemäßheit neuer Befehle, die er von Paris erhalten hatte, einen neuen Angriff, den er eigentlich widerrathen hatte, wagte. Nach einigen Nachrichten soll er, ehe das Treffen begann, seine Truppen durch hitzige Getränke angefeuert haben. Der Zweck des Treffens war, Conde zu entsetzen. Auf den rechten Flügel der Oesterreicher geschahen nur einige matte, verstellte Angriffe, die war wieder gegen den linken Flügel unter Clerfayt, welcher eigentlich das Observazions-Korps ausmachte, gerichtet. Am hitzigsten wurde bei Reismes und Viogne gefochten. Eine ungeheure Anzahl von Feuerschlünden spie Verderben auf die Anrückenden, der Erdboden wurde von ihren Leichnamen bedeckt, aber alle diese Hindernisse schienen Hügel zu seyn, die man ohne Mühe ersteigt. Schon viermal war der Angriff von frischen Truppen erneuert worden, die Kanonen der Oesterreicher hatten schreckliche Verwüstungen unter ihnen angerichtet, da erfolgte ein fünfter Angriff auf die Verschanzungen, der, obgleich noch heftiger als die vorigen, ebenfalls ohne Erfolg zu bleiben schien. Noch mehr war das letztere zu fürchten, da eine verderbliche Kugel dem General Dampierre die Lende zerschmetterte, so daß er, der seinen Soldaten das Beispiel der Tapferkeit gab, vom Kampfplatze weggetragen werden mußte. Seine Abwesenheit machte die Truppen niedergeschlagen, sie wichen. Der verwundete Feldherr sieht es, läßt sich auf dem Schlachtfelde selbst das Bein ablösen, und sich zurück in die Reihen der kämpfenden Bataillone tragen. Die Worte, die Gegenwart, und die heldenmüthige Aufopferung desselben erweckten neuen Eifer, die Truppen schlagen, und Dampierre ist Augenzeuge ihres Sieges, der den Neufranken sehr hoch zu stehen kam.

Am folgenden Morgen starb Dampierre den schönen Tod für ein -- freilich entartetes -- Vaterland! Der Konvent ehrte sein Andenken dadurch, daß er ein Dekret faßte, nach welchem Dampierres Ueberreste im Pantheon zu Paris neben Mirabeau, Voltaire und andern ruhen sollte.

Dümouriez sagt von diesem Generale: "Er war ein ehrgeitziger Narr, ohne Talente, bis zur Verwegenheit kühn, und zugleich furchtsam aus Unwissenheit, übrigens ein Feind aller seiner Obern, der sie mit den Jakobinern verläumdete, in der Hoffnung, General en Chef zu werden." Das Wahre oder Falsche in dieser Charakterschilderung wird man, wenn man n mit den Verhältnissen bekannt ist, in denen beide Generale mit einander standen, leicht finden.


Dampierre.

Dampierre, französischer Gardeoffizier, hierauf Obrist des 5ten Dragonerregiments endlich republikanischer General, diente 1792 unter Dümouriez und zeichnete sich nahmentlich durch seine Tapferkeit bey der Schlacht von Jemappe aus.

Während des Winters 1792 bis 1793 kommandirte er in Aachen und ließ sich den 3ten Februar durch die kaiserlichen daraus vertreiben.

Nach Dümouriez Uebergange erließ er eine Proklamation an die Nord- und Ardennenarmee, sie zur Treue gegen den Konvent zu verpflichten und erhielt von dem Konventskommissär das Oberkommando.

Den 1ten May griff er die Alliirten bey Quievrain an und wurde geschlagen. Den 8ten vertheidigte er muthig das Lager von Famars; verlohr aber bey einem Angriff gegen die Wälder von Ruismes und St. Amand, durch eine Kanonenkugel das Bein und starb zwey Tage darauf.



Sein Sohn, der mehrere Beweise von Einsicht und Muth abgelegt hatte, starb 1802 als Generaladjutant in Domingo.


Quellen und Literatur.

  • Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Zweiter Band. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.