Bacher

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Bacher (Franz Maria), Geschäftsträger des französischen Hofs bey dem Reichstage zu Regensburg, Mitglied der Ehrenlegion.

Er betrat seine diplomatische Laufbahn als Gesandtschaftssekretär in der Schweiz unter Barthelemy. Gegen Ende des Jahrs 1795 wurde er beauftragt, die Auswechslung der Tochter Ludwigs XVI. gegen die Deputirten, welche Dümouriez den Kaiserlichen in die Hände geliefert hatte, zu negoziren. Er hohlte sie den 24sten Dezember in Hüningen ab, stieg mit ihr in Wagen und übergab sie dem Prinzen von Gavres. Man hatte die Bemerkung gemacht, daß er sie stets, gegen die damahls in Frankreich vorgeschriebene Gewohnheit, Madame nannte und ihr überhaupt mit vieler Achtung begegnete.

Bey Barthelemys Ernennung zum Direktor, nahm er dessen Stelle bey den Schweizerkantons ein. Seine vermeinte Verbindung mit jenem verursachte ihm einige Verdrüßlichkeiten: nach der Revolution vom 18ten Fruktidor (4ten September 1797) wurden seine Papiere versiegelt; doch hatte dieses Ereigniß weiter keine Folgen für ihn, und er blieb auf seinem Posten.

Im November desselben Jahrs übergab er dem Senate von Basel mehrere Noten, die Einziehung Richer Sérizys und Verfolgung des Major Merian und anderer Schweizer Offiziere betreffend, die man beschuldigte, den Marsch der Kaiserlichen zum Angriffe der Hüninger Brücke begünstigt zu haben.

Als Gesandter am Reichstage zu Regensburg während des Rastadter Kongresses bewies er viele Festigkeit. Bey der Auflösung desselben ließ ihn, um der Katastrophe willen, die das Ende herbeygeführt hatte, der Erzherzog Karl in Regensburg aufheben und bis an die französischen Vorposten bringen.

Das Direktorium sandte ihn kurz darauf als Kommissär in die Neapolitanischen und Toskanischen Staaten.

Nach der Veränderung vom 18. Brüm. ward er abermahls nach Regensburg geschickt, wo er 1805 bey dem Bruche seines Hofes mit Oestreich mehrere Noten übergab.

Nach dem Preßburger Frieden kam er nach Frankfurt als Chargé d'Affaires bey dem rheinischen Bunde.

Bey dem Einrücken der Franzosen in Wien, im May 1809, kam er als Chef der Polizey dahin.


Bacher der Polizeiminister.

Napoleon hatte der Stadt Wien einen eignen Polizeiminister gegeben. Dies war der den Teutschen als Reichstagsgesander sehr wohl bekannte Bacher. Ich wollte meinen Paß unterzeichnen lassen, er war aber gerade nicht zugegen. Sogleich fragte man mich, ob meine Abreise schleunig sey, oder ob es bis Morgen Zeit habe; da ich letzteres bejahte, bestellte man mich früh um 9 Uhr wieder. Bacher war weggerufen worden, allein hieß es: gedulden Sie sich nur zehn Minuten, dann wird er zurück seyn. Er kam auch richtig in einer Viertelstunde zurück, und in weniger als fünf Minuten war ich abgefertigt. Er war so äußerst human, daß man mit ihm ganz wie mit seines Gleichen sprechen konnte; erscheint den Sechzigen schon nahe zu seyn, ist aber in seinen Geschäften noch äußerst thätig und pünktlich. In einer kraftvollen Regierung strömt reges Leben durch alle Theile, und offenbart sich jedem Auge; solche Erscheinungen fanden auch unter Friedrich dem Großen statt.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen auch Relationen von Schlachten und Gefechten aus den merkwürdigen Kriegen in Süd- und Nord-Deutschland in den Jahren 1805 bis 1809. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung. 1810.