Barthélemy-Catherine Joubert

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Biographien

(1800) Charakterzüge und interessante Szenen aus dem Leben denkwürdiger Personen der gegenwärtigen und verflossenen Zeiten. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.


General Joubert.

Joubert, Gen. d. ital. Armee. +. 1799.

Dieser französischer General hat in unsern Tagen auf dem Schauplatze der großen Begebenheiten eine so bedeutende Rolle gespielt, daß es meinen Lesern nicht unwillkommen seyn wird, wenn ich ihnen hier einige Notizen über dessen öffentlichen und Privat-Charakter mittheile.


Joubert ward im Jahr 1769 zu Pont-de-Vaux, im Aine-Departement gebohren. Seine ersten Erzieher bemerkten an ihm einen ruhigen, kalten Kopf, ein glühendes Herz, und einen beharrlichen Liebhaber des Studierens; er ragte über alle seine Mitschüler hervor. Zur Rechtsgelehrsamkeit bestimmt, entwickelten Lektüre und Nachdenken eine starke Seele, ein gesundes Urtheil und die liberalen Gesinnungen in ihm, die den Menschen zu grossen Handlungen geneigt machen.

Joubert war zwanzig Jahr alt, als die Revolution begann. Auf den Ruf des befährdeten Vaterlands erhebt sich die ganze Jugend des Aine-Departements und formirt sich in Bataillone; Joubert tritt in das erste Bataillon als blosser Grenadier ein. Arbeitsam, eingezogen, einzig mit dem Dienste beschäftigt und mit der Sorge sich im Kriegswesen zu unterrichten, wird er, der zu gehorchen wußte, um befehlen zu lernen, seinen Mitbrüdern ein Muster der Subordination und Genauigkeit in Erfüllung der Pflichten. Sein Verdienst dringt durch; der steigt von Grad zu Grad, und verdankt jede Erhöhung einen Beweise von Einsicht, von Muth, irgend einer glänzenden Handlung.

Als General erscheint Joubert zum erstenmal in dem merkwürdigen italienischen Feldzuge von 1796 unter Bonapartes Oberkommando. Am 13. April hilft er die Pässe von Millesimo erstürmen, wirft sich mit sechs andern in die feindliche Verschanzungen am Berge Cassaria und sichert den Sieg dieses Tages. Zu Ceva nimmt er am 22. April mit offner Gewalt die Stadt und das verschanzte Lager, das sie vertheidigte; zu Montebaldo treibt er den Feind zurück; und zu Rivoli entscheidet er den Sieg durch ein kühnes Manövre. Ueberall zeigt er Kaltblütigkeit vereinigt mit Einsicht und richtigen Ueberblick mit rascher Ausführung.

Vorzüglich aber entwickelte Joubert die größten Talente in seinem Tiroler Feldzuge. Während Bonaparte mit dem Gros der Armee dem Erzherzog Karl nach Krain folgte, und die Pässe von Kärnthen bezwang, sollte Joubert durch das Tirol vordringen. Am 19. März 1797 war er mit den beiden unter ihm dienenden Generalen Delmas und Barraquey d'Hilliers aus seinen Kantonirungen aufgebrochen, und langte den 24. Mai in Brixen an. Mit seiner Division in dieses schwierige, bergigte Land hineingedrückt, abgeschnitten von der übrigen Armee, umringt von einem kriegerischen Volke, waren alle Umstände gegen ihn. Seine Klugheit rettete ihn aber doch noch. Als sich daher der österreichische General Kerpen bis nach Sterzingen zurückzog, um hier die Hauptstadt Tirols zu decken, stellte Joubert sein Korps zu Mittenwald auf, wo er seine Vereinigung mit der französischen Hauptarmee erwartete, welche durch die Bewegung des Generals Zajonzech, der im Drauthale gegen Lienz anrückte, bewerkstelligt werden sollte.

Als Joubert im französischen Hauptquartier zu Judenburg ankam, eilte er zu Bonaparte. Die Schildwache hatte den Befehl, niemanden einzulassen. Der Eingang wird Joubert versagt; dieser besteht darauf und dringt mit Gewalt hinein. Auf den Schrei der Schildwache kommt Bonaparte aus seinem Kabinet, erkennt Joubert, drückt ihn in seine Arme und sagt dem erstaunten Soldaten: Geh! der brave Joubert, der mit Gewalt durch Tyrol drang, konnte auch wohl hier mit Gewalt eindringen. Bei diesem Nahmen will der Soldat sich entschuldigen. Du hast deine Pflicht gethan, antwortet ihm Joubert; ich habe deine Ordre verletzt, der Obergeneral wird mich bestrafen, wenn er meinen Eifer mißbilligt; du verdienst nur Lob.

Unter sehr schwierigen Umständen nach Holland als General en Chef gesandt, entwickelte Joubert ein Benehmen voll Vorsicht und Weisheit. Zum Obergeneral der italienischen Armee ernannt, verweigert er seine Mitwirkung zur Umstossung der Konstituzion der sogenannten cisalpinischen Republik; er zeichnete sich darauf die bekannte Expedizion aus, vermittelt welcher ohne Schwerdtschlag Turin in seine Hände fiel. Die schreiendsten Mißbräuche verheerten Italien und seine Armee; seine strenge Rechtschaffenheit wird dadurch empört, er will sie reformiren; aber er konnte jene Aussauger nicht überwinden. Er beklagt sich darüber bei dem damaligen Direktorium und erhielt keine Genugthuung.. In der Unmöglichkeit, das Gute zu bewirken, giebt er seine Dimission; sie wird nicht angenommen, er besteht darauf, man willigt endlich ein, und er zieht sich in sein Vaterland zurück.

Bald aber erscheint der 30. Prairial (19. Juni 1799) wo das berüchtigte Triumvirat des Direktoriums gestürzt wurde. Joubert hatte ihn vorhergesehen, und ruft ihm Beifall zu. Von neuem zum Obergeneral der besiegten italienischen Armee ernannt, entreißt er sich den Armen des Ehebündnisses, das er eben geknüpft; er schwört beim Abschiede zu sterben, oder als Sieger wiederzukehren.

Joubert eilt nach Novi, wo er mit dem Anfange des Augustmonats eintrift, und das Oberkommando der dort postirten Armee übernimmt. Die neue französische Regierung hatte das vollkommenste Zutrauen in ihn gesetzt; er will demselben entsprechen, giebt bei seiner Ankunft den Bewegungen der Armee neue vermehrte Thätigkeit, und beschließt den Entsatz der bereits beschossenen Festung Tortona sowohl, als auch eine Hauptunternehmung gegen die Ebene Italiens.

Er hatte schon am 13. seine zum Angriff angetragenen Kolonnen gesammelt, rückte mit denselben vor, und nahm längs dem von Pastorana über Novi gegen Seravalle sich ziehenden Gebirgsrücken eine Stellung, welche durch die vortheilhafte Anwendung des ohnehin sehr günstigen Terrains, und durch das aufgeführte beträchtliche Geschütz, beinahe unbezwingbar schien.

In dieser überaus festen Posizion wird Joubert von Suworow am 15. angegriffen; er zieht aus dem Busen das Bild einer angebeteten Gattin, küßt es, und fliegt in den Kampf. Von einer tödtliche Kugel getroffen, ruft er: immer vorwärts! seine Stimme erlöscht, seine Kräfte verlassen ihn, und beim letzten Hauch giebt er seinen Soldaten noch mit der Hand das Zeichen auf den Feind loszugehen.


Joubert behielt in den Lägern die Tugenden des einfachen Bürgers. Ein Feind des Geräusches und Glanzes, schätzte er nur die Mäßigkeit und Einfachheit der Sitten. Seine Herzlichkeit, seine Freimüthigkeit sicherten ihn Achtung zu, und gewannen ihm die Herzen. Er kannte den Werth der Zeit; seine Ruhe bestand in dem Wechsel der Beschäftigungen. Bei der Armee litt er in seinem Hauptquartier weder laute Gelage noch Hazardspiele. Nach dem Essen machte er mit seinem Staabe allerlei Bewegungen, die den Körper stärken, und kehrte dann wieder an die Arbeit zurück.

Mit großen militärischen Talenten einigte Joubert eine Bescheidenheit und ein Mißtrauen in sich selbst, die ihm lange anflehen ließ, ein Oberkommando zu übernehmen. Er theilte mit den Soldaten die Lasten und wollte, daß dieser auch mit ihm die Vortheile theilte. Er beschäftigte sich immer erst mit der Armee, ehe er an sich selbst dachte; auch ward er von ihr angebetet.

Höflich und gut, wo er den Eingebungen seines Herzens folgen konnte, war er doch unerbittlich, sobald das Gesetz befahl. Vor diesem galt ihm kein Verwandter, kein Freund, kein Beschützer. Den geheimen Ränken unzugangbar, gab er keiner Nebenbetrachtung nach. -- Eine liebenswürdige Frau stellte ihm einen jungen Menschen vor, der von der Konscription bedrohet wurde; wäre ich eine junge schöne Frau -- antwortete ihr Joubert: so würde ich ihren Schützling zum Aide de Camp annehmen, ich will mir aber keinen Krieg mit den Grazien bereiten, indem ich ihnen ihren Liebling entführe.

Jouberts Uneigennützigkeit war Roms schönster Jahrhunderte würdig. Weit entfernt sich zu bereichern, hat er sein väterliches Vermögen vermindert. Den Mangel nicht fürchtend, und den Reichthum verachtend, befand er sich in der glücklichsten Unabhängigkeit. -- Nach der Expedition in Piemont bot ihm der König von Sardinien Emanuel, kostbare Gemählde an: "Wir würden beide zu tadeln seyn"-- erwiederte ihm Joubert mit Würde -- "Sie, indem Sie mir dieselben gäben, ich, indem ich sie annähme." --

B. C. Joubert.

Joubert, (B. C.) geboren den 14. April 1769, verließ die Rechtswissenschaft, der er sich bis dahin gewidmet hatte, und betrat die militärische Laufbahn. Er fing von dem Grenadier an, erhob sich von Stufe zu Stufe, bis zum Obergeneral und hatte jede Beförderung einem Zuge von Einsicht oder einer tapfern That zu danken.

Nachdem er unter Bonaparte zur Eroberung Italiens angestellt war, übersprang er, als der siebente Mann, bey Millesimo die feindlichen Verschanzungen und entschied den Sieg. Bey Ceva eroberte er mit Sturm die Stadt und das verschanzte Lager, welches dieselbe vertheidigte. Bey Montebaldo schlug er den Feind mit einem ansehnlichen Verlust zurück, und bey Rivoli entschied er den Sieg durch ein geschicktes kühnes Manövre.

Seine größten Talente entwickelte er aber in dem Feldzuge in Tyrol, welchen Carnot in seinen Memoiren die Riesenkampagne nennt. Begraben mit seiner Division in dieses gebirgige Land voll Schwierigkeiten, abgeschnitten von dem Reste der Armee, umringt von einem kriegerischen Volke, durchbrach er die Pässe, und brachte seine Vereinigung mit der Armee zu Stande, die ihn schon verloren glaubte.

Bey seiner Ankunft im Hauptquartiere ging er zu Bonaparte; die Wache, die die Weisung hatte, niemanden einzulassen, verweigerte ihm den Eintritt: Joubert erzwang ihn mit Gewalt. Auf das Geschrey der Wache tritt Bonaparte aus seinem Kabinet, und schließt Joubert in die Arme.

Bonaparte schenkte Joubert seine Achtung und Freundschaft. Bey seiner Abreise nach Egypten sagte er zu seinen Waffenbrüdern, die über die Folgen seiner Abwesenheit Besorgniß äußerten: "Ich lasse euch Joubert."

Bey einer Sendung nach Holland in sehr schwierigen Umständen legte er ein Benehmen voller Vorsicht und Klugheit an Tag.

Nachdem er zum Obergeneral der italienischen Armee ernannt worden war, weigerte er sich, die Cisalpinische Verfassung umstürzen zu helfen, und bemeisterte sich Turins.

Die schreyendsten Mißbräuche rieben damals Italien und seine Armee auf; er wollte sie abschaffen; konnte aber die Räuber und Plünderer nicht bezwingen. Er führte darüber Klage bey dem Direktorium, erhielt aber keine Genugthuung, nahm seine Entlassung und zog sich in seine Familie zurück.

Nach dem 19. Juny 1799 wurde er von neuem zum Obergeneral der italienischen Armee ernannt, um sich den Fortschritten der Russen unter Suwarow zu widersetzen, riß sich aus den Armen seiner Braut und fiel, so wie er ins Feld trat, beym Anfange der Bataille von Novi den 16. August 1799.

Das gesetzgebender Corps bestimmte eine Summe von 20,000 Franken zu einem Monumente, das seinem Andenken in seiner Geburtsstadt Bourg errichtet worden ist.

Quellen und Literatur

  • Charakterzüge und interessante Szenen aus dem Leben denkwürdiger Personen der gegenwärtigen und verflossenen Zeiten. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.