Barthélemy Louis Joseph Schérer

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Biographien.

(1800) Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Zweiter Band. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.


Scherer.

Barthélemy-Louis-Joseph Scherer, Général en chef, +1804.

Da gegenwärtig die öffentliche Meinung in ganz Frankreich so sehr gegen den Exminister Scherer prononcirt, und da derselbe als die Hauptursache aller Unglücksfälle angesehen wird, welche seit dem Ausbruche des neuen Krieges die französische Republik betroffen haben; da ihm sowohl als Minister, wie als General die gröbsten Fehler zur Last gelegt werden; so ist es wohl nicht uninteressant, einige Nachrichten die authentisch sind, über Scherers Leben zu erhalten, welche wir hier unsern Lesern in einer konzentrirten Darstellung mittheilen wollen.


Scherer ist eines Fleischers Sohn aus Döll, unweit Belfort, an der Grenze des Oberrheins gegen den Mont Terrible. In seiner Jugend erhielt er, als der Sohn eines bemittelten Bürgers, eine für die damaligen Zeiten (zwischen den Jahren 1750 bis 1755) artige Erziehung. Allein da er sehr leichtsinnig und lüderlich war, so entfloh er seinen Eltern, und trat in österreichische Kriegsdienste, wo er bis zum Fähnrich stieg. Sey's nun Unzufriedenheit mit dem Dienste oder eine andere Ursache, er desertirte aus Mantua, wo sein Regiment damals in Garnison lag, und gieng nach Paris, wo er bei seinem Bruder, der damals Haupthofmeister beim Herzog von Richelieu war, auf Kosten des letztern einige Zeit lebte.

Personen, die ihn dort sehr genau gekannt haben, schildern ihn als einen fähigen Kopf, voller Intriguen, dabei gesellig, aber Bonvivant im höchsten Grade, ohne alle Grundsätze und höchst unmoralisch. -- Bei seinem Bruder, zu dem sich damals noch ein anderer Bruder, der in der Marine war, (der nachmalige, später auch abgedankte Generalsekretär des Kriegsministers) gesellte, blieb er bis die Legion Maillebois im holländischen Sold errichtet wurde. Der Herzog von Richelieu verschaffte ihm dort eine Stelle als Major. Da diese aber wieder aufgehoben wurde, so kehrte er nach Paris zurück, und machte dort den Geschäftsmann, lebte aber größtentheils wieder von den Zuschüssen, die er von seinem Bruder erhielt.

Als die Revoluzion im Jahr 1789 ausbrach, blieb er völlig unthätig und erklärte sich weder für noch gegen dieselbe. Er wurde, man weiß nicht durch welchen Kanal, Aide de Camp des Generals Deprez Crassier, mit dem er sich größtentheils am Oberrhein, und Montterrible aufhielt; da er ein fähiger Kopf war, so leistete er diesem, den er bei weitem übersah, wirklich gute Dienste. Allein da der Aide de Camp dirigiren wollte, und der General dies nicht vertragen konnte, so überwarfen sie sich und Scherer, der in seinem Dienste Bekanntschaften gemacht hatte, die sich für ihn interessirten, wurde anfangs Aide de Camp bei dem berüchtigten Eickenmeyer und dann bei dem später guillotinirten Beauharnois. Mit diesem war er 1793 in der Gegend von Weissenburg und Landau. Allein er wurde bald als Aristokrat denunzirt und erhielt seinen Abschied.

Kurz darauf wußte er sich aufs neue anstellen zu lassen, er avanzirte sogar zum Generaladjutanten. Als solcher kommandirte er eine Zeitlang zu Brundrut. In den revoluzionären Stürmen Ende 1793 und Anfangs 1794 war er bald von den in jenen Gegenden auf Mission geschickten Repräsentanten als verdächtiger 20 Stunden von den Grenzen deportirt, bald wieder als Brigade-General angestellt, und bald darauf aufs neue deportirt.

Endlich erhielt er im Frühling 1794 als Divisions-General neuerdings das Kommando am Montterrible, und bald darauf am Oberrhein, wo er mit einer Bürgerinn Salomon von Blozheim, (einer Verwandtin derjenigen, die in Pichegrüs Correspondenz compromittirt war) die ihm ein ansehnliches Vermögen zubrachte, sich verheirathete.

Nun wurde der bis dahin gesellige Scherer in höchsten Grade übermüthig, sein Ehrgeitz strebte nach immer höhern Dingen, und seine Unmoralität erlaubte ihm jedes Mittel zur Befriedigung seiner Wünsche. Er kam bald zur aktiven Armee im Nord-Departement, erhielt das Kommando über das Blocade-Korps vor den vier Festungen Valenciennes, Landrecies, Conde und Quesnoy; stieß nach Uebergabe derselben zur Sambre- und Maaßarmee, und wurde von da zum Oberanführer der Ostpyrenäen-Armee ernannt.

Nachdem der General Kellermann von dem Sieger de Vins gezwungen wurde sich aus den Sardinischen Staaten zurückzuziehen, führte Scherer, nach dem Frieden mit Spanien, die Ostpyrenäen-Armee herbei, und verstärkte damit die in Italien kämpfende Macht fast um die Hälfte.

Am 23. November 1795 führte Scherer, dem Kellermann nun das Kommando abgetreten hatte, sein Heer, in drei Kolonnen, gegen die Reihe der Verbündeten an. Die erste stürzte auf die Piemonteser unter Colli, welche in dem Thale des Tanaro, und in den Schanzen des Col St. Bernhard standen, los. Ihr Angriff war wüthend; er wurde fünfmal wiederhohlt, und jedesmal abgeschlagen. Zwar brach sie endlich auf dem Posten von Dondela die Linie. Aber der Marchese Montasia flog eiligst herbei, und füllte die Lücke wieder aus. Hier waren keine Lorbeern für die Franzosen gewachsen.

Mit desto grösserm Erfolge hatte die zweite Colonne gefochten. Sie drang gegen den feindlichen Mittelpunkt, den der General Argenteau kommandirte, an, brachte denselben zum Weichen, und zwang ihn, sich nach Resain zurück zu ziehen. Am folgenden Tag rückten die Franzosen bis auf den Felsen St. Pietro del Monte vor, kamen Argenteau dadurch in den Rücken, überwältigten die vor seiner Fronte liegenden Verschanzungen, und die Redoute von Kastellaro, und trieben ihn, nach einem heissen, blutigen Gefechte, gegen Ceva zurück. Dadurch verlohr der linke Flügel der Verbündeten, welchen die Oesterreicher, unter dem General Wallis, dem de Vins Krankheitshalber das Kommando übertragen hatte, bildeten, alle Möglichkeit sich zu halten. Durch acht Tartanen von der See her mehrere Stunden lang beschossen, und durch die Fortschritte der Feinde in dem Gebürge, gegen Settepani und Melogno, im Rücken bedroht, war auch er genöthiget das Feld zu räumen. Die Oesterreicher sahen sich bis an die Grenze der Lombardie zurück gedrückt, und bezogen längst derselben von Dego bis Alessandria und Tortona die Winterquartiere.

Am Anfang des folgenden Feldzugs vom Jahre 1796 wurde Scherer zurückberufen, und Bonaparte bekam das Kommando über die italienische Armee. Nach seinem Abgang von dieser privatisirte Scherer einige Zeit zu Paris, und erhielt hierauf durch seinen Freund Reubell bei der Ministerialveränderung im Sommer 1797 die Kriegsministerstelle. Als Kriegsminister nahm er Theil an allen Diebstählen und Betrügereien, und nur Reubells Ansehen konnte ihn erhalten.

Da der Krieg mit Oesterreich neuerdings auszubrechen drohte, legte er seine Stelle nieder, und wurde am 21. Februar 1799 zum Obergeneral der Armee von Italien ernannt, worüber ihm das Directorium ein sehr verbindliches Schreiben sandte. Den 11. März kam er in Mailand an, übernahm sogleich das Kommando, das seit Jouberts Abreise vom General Delmas versehen worden war. Bald darauf verlegte er sein Hauptquartier nach Mantua und griff ganz unvermuthet die österreichische Armee an. Nachdem er aber die entscheidenden Schlachten bei Legnago, Verona und Magnan verlohren hatte, so wurde ihm durch einen Schluß des Directoriums vom 21. April die Erlaubniß ertheilt, das Kommando der Armee von Italien zu verlassen. Er legte selbes am 26. nieder, und übergab es dem General Moreau.

Scherer reiste nun nach Paris, wo er am 10. May ankam, aber unter Wegs vom Volke zu Chambery mißhandelt wurde. Als ihn darauf das Direktorium zum General-Inspektor der Kavallerie in Holland ernannte, lehnte er diese Stelle ab, um sich ganz auf die Abfassung der Rechenschaft während seiner Amtsführung zu verlegen. Er übergab selbe auch am 30 May dem Direktorio, welches sie dann an den Rath der Fünfhundert sandte; aber schon nach einigen Tagen klagte man über mehre falsche Angaben in derselben, so daß sich seither von allen Seiten Gewittter gegen ihn zusammengezogen haben, und er, wie die neuesten Berichte lauten, sich geflüchtet hat, um dem Arreste zu entgehen.


Bartholomäus Ludwig Joseph Scherer.

Schérer, (Bartholomäus Ludwig Joseph), geboren zu Delle bey Porentruy, französischer General, diente zuerst 11 Jahre bey den Oesterreichern und trat hierauf in das Artillerieregiment von Strasburg, bey dem er Hauptmann war, als die Revolution ausbrach.

Da er den neuen Grundsätzen beytrat, stieg er schnell bis zum Divisionsgeneral, diente in dieser Eigenschaft 1794 bey der Sambre und Maasarmee, trug zu verschiedenen Vortheile bey, welche diese Armee damals erhielt und kommandirte nach einander die Blokaden und Belagerungen von Landrecies, Quesnoy, Valenciennes und Condé, die er im July und August einnahm.

Im November wurde er Obergeneral der Alpenarmee und trug im April 1795 einige Vortheile über die Alliirten davon.

Er ging sodann zur Armee der Westpyrenäen, kommandirte da ebenfalls mit einigem Erfolg, kehrte aber, da der Friede mit Spanien zu Stande kam, auf der Stelle nach Italien zurück und brachte den 22. und 23. November bey Loano der Oesterreichisch-Sardinischen Armee eine vollständige Niederlage bey. Trotz dieses Sieges glaubte er mit seinen wenig zahlreichen, an allen Mangel leidenden und beynahe aufgelösten Truppen dem Feinde nicht länger die Spitze bieten zu können, verlangte seine Entlassung und trat zu Anfange 1796 das Kommando dieser Armee dem General Bonaparte ab.

Im July 1797 wurde Scherer von dem Direktorium zum Kriegsminister ernannt, eine Stelle, die er, trotz aller Anschuldigungen von Royalism und Einverständnissen mit Pichegrü, bis 1799 bekleidete, wo er das Kommando in Italien wieder übernahm und durch seine wiederhohlten Niederlagen von neuem die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog.

Als ihm das Kommando genommen wurde, liefen eine Menge Addressen aus den mittägigen Departement ein, die ihn als die Ursache von den Unglücksfällen der Armee anklagten; man sprach, daß er zur Verantwortung gezogen werden sollte, als man seine Flucht erfuhr. Seine Papiere wurden versiegelt und man übertrug dem Pariser Kriminalgericht, seinen Prozeß einzuleiten; die Revolution vom 18. Brümaire stützte aber einen Theil seiner Ankläger; und seitdem ist er in der Vergessenheit geblieben und hat auf seinem Guthe bey Chauny im Aisnedepartement gelebt, wo er im August 1804 gestorben ist.


Quellen und Literatur.

  • Charakteristische Lebensgemälde unserer denkwürdigsten Zeitgenossen. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Zweiter Band. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.