Bayonne

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Bayonne, eine große, schöne, reiche Handelsstadt im französischen Departemente der untern Pyrenäen, an dem biscayischen Meere, mit einem guten Hafen an dem Einfluß der Nive in den Adour, und breiten schönen Straßen und Plätzen xc. versehen.

Die Stadt, deren Einwohner sich sonst auf 26,000 beliefen, deren jetzt aber kaum noch 14 bis 15,000 sind, wird durch die oben genannten Flüsse in drei Theile getheilt, wovon die beiden ersten ein kleines festes Schloß haben, der dritte aber eine Citadelle, welcher alle drei Theile, so wie den Hafen und die umliegende Gegend beschützt.

Die Einwohner unterhalten Wallfisch- und andern starken Fischfang.

Im Mai 1808 fand hier die berühmte Zusammenkunft Napoleons mit dem König von Spanien Carl IV. und dem Prinzen von Asturien Statt, in deren Folge am 10ten Mai d. J. von Beiden eine Abtretungsurkunde unterzeichnet wurde, worin sie und sämmtliche andere Infanten alle ihre Rechte auf die spanischen Reiche in Europa und den Indien dem französischen Kaiser übertrugen. Am 4ten Jun. ernannte Napoleon seinen Bruder Joseph zum König von Spanien, und berief zugleich eine Generaljunta oder Reichsversammlung zur Abfassung einer neuen Constitution, welche am 15.Jun. ebenfalls in Bayonne eröffnet wurde. Am 6ten Jul. wurde diese Constitution bekannt gemacht, und am 9ten reis'te Joseph von Bayonne nach Madrid.

Von dieser Stadt hat auch - entweder, weil es hier erfunden, oder sonst am besten gefertigt worden - das Bayonet seinen Namen, eine Art kurzem Spieß (Flintenspieß) ohne Gefäß, welcher auf den Lauf einer Flinte gesteckt wird.


Von Reisende.

D. Heinrich Friedrich Link.

[1797]
Ohngefähr eine Stunde vom Meere liegt Bayonne, ein angenehmes heiteres Städtchen. Der Adour trennt die Vorstadt und die Citadelle; durch die Stadt selbst fließt ein kleines Flüßchen, die Nive. Eine hölzerne Zugbrücke, um Schiffe durchzulassen, verbindet die Vorstadt mit der eigentlichen Stadt, war aber damahls so schadhaft, daß kein beladener Wagen über sie fahren konnte. Man mußte also einen kleinen Zoll erlegen, wenn man darüber ging und fuhr, der zur Verbesserung der Brücke sollte angewendet werden. Die Bauart von Bayonne ist schon ziemlich spanisch; allenthalben sieht man Balcons vor den Fenstern, und in vielen Gassen findet man Bogengänge vor den Häusern. Der place de la liberté, von dem man durch ein Thor zu einer angenehmen Promenade am Adour kommt, ist mit hübschen Häusern umgeben, und sehr munter. Ueberhaupt scheint Bayonne ein lebhafter Ort. Der Fluß war voll Schiffe; unter andern befanden sich auch einige Fregatten daselbst, die aber erst zu Passage ihre Kanonen und andere Geräthschaften an Bord nehmen sollten, weil sie sonst hier nicht auslaufen können. Verschiedene Schiffe wurden gebauet. Der Eingang des Hafens ist enge und gefährlich; oft tobt bey dem besten Winde das Meer so heftig, daß die Barre nicht zu passiren ist. Die Bay von Biscaya, in deren Winkel Bayonne liegt, gehört bekanntlich zu den gefährlichsten Meeren in Europa; eine beständige Bewegung des Wassers aus Nordwest, die man bemerkt, so bald man den Kanal verläßt, treibt die Fluten mit großer Heftigkeit in diesen Meerbusen.
In Bayonne hört man unter dem gemeinen Volke die alte biscayische oder baskische Sprache sehr häufig. Man hat mir versichert, daß die Sprachen der französischen und spanischen Basker so verschieden wären, daß sich diese Völker einander nicht verständen. Eine Menge Wörter, die ich mir sagen ließ, scheinen mir eine sanfte Sprache anzuzeigen, die von allen andern sehr verschieden ist, ungeachtet einige Ausdrücke ursprünglich lateinisch waren. Von der ersischen Sprache und der Sprache in Wales, von der Sprache in Niederbretagne weicht sie sehr ab; die Kehlentöne jener Sprachen fehlen ihr beynahe ganz. Die Bewohner der Pyrenäen sind wegen ihrer Gewandheit und Stärke sehr bekannt: sie dienen zu vortrefflichen leichten Truppen, die besonders im Gebirge zu gebrauchen sind. Man nennt sie gewöhnlich Miquelets; im Curialstyl hießen sie im vorigen Kriege Cantabrer. Ihre Uniform ist braun, mit grünen Aufschlägen und Kragen. Das Frauenzimmer ist zu Bayonne und in der umliegenden Gegend von hoher Schönheit; ein großer schlanker Wuchs ist oft mit einer regelmäßigen Gesichtsform, einer blendend weißen Haut, und brennend schwarzen Augen verbunden. Man kann im Ganzen annehmen, daß England die meisten hübschen Weiber, dieser Theil von Frankreich, ein Theil von Spanien und Norditalien die schönsten Weiber hervorbringt, und daß man, wie gewöhnlich, nicht weiß, was man von Deutschland überhaupt sagen soll.
In Bayonne muß man die Pässe von der Municipalität und dem spanischen Consul (wenn er nämlich vorher von dem spanischen Gesandten in Paris unterzeichnet ist) unterschreiben lassen. Der Maire besorgte das letztere mit vieler Gefälligkeit und Höflichkeit selbst.


(Unbekannt.)

[1808]
Die Stadt Bayonne theilt sich in drei Theile 1) die große Stadt diesseits der schiffbaren Nive, die sich mit der schiffbaren Adour, gewöhnlich hier nur Dour ausgesprochen, vereinigt 2) die kleine Stadt jenseits, der unbeträchtlichste und am schlechtesten angebauete Theil, und 3) die untere Stadt oder Vorstadt S. Esprit, worin ein breiter geräumiger Markt und freier Platz, aber enge unsaubere Straßen und wenig schöne Häuser sich befinden. Die Citadelle wird noch zur Vorstadt S. Esprit gerechnet. Vauban, der die Festungswerke anlegte, scheint mehr die Vertheidigung des Eintritts in Frankreich, und des Flusses, als die der Stadt dabei beabsichtigt zu haben. Die Vorstadt ist mit der Hauptstadt durch eine große Brücke verbunden, worüber der Uebergang mit 2 Sous jedesmal bezahlt wird.
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Aus meinem Fenster konnte ich die Massen der Pyrenäen übersehen, die in den dunkeln Tinten der Wolken beschattend emporstiegen, und einen halbmondförmigen Kranz bildeten, dessen dunkelste Schattenstelle sich in dem blässern Blau verlor. Die Nähe verlor sich in weite Ferne, von düsterem flimmernden Schimmer umhüllt. So verliert sich im Menschenleben die deutliche, oft unbemerkte Gegenwart in die undeutliche verschleierte Zukunft. Was das Auge deutlich erkannte, lag da im Sonnenglanz, aber dem Auge schnell entrückt durch das Dunkele, das es erspähen wollte, nicht konnte. Die Natur entfaltet sich hier mit allen ihren Elementen in ihrer ganzen Erhabenheit. Das nahe Meer, brausend schon bei eintretender Fluth schäumend und heulend im Sturm, Gewitter, die die freundliche Gegend mit schwarzem Flor bedeckte, und durch Blitze erhellen, um die Erdmassen, als das Gerippe der Kugel, die das Gebäude stützen, bezeichnen schon einzeln die Unbegränztheit des Gegenstands, wie viel mehr in Vereinigung? Eine Reise in diese Gebirge, die durch ihre Gruppirung so lebendig an das teutsche Vaterland erinnern, ward durch die Kürze des Aufenthalts verunmöglicht. Der königl. sächsische Minister, Baron von Senft, der so reinen Sinn für Naturschönheiten, wie ein hohes Gemüth für schöne Handlungen trägt, schilderte uns diese Reise als den entzückendsten Genuß.
Wenn gleich klein, so ist Bayonne doch die größte, bevölkertste und wohlhabendste Stadt des ganzen Departements der Niederpyrenäen, der Sitz einer Unterpräfectur, eines Bischofs und des Generalcommendanten. Vernet hat den Charakter der Stadt in seinen zwei Gemälden im Luxenburg zu Paris wahr und lebendig aufgefaßt. Am Zusammenflusse der Adour und Nive, 1½ Stunden vom Meere entfernt, bietet sie in dem Kessel, dessen Rand herrliche Gegenden krönen, in dem an vielen Erzeugnissen fruchtbare, und für eine höhere Cultur noch mehr empfänglichen Boden, unter einem so frohen regsamen Völkchen, sowohl in physischer, als moralischer Hinsicht interessante Seiten dar.
Die Häuser sind bequem und reinlich, aber die Straßen meistens eng. Der Staatssekretär, Minister Maret, der in der Stadt unfern dem Flusse, auf einer Straßenecke, in einem geräumigen Hause wohnte, beengte, ohne es zu wollen, die Straßen noch mehr -- er, der so oft die Herzen durch reine Humanität erweitert. Täglich und fast stündlich von vielen spanischen und portugiesischen Großen besucht, blieb ihm selbst kaum so viel Raum übrig, um bequem aus seinem Hause treten zu können. Die Spanier trugen durch ihr Geschirr viel dazu bei. Ihre Wagen, die man bei uns Klosterkutschen nennen könnte (in einem so altväterischen Style waren sie gebauet) wurden von sechs, mit Schlittenschellenbehange lang gespannten Mauleseln gezogen. Der Lenker saß zwar mit auf dem Bocke, aber der Lenker war nicht der Kutscher. An jeder Straßenecke sprang der Lenker vom Bocke, und führte die gallopirenden Maulesel den Weg ihrer Bestimmung, theils mit einem Stocke, theils an dem Zaum. Der Raum, den diese Leitung wegnahm, war verhältnißmäßig viel größer. Ungeschicklichkeit und Größe dehnen sich zwar beide in die Länge, aber jene verengend, diese erweiternd.
Der schönste Spazierplatz ist die Allee am Flusse, des Abends viel besucht, und nach der Hitze des Tages sehr erquickend. Die Ankunft eines Schiffes, ein Sonn- oder Festtag, oder eine Spatzierfahrt des Kaisers macht dann diesen Ort sehr lebendig.
Als am 27. Junius eine spanische Fregatte mit 40 Kanonen einlief, war fast ganz Bayonne an beiden Ufern versammelt. Die Seltenheit des Schauspiels (seit mehreren Jahren war keine eingelaufen, und in dieser Zeit konnte so leicht keine erwartet werden) und die Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin, die der salutirenden Fregatte entgegen fuhren, hatte die Zahl der Zuschauer sehr vergrößert. Vielleicht trug auch der stattliche Pomp, worin die Begleitung des Kaisers erschien, dazu bei. Die Bürgerschaft hatte nicht bloß eine Ehrengarde zu Pferde und zu Fuße errichtet, sondern auch alle ihre Umgebungen so verschönert, daß man, ohne den großen Mann zu sehen, schon die Vorahnung seiner Anwesenheit haben mußte. Pferde, Decken, Geschirr, Uniform, waren mit eben so vielem Geschmack, als Reichthum gewählt. Die Garde machte Spaliere bis zu der geschmackvollen Gondel, worein der Kaiser steigen sollte. 16 Ruderer, in französische Nationaltracht gekleidet, mit Bändern geschmückt, standen bereit, um im symmetrischen Takt sitzend und aufstehend das fortgestoßene Wasser zu eigener Enteilung zu benutzen. So wird auch der Mensch von der Zeit getragen und fortgestoßen in das Meer der Ewigkeit. In dem Augenblicke, als der Kaiser erscheinen sollte, ertönte vom jenseitigen Ufer ein Vive l'Empereur, das sich wirbelnd zu uns herüberschlug.
Der Kaiser, der gern überrascht, stieg jenseits ein, und schnell war er den Augen entschwunden. Der Donner der Kanonen verkündigte seine Gegenwart in der Ferne. Langsam bewegte sich die Fregatte vor und warf Anker. Das einlaufen in die Mündung des Flusses ist sehr gefährlich durch die Sandbank, die das Fahrwasser einengt, und durch die Menge von Untiefen, die sich mehr und mehr häufen. Man hat deswegen die Hülfe erfahrener Lootsen nöthig. Im XVI. Jahrhundert hat, wie man erzählte, ein Ingenieur dem Flusse dieses Nett angewiesen, um die gefährlichen Sandbänke, die 3 Meilen höher bei Cap Breton am Ausfluß entstanden waren, zu vermeiden; aber incidit in Scyllam, qui vult vitare Charybdin. Noch ist das alte Bett des Flusses sichtbar. Bei starker Flut tritt das Meer hinein. Die Quais auf der linken Seite, von vortrefflichen großen Quadern laufen fast bis an das Meer; die auf der rechten Seite nur so weit, wie die Promenade, und haben dann alle Bequemlichkeit zum Anlegen.
Der Handel von Bayonne ist seit 1784, wo die Hafenfreiheiten eingeschränkt, Bilbao und S. Sebastian aber zu Freihafen erklärt wurden, schon sehr gesunken, und die gegenwärtige Stagnation wird noch alsdann empfunden werden, wenn die Meere wieder frei würden. Die Hauptgegenstände des Handels, womit es das Departement und die angränzenden Departements versieht, sind Tuch, Webereien, Serge, Branntwein, Bauholz, Fische, vorzüglich Seefische. Die Bayonner Liqueure und Branntwein werden sehr gesucht. Die bayonnischen Schinken haben in ganz Frankreich den Werth, wie unsere westphälischen. Die Bayonner Chokolade gehört zu den Delicatessen in Paris. Der Handel mit Korkstöpfeln muß beträchtlich seyn, da fast überall selbst unter den Arkaden, auf freier Straße, Stöpfel geschnitten werden. -- Die Vereinigung Spaniens, unter einem so nahen Verwandten des großen Kaisers, wird beide Reiche näher und verwandter, dadurch größer und reicher machen.
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Bayonne stellte zu dieser Zeit ein ebb- und flutartiges Bewegen abgehender und ankommender Truppen dar. Die Pohlen zeichneten sich vorzüglich durch schöne Haltung aus. Ganz in französischem Geiste wurden sie beständig in Thätigkeit erhalten. Kaum angekommen, manövrirten sie gewöhnlich zuerst in der Allee und giengen dann nach Marac ab, um die Revüe des Kaisers zu passiren. Den 27. Junius war kaum der Tag angebrochen, als 6 Regimenter sich dort in einer großen Ebene versammelten, der Kaiser an der Spitze. Die Manöver mit und ohne Feuer hatten seinen ganzen Beifall, und belohnt entließ er sie 10 Uhr. Die Hitze war 31°. (>>>)


Franz Xaver Rigel.

[1808]
Ermüdeter als je kamen wir nach drei starken Märschen, den 12. October, in Bayonne an. Eine zahllose Menge Menschen hemmte unsern Colonnenmarsch; die wirbelnden Tambours der sich übenden Truppen, die von allen Seiten ertönenden Musiken der im Abmarsche gegen Spanien begriffenen und frisch ankommenden Brigaden und die zudringlichen Juden, die wir mit Kolbenstößen aus den Gliedern vertrieben mußten, benahmen uns die Möglichkeit eines nach dem Tacte abgemessenen Schrittes. Nur langsam konnten wir zu dem Platze gelangen, wo das Regiment sich aufstellte. An eine Musterung war nicht zu denken, noch weniger an einen Rasttag, da man uns sogleich den vom König Joseph aus Vitoria erhaltenen Befehl bekannt machte, am andern Morgen wieder aufzubrechen. Ich benutzte daher den Rest des Tages, mich in der Stadt umzusehen.
Bayonne ist jetzt nichts weniger als volkreich, da sich die frühere Zahl der Einwohner von 26,000 bis auf 15,000 Seelen vermindert hat. Die Straßen sind meistens enge und durch hohe Häuser verdunkelt; doch gibt es auch mehrere von beträchtlicher Breite, die mit Recht schön genannt zu werden verdienen. Der Platz Grandmont im Innern der Stadt zeichnet sich besonders vortheilhaft aus. Die Nieve (über welche mehrere hölzerne Brücken führen) scheidet die unbefestigte Vorstadt Saint Esprit von dem eigentlichen Bayonne und bildet mit dem Adour, unterhalb der Stadt, einen sehr bequemen Hafen des Vizcayischen Meeres. Zu dem Strande dieses Meeres gelangt man mittelst einer schönen Promenade. Außer der starken Cittadelle sind die Festungswerke nicht von vorzüglicher Bedeutung und keiner langen Vertheidigung fähig. Indeß wurden sie während der Spanischen Feldzüge und besonders gegen Ende derselben, bei Annäherung des feindlichen Heeres, in einen bessern Stand gesetzt, und zugleich mehrere neue Außenwerke angelegt.
Von dieser Stadt erhielt das furchtbare Bayonnett seinen Namen, entweder weil es daselbst erfunden oder am besten verfertigt wurde.
Der Krieg mit Spanien hat den Reichthum der Einwohner Bayonne's gewiß um die Hälfte vermehrt, wenngleich ihr Handel zur See und ihre Fischereien durch die kreuzenden Engländer gehemmt waren. Das Spanische, Italienische, Teutsche, Französische und Polnische Gold floß den hiesigen Kaufleuten und Fabrikanten, die ihre Waaren um einen übermäßig hohen Preis abzusetzen erwünschte Gelegenheit hatten, in Strömen zu. Schuhmacher, Schneider und andere Handwerker konnten nicht genug fordern. Der Goldarbeiter und der Juwelier betrogen den zurückkehrenden Franzosen um zwei Drittheile seiner Beute, wenn sie ihm ein reich mit kostbaren Steinen besetztes Prälatenkreuz, oder einen goldenen mit brillantenen Nägeln an's Kreuz gehefteten Christus oder ähnliche Gegenstände abkauften. Auch dafür sorgte das Hartgefühl und der Eigennnutz der Einwohner, daß die neuen Ankömmlinge aus Frankreich, Teutschland u. s. f. während des Marsches über die Pyrenäen nicht von zu vielem Golde beschwert wurden.
Die Wirthe schämten sich nicht, unsere Rechnungen über Gebühr zu steigern; doch machte die dicke Wirthinn im Gasthause zum Hirsche hiervon eine Ausnahme, wenn man nicht zu viel dem Gläschen zusprach. Sie hatte meistens nur Wein im Keller, den, nach ihrer Angabe, die Sonne von Bordeaux oder Beaune gezeitigt hatte, obschon er aus der Traube der niedern Pyrenäen gepreßt war. Indeß ist auch dieser Wein nichts weniger als schlecht und noch wohlfeiler als das Bier. Umgeben von zahlreichen Kaufläden, Kaffeehäuser und Gasthöfen hatte man hier freie Wahl, seines Geldes bar zu werden, und die Juden waren auch hier, was sie allenthalben sind. An der äußersten Grenze des westlichen Frankreichs, wie an des Niemens schneebedeckten Gestaden, tragen sie das Gepräge des Wuchers und der Betriegerei an der Stirne. Auch mein Hauspatron war ein Nachkömmling aus Israels Geschlechte; doch benahm mir der gute Schinken, den ich ihm verzehren half, den Glauben, daß sich die hiesigen Juden allzu streng an das Gesetz eines andern Himmels und Landes binden. Bei'm Abschiede beschenkte mich derselbe mit einigen Pfunden der berühmten Bayonner Chocolate, damit ich ihm (wie er klüglich hinzufügte) alles von unsern Leuten erbeutete Gold und Silber zuweisen möchte.
Hier und in der Nachbarschaft ist das schöne Geschlecht besonders reizend. Voll Schalkhaftigkeit stralt ein feueriges schwarzes Augenpaar unter der gewölbten Stirne und den hochgebogenen vollen Braunen hervor; der Oberleib entzückt, aus ihm spricht Kraft und Grazie. Auf die Füße dieser Halbengel aber darf man nicht sehen, sie sind groß und unverhältnißmäßig; auch die Haltung des Körpers ist nicht die beste. Die Landmädchen characterisiren sich durch eine frohsinnige Laune und sind im Witze und Schäkern unerschöpflich; sie verrichten alle ihre Arbeiten singend und putzen sich eben so gern, wie die Schönen Bayonne's. Diese vorzüglich haben viel Geschmack an weißen Tüchern und eine besondere Vorliebe zu bunten Farben in ihrer übrigen Kleidung. Die Vornehmen tragen eben so, wie ihre Spanischen Schwestern, einen Schleier, um ihre Reize gefallsüchtig zu verbergen.
Die Tambours schlugen am 13. October den Generalmarsch ziemlich frühe; allein unser Abmarsch verzögerte sich bis gegen 10 Uhr, da wir mehrere Stunden mit allerlei Fassungen zubrachten. Wir erhielten Brot, Fleisch, Lagergeräthschaften, Kochgeschirr, frische Patronen, vertauschten unsere nicht calibermäßigen Kanonen gegen Französische und verließen hierauf, wohl bepackt und gut ausgerüstet, die Stadt, die erwartungsvoll unsern ersten Siegen entgegen harrte und den nahen Feind weit über ihre Grenzen zurück getrieben wünschte.
Der Weg führte uns mehrere Stunden lang zwischen sanft sich erhebenden Höhen fort bis zu dem anmuthigen Städtchen Bidart, das malerisch zerstreut uns mit reifen Trauben entgegen lächelte.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Bemerkungen auf einer Reise durch Frankreich, Spanien, und vorzüglich Portugal, von D. Heinrich Friedrich Link, Professor zu Rostock, und verschiedener Gelehrten-Gesellschaften Mitgliede. Kiel, in der neuen Academischen Buchhandlung, in Commission Helmstädt und Braunschweig, bey C. G. Fleckeisen. 1801.
  • London und Paris. Jahrgang 1810. Rudolstadt, im Verlage der Hof- Buch- und Kunsthandlung. 1810.
  • Der siebenjährige Kampf auf der Pyrenäischen Halbinsel vom Jahre 1807 bis 1814; besonders meine eigenen Erfahrungen in diesem Kriege nebst Bemerkungen über das Spanische Volk und Land. Von Fr. Xav. Rigel, Großherzoglich-Badischem Hauptmann, des Carl-Friederich-Militär-Verdienst- und des Kaiserlich-Russischen St. Wladimir-Ordens Ritter. Rastatt 1819. Auf Kosten des Verfassers und bei ihm selbst.