Belagerung von Akkon

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Die Franzosen vor St. Jean d'Acre.

Der 18. März 1799.

Um in Egypten im Frühjahr des Jahres 1799 nicht der Gefahr eines doppelten Angriffs ausgesetzt zu seyn, wollte sich Napoleon schnell den vom Halse schaffen, welcher ihm von Syrien her drohte, und unternahm dahin seinen bekannten Zug. Nach Uiberstehung unbeschreiblicher Beschwerden in der Wüste und der Erstürmung von Jaffa, erschien er mit einem kleinen, aber von einem vortrefflichen Geiste beseelten Heere vor St. Jean d'Acre am 18 März 1799. Hier verliess ihn sein Glück zum erstenmal. Ghezzar Pascha war türkischer Commandant der Stadt. Sidney Smith und Philippeaux leiteten die merkwürdige Vertheidigung, welche beinahe 2 Monate dauerte, und hauptsächlich deswegen mit einem glücklichen Erfolge gekrönt wurde, weil es dem Commodore Smith gelang, den zur See aus Egypten nachgeschickten schweren Belagerungs-Train den Franzosen wegzunehmen. Umsonst waren alle Festungswerker von französisch. Geschütz zu Schutt zertrümmert, umsonst in wiederholten Stürmen der Kern des Heeres gefallen, umsonst der zum Entsatz herbeieilende Ibrahim Bey am Berge Tabor mit seinen 22,000 Mameluken von 4000 Franzosen geschlagen. Die Franzosen, in deren Lager die Pest zu wüthen anfing, und welche eine Landung in Egypten zu fürchten hatten, mussten von dem unbezwungenen Orte abziehen.


Ein zuverläßiges Schreiben aus Pera bey Constantinopel. Vom 18ten Junius.

"Nichts ist gewißer und entscheidender, als die bey Acra gegen Buonaparte erfochtenen Siege. Ein Englischer Officier, der mit im Treffen war, hat, unter dem 16ten Mai einen Bericht folgenden Inhalts hierher geschrieben.

"Nachdem Bounaparte in elf wiederholten Stürmen auf Acra, allezeit zurückgeschlagen worden ist, hat er nun durch die Armee des Dgezar-Pascha, unter der Leitung des Sir Sidney Smith, und seiner Officiere, eine noch empfindlichere Niederlage erlitten. Er hat auf dem Schlachtfelde 8 Generale, namentlich: Lascalle, Cafarelli, Laugier, Devaux, Vaux, Rampan, Lasne und Dugua, 80 seiner besten Officiere, alle seine Guides, Karabiniers, und Grenadiers, und den größten Theil seiner Artilleristen verloren. Die Türken haben in dieser Gelegenheit unglaublichen Muth gezeigt; sie stürzten sich, den Säbel in der Faust, in die Bayonnette der Franzosen, und ließen ihnen nur die Zeit ein einziges mal abzufeuern. Uebrigens hat Buonaparte die Liebe und das Zutrauen seiner Truppen verloren. Die Fürsten vom Berge, (die Häupter der Drusen) haben ihn verlaßen, und sind zu den Engländern übergegangen." xc.

Das ist aber noch nicht alles: Wir haben seither glaubwürdige Berichte aus Acra, vom 24sten Mai erhalten, worin man meldet, Buonaparte habe es auf einen letzten Sturm wollen ankommen laßen, und habe die Türken mit einer Heftigkeit angegriffen, die an Wuth grenzte, ist aber so sehr dabey verunglückt, daß, nachdem er wieder sehr viele Leute verloren hatte, er seine Kanonen vernageln, und sich eiligst, und in der größten Unordnung, nach Jaffa zurückziehen mußte. Er selbst ist bey dieser Gelegenheit, im Schenkel verwundet worden.

Dgezar-Pascha hat seinen Basch-Tschwhadar, mit acht Ladungen französischer Köpfe hierher geschickt, die öffentlich mit einem sehr langen, sogenannten Jafta, das zugleich eine Art von Hofbericht ist, vor den Thoren des Serails zur Schau aufgestellt worden sind.

Bey dieser Lage der Sachen, haben wir von Buonaparte, und seinem Anhange nichts mehr zu befürchten: was uns aber noch einige Besorgniße giebt, ist die Nachricht von der Ankunft der Französischen Brester Flotte im Mittelländischen Meere. Die Pforte macht mächtige Anstalten, um die Dardanellen in guten Vertheidigungsstand zu setzen. Das Commando darüber ist dem Englischen Generale Köhler anvertraut worden, der sich ehester Tage mit den Englischen Artilleristen dahin begeben wird, die vor wenigen Tagen am Bord eines Englischen Kriegsschiffes von 60 Kanonen angekommen sind.

N. S. Diesen Augenblick vernehmen wir, daß drey Französische Fregatten, die von Alexandria ausgelaufen sind, während daß die Engländer zu Acra beschäftiget waren, zu Jaffa einige Englische Kanonierschiffe genommen, und dem Generale Buonaparte abermals Kanonen und Munition zugeführet haben. Die unverzeihliche Langsamkeit der Türken, den tapfern Ritter Smith zu unterstützen und zu verstärken, könnte noch sehr üble Folgen haben!

Das oben erwähnte Jafta, welches bey den ausgestellten Französischen Köpfen angeheftet war, lautet, in getreuer Uebersetzung aus dem Türkischen Originale, wörtlich also:

"Die Franzosen, diese Feinde unsrer wahren Religion, überfielen vor einiger Zeit Aegypten. Zur Bestrafung dieser abscheulichen Verrätherey, wurde ihnen, durch ein höchstgerechtes Kaiserl. Fetwa, von Seite der hohen Pforte, der Krieg erklärt. Es wurden, zu Waßer und zu Lande, die zweckmäßigsten, und eifrigsten Anstalten getroffen, diese Provinz, mit Hülfe des allerhöchsten Herrschers, und des Herrn der Propheten, den Händen der Ungläubigen wieder zu entreißen. Die Kaiserl. Land- und Seemacht war noch nicht angelangt, als die Franzosen, von diesen Zurüstungen unterrichtet, mit ihrer ganzen Macht, und zahlreichen Kanonen, und Mörsern, gegen Acca, (St. Jean d'Acre) aufbrachen, in der eitlen Absicht, sich dieser Stadt und ihren Gegenden zu bemeistern. Sie kamen auch wirklich bis vor Acca, und hatten die Kühnheit es anzugreifen, und zu belagern; allein der Statthalter von Saida und Damask, und Oberbefehlshaber der Armee von Aegypten, Dscheschar Gazi Ahmed Pascha, leistete, nach seinem gewöhnlichen Heldenmuthe, mit den in der Festung befindlichen tapfern Islamitischen Streitern, den Franzosen so herzhaften und kräftigen Widerstand, und fügte ihnen so beträchtlichen Schaden zu, daß, ungeachtet sie durch 50 bis 60 Tage, fast täglich 3 bis 5 Angriffe wagten, und mit ihrer Artillerie ein beständiges Feuer unterhielten, sie doch jederzeit, (Gott sey Lob) von den siegreichen, rechtgläubigen Truppen zurückgeschlagen wurden. Als sie endlich am 16ten des Monats Hil-Hidsche, mit gesammter macht, einen wüthenden Angriff auf die Festung unternahm, versammelte der oberste Feldherr alle sowohl in derselben befindlichen Truppen, als auch die während dieser Zeit mit der Kaiserl. Flotte, unter des Murabit-Zade Hassan Bej, und anderer Tapferen, Anführung, von Constantinopel und anderen Gegenden angekommnen Islamitischen Krieger, und griff die belagernden Ungläubigen mit solcher Tapferkeit an, daß endlich, nach einem sehr hartnäckigen Treffen, und einem höchstblutigen Handgemenge, der Zephyr des Siegs, und des Ruhms, der Osmannischen Armee zuwehete, und die niederträchtigen Ungläubigen gänzlich geschlagen und in die Flucht gejagt wurden. Alle ihre Zelter und Kriegsvorräthe wurden verbrannt, und die Wenigen, welche dem Schwerdte entrannen, ergriffen die Flucht gegen Jaffa. Man findet in den Geschichten der Kriege keine solche Schlacht und keine solche Niederlage; denn 20,000 Ungläubige wurden ein Raub des Islamischen Säbels, und von denjenigen, welche sich nach Jaffa geflüchtet haben, sind nur wenige übrig geblieben. Unter der Zahl derjenigen, die in dieser Schlacht, durch das siegreiche Mohammedanische Schwerdt vernichtet wurden, befinden sich 13 General, und 300 Officiere, deren abgeschnittene Köpfe hierher gesendet worden. Nebst dem ist auch der Anführer dieser verfluchten Ungläubigen, der verabscheuungswürdige Buonaparte verwundet worden. Dieser Bericht wurde uns mit den abgehauenen Köpfen der Franzosen, die ihr hier sehet, eingeschicket."


Quellen und Literatur.

  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1799.