Belagerung von Mantua (1799)

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Eroberung von Mantua.

Den 30. July 1799.

So lange Mantua nicht erobert war, konnte der Feldmarschall Souwarow nicht zugleich mit Nachdruck auf der Seite der Schweiz und gegen die Grafschaft Nizza agiren. Man both daher alle Kräfte auf, um die Uebergabe dieser Bollwerks von Italien zu beschleunigen. Man vermehrte die Belagerungs-Artillerie; gegen sechshundert Kanonen oder Mörser wurden dahin abgeführt. Alle Landleute, bis auf fünfzehn Stunden im Umkreis, wurden dahin aufgebothen. Der Feldzeugmeister Kray griff den Platz auf der südlichen Seite an, und ließ gleich Anfangs die Außen-Posten mit Sturm wegnehmen. Der Laufgraben war in der Nacht vom 13ten auf den 14ten July eröffnet. Trotz des Feuers der Belagerten ward die erste, und bald auch die zweyte Parallele zu Stande gebracht, und schon am 19ten waren die Batterien vollendet und bewaffnet. Am 27sten setzten sich die Belagerer auf dem Glacis fest, aus dem man die Hauptfestung beschießen kann. Die Besatzung war sehr geschwächt; die Officiere waren größten Theils im Spital, und die Menge von Bomben, die auf die Festungswerke fielen, machten jedes Artillerie-Manoeuvre, jede Art von Arbeit unmöglich. Am 28ten nahm der französische Commandant, Foissac-Latour, die Capitulation an, die der Feldzeugmeister Kray ihm anboth, und übergab diesem die Schlüssel von Mantua, die sich seit dem 2. Februar 1797 in den Händen der Franzosen befunden hatten. Am 30ten zog die Garnison mit den gewöhnlichen Kriegsehren aus der Festung, und streckte auf dem Glacis die Waffen. Man fand an Kanonen, Haubizen und andern Geschützarten in der Festung sechshundert fünf und sechzig Stücke. So glorreich die Trophäe war, welche Kray durch die Eroberung Mantuas errang, so empfindlich war dieser Verlust für die französische Armee.


Tagebuch über die Belagerung der Stadt und Festung Mantua.

Am 4ten Julius 1799 langte von dem Feldmarschalle, Reichsgrafen von Suwarow Rimniskoy, der Befehl an, daß der F. M. L. Baron Ott, zur Belagerung von Mantua, von seinen Korps abgeben soll: 3 Battaillonen von Reisky, 3 von Mitrovsky, und 3 von Nadasdy; ferner, daß von dem eben bey der Armee angelangten Korps des Rußisch-Kaiserl. General-Lieutenants v. Rehbinder, alle Artilleristen, Sappeurs und Pioniers, eben zu dieser Belagerung marschiren sollen; endlich, daß 16 vier und zwanzigpfündige Kanonen von Turin zu eben dem Zwecke nach Mantua gesendet werden sollen. Zufolge dieser Anordnungen ließ der F. Z. M. Baron Kray, die nöthigen Vorkehrungen treffen, und mit aller Thätigkeit betreiben. Nach der Berechnung, wann sowohl diese, als auch die aus Niederösterreich, Steyermark, und aus verschiedenen Garnisonen, als: Ferara, Parma, Peschiera, und Legnago in Marsch begriffen und berufenen Truppen ankommen könnten, machte der F. Z. M. den Antrag, die Belagerung am 10ten eröffnen zu laßen.

Der Belagerungsplan war folgender: Die Seite Brabella wurde durch einstimmige Meynung aller Ingenieurs und der Artillerie zur Frontattake bestimmt; die erste Parallele sollte auf der Höhe von Belfiore eröffnet werden; derselben linker Flügel sollte sich an den Lago Superiore, der rechte bey Belfiore an den Morast des Bajolo anlehnen. Auf dieser Frontattake hatte man nur das einzige Hornwerk vor sich, welches von der Belfiorer-Anhöhe aller Orten eingesehen werden konnte. Das Korps de Place bestand nur in der Bastion Alexis und dem Ravelin Bradella, welches vielmehr als eine detaschirte Bastion angesehen werden konnte. Diese zwey Bastionen sind mit einer 350 Klaster langen Courtine verbunden, die nicht terraßiret ist; um aber diesen großen Nachtheil in etwas zu verbeßern, sind auf ihrer Länge zwey Erdfleschen vorgeschoben worden. Die beyden Bastionen Alexis und Bradella sind nicht gedeckt, ihre Escarpen ragen ganz über den Horizont hervor, letztere, oder vielmehr das Ravelin Bradella, ist in seinem Mauerwerke ganz herabgekommen, und hat einen Sprung, der sehr beträchtlich ist. Die Bastionen sind klein, so wie die ganze Attakfronte von so geringer Ausdehnung ist, daß der Feind nicht viele Kanonen darauf aufführen kann; hingegen kann die Trenschee auf dieser Attakfronte nicht eher eröffnet werden, bis der Feind von dem Damme, welcher längst des Bajolo läuft, vertrieben ist, da er darauf nach Belieben Batterien errichten kann, welche diese Trenschee in ihrer rechten Flanke beunruhigen können. Auch hatte der Feind schon wirklich auf selbiger eine Batterie von 4 Schußscharten eingeschnitten; es mußte also vor Eröffnung der Trenschee dem Feinde dieser Damm genommen, oder deßen Batterien mußten unbrauchbar gemacht werden. Der Feind hatte damals nicht nur diesen ganzen Damm, sondern auch vorwärts auf der Chaussee nach Borgo forte, den dortigen Turazzo, bey der Brücke über den Bajolo, besetzt und verschanzt, wodurch er des Bajolo, der daselbst befindlichen Schleusen, und des Zugangs zum Damm, Meister war. Auf dem Thurm befanden sich eine dreypfündige Kanone, und 12 Doppelhaken, und in der Verschanzung stand eine siebenpfündige Haubitze, welche die abgetragene Brücke, und die Chaussee nach Borgo forte bestrich. Sowohl zur Unterstützung dieses Postens, als auch als unmittelbarer fester Punkt zu Behauptung des Damms, befand sich dort, wo der Damm und die Chaussee nach Borgo forte sich durchkreuzen, eine starke, mit Sturmpfählen und Pallisaden umgebene Schanze, worin 3 Kanonen standen, Auf dem Wege, der von Governolo über Pietole nach Mantua führt, hatte der Feind gegen den Punkt, wo selbige über den Bajolo gehet, auf eben diesem Damm eine Batterie von einem Sechspfünder eingeschnitten; dann hatte er auch die Karlsschanze zugerichtet, 3 Kanonen darin aufgestellt, und konnte sowohl diesen Weg, als die Passage über den Bajolo bestreichen.

Der Stand der zur Belagerung von Mantua bestimmten Truppen belief sich auf 39 Bataillonen, 4 Grenadier-, 9 leichten Kompagnien, und 6 Eskadronen Kavallerie, nebst der Erforderniß an Stabs-Oberofficieren, und der Mannschaft vom Generalquartiermeisterstab, vom Ingenieurs- Mineur- Sappeur- und Pioniercorps, wie auch von der Artillerie. Von Seiten der Rußisch-Kaiserl. Artillerie befanden sich 1 Stabs-, 6 Oberofficiere, und 274 Artilleristen bey dieser Belagerung.

Der Artillerie wurde am 4ten Julius der bereits erlaßene Befehl zur Herbeyführung des Artillerieparks und der Materialiendepots erneuert, und die möglichste Betreibung empfohlen.

Am 5ten ward beschlossen, bey Signone und Valle, Batterien zu errichten, um die feindlichen Batterien des Dammes, welche ihre Fronte gegen Belsiore hatten, in die Flanke zu nehmen. Diese Arbeit mußte noch in der folgenden Nacht angefangen werden. Das Bataillon Thurn, von Parma kommend, rückte am 5ten im Lager ein. Das neu zu beziehende Lager gegen die Frontattake wurde bestimmt; deßen linker Flügel fing bey Certosa an, und ging über Madonna della Vittoria nach Capilupo, wo der rechte Flügel angelehnt ward. Von diesem Lager lief die eigentliche Contrevalations-Linie, welche über St. Angeli, Ballazina, Dosso del Corso, Chiesa nuova und Casa Rossa ging. Auf jedem dieser Punkte ward beschloßen, Verschanzungen für eine Division zu bauen. Aus dem dahinterstehenden Lager rückten die Divisionen dahin auf Pikets vor, die sich bey einem Ausfalle daselbst zu halten angewiesen waren, um der Armee Zeit zu verschaffen, an selbige vorrücken zu können; die leichten Truppen, als d'Aspre Jäger, Tyrolerschützen, Amende leichtes, und Szluiner Gränzbataillon, bezogen vor diesem Lager die Vorpostenkette näher gegen die Feind.

In der Nacht vom 5ten zum 6ten wurden die Batterien bey Signone und Valle angefangen; des Morgens bemerkte es der Feind, und feuerte mit Kanonen und Haubitzen dahin. Mit 2 Kanonen, die er aus der Stadt brachte, manövrirte er auch auf den Damm, um unsern Arbeitern beßer beyzukommen. Gegen Abend bezogen die Regimenter Thurn, Klebek, und Kheul das neue Lager im ersten Treffen. Die Verschanzung der Circumvallations-Linie wurde angefangen.

In der folgenden Nacht vom 7ten zum 8ten wurde eine neue Batterie in der Gegend von Casa Rossa gegen den Damm angefangen. Die ganze verfloßene Nacht feuerte der Feind auf die Arbeiter der Batterien bey Signone und Valle, ohne ihnen einen Schaden zu thun, und da er die neue Arbeit bey Casa Rossa entdeckte, richtete er auch dahin sein Feuer. Von der Bastion Alexis, und einer andern, der Thee genannt, feuerte derselbe gleichfalls dahin, und zwar meistens mit Haubitzen. Man bemerkte, daß der Feind an seinem Damm arbeite, besonders in dem eingehenden Winkel, wo selbiger den Bajolo verläßt, und mit ihm parallel bis gegen den untern Lago läuft. Die Nadasdyschen 3 Bataillonen rückten in das neue Lager, und Lattermann erstes Bataillon, aus der Garnison von Legnago, bezog gleichfalls daßelbe bey Capelleto, wo das Regiment ohnehin schon stand. Wegen des heftigen feindlichen Feuers mußte die Arbeit bey Tage ausgesetzt werden. Uebrigens wurde auf die folgende Nacht eine neue Batterie bey Spanavera anzufangen beschloßen.

Am 8ten setzte der Feind die ganze Nacht und den folgenden Tag sein Feuer unausgesetzt, jedoch mit sehr geringem Erfolge, fort. An eben dem Tage rückte das Regiment Terzy in das Lager bey Madonna di Vittoria ein, die 2 Grenadier-Kompagnien aber bezogen das Lager bey le Grazie. Auch 1 Bataillon von Kheul, aus Venedig kommend, und 1 Bataillon von Klebek rückten an diesem Tag in das Lager.

Es ward nun beschloßen, am 10ten den Thurm Turazzo anzugreifen; zu diesem Ende wurde 4 Batterien erbauet, wovon eine links von der Straße, auf eine Entfernung von 500 Schritten von Turazzo, die vierte aber bey Pietole war. Diese Batterien waren bestimmt, den Turazzo in ein Kreuzfeuer zu nehmen, und die feindlichen Damm-Batterien in der Flanke und im Rücken zu beschießen. Die Rußische Artillerie, mit einem Pionnier- Sappeur- und Mineur-Detaschement hatte sich bey Borgo forte aufgestellet.

Der Feind setzte am 9ten sein Feuer auf unsere Arbeiter, ohne ihnen Schaden zuzufügen fort. Die Verschanzungen wurden die Nacht über, bis auf die bey Casa Rossa angelegte, vollkommen hergestellet. Die Anordnung zum Angriff des Thurms und Dammes von Ceresa, wurden folgendermaaßen ausgegeben: Der Bau der 4 neuen Batterien sollte in der Nacht fortgesetzt, und obschon selbige bis zum anbrechenden Tage nicht völlig fertig seyn konnten, sollte dennoch das Geschütz eingeführet werden. Auch in die Batterien von Signone und Balle wurden das Geschütz eingeführet. Mit grauendem Morgen sollten die gesammten Batterien auf den Thurm, wie auch auf alle Verschanzungen des Dammes feuern. Ein Bataillon Lattermann, und eines von Giulay, wurden zum Angriff bestimmet; jedes hatte an der Spitze 1 Officier und 50 Freywillige, durch 1 Division unterstützet; dann folgte der Rest der Bataillons, welcher sich auf der Chaussee in 2 Colonnen formiren, und den Befehl des Angriffes, mit dem Bayonnet, erwarten sollte. Hinter diesen Collonnen marschirte eine Pionniers-Kompagnie mit Laufbrücken, und 600 Arbeiter, welche die feindlichen Batterien zerstören, und sich auf dem Damm einzuschneiden suchen sollten. Der Rest des Lattermannischen Regiments, und das leichte Bataillon Amende hatten in Bereitschaft zu bleiben. Die Vorpostenkette mußte mit den Freywilligen auf ihrer ganzen Linie vorrücken, und den Feind allarmiren. Die Artillerie verwendete zum Batterie-Bau bey Tag 800, und bey der Nacht 400 Militair-Arbeiter.

Am 10ten Julius früh um 3 Uhr fing man von allen Batterien an, auf den Turazzo, und die feindlichen Verschanzungen sehr lebhaft zu feuern; man bemerkte die große Verwirrung des Feindes in selbigen, und daher mußten die Freywilligen auf der Stelle schnell vorrücken, so daß der Feind keine Zeit hatte, sein Geschütz abzufeuern; er lief nach seiner Hauptverschanzung auf den Damm zurück. Am Bajolo wurden unsere Freywilligen in etwas aufgehalten, bis die Brücke über selbigen fertig war; dann aber wurde sogleich vom Thurm und deßen Verschanzungen Besitz genommen, und damit wurden 1 Kanone, 1 Haubitze, und 12 Doppelhaken erobert. Unsere Batterien spielten inzwischen, hauptsächlich gegen die dem Thurm gegenüberstehende Hauptverschanzung des Frindes auf den Damm; schon hoffte man, daß man selbige, eben so mit dem Bayonnette würde erstürmen können; allein der Feind hatte sich von seinem Schrecken erholt, und machte ein sehr lebhaftes Kartätschenfeuer auf unsre über die Brücke, und den Thurm bereits vorgerückten Freywilligen, die nur auf der graden Chaussee, welche auf beyden Seiten tiefe Moräste hat, vordringen konnten; man fand als nicht mehr rathsam, diese starke Batterie von vorn anzugreifen, und hoffte durch Demontirung des Geschützes den Feind zur Verlaßung dieses Punktes zu zwingen. Indeßen wurde die Chaussee vor dem Thurme abgegraben, und man setzte sich daselbst fest. Die Batterien, die an diesem Tage gespielt hatten, waren fertig; sie enthielten an Geschütz 18 Kanonen und 9 Haubitzen. Die Redouten bey Spanovera und Signone wurden zu Stande, und sie Circumvalations-Verschanzungen auf die Bankett-Höhe gebracht. Die Batterien Nr. 5, 6, 7, 8, wurden 2½ Schuh über den Horizont erhöhet. Diesen ganzen Tag ward von beyden Seiten stark gefeuert; endlich ward das Feuer gegen Abend etwas gemäßigt, und man suchte dem Feinde glauben zu machen, daß man an dieser Seite keine andere Absicht gehabt, als den Turazzo zu nehmen. Die Artillerie verwendete dieselbe Anzahl Arbeiter, wie Tags zuvor.

In der Nacht vom 10ten auf den 11ten wurde die feindliche Verschanzung bey dem Turazzo demolirt, die dortige Schleuse ward ganz eröffnet, und der Wasser-Ablauf befördert. Die Tages zuvor, während des Sturmes angefangenen Traversen vor dem Thurme, wurden verbeßert. Der Feind feuerte lebhaft den ganzen Tag auf unsere Batterien bey Ceresa; wir erwiederten ihm aber aus den angeführten Ursachen dieses Feuers nur sehr schwach. Die Batterie Nr. 1, bey Pietole, wurde auf 4 zwölfpfündige Kanonen verlängert; an der Batterie Nr. 4. wurde während der Nacht viel gearbeitet, bey Tag aber mußte der Bau aufhören, da das ganze feindliche Feuer dahin gerichtet ward. Die Batterie Nr. 5 wurde durch eine Traverse gedeckt. An den Circumvalations-Verschanzungen von Nr. 1 bis 8, wurde mit 1500 Bauern, und 400 Militair-Arbeitern in der Nacht, am Tage aber mit 800 Militair-Arbeitern gebauet.

In der Nacht vom 11ten auf den 12ten, sind die Circumvalations-Verschanzungen Nr. 6, 7, 8, wegen des feindlichen Feuers aus den Batterien, dann von der Anhöhe von Nr. 8 über Signone bis Spanovera, auch die Verschanzungen bey Ceresa, mit Communicationen verbunden worden. Zu dieser Arbeit wurden noch 800 Militair-Arbeiter angestellt. In den Circumvalations-Redouten Nr. 1, 2, sind Plattformen gemacht, und Bettungen gelegt worden. Der Feind fuhr fort, aus seiner Damm-Batterie zu feuern; man beantwortete aber sein Feuer nicht. An den angefangenen Communicationen, und den Batterien, wurde am 13ten bey Tage, durch 2000 Militar-Arbeiter, und des Nachts durch 2000 Bauern, und 1200 Militair-Arbeitern fortgefahren. Der Trenschee-Major errichtete 3 Depots zu St. Angeli, Dosso del Corso, und Chiesa nuova. Die Artillerie stellte die durch das feindliche Feuer beschädigte Batterie Nr. 1, wieder her. In der Batterie 2, 3, 4 und 5, wurden die Parapetten verstärkt. Zum Blendangriffe gegen die Citadelle, sind in der Nacht vom 12ten zum 13ten 3 Batterien angelegt worden, und zwar die erste bey Erbetto, die zweyte vor Montanella, und die dritte bey Casa Gabriani; sie blieben dem Feinde unbemerkt, und wurden bis Abends fertig, jede derselben wurde durch 300 Militair-Arbeiter gebaut, und mit 4 Schußscharten versehen.

Die Nacht vom 14ten und den Tag hindurch wurde wenig gefeuert; Kaiserlicher Seits führte die Artillerie einiges Wurfgeschütz nach le Grazie zurück, weil solches von dem festgesetzten Angriffspunkte zu weit entfernt war. Da die folgende Nacht die erste Parallele eröffnet werden mußte, verwendete die Ingenieurs-Direction 3500 Arbeiter; zur Bedeckung waren 4 Bataillons Infanterie, und 4 Züge Kavallerie beordert. In der Früh um 5 Uhr, erhob sich auf den Wällen der Festung ein heftiges Kanonenfeuer, und inzwischen jedesmal eine Salve der Infanterie: diese dreymaligen Salven bedeuteten blos die Jahresfeyer der Gründung der Französischen Republik. Die Artillerie verwendete zu ihren Arbeiten 1200 Mann. Alles lief ohne Verlust ab.

Am 15ten in der Nacht, wurde besagtermaaßen die erste Parallele, und die hineinführenden Communicationen, sowohl in der Tiefe als Breite, ausgehoben. Der Feind blieb dabey ruhig, und nach Tages Anbruch patrouillirte solcher wie gewöhnlich; jetzt erst entdeckte er die halbfertige Parallele. Zufolge des von den Patrouillen erstatteten Berichts, machte der Feind ein starkes Feuer aus Kanonen, Haubitzen und Mörsern. Die Ingenieur-Direction verwendete an diesem Tage 3300 Arbeiter zu Trenscheen, und 1200 zu Batterien; die Artillerie ebenfalls 1200.

Am 16ten Julius in der Nacht, wurde die erste Parallele vollkommen hergestellt; der Feind feuerte wenig, und unserer Seits wurden 3900 Arbeiter beschäftigt. Die Trenscheen-Wache und Bedeckung bestand aus 4 Bataillonen Infanterie, und 1 Flügel Kavallerie.

Am 17ten in der Nacht, ward die zweyte Parallele zu eröffnen angefangen, welche Unternehmung der Feind durch ein Tag und Nacht fortgesetztes heftiges Feuer zu hindern suchte, ohne jedoch seinen Zweck erreichen zu können. Die Ingenieur-Direction verwendete zu ihren Arbeiten 3300 Mann, die Artillerie 600; die Bedeckung war wie Tags zuvor.

Am 18ten wurde die zweyte Parallele vertieft und verbreitet; der Feind feuerte den Tag und die Nacht hindurch heftig, und suchte noch ferner aus 2 Kanonen, die aus der Citadelle am Lago aufwärts gestellt wurden, unsre Arbeit in die linke Flanke zu nehmen, der Obristlieutenant Reußner steckte an diesem Tag die Punkte der Batterien aus. Zur Arbeit wurden 3300 Militair-Arbeiter, und 700 vom Lande verwendet; die Trenschee-Bedeckung war wie Tags zuvor.

Am 19ten wurden die beyden Parallelen verbreitet, eine 600 Schritt lange Communication auf dem rechten Flügel angefangen, und die Communicationen durch 9 Batterien auf halbe Breite verfertigt. Der Feind feuerte sehr lebhaft, und die Artillerie wurde im Bau ihrer Batterien sehr beunruhigt. Die Batterie bey Valle, wurde mit 16pfündigen Kanonen besetzt, um die hinter dem Damm befindlichen Batterien zu demontiren. Die Ingenieur-Direction verwendete dieser Tag 2100 Militair- und 900 Civil-Arbeiter. Die Artillerie hatte 1650 Militair-Arbeiter. Die Bedeckung war wie Tags zuvor.

Am 20sten ward die zweyte Parallele auf die gehörige Breite gebracht, und der durch den häufigen Regen verursachte Schaden ausgebeßert. Die Artillerie brachte ihre Batterien bis zur Einführung des Geschützes in Vollendung. Die Ingenieur-Direction verwendete an diesem Tage 2100 Militair- und 1010 Civil-Arbeiter. Die Artillerie hatte zum Batteriebau und zur Bedienung des Geschützes 1650 Militair-Arbeiter. Die Bedeckung war wie Tags zuvor.

Am 21sten wurden die Communicationen zwischen den Batterien auf die gehörige Breite gebracht, und die zweyte Parallele am rechten Flügel ward um 120 Schritte verlängert. Die Batteriemunition wurde aus den rückwärtig gelegenen Depots vorgeschoben, und in der Entfernung, in welcher ihr das feindliche Feuer nicht schaden konnte, aufbewahrt. An Arbeitern hatte die Ingenieur-Direction 1010 vom Civil, und 2100 vom Militair. Die Artillerie hatte 1350 vom letztern Stande. Die Bedeckung war wie Tags zuvor.

Am 22sten wurden die Communicationen beyder Batterien fertig, und die Munition wurde in selbige eingeführt. Die Ingenieur-Direction verwendete 2100 Militair- und 220 Civil-Arbeiter. Die Artillerie hatte 1350 Militair-Arbeiter.

Am 23sten waren alle Arbeiten, sowohl in den Parallelen, als in den Communicationen fertig, und in vollkommenem Stande, so, daß die Artillerie den ganzen Tag hindurch Geschütz einführen konnte. Nachts wurden die Schußscharten ausgestoßen, um mit anbrechendem Tage feuern zu können. Die Ingenieur-Direction verwendete diesen Tag 900 Militair- und 110 Civil-, die Artillerie 540 Militair-Arbeiter. Der Feind feuerte in der Nacht vom 23sten auf den 24sten unaufhörlich; nachdem aber unsere Batterien durch das Ausstoßen der Schußscharten in Stand gesetzt waren, mit angehendem Tage zu operiren, so wurde das feindliche Feuer mit Schlag 4 Uhr auf das gegebene Signal von allen Batterien zugleich mit solchem Nachdrucke beantwortet, daß es in Zeit von zwey Stunden ganz zum Schweigen gebracht war. Hauptsächlich wurden die feindlichen Werke Alexis, der Thee, und das Hornwerk, nebst dem Hornwerk vor Porta Pradella, heftig beschoßen und beworfen, und damit den ganzen Tag und die folgende Nacht fortgefahren. Daßelbe geschah zu gleicher Zeit, mit der besten Wirkung, jenseits des Lago, von den Rußischen Batterien, auf die Citadelle, und von Seiten Cerese, auf die Karls-Schanze, und die vorliegenden Damm-Batterien. Unsere Artillerie machte diesen Tag hindurch 5114 Schüße, und 824 Würfe. Die Ingenieur-Direction verwendete 400 Civil- und 1000 Militair-Arbeiter.

Um die Attake mehr zu concentriren, und die schwache Garnison durch strengere Aufmerksamkeit auf die angegriffenen Punkte mehr zu ermüden, wurden die zwey Seiten des Dammes, über den Bajolo-Kanal, gestürmt. Der Oberste Baron Riedt, von Lattermann, besorgte mit seinen Truppen diese Unternehmung von Cerese aus, und eine andere Batterie, am linken Flügel, ward aus der zweyten Parallele, durch Freywillige des Gyulayschen Bataillons, die der Oberlieutenant Schmidt, vom Ingenieur-Corps anführte, angegriffen. Der Hauptmann Hauk, vom leichten Bataillon Amende, zeichnete sich bey dieser Gelegenheit als Freywilliger vorzüglich aus, und erstürmte eine Batterie von 5 Kanonen, die einen breiten Wassergraben, und doppelte Reihen von Pallisaden hatte. Auch verdient die ausgezeichnete Entschloßenheit des Rußischen Artillerie-Hauptmanns Martinow angerühmt zu werden, welcher sich in den Bajolo-Kanal zuerst hineinstürzte, hinüberschwamm, und dadurch die Mannschaft seinem Beyspiel zu folgen aufmunterte. Er trug sich zu dieser Unternehmung freywillig mit einem Theile seiner Mannschaft an, und verpflichtete sich, bloß mit dem Bayonnette zu Kämpfen. Der wackere Oberlieutenant Schmidt, vom Ingenieur-Corps, ward in dieser Gelegenheit getödtet.

Da seit einiger Zeit der General Elsnitz Demonstrationen zum Sturm auf St. Giorgio machte, so verließ die schwache Garnison dieser neu fortificirten Vorstadt, in der Nacht vom 25sten zum 26sten den Platz, und die Werke so schleunig, daß die darin befindlichen Artillerie-Stücke zurückblieben. Der Oberste, Graf Palfy, besetzte hierauf St. Giorgio, mit einem Escadron von Kavanagh, und mit anbrechendem Tage ward ein Bataillon von Jellachich dahin verlegt. In dieser Nacht wurde die Sappe gegen das Hornwerk, von Porta Pradella, zur Hälfte fertig, und Abends hatte man sich solchergestalt bis auf 20 Schritte dem bedeckten Wege genähert. Durch das Feuer aus der Citadelle wurde der Rußische Major Lehly, von der Artillerie, todt geschoßen.

Am 27sten und 28sten ward das Artilleriefeuer aus unsern Batterien verdoppelt: dieß scheint den im Hornwerke befindlichen Feind veranlaßt haben, zu glauben, daß man um Mitternacht das schon ohnehin zu Schanden geschoßene Hornwerk stürmen würde. Daher vernagelte er sein Geschütz, und verließ gedachtes Werk gegen 11 Uhr Nachts. Unsere Jäger entdeckten dieses sogleich, ließen es melden, und besetzten, nachdem der Feind noch eine Flattermine gesprengt hatte, die aber keinen Schaden that, das Hornwerk. Der Ingenieur-Hauptmann Detraux, der sich in der dritten Parallele befand, eilte gleich mit Arbeitern herbey, und logirte sich in der Nacht noch auf dem Hornwerke.

Nach diesen über den Feind erhaltenen wichtigen Vortheilen, ward der Oberlieutenant, Graf Orlandini, mit dem vom F. Z. M. Baron Kray selbst verfaßten Aufforderungs-Schreiben, an den in der Festung commandirenden Französischen Divisions-General, Foissac-Latour, abgesendet, unterdeßen aber das Feuer beyderseits eingestellt. Nachts um 2 Uhr kamen die feindlichen Kapitulations-Vorschläge, unter welchen man die Stadt und Festung übergeben wollte. Nachdem sie aber nicht durchaus die Sprache einer in die Klemme gebrachten Garnison enthielten, so bewilligte zwar der F. Z. M. einige Artikel, den freyen Abzug aber nach Frankreich schlug er platterdings ab, und der mit diesen Vorschlägen herausgekommene Parlementair, General Monet, ward mit dem Bedeuten entlaßen, daß, wofern die Garnison sich zur Kriegsgefangenschaft nicht bequemen würde, man sogleich die inzwischen neu verfertigten Batterien aus allen Kräften zu feuern, befehligt werde. Um 6 Uhr Abends, wurden die endlichen Entschließungen des feindlichen Kriegsraths überbracht, deren Inhalt aus der bereits bekannten Kapitulation ersichtlich ist. Diese wurden genehmigt, und der feindlichen Commandant durch einen von uns abgeschickten Officier davon benachrichtigt.

Am 29sten mit Anbruch des Tages, ging der Oberstlieutenant Orlandini, mit den unterfertigten Artikeln, und den Geißeln, nach Mantua ab; die Regimenter Terzy und Deutschmeister rückten aus ihrem Lager bey Certosa, zum Generale, Baron Elsnitz, um bey dem am 30sten zu erfolgenden Ausmarsche der Garnison, zur Spalier verwendet zu werden. Zur Aufnahme der Standes der Festungs- Artillerie- der Fortifications- und Magazins-Gegenstände, des Garnisons-Standes, und der Spitäler, wurden die nöthigen Individuen abgefertiget.

Augenzeugenbericht.

Karol Fryderyk Wojda

Verona den 2. August 1799.


Wenn Sie diesen Brief erhalten, ist die Nachricht von der Uebergabe von Mantua schon zu Ihnen gelangt; aber dass Ihr Freund durch eine sonderbare Fügung des Ungefährs, das ihn daselbst festhielt, nun auch das Schicksal der Garnison theilen muss, und im Begriff steht in die österreichische Kriegsgefangenschaft abgeführt zu werden, dies Ihnen zu sagen ist der Zweck dieses Schreibens, des letzten, das Sie wahrscheinlich von mir aus Italien erhalten. Ich habe, wie Sie sehen, eine kurze und unangenehme militairische Karriere gemacht, und doch kann ich mir noch Glück wünschen, dass ich so gut davon kam. Es ist nicht wahrscheinlich, dass ich jetzt noch einmal dem Feinde gegenüber gestellt werde; denn wenn ich auch nur, wie es in der Kapitulation heisst, drei Monate im Oesterreichischen bleibe und dann nach Frankreich zurück geschickt werde, so darf ich doch, bei der geringen Anzahl von Gefangenen, welche die französische Armee bis jetzt gemacht hat, nicht erwarten, so bald ausgewechselt zu werden. Ich denke, es wird auch genug an dem Versuche seyn, den ich bis jetzt gemacht habe; ich weiss nun, wie man Krieg führt, und da ich zum Militairstande doch nicht erzogen bin, so glaube ich es dabei sehr gut bewenden lassen zu können.
Ich habe indessen die letzten Tage in Mantua auch noch erfahren, was es heisst belagert und bombardirt zu werden. Wahrlich, man könnte mir viel bieten, und ich möchte nicht noch einmal solche vierzehn Tage erleben, als die vom 14. bis zum 28. Juli waren. Wenn Sie meine vorhergehenden Briefe erhalten haben, so werden Sie wissen, dass wir bis zu Ende Juni nicht nur sehr ruhig, sondern sogar froh und vergnügt in Mantua gelebt hatten. Es fehlte an nichts, der Feind macht keine Anstalten zum Angriff, und wenn er nur die Garnison schonte und durch partielle Demonstrationen nicht ermüdete, so konnte man hoffen, sie gesund und bei Kräften zu erhalten, und im Fall er einst Ernst machte, ihm noch so viel Mannschaft entgegen stellen, dass er gewiss nicht leicht damit fertig geworden wäre. Die neuen Werke von St. George waren ungehindert beendigt und das Geschütz eingeführt worden; auch das verschanzte Lager und Migliaretto hatte der Feind ungestört noch mehr befestigen lassen, und überhaupt keine Hindernisse in den Weg gelegt, wenn man innerhalb der Linie den Platz in den bestmöglichsten Vertheidigungsstand zu setzen suchte. Von der andern Seite hatte die Garnison oft in der Entfernung kanoniren gehört, es cirkulirten in der Stadt sehr vortheilhafte Nachrichten für die französische Armee, man glaubte alle Augenblicke entsetzt zu werden, und ein Spion, den der General Macdonald in die Stadt schickte, brachte sogar die Versicherung mit, dass man darauf vorzüglich Rücksicht nehmen werde.
So begann der Monat Juli, und gewiss niemand hätte geglaubt, dass wir ihn so traurig enden würden. Die Garnison konnte dazumal noch gegen sechs tausend Bajonette zählen, die Kanoniere nur waren im Verhältniss in zu geringer Anzahl vorhanden. Aber was ihnen an Menge abging, ersetzten sie durch Thätigkeit und guten Willen, und so machte uns die Stimmung der Truppen stärker, als wir an und für sich waren. -- Schon den 6. Juli Morgens wurde man gewahr, dass der Feind in der Nacht ein paar Fleschen am Kanal Pajolo aufzuwerfen angefangen hatte. Das Genie erhielt den Auftrag sie zu untersuchen, und erklärte, als es geschehen war, dass sie keinen bestimmten Angriffsplan anzudeuten schienen. Indessen da es der Feind noch nie gewagt hatte, so offenbar und in einer so geringen Entfernung von der Festung Werke aufzuwerfen, so beschloss man, ihn so viel als möglich daran zu hindern. Da in der Gegend keine Batterien waren, so wurden zwölf Stück von verschiedenem Kaliber auf den Wall des Kanals aufgeführt, und damit so lange zu feuern fortgefahren, bis er die angefangenen Fleschen aufgab.
Aber zwei Tage nachher wurde man gewahr, dass er wieder zwei andere, mehr gegen Pradella zu, angefangen hatte. Sie wurden gleichfalls sehr heftig beschossen, jedoch da sie sich hinter einer unbedeutenden Anhöhe befanden, so konnte man mit Kanonen wenig ausrichten, und musste vorzüglich Bomben und Haubitzen werfen. -- So dauerte es mehrere Tage hinter einander fort, die Garnison machte ein fürchterliches Feuer auf die feindlichen Arbeiter, mancher arme Bauer wurde niedergeschossen; aber dies alles hinderte den Feind nicht, die angefangenen Werke fortzusetzen, ohne dass es einen Schuss auf die Festung gethan hätte.
Den 10. Juli früh um drei Uhr demaskirte er endlich mehrere Batterien, die er auf der Linie vor Migliaretto der Besatzung unbemerkt angelegt hatte, und fing eine fürchterliche und äusserst lebhafte Kanonade gegen dieselbe an. Von Pietoli über Cerese bis Pajolo hatte er wenigstens dreissig Stück Kanonen und acht bis zehn Haubitzen aufgeführt, die aber alle von kleinem Kaliber waren, und daher vermuthen liessen, dass es nur ein vorübergehender falschen Angriff sey, bei dem er irgend einen andern Zweck beabsichtigte. -- Ich hatte diese Nacht in der Stadt geschlafen, was ich seit einiger Zeit nicht mehr zu thun pflegte. Aber bei der zweiten Decharge war ich schon an der Porta Cerese. Man öffnet mir das Thor, ich fliege auf das verschanzte Lager, und kaum bin ich dort angekommen, kaum habe ich den halben Mond erreicht, der sich auf der Chaussee, die nach Cerese führt, befindet, als ich die Wache vom Thurm Cerese, dem äussersten Vorposten auf dieser Seite, in der grössten Unordnung gegen die Festung angelaufen kommen sehe. Ein panischer Schreck hatte sich der Schlafenden bemeistert, sie glaubten den Feind schon im Thurme, viele liessen ihr Gewehr im Stich, und liefen, einzelne Kleidungsstücken in der Hand haltend, als wenn sie gejagt würden. -- Dir Oesterreicher hatten mehrere Stücke, die mit Kartätschen geladen waren, auf einmal gegen den Thurm losgefeuert, und dieses hatte die schlafende Wache glauben gemacht, der Thurm stürze zusammen. Genug, funfzig Mann waren vor dem blossen Donner der Kanonen davon gelaufen, ohne einen Feind gesehen zu haben, denn die Oesterreicher besetzten den Thurm erst gegen sechs Uhr des Morgens, und zwar mit einer Vorsicht und Behutsamkeit, als fürchteten sie darin in die Luft gesprengt zu werden.
Die Kanonade dauerte von beiden Seiten sehr lebhaft bis gegen zehn Uhr fort; die nun eingetretene Hitze, und da man doch nicht hoffen durfte, den Feind mit blosser Artillerie aus dem Thurm wieder zu vertreiben, bewogen die Garnison, bis es wieder kühl wurde, mit dem Feuern inne zu halten. Den 10ten und 11ten antworteten die Oesterreicher nicht einmal auf ihre anhaltende Kanonade, arbeiteten aber desto fleissiger an ihren Batterien, die entweder gelitten hatten oder noch nicht ganz beendigt waren. Den 13ten beschossen sie die Werke am Kanal Pojolo; den 14ten war Waffenstillstand. Der General Foissac- La Tour hatte ihn begehrt, und zwar, wie er vorgab, um das Fest des 14. Juli ruhig feiern zu können. Aber eigentlich hatte er dabei eine ganz andere Absicht. Die Oesterreicher in die Stadt geschickt, um dem Kommandanten sagen zu lassen, dass sie an einem bestimmten Tage ein Siegesfest feiern, und deswegen auf allen Punkten um die Stadt kanoniren würden. Dies war, wie ich jetzt erfahren habe, nach der Schlacht an der Trebia, und es verdross den General Foissac um so mehr, da er glaubte sichere Anzeigen zu haben, dass sie geschlagen wären. Um ihnen also bei Gelegenheit Gleiches mit Gleichen zu vergelten, musste der 14. Juli dazu dienen, am welchem, wie er den General Kray versichern liess, er seiner Seits der Garnison der Nachricht von einigen Siegen, die die französische Armee erhalten hätte, unter dem Donner der Kanonen bekannt zu machen gedächte *). Der Generaladjutant Gastine ward damit an den General Kray geschickt, der, wie es schien, ihm von ungefähr an den äussersten Vorposten begegnete und ihn auch da sogleich wieder abfertigte.
*) Der General Kray hatte seinen General-Quartiermeister, den Obersten Zach, mit der erwähnten Anzeige in die Stadt geschickt, der bei dieser Gelegenheit Winke fallen liess, wodurch er die schnellere Uebergabe der Festung einzuleiten gedachte, in welche man sich aber zur Zeit noch nicht einlassen konnte. A. d. V.
Der 14. Juli ward also nun um so glänzender und ruhiger gefeiert, da man von Aussen nichts zu befürchten hatte. Der General Foissac hielt auf dem Paradeplatze eine Rede, es war grosse Tafel bei ihm, des Abends spielten die Liebhaber französische Komödie, und nach dem Theater war Ball im Schlosse. Freilich würde jeder andere General, der weniger Gelehrter und Weltmann als Foissac-La Tour und mehr Soldat gewesen wäre, dieses Fest auf eine ganz andere Art gefeiert, und ich weiss nicht, ob auch nicht besser daran gethan haben. So viel ist gewiss, dass an diesem Tage der Feind die Laufgräben öffnete, und wenn man, anstatt Reden zu halten, Komödie zu spielen und zu tanzen, einen Ausfall gemacht und ihm von der Arbeit vertrieben hätte, so glaube ich, würde man den 14. Juli auf eine weit mehr militairische Art gefeiert haben. Doch dieses lag nicht in dem Charakter des Generals, der mehr ins Bureau wie ins Feld gehört, und hier auch seine Garnison schonen zu müssen glaubte.
Den 15ten früh Morgens kündigte der Feind durch den Donner seines Geschützes an, dass der Waffenstillstand vorüber sey, und fuhr damit bis zum 23sten ununterbrochen fort auf Pajolo und Migliaretto zu feuern. Allein seine Anstrengungen waren von weniger Wirkung, er beschädigte nur wenig Leute, und zerstörte unbedeutend oder gar nicht die Batterien, auf welche er vorzüglich sein Geschütz richtete. Aber die Garnison ermüdete er, weil sie auf jeden Fall nun fast beständig unter dem Gewehr bleiben musste. Jetzt brachte man schon die Soldaten täglich zu Hunderten in die Spitäler, und dieses traf vorzüglich die Kanoniere, deren die Besatzung am wenigsten hatte, und die kein Branntwein mehr vor Entkräftung und Fieber schützen wollte. -- Den 17ten wurde man gewahr, dass der Feind vor Pradella seine erste Parallele beinahe beendigt hatte. Man wandte alles mögliche an, um ihn von der Fortsetzung seiner Arbeit abzuhalten; aber alle Bemühungen waren vergeblich, er hatte sich schon zu tief eingegraben, und das Geschütz konnte ihm wenig mehr schaden. Die Garnison bereitete sich also zu einem tapfern Widerstande vor. Es zeigte sich auch nun, dass er Pradella, gegen die Meinung der französischen Ingenieure, zum Angriffspunkte gewählt, und der Erfolg hat bewiesen, dass er die Schwäche des Platzes besser wie sie kannte, als sie ihn von St. George und der Citadelle angriffen, und nachher auch noch diese beiden vorzüglich befestigten, weil sie immerfort behaupteten, Mantua könne nicht anders als auf diesen zwei Punkten angegriffen werden.
Den 24. Juli früh mit Tages Anbruch fing endlich das Bombardement, bis auf St. George, von allen Seiten an. eine vier und zwanzigpfündige Kugel, die neben meinem Stubenfenster in die Mauer schlug, weckte mich aus dem Schlaf. Ich eilte hinaus in die Verschanzungen, wo ich weit sicherer war wie in meiner Wohnung. Der Anblick, den hier das Bombardement und die wechselseitige Kanonade anboten, war schrecklich; von dem rechten Ufer des Mincio an, auf der ganzen Linie von Ceres, am Kanal Pajolo vor Pradella und bis vor die Citadelle, hörte der Feind den ganzen Tag nicht eine Minute auf zu feuern. Glücklicher Weise platzten an diesem Tage viele seiner Bomben in der Luft, oder zündeten nicht, aber dafür schoss er die Häuser in der Gegend von der Porta Pradella auf eine fürchterliche Weise zusammen. Die Garnison antwortete ihm so gut, als es ihre Kräfte zuliessen, jedoch ohne zu bemerken, dass ihr Feuer einen sonderlichen Effekt machte. So dauerte die Kanonade in einem fort, Mantua schien ein ungeheurer Feuerschlund zu seyn; man war auf keiner Strasse sicher, die Einwohner hatten ihre Häuser verlassen und sich in die Keller geflüchtet; der Donner des Geschützes und das Platzen der Bomben und Haubitzen unterbrachen fürchterlich die Stille, welche die scheinbare Leere der Stadt und das Aufhören von jedem Verkehr erzeugt hatten.
Der Abend kam heran und die Batterien der Festung waren alle noch in gutem Stande, und wo sie gelitten hatten, da wurde die Nacht dazu angewandt, um sie wieder auszubessern. Ich hatte den ganzen Tag in den Werken zugebracht und mich so sehr ermüdet, dass ich bei allen Schrecknissen, die mich umgaben, nichts destoweniger das Bedürfniss der Ruhe fühlte. Aber in meinen Zimmer wollte ich nicht bleiben, obgleich es seit dem Anfange des Bombardements keine Kugel mehr getroffen hatte. Auf dem Hofe warf ich mich neben meinen Pferden auf die Streu. Ich mochte kaum eine Stunde geschlummert haben, als ich durch den Galopp eines Pferdes aufgeweckt wurde; man meldete, dass der Feind die Aussenwerke von Migliaretto in drei Kolonnen stürme. Dies geschah den 25sten früh um 1 Uhr nach Mitternacht. Ich sprang auf und eilte hin an die Porta Ceres, die man mir aufmachen musste. Während dieses geschah, begab ich mich auf den innern Wall, zur Seite des Thores, von welchem ich die ganze Linie von Migliaretto bequem übersehen konnte. Es war eine finstere Nacht, und eben deswegen das Schauspiel nur um so schrecklicher, dass sich mir hier anbot.
Denken Sie sich eine ziemlich grosse und ansehnliche Stadt, die von drei Seiten beschossen und bombardirt wird, an mehreren Orten brennt es schon, und die Flamme lodert in der Dunkelheit der Nacht hoch auf; es ist nicht möglich zu löschen, wenigstens wagt es niemand gern; denn das Feuer dient den Bombardierern zum Richtpunkt, und da, wo es brennt, fallen die meisten Bomben hin, die man majestätisch empor steigen und schnell sich senken sieht. Diesen Anblick gewährte mir die Stadt, aber noch weit beunruhigender in militairischer Rücksicht war der, welchen mir die Linien von Migliaretto anboten. Auf drei Punkten sehe und höre ich den Feind mit einem fürchterlichen Geschrei vordringen; er ist durch seine Artillerie geschützt, und die der Festung schweigt, denn sie wagt nicht zu feuern, aus Furcht ihre eigene Mannschaft zu Boden zu strecken. Das Geschrei und das kleine Gewehrfeuer kommen immer näher; dass der Feind auf der Chaussee vorrückt, beunruhigt mich nicht, denn ich bin fest überzeugt, dass er dort nicht durchkommen kann. Auf dem rechten Flügel am Kanal Pajolo und Pallaste T aber dringt er immer mehr vor, dies bemerkte ich an seinem Feuern, und dies ist die schwächste Seite der ganzen Linie, und wenn er da durchbricht, ist er Meister von dem verschanzten Lager und befindet sich an den Thoren der Stadt. schon schlagen die kleinen Gewehrkugeln an die innern mauern der Festung und den Wall an, ich höre sie um die Ohren pfeifen, und noch ist keine Reserve zur Unterstützung angekommen und es scheint alles verloren zu seyn. Aber endlich wagen es unsere Batterien zu feuern, denn alle Vorposten sind eingezogen; aus dreissig Feuerschlünden, alle von schwerem Kaliber, wird der stürmende Feind begrüsst; ihr Losbrennen erleuchtet die ganze Gegend und bewirkt einen fürchterlichen Kontrast mit der Dunkelheit der Nacht; es werden Pechkränze geworfen, um den Feind zu entdecken, und wo man ihn bemerkt, wo er sich zeigt, da wird er nun mit Kugeln und Kartätschen schrecklich darnieder gedonnert.
Aber er bleibt Meister von dem Centrum und dem rechten Flügel der äussern Linie, und von dem linken Ufer des Kanals Pajolo, den er durchwatet hatte, ein Unternehmen, das die französischen Ingenieure allezeit für unmöglich gehalten, und das er dadurch bewerkstelliget hatte, indem er, vermöge der Schleusen, die sich im Thurm Cerese befinden, das Wasser aus demselben ablaufen liess. -- Noch ehe es Tag wurde war die Reserve angekommen, und den Augenblick griff man ihn an, um ihm den errungenen Vortheil wieder zu entreissen. Es gelang, ihm einige Batterien wieder abzunehmen, aber von dem Kanal Pajolo war er nicht zu vertreiben. Dies geschah indessen doch bei einem zweiten Angriffe, welchen man, als es Tag geworden war, vornahm, und bei dem man über hundert Gefangene machte.
Dies waren die letzten Anstrengungen des grössern Theil der Garnison, und besonders der Kanoniere, die man auf einigen Punkten jetzt fast gar nicht mehr ablösen konnte. Wenn es noch acht Tage so fortdauerte, so mussten die Soldaten alle in die Spitäler gebracht werden. Von denen, die jetzt schon sich dahin begaben, waren nicht alle krank, aber sie waren mehr oder weniger entkräftet, und viele schon so muthlos, dass sie, um der unnützen Gefahr, diese war ihre Meinung, auszuweichen, sich krank stellten und in die Spitäler gingen. -- Das Bombardement dauerte ununterbrochen fort, mit jeder Stunde schien es der Feind zu verdoppeln und die Garnison darin nachzulassen. Und wirklich waren an diesem Tage schon mehrere Bastionen ausser Stand, die Stücke demontirt und die Werke nicht mehr zu gebrauchen. -- Nach Mittage besuchte ich den Pallast T, der dem Feuer ausserordentlich ausgesetzt war. Mein Kunstgefühl empörte sich in mir, als ich in die Gemächer trat, die Giuglio Romano's Pinsel vor der Zerstörung hinlänglich gesichert zu haben geschienen hatte. Aber was fragt der rohe Kanonier, der ungebildete Bombardier nach Kunst und ihrer Werken, wenn er durch einen geschickten Schuss dem Feinde schaden, ihn beunruhigen kann? Der schöne Riesensaal war hin, mehrere Vier und zwanzigpfünder und Haubitzen hatten seine Decke durchlöchert, ein gleiches Loos hatte die Medaillons der Psyche getroffen, und verstümmelt, zerstört und vernichtet war das Ganze, das Meisterwerk des Raphaëlischen Schülers, ein Verlust, den keine Eroberungen, kein Geld aufzuwiegen vermögen.
Heute wurde beschlossen das Fort St. George zu räumen. Der Feind machte nicht die geringste Anstalt es anzugreifen, und so blieb seine Besatzung ganz unbenutzt, während die Garnison in der Stadt vor Schwäche und Ermüdung sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Dies bewog den Kriegsrath es aufzugeben, und durch Koncentrirung der Kräfte die Besatzung in den Stand zu setzen, da Widerstand zu leisten, wo sie am meisten gedrängt wurde. -- Die Räumung geschah des Nachts, und die Oesterreicher besetzten es erst den 26sten des Morgens. Dieses Manövre war an und etwas zu spät vor, oder machte doch wenigstens nicht den Gebrauch von der dadurch erhaltenen Verstärkung des Garnison, welchen man damit hätte vornehmen sollen. Es kam, nach meinen Bedünken, jetzt darauf an, einen Ausfall zu wagen, und den Feind auf denjenigen Punkten anzugreifen, von welchen aus seine Batterien den Werken der Festung am meisten schadeten. Zwang man ihn, das Feuer auch nur auf einige Stunden einzustellen, so hatte man schon viel gewonnen, und man bewirkte eine Diversion, die in der Lage, in welcher sich die Stadt befand, unmöglich schaden konnte.
In der Nacht vom 26sten zum 27sten wurden die Werke vor der Porta Pradella, gegen welche der Hauptangriff gerichtet war, aufs äusserste mitgenommen, der Feind hatte sich ihr bis ans Glacis des Hornwerks genähert, und es war keine Möglichkeit mehr sich ferner darin zu halten. Man sprenge es also in die Luft und zog sich in die Stadt zurück. Die Zugbrücken vor Pradella waren niedergeschossen, das Thor selbst war schon so sehr beschädigt, dass es alle Augenblicke einzustürzen drohte, es fand eine Bresche statt, und weder Ravelin noch Bastion waren im Stande sie zu vertheidigen, und den Sturm abzuwehren, den der Feind die nächste Nacht nothwendig vornehmen musste. In dieser Lage der Sachen wurde der Graf Orlandini in die Stadt geschickt, um den Kommandirenden die Kapitulation vorzuschlagen. Er wurde den 27sten früh um 10 Uhr eingelassen, und gleich darauf ward der grosse Kriegsrath zusammen berufen. Jetzt bei eingetretenem Waffenstillstande konnte man erst die Verheerung in ihrem ganzen Umfange bemerken, welche der Feind in der Stadt selbst und an den Werken angerichtet hatte. Die schöne Strasse Pradella und alle Häuser, die nahe am Wall lagen, waren fast ganz zusammen geschossen, das Thor war nicht mehr brauchbar, und wenn man sich auch noch so viel Mühe gab die davor liegenden Bastionen wieder herzustellen, so waren sie doch viel zu bedeutend, um das Feuer des Feindes, der mit seiner ganzen Macht kaum noch hundert Schritte weit davon entfernt war, zum Schweigen zu bringen.Aber furchtbarer wie alles war die Stimmung der Garnison und der Einwohner. Die erstere war theils schon so sehr entkräftet, dass sie keinen Widerstand mehr leisten konnte, theils wollte sie sich durchaus nicht mehr schlagen, und hielt es für unnütz Anstrengungen zu wagen, die doch die Festung nicht retten würden; und die letztern schienen nur auf den Wiederausbruch der Feindseligkeiten zu warten, um über das Militair herzufallen, und bei einem wahrscheinlichen Sturme durch einen Aufstand den Oesterreichern das Eindringen in die Stadt zu erleichtern.
Es wurde also beschlossen zu kapituliren. Die Garnison verlangte freien Abzug nach Frankreich, und mit dieser Bedingung wurde der Graf Orlandini wieder zurück geschickt. -- Unterdessen hatte das Geniekorps noch einen letzten gefährlichen Versuch gewagt, um die bevorstehende Katastrophe wenigstens noch einige Tage aufzuhalten. Die Chaussee vor der Porta Pradella wurde durchstochen, und so das Wasser des Obersees in den Kanal Pajolo geleitet. man hatte geglaubt, dass es einen hinlänglichen Fall haben würde, um die gemachten Oeffnung immer mehr zu erweitern, wodurch die dahinter befindliche Bresche auf eine Zeit lang vor dem Sturme gesichert worden wäre. Aber in den ersten vier und zwanzig Stunden stellte es sich in so geringer Masse ein, dass man den Graben bequem durchwaten konnte -- und erst als den 28sten die zweite Kapitulation, vermöge welcher nur die Gemeinen nach Frankreich zurückkehren dürfen, und die Officiere auf drei Monate als Geissel in die österreichischen Erblande abgeführt werden sollen, unterzeichnet war, fand sich der Zufluss des Wassers in so grosser Menge ein, dass nicht mehr durchzukommen war.
Den 29sten wurden die gewöhnlichen Geiseln ausgewechselt, und den 30sten marschirte die Garnison, die wider alle Erwartung gegen 6000 Mann noch stark war, aus. Diese auf einmal so sehr zugenommene Truppenzahl, die allen beim Generalstabe vorher eingereichten Berichten widersprach, muss man sich folgende Art erklären. so lange man noch Widerstand that, retteten sich die Soldaten, die, wie ich Ihnen schon gesagt habe; sich nicht mehr schlagen wollten, in die Spitäler. Aber als die Garnison ausmarschiren sollte, und als sie erfuhren, dass sie nach Frankreich zurückkehren dürften, da rafften auch die wirklich Kranken ihre letzten Kräfte zusammen und zogen mit aus, um nicht in einem Platze zu bleiben, den sie als ihr gewisses Grab nun um so mehr ansahen, weil sie nicht hoffen durften, von Fremden so gut wie von ihren Landsleuten gepflegt zu werden. Und überdies so hätten sie gar keine Franzosen seyn müssen, wenn sie die ihnen zugesagte Rückkehr nach Frankreich nicht sogleich wieder gesund gemacht hätte. Zwei Drittheil der Garnison bestanden aus Konscribirten, diese hatten sich weder an den Krieg, noch an Italien gewöhnen können, und wurden blos deswegen krank und auch sogleich wieder besser, als sie von der Heimath hörten.
Die Einwohner konnte den Auszug der Garnison kaum abwarten, um ihre Partheiwuth an Allem auszulassen, was ihre vorige Beherrscher gebilligt und ihre gegenwärtigen verwarfen. Ich war in Geschäften zurück geblieben und sah es mit an, wie der letzte Freiheitsbaum in der cisalpinischen Republik umgehauen und verbrannt wurde. Der Pöbel stürmte die Häuser von einigen der bekanntesten Patrioten und richtete viel Unfug in denselben an; wo nur noch eine Kokarde aufzutreiben war, wurde sie hervorgesucht und mit dem Freiheitsbaum verbrannt; ein gleiches wiederfuhr den republikanischen Fahnen, und als es geschehen war, als man sich die Kehle an dem : E viva il nostro clementissimo Sovrano, Francesco II. fast wund geschrien hatte, hielt man sich für eben so gute kaiserliche Unterthanen, als man vorher Republikaner zu seyn vorgegeben hatte. So lange keine österreichische Garnison sich in der Stadt befand und patrouillirte, war man den Misshandlungen eines rohen Pöbels wirklich ausgesetzt, und am übelsten waren die armen Juden daran, deren Anzahl in Mantua ziemlich gross ist, und die sich in der Revolution ausgezeichnet hatten. Der Herr nahm sich jedoch auch hier, wie allenthalben, seines bedrängten Volkes an, denn die ersten Truppen, welche in die Stadt geschickt wurden, mussten die Zugänge zu dem Ghetto *) besetzen, und kein Mantuaner durfte es wagen, und wenn sein neuer Patriotismus auch noch so uneigennützig gewesen wäre, seine Grenzen zu überschreiten.
*) So heisst in den italienischen Städten derjenige Theil derselben, welchen die Judenschaft bewohnt. A. d. V.

Quellen und Literatur.

  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1799.
  • Briefe über Italien geschrieben in den Jahren 1798 und 1799 vom Verfasser der vertraulichen Briefe über Frankreich und Paris. Leipzig bey Pet. Phil. Wolf und Comp. 1802