Benjamin Franklin

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Franklin.

Benjamin Franklin war den 6. Jäner 1706 zu Boston in der Provinz Massachusets gebohren. Sein Vater war ein Färber. Durch Schulunterricht und eigene Forschbegierde mit mancherlei Kenntnissen ausgerüstet, kam er in seinem 12. Jahre bei seinem ältern Bruder, der ein Buchdrucker war, in die Lehre. Hier benutzte er jede Freistunde zum Lesen, zur Verfertigung schriftlicher Aufsätze und Gedichte, und noch ehe er sein 16. Jahr erreicht hatte, waren Lockes Versuch über den menschlichen Verstand und Xenophons Denkwürdigkeiten seine Lieblingsschriften. Im Jahre 1723 verließ er die Druckerei seines Bruders und ging nach Philadelphia in Arbeit, wo er hungrig und lumpig ankam. Hier erlangte er gute Konnexionen, und ging dann 1724 nach London, wo er anderthalb Jahre in einer Druckerei arbeitete, kehrte hierauf wieder nach Philadelphia zurück, und errichtete daselbst 1728 eine eigene Druckerei in Kompagnie mit einem Mitgesellen Meredith.

Seine Industrie, die Schönheit und Genauigkeit seines Drucks, und die Unterstützung seiner Freunde verschaften ihm bald viele Geschäfte. Er gab mit Beifall eine politische Zeitung heraus, wurde Drucker der Regierung in Philadelphia, errichtete 1731 eine Buchhandlung, und fing im folgenden Jahre an, jährlich ein Taschenbuch unter dem Titel: Almanach des armen Richards herauszugeben; eine Schrift, die allerlei nützliche ökonomische, moralische und andere Aufsätze enthielt, und so stark gelesen wurde, daß zuletzt 10,000 Exemplare gelesen wurden. Voll Begiere, den Namen eines Gelehrten zu verdienen, lernte er itzt erst, und zwar ganz für sich, die lateinische und französische Sprache. Mit Eifer betrieb und unterstützte er alle litterarischen Einrichtungen seines Vaterlandes, und erhielt 1743 den Auftrag, den Plan der philosophischen Gesellschaft von Amerika bestimmter zu entwerfen.

Im Jahre 1736 betrat er seine politische Laufbahn. Er wurde zum Sekretär bei dem Parlamente von Philadelphia und einige Jahre hernach zum Repräsentanten für die Stadt Philadelphia bei demselben erwählt; schon 1737 erhielt er die Stelle eines Postmeisters von Philadelphia. Bei den öftern Feuerbrünsten daselbst, machte er zuerst den Plan zur Errichtung einer Feuerkompagnie, auf diese folgte auch bald auf seinen Vorschlag eine Brand-Assekuranzgesellschaft. -- Bei dem ersten Anfange der Streitigkeiten der Kolonien mit England, die wegen der Auflagen entstanden, wurde er 1746 als Unterhändler nach London geschickt, wobei er zugleich 1766 eine Reise nach Deutschland machte. Als nachher diese Streitigkeiten in einen offenbaren Krieg ausbrachen, wurde Franklin nach Paris geschickt, wo er im Dezember 1775 ankam. Die Achtung, mit der man ihn empfing, entsprach seinen Verdiensten. -- Ohne fremde Unterstützung wäre Amerika nicht frei geworden, und Franklin wars, der den Allianztraktat mit Frankreich zu Stand brachte, und ihn auch am 17. Februar 1779 unterzeichnete; und vier Jahre darauf den 20. Jäner 1783 schloß er den Frieden, wodurch Nordamerika für eine freie Republik erklärt wurde.

Und dieser Mann, der um seine Mitbürger sich dadurch so unsterblich verdient gemacht hat, bereicherte zugleich auch Künste und Wissenschaften mit den wohlthätigsten und angenehmsten Erfindungen. Vorzüglich wichtig sind seine Entdeckungen in der Elektrizität, und vorzüglich die so praktische Anwendung der Elektrizität auf die Theorie der Gewitter. Der kühne Gedanke, man müsse den Blitz, wie die Elektrizität ableiten können, gehört ganz Franklin, und er setzte uns dadurch in den Stand, dem Feuer des Himmels seine Bahne vorzuschreiben. Aber das seine Gefühl des überall wirksamen Mannes und sein vielfältiges Originalgenie dehnte sich auch über schöne Künste und Literatur aus. Jenes Toninstrument, das an Zartheit und Süßigkeit nichts neben sich leidet, die Harmonika, ist von Franklins Erfindung. Auch hat man von ihm einige theoretische Betrachtungen über die Tonkunst, über den Gesang und das Versmaas eines Volksliedes, u. s. w. Von ihm ist der mit Recht so bewunderte Aufsatz: der arme Jakob, der im zweiten Theile von Engels Philosophen für die Welt, frei übersetzt steht; so wie noch andere kleine Schriften.

Am 24. Julius 1785 verließ dieser merkwürdige Mann Frankreich, und kam am 15. September zu Philadelphia an; sein Empfang war so feierlich, wie es der Stifter der Freiheit seines Vaterlandes verdiente. Er lebte nachdem in einer glücklichen Ruhe des Alters, die aber noch immer durch nützliche Thätigkeit für seine Mitbürger ausgezeichnet war. Er hatte seit mehreren Jahren an Steinschmerzen gelitten, diese wurden so heftig, daß er gegen ein Jahr lang bettlägerig war; er behielt indessen den vollen Gebrauch seiner Sinne, und zeigte in guten Augenblicken der Krankheit noch immer die Laune und Munterkeit, die ihm im freundschaftlichen Umgange eigen war; endlich kam ein Lungengeschwür dazu, er hatte nicht die Kraft, alle Materie von sich zu geben, und starb den 27. April 1790 in einem Alter von 84 Jahren. Sein Leichenbegängniß wurde mit einem Pomp gehalten, der in Philadelphia noch ungesehen war.

Angebohrne und erworbene Eigenschaften vereinigten sich, diesen Mann achtungswerth zu machen. Menschenliebe und Freimüthigkeit waren die Grundlagen seines Charakters; eine ungetrübte Heiterkeit, eine einnehmende Gefälligkeit im gemeinen Leben, und eine beständige Gleichmüthigkeit in grossen Unternehmungen, verbanden sich in ihm mit der größten Vorsicht in seinem Betragen. In allen Dingen, bei allen politischen oder philosophischen Untersuchungen hatte er es sich eigen gemacht, immer die einfachste Ansicht der Sache aufzufassen und sie darnach zu prüfen. Sein System von Lebensweisheit war eben so einfach, er suchte Schmerz und Langeweile durch Mässigkeit und Arbeit zu entfernen. Ohne gleichgültig gegen den Ruhm zu seyn, verachtete er doch ungerechte Urtheile, und wenn ihn Dankbarkeit erfreute, so wußte er doch auch dem Neide zu verzeihen. Sein Umgang war äusserst anziehend; er drang gern in die Kleinigkeiten des bürgerlichen und häuslichen Lebens ein, und setzte sie durch die Fülle seines Geistes und seiner Erfahrungen in ein neues Licht. -- Als Nachkommen hinterließ er einen Sohn und einen Tochter, die den größten Theil seines Vermögens erbten; seinem Enkel, William Temple Franklin aber, vermachte er seine Bibliothek und alle seine Papiere, und verschiedene Landesbesitzungen -- so wie auch mehreren Stiftungen ansehnliche Legate.


Quellen und Literatur.

  • Gallerie interessanter Personen. Oder Schilderung des Lebens und Charakters der Thaten und Schicksale berühmter und berüchtigter Menschen der ältern und neuern Zeit. Herausgegeben von Karl August Schiller. Wien im Verlage bei Anton Doll, 1799.