Blockade von Mantua (1796)

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Capitulation von Mantua.

Der 2. Februar 1797.


Nach den für die österreichischen Truppen unglücklichen Gefechte bei Rivoli, und Provera's fruchtloser Unternehmung zum Entsatz der Festung Mantua, musste dieser vorzüglichste aller Waffenplätze Oesterreichs in Italien seinem Schicksale überlassen, das Gesetz des Siegers empfangen. Der drückendste Mangel an Lebensmitteln für Menschen und Pferde, von deren Fleische sich die Besatzung vom obersten Befehlshaber angefangen, bereits seit 2 Monaten genährt hatte, eine verheerende Seuche, als deren Opfer bei gänzlichem Abgang auch der nothwendigsten Arzneymittel bereits 17,000 Mann gefallen waren, und die verschwundene Hoffnung auf die Möglichkeit eines Ersatzes, beuten den festen Sinn des F. M. Dagobert Grafen Wurmser, und bestimmten ihn am 2ten Februar 1797 die Capitulation Mantua's nach einer 9monatlichen Blokade zu unterfertigen, und diese Festung an Serrurier zu übergeben. den heldenmüthigen Vertheidiger ehrte der Sieger durch Gestattung eines freyen Abzugs mit 500 Mann Infanterie, 200 Mann Cavallerie und 6 Feldstücken.


Capitulation von Mantua..

Unter den vielen beyspiellosen Auszeichnungen des gegenwärtigen Französischen Kriegs verdient vornehmlich bemerkt zu werden, daß die Franzosen alle de grossen und wichtigen Festungen, die sie eingenommen, ohne förmliche regelmäßige Belagerungen in ihre Gewalt bekommen haben. So ist ihnen auch endlich die wichtige Festung Mantua, der Schlüßel von Italien, in die Hände gefallen. Nach einer neunmonatlichen Blokade, und fünfmonatlichen völligen Einschließung, sah sich Feldmarschall Graf von Wurmser, mit den vortreflichen Generalen, Lauer, Otto, Meszaros, und andern, welche er bey sich hatte, durch Hunger und Mangel an allen Bedürfnißen, nachdem der letzte Versuch der Entsetzung mißlungen war, gezwungen, die Festung zu übergeben. Die Capitulation kam am 2ten Februar, des Abends um 10 Uhr zu Stande. Sie war, nach den Umständen ehrenvoll. Die Garnison wurde zwar im allgemeinen Kriegsgefangen, aber mit sehr vielen Ausnahmen. Es erhielten nämlich der Graf von Wurmser, und seine Adjutanten, und sein Gefolge, ferner 200 Mann Cavallerie mit ihren Officieren, noch 500 Mann, die der Auswahl des Feldmarschalls überlaßen wurden, die General und Officiere vom Generalstabe, und jeder andre, den der Feldmarschall dazu zu rechnen für gut fand, eine freyen Abzug. Die gesammte Garnison marschirte mit allen kriegrischen Ehrenzeichen aus der Festung, und legte die Waffen auf dem Glacis ab. Den Generalen und Officieren, welche den freyen Abzug erhielten, wurden ihre Pferde gelaßen, den Generalmajor 10, den Obersten 8, den Majors 7, den übrigen Officieren, jedem 2 Pferde. Die Garnison wurde, zur baldmöglichsten Auswechslung über Padua nach Treviso geführt. Alle Civil-Beamten konnten sich unaufgehalten hinwegbegeben. Den Einwohnern wurden ihre Rechte, und Privilegien gesichert, und die Freyheit, innerhalb eines Jahrs, mit ihren Gütern und Vermögen, die Stadt, wenn sie wollten, ungehindert zu verlaßen. -- Die Zahl der Garnison, die sich ergab, die der eroberten Artillerie, und Munition, und die Beute aller Art, welche die Sieger in der Festung fanden, wird erst durch die fernern Französischen Berichte bekannt werden. Schwerlich aber wird man den Werth aller der Schätze und Kostbarkeiten erfahren, welche bey dem Vordringen der Franzosen, aus ganz Italien, nach Mantua, als ein sichres Depot gebracht wurden, und nun den Franzosen in die Hände fielen. Wir werden noch künftig eine vollständige Geschichte der Eroberung von Mantua geben; wie auch von den Folgen, welche ganz Italien davon haben wird.


Genauere Umstände der Einnahme der Festung Mantua.

Beschreibung.

Das wesentliche von der Einnahme der Festung Mantua ist im vorigen Monate erzählt worden. Unserm damaligen Versprechen gemäß, folgen hier die nähern Umstände und Denkwürdigkeiten von der Eroberung dieser Festung, die der Französischen Uebermacht einen so langen Widerstand geleistet hat. Die Capitulation, die den Franzosen Mantua einräumte, ist schon im vorigen Stücke enthalten, und wir haben zu derselben nichts denkwürdig historisches hinzuzufügen. Sie kam nicht plötzlich zu Stande: sie wurde nach wiederholten Anträgen, und langen Unterhandlungen, unter denen sich der General-Feldmarschall Wurmser zur Uebergabe erbot, nicht annehmen wollten. Schon am 31sten Januar hatte Wurmser die freye Rückkehr der Garnison nach Teutschland, nebst ihren Wagen und Bagage, und zugleich einen 4-wöchentlichen Waffenstillstand für Italien verlangt, aber auf seine Forderungen eine abschlägliche Antwort von dem General Buonaparte erhalten. Am folgenden Tage wurden die Unterhandlungen erneuert, und am 2ten Februar beym Anbruch der Nacht die Capitulation von dem General Wurmser, und dem, von Buonaparte bevollmächtigten, Französischen General Serrurier unterzeichnet. Die ausgezeichnete Tapferkeit der Feldmarschalls Wurmser machte Eindruck auf den General Buonaparte, der ihm Beweise seiner Hochachtung gab, und große Ehrenbezeigungen erwies. Er bewilligte demselben nicht nur eine ehrenvolle Capitulation, sondern auch die Abführung von 6 Artilleriestücken, nemlich 2 6pfündigen, 2 12pfündigen Kanonen, und 2 Haubitzen, nebst der dazu gehörigen Munition und Wagen.

Der Heldenmuth des vom Alter gebeugten Feldmarschalls, die Beharrlichkeit, die er dem widrigen Kriegsglücke entgegen setzte, und die Standhaftigkeit, mit der er unter beständigen Hindernißen, und unter Aufopfefung seiner Kräfte, die Festung Mantua gegen ein zahlreiches und überlegnes Heer so lange vertheidigte, bedürfen keiner Lobeserhebungen. Wurmser war nie größer, als da wo er besiegt wurde. Sein Betragen drang selbst dem Feinde ein Geständniß ab, welches das schönste Ehren-Denkmal seiner Tapferkeit wurde. "Ich habe mir ein wahres Geschäft daraus gemacht, schrieb der Ober-General Buonaparte an das Directorium, dem General Wurmser Beweise des Französischen Edelmuths zu geben. Denn so grausam auch das Glück gegen diesen 70 jährigen General in diesem Feldzuge gewesen ist, so hat er doch unaufhörlich eine Beharrlichkeit und einen Muth bewiesen, den die Geschichte auf immer aufbewahren wird. Nach der Schlacht bey Baßano, war er von allen Seiten eingeschloßen; er verlor durch einen einzigen Schlag nicht nur einen Theil des Tyrols, sondern auch seine Armee. In dieser Lage hofte er noch sich nach Mantua flüchten zu können, von wo er noch 4 bis 5 Tage entfernt war. Er gieng in dieser Absicht über die Etsch, schlug eine unsrer Avantgarden zu Cerea, zog sodann weiter, und kam glücklich nach Mantua. Eingeschloßen in diese Stadt machte er zwey oder drey Ausfälle, die ihm alle mißlangen, bey denen er aber immer an der Spitze seiner Truppen war. Seine Soldaten waren durch die vielen Niederlagen muthlos, und durch die in der Festung herrschenden Krankheiten geschwächt."

Der Ruhm nächst dem Feldmarschall Wurmser am meisten zur Vertheidigung dieser Festung beygetragen zu haben, gebührte dem ebenfalls bejahrten General-Lieutenant, Grafen Canto d'Ycles. Dieser General, der aus einem berühmten Spanischen Geschlechte aus Catalonien, welches Carl der VI. anhieng, entsproßen war, hatte schon vorher als Commandant in Mantua diese Stadt gegen die Französische Belagerungs-Armee geschützt, und entwickelte fortdauernd seine Talente und seine kriegrische Thätigkeit.

Nur das größte Elend, nur die Unmöglichkeit, bey der verdunkelten Hofnung einer nahen Rettung, der längern Belagerung widerstehn zu können, und die gewiße Aussicht des Hungertodes zwang die tapfern und standhaften Krieger diese Festung zu übergeben. Mantua war der Schauplatz des unbeschreiblichsten Elends; der äußerste an Hungersnoth grenzende Mangel, Krankheiten und alle Schreckniße einer langwierigen Belagerung hatten die Einwohner an den Abgrund der Verzweiflung und in die traurigste Lage gebracht. Die allgemeine Noth war auf den höchsten Gipfel gestiegen. Die Pferde der Besatzung sowohl als der Privatpersonen, deren Zahl man über 4000 angiebt, hatten schon lange zur Nahrung der Belagerten diesen müßen, und viele waren durch Mangel an Futter umgekommen, so daß der Feldmarschall Wurmser nur mit der äußersten Mühe beym Abzuge die nöthigen Pferde für die 200 Mann Cavallerie, die ihn begleiteten, und die ihm bewilligten 6 Kanonen und Wagen, nebst den bestimmten Pferden für die Officiere, zusammenbrachte. Nach einigen Berichten waren die Besatzungs-Truppen so sehr des Unterhalts beraubt, daß sie in den letztern Wochen sich mit einer Drittel-Portion Brod begnügen mußten, welches mit Türkischem Waizen vermischt war. Nach unsern Privat-Briefen aus Wien war zwar die Garnison noch mit Getraide auf einige Wochen versehen, und hatte noch ohngefähr 300 Pferde, aber die Einwohner hatten alle Vorräthe aufgezehrt. So oft sich der Feldmarschall Wurmser zeigte, fiel das Volk zu Hunderten auf die Knie, und bat ihn unter rührenden Klagen und Jammer, um die Uebergabe der Festung. Noch 3 Tage vor der Capitulation flehte eine Deputation der angesehensten Bürger den Feldmarschall Wurmser um die Erfüllung dieses Gesuchs an, und beschwor ihn, ihren Leiden ein Ende zu machen, da sie sonst unvermeidlich dem Hungertode blos gestellt wären. Selbst schon am Tage der Capitulation, am 3ten Februar, hatten die Einwohner nicht die geringsten Lebensmittel, nicht einmal Brodt.

Eine überaus große Sterblichkeit und tödtliche Krankheiten erhöhten das allgemeine Elend, und stellten allenthalben Scenen der traurigsten Verwüstungen dar. nach der glaubwürdigen Aussage eines Augenzeugen, der so eben aus jenen Gegenden kam, war die Stadt mit unbeerdigten Leichnamen angefüllt. Die Franzosen mußten die thätigsten Maaßregeln ergreifen, um einer ansteckenden Seuche vorzubeugen, die unter diesen Umständen so zu fürchten war, und sich schon zu zeigen anfieng. Die Besatzung war unter solchen Uebeln sehr verringert worden. Sie war über 20,000 Mann stark, und bestand beym Auszuge nur ohngefähr aus -- 11,000; die übrigen fanden in Mantua ihren Tod. Und von diesen 11,000 Kriegern, waren nach einigen berichten 2500, nach andern, noch mehrere Kranke, die sich in den Hospitälern befanden; und viele der übrigen waren siech, ermattet und erschöpft. Aber auch die Französische Belagerungs-Armee war sehr herabgeschmolzen, und bestand auch jetzt nur aus 12,000 Mann. -- Wurmser konnte allso Mantua nicht länger vertheidigen, ohne die Truppen und Einwohner dem schrecklichsten Tode aufzuopfern. Er gab nur der dringendsten Nothwendigkeit nach.

Die Beute, die die Franzosen in der Festung Mantua eroberten, war groß und verschafte ihnen neue Mittel in Italien Krieg zu führen. Aber der Werth der Schätze, die bey dem Vordringen der Franzosen in Italien, von den Einwohnern in die Festung Mantua geschaft worden, scheint nicht seht groß gewesen zu seyn. Wenigstens ist nichts davon bekannt gemacht worden.

Die Kriegsbeute hat zufolge des, nach Paris gesandten, Verzeichnißes, bestanden in 538 Artilleriestücken, worunter 126 metallene Kanonen, 5000 brauchbaren Flinten, 2500 Pistolen, 529,000 Pf. Pulver, über eine Million Patronen, 184 Pulverwagen, u. s. w.

Die tapfern Vertheidiger von Mantua sollten nun in friedlicher Ruhe die erlittnen Uebel vergeßen. Der Kaiser beschloß, sie sobald als möglich aus der Kriegsgefangenschaft zu befreyen, und gleich nach der Auswechslung in die beyden Hauptstädte Wien und Prag zu verlegen, wo ihnen, zur Belohnung, doppelter Garnisons-Sold bestimmt war.


Quellen und Literatur.

  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern, und in der Hoffmannschen Buchhandlung 1797.