Bogislav Friedrich Emanuel von Tauentzien

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Tauentzien von Wittenberg (Graf), königlich-preußischer General der Infanterie, commandirender General in den Provinzen Brandenburg und Pommern, Ritter aller preußischen und vieler fremden Orden.

Wir bedauern, über die frühern Verhältnisse desselben, aus Mangel an gründlichen Nachrichten, nichts weiter sagen zu können, als daß er - ein Sohn des berühmten Vertheidigers von Breslau - von Jugend auf in preußischen Kriegsdiensten stand und bis zum Jahre 1806 auch zu einigen diplomatischen Sendungen gebraucht wurde.

In diesem Jahr commandirte er als Generalmajor das kleine in Bayreuth aufgestellte Observationscorps, zu welchem auch einige sächsische Truppen stießen, mit welchem er am 9. Oct das erste unglückliche Gefecht jenes unglücklichen Feldzugs lieferte und dessen schwierigen Rückzug umsichtig leitete. In der Schlacht von Jena commandirte er sodann die Vordertruppen, die am frühen Morgen bei Lützerode xc. das Gefecht eröffnend, erst nach hartnäckigem Widerstande zurückgeworfen wurden. Als nach der Doppelschlacht dieses Tages die Trümmer der preußischen Armee in ein Corps unter des Fürsten von Hohenlohe formirt nach der Oder zurückgingen, hatte er dabei ein Commando und theilte das Schicksal desselben bei Prenzlow.

Bei Reorganisation der Armee nach dem tilsiter Frieden als Chef der brandenburgischen Brigade angestellt, ward er, als sich Preußen im Jahr 1813 gegen Frankreich erklärte, zum Militärgouverneur von Pommern ernannt und mit der obern Leitung der Belagerung von Stettin beauftragt. Es war ihm erst nach dem Waffenstillstand vergönnt, unmittelbar gegen den Feind zu kämpfen, denn als das Heer, durch die Landwehr auf das doppelte gebracht, in Corps getheilt ward, erhielt er das - meist aus Landwehr bestehende - dritte, welches der Nordarmee unter des Kronprinzen von Schweden Oberbefehl zugewiesen, bei dieser als Reservecorps betrachtet ward.

In diesem Verhältnisse nahm er an dem Siege von Grosbeeren in so fern nur mittelbar Theil, als er auf dem linken Flügel das Heeres bei Blankenfelde die Angriffe des überlegenen vierten französischen Corps (Bertrand) zurückwies, während das siebente (Regnier) bei Beeren gegen Bülow focht. Wenn die Resultate jenes Kampfes nicht so glänzend als die das letztern waren, so sind sie darum doch als sehr wesentlich zu betrachten; denn ohne die ausharrende Vertheidigung jener Stellung wäre wenigstens ein so entscheidender Sieg bei Beeren nicht denkbar gewesen.

Fast eben so verhält es sich mit seiner Theilnahme an dem glorreichen Siege von Dennewitz; denn nachdem eine Brigade seines Corps am 5. Sept. bei Zahne der von Wittenberg vordringenden Ney'schen Armee festen Widerstand entgegensetzte und dadurch des Feindes Meinung, er habe die Hauptmacht der Verbündeten vor sich, bestärkte, mußte dasselbe am folgenden Tage vorwärts Jüterbogk angestellt, eine Zeit lang den überlegenen Angriff aushalten und ward auch zurückgedrängt. Während dieses Kampfes waren aber die Colonnen des Bülow'schen Corps in der Feindes linker Flanke angekommen, das Gefecht wendete sich nun hauptsächlich gegen sie, und ward auf die bekannte ruhmwürdige Weise beendet. (Der Graf Tauentzien gerieth am Tage vorher, von einer Conferenz mit dem General Bülow zurückkehrend, in die auf dem Marsche befindlichen feindlichen Truppen und rettete sich nur durch Geistesgegenwart, indem er sich für einen französischen General ausgab, vor der Gefangenschaft).

Als sich nach der Schlacht bei Dennewitz die Nordarmee der Elbe näherte, deckte dar Graf Tauentzien den linken Flügel derselben und folgte ihr dann über dieser Fluß. Da aber die schlesische und Nordarmee vereinigt am 11. Oct über die Saale gingen, um Buonaparte auszuweichen, ward sein Corps mit dem Auftrage bei Dessau zurückgelassen, die Brücke bei Roßlau zu decken, so wie Brandenburg, besonders aber die Hauptstadt zu schützen. Dies ward auch bald genug nöthig, da sich zwei französische Colonnen (das vierte und siebente Corps) gegen Dessau und Wittenberg bewegten, wovon die letztere besonders gefährlich war. Der General zog sich daher, nachdem er das Blokadecorps von Wittenberg aufgenommen, über Zerbst und Götzke nach Baumgartenbrück bei Potsdam, wo er in der Nacht zum 15. Oct. ankam und nicht wissend, das bereits alle französischen Corps wieder zur Schlacht bei Leipzig zurückberufen seyen, zur Deckung der Hauptstadt mehrere Tage stehen blieb, die indessen zur Wiederherstellung der Bekleidung der Truppen bestmöglichst benutzt wurden.

Wie nun die siegreichen Heere dem Rheine zueilten, ward ihm die Belagerung von Torgau und Wittenberg, so wie die Blokade von Magdeburg übertragen. Die erste Festung ging nach einer lebhaften geführten Belagerung und Bombardement am 26. Dec. durch Capitulation über, kraft welcher die Besatzung kriegsgefangen ward. Wittenberg, bis dahin eigentlich nur blockirt, wurde nunmehr ernstlich belagert und in der Nacht zum 13. Jan. 1814 durch Sturm genommen. Der General ward dafür mit dem Großkreuz des eisernen Kreuzes belohnt, und seinem Familiennamen (bei der spätern Erhebung mehrerer Heerführer in den Grafenstand) der Name Wittenberg hinzugefügt. Der Rest diese Feldzugs füllt die Blockade von Magdeburg aus, die durch keine besonders merkwürdigen Ereignisse bezeichnet ist.

Im Jahre 1815 erhielt der Graf Tauentzien das sechste preußische Armeecorps, welches nebst dem fünften an der Elbe zurückgehalten, erst nach der Schlacht von Belle-Alliance nach marschirte und dort in die Bretagne verlegt, durch die eingetretenen feindlichen Verhältnisse verhindert ward, sich mit dem Feinde zu messen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.