Braunschweig (1813)

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Braunschweig, am 20sten December 1813.

In der größten Eile und unter den freudigsten Zurüstungen zu dem Empfange unsers geliebten Herzogs melde ich Ihnen, daß wir der Ankunft desselben auf übermorgen nun ganz bestimmt entgegensehen. Der Jubel und die Trunkenheit der ganzen Stadt, die sich auch dem Geringsten auf dem Volke mittheilen, lassen sich nicht durch Worte ausdrücken. Die außerordentlichsten Anstalten zu dem Empfange des Herzogs sind bereits getroffen, und außer den wirklichen Altären, die ihm die Liebe seines Volks errichtet, erbaut noch jeder Unterthan einen Altar im eignen Herzen, auf welchem er seine Wünsche für das Heil des Fürsten und für das Wohl des Vaterlandes zum Regierer der Welten emporsteigen läßt. Möge der Schutzgeist des Landes alles zum Besten lenken; möge er durch eine glückliche, segenvolle Zukunft die Drangsale der Vergangenheit austilgen.

Die Stadt ist so voll Fremder, die alle Zeugen der glorreichen Wiedergeburt des Landes zu seyn wünschen, daß für keinen Preis eine Wohnung mehr zu bekommen ist. Erwarten Sie nach der Ankunft des Herzogs eine allgemeine Skizze der sämmtlichen Festlichkeiten, die bei derselben werden Statt gefunden haben. Uebrigens können Sie sich keinen Begriff davon machen, wie die so lange unterdrückte Denk- und Preßfreiheit in Brochüren und Pamphlets aller Arten, die täglich zu Dutzenden erscheinen, sich zu ergießen strebt. Schade, daß dies meistens ephemere Erscheinungen sind, die, ohne eigentlichen Werth und gänzlich außer Stande, auf den Zeitgeist zu wirken, nur der augenblicklichen Neugierde eine frivole Lockspeise seyn können, und am Tage nach ihrer Erscheinung bereits nicht mehr beachtet werden. Eines desto rühmlichern, ausgezeichnetern Beifalls genießen dagegen die deutschen Blättern, die hier sowohl, wie im ganzen Lande, ein ausgebreitetes Publicum haben.


Quellen und Literatur.

  • Deutsche Blätter Herausgegeben von Friedr. Arn. Brockhaus. Zweiter Band, Leipzig und Altenburg, 1814.