Bremen

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Bremen, freye Reichsstadt im Herzogthum Bremen, welche durch die Weser in die Alt- und Neustadt abgesondert wird, und an beyden Theilen befestigt ist, auch einen Hafen hat, welcher drey Stunden unterhalb der Stadt liegt. Sie gehört unter die Hansestädte, ist groß, hat seit 1529. ein berühmtes Gymnasium, und ist theils lutherisch, theils reformirt. Lezteres ist die herrschende Religion, obgleich eben so viel Lutheraner in der Stadt wohnen. Erst in den leztern Jahren wurde Ein Lutheraner als Senator gewählt. Ihr Rathscollegium, das aus 4 Bürgermeistern und 24 Rathsherren bestehet, aus Gelehrten und Kaufleuten besezt wird, hat die Ober- und Untergerichte: 1784. sezte Kurbraunsch. als Herzog von Bremen, einen Stadtvogt, der die Criminaljurisdiction verwaltete. Dem Herzoge von Bremen gehörte ehemals auch die Domkirche und das dabey befindliche lutherische Gymnasium, nebst den zum Dom gehörigen Capitelshäusern.

Bremen hat 5,350 Häuser, über 40,000 Einwohner, und eine große Seehandlung, obgleich nur Boote bis zur Stadt kommen können; größere Fahrzeuge nöthigt der versandet Fluß im Hafen zu Elsfleth, auch wohl schon beym Dorf Bracke im Oldenburgischen liegen zu bleiben.

Zu den merkwürdigsten Gebäuden gehören der Dom, die Börse, das Rathhaus, überhaupt ist die Stadt, vorzüglich die lange Strasse und der Damm gut gebaut.

Die ansehnliche Handlung der Stadt gründet sich zum Theil auch mehrere beträchtlich Fabriken zum Schnupf- und Rauchtoback, Zuckerrafinerie, Weinzubereitungen, Baumwollen- und Wollenzeugen nebst den Färbereyen xc. vorzüglich aber auf die Ausfuhr der meisten Producte Westphalens, zum Theil auch Niedersachsens und der Einführung deutscher Bedürfnisse aus fremden Ländern. Nur blos den Sund passiren jährlich im Durchschnitte 200 Bremer Schiffe und im Ganzen laufen in Bremen jährlich gegen 900 Schiffe ein, und eben so viele aus Die Stadt ist daher reich, ob man gleich ihre öffentlichen Einkünfte nur auf 100,000 Thlr. schäzt.

Die Stadt hatte mit ihren ehemaligen Erzbischöfen, und nachher mit der Krone Schweden, als diese das Herzogthum Bremen besaß, vielen Streit wegen ihrer Rechte und Reichsstandschaft. Nachdem aber Kurbraunschweig das Herzogthum bekommen, so ward der Stadt ihre Reichsfreyheit, 1731. zugestanden und die übrigen Irrungen und Foderungen, 1741. durch Abtretung des Amts Blumenthal und des Gerichts Neukirchen, nebst einigen Meyereyen xc. an das Herzogthum, beygelegt. Im J. 1802. erhielt sie sich bey dem allgemeinen Entschädigungsplan nicht nur als Reichsstadt, sondern zugleich alle Rechte, welche das Haus Braunschweig-Hannover in ihrem Innern ausübte, nebst dem Dom mit den dazu gehörigen Gebäuden; ferner eine Vergrößerung ihres Gebiets von 3 Dörfern und mehrern Höfen, alles was zwischen der Weser, Wimme und Leesum liegt, mit freyer Oberherrschaft über den ihr vorher schon gehörigen, aber unter Hannöverischen Hoheit stehenden Flecken Vegesack; so daß jezt ihr kleines an Gartengewächsen und Obst sehr fruchtbares Gebiet auf 3½ Quadratmeilen über 11000 Menschen zählt.

Für die Handlung der Stadt sollte der im nemlichen Jahre aufgehobene Oldenburgische Elsflether Zoll einen äusserst wichtigen Gewinn bringen. Er ist aber dem Herzog noch auf 10 Jahre zugestanden worden.

Zu einem Römermonat gab bisher die Stadt 132 fl. zu einem Kammerziele 148 Thlr. 67 kr.

Ihr Wappen ist ein silberner, schrägrechts liegender Schlüssel, mit aufwärts und links gekehrter Schließplatte; im rothen Felde.

Im Jahr 1757. wurde sie von den Franzosen, und 1758. von den Hannoveranern besezt, welche die noch 1761. inne hatten, 1762. aber, nach geschlossenem Frieden, wieder verließen.


Quellen und Literatur.

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.