Camille Desmoulins

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Desmoulins (L. Camille), Parlamentsadvokat, gebohren zu Guise in der Pikardie 1762, war Sohn des Oberrichters der Bailliage Guise. Er ward mit Robespierre und mehreren andern jungen Leuten, die nachher in der Revolution Rollen spielten, erzogen.

Sein Aeusseres war unedel, seine Gesichtsfarbe schwarz, und in seinem Blicke lag etwas Unglückdeutendes.

Vom Anfange der Revolution verband er sich mit seinem ehemahligen Freunde Robespierre. Die nächtlichen Zusammenkünfte, die er ebenfalls damahls zu Mousseaux mit dem Herzog von Orleans hatte, lassen schliessen, daß er anfangs nichts als der Agent dieses Prinzen war.

Er wählte das Palais Royal zum gewöhnlichen Theater seines Bürgerapostolats. Man sah ihn daselbst unaufhörlich von einer Menge Redner umringt, die mit ihm die Einnahme der Bastille vorbereiteten. Nach diesem ersten Triumphe ließ er sich ferner angelegen seyn, den Volksgeist zu erhitzen, bald durch seine Reden, bald durch seine Schriften, und nahm den Titel, Generalprokurator der Laterne, an.

In der Folge war er einer der Begründer des Klubs der Cordeliers, verband sich seitdem aufs innigste mit Danton und blieb ihm unveränderlich zugethan.

Nach Ludwigs XVI. Flucht nach Varennes, war er einer der Anstifter der Versammlung des Marsfeldes. Er nahm bey dem Aufstande vom 20sten Juny 1792, wo der Sturz der Monarchie eingeleitet wurde, seine Stelle wieder und hauptsächlich that er sich den 10ten August hervor.

Um diese Zeit ward er Sekretär des Justizministers Danton und organisirte mit ihm die Septemberszenen.

Als Deputirter von Paris bey dem Nationalkonvent vertheidigte er den 16ten Dezember den Herzog von Orleans; den 16ten Januar 1793 votirte er Ludwigs XVI. Tod.

Seine Anhänglichkeit an Danton ward die Ursache seines Verderbens. Robespierre, an der Spitze des Regierungsausschusses, näherte sich mit grossen Schritten der Tyranney; Danton, unterstützt von den Anführern der Cordeliers, wollte sich diesem Ausschusse entgegenstellen, und Camille erhielt den Auftrag, den Angriff in seinem Journale, der alte Cordelier, anzufangen. Er erklärte sich darin gegen das Schreckenssystem und wagte sogar das Worte Milde (clémence). Mit diesem Worte war sein Tod unterschrieben.

St. Just, den Camille ebenfalls in seinem Journale persiflirt hatte, bewirkte, daß dieser in der Nacht vom 31sten May 1794 nebst denen, welche man seine Mitschuldige nannte, eingezogen wurde. In seinem Gefängnisse überließ er sich bald einem Anfalle von Wuth, bald einer stillen, in sich gekehrten Verzweiflung.

Den 4ten wurde er vor das Revolutionstribunal gebracht, um gerichtet zu werden; die Geschwornen verdammten ihn zum Tode: "weil er das Revolutionssystem beschimpft habe und die Monarchie wieder herzustellen Willens gewesen sey.

Den 5ten wurde er, nicht ohne Mühe, zum Richtplatz geführt, er sträubte sich aus allen Kräften, den Karren zu besteigen. Sein Hemd war zerlumpt und seine Achseln entblößt; seine Augen funkelten, sein Mund schäumte und wie er das Blutgerüst erblickte; schrie er: "Das ist der Lohn, den man dem ersten Apostel der Freyheit aufgehalten hat . . . Die Ungeheuer, welche mich morden, werden mich nicht lange überleben!"

Seine Gemahlin, die er anbetete und von der er zärtlich geliebt war, eine schöne, muthige, geistreiche Frau, verlangte sein Schicksal zu theilen. Robespierre ließ sie 10 Tage nach ihm aufs Blutgerüst bringen. Sie zeigte während ihres Prozesses eine bewunderungswürdige Ruhe, und starb mit viel mehr Standhaftigkeit, als ihr Mann.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.