Carl Philipp von Wrede

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Baron von Wrede.

Wrede, (Baron von), bayerischer General, kommandirte in dem Feldzuge 1805 ein Korps der bayerischen Hülfstruppen und erhielt mehrere Vortheile. Doch wurde er in Böhmen von dem Erzherzoge Ferdinand mit Verlust zurückgeschlagen, und leistete nur durch seinen Muth Widerstand, bis der Waffenstillstand, welcher auf die Schlacht von Austerlitz folgte, allen Feindseligkeiten ein Ende machte. Nach dem Frieden von Preßburg ward er Kommandant von einer der neuen bayerischen Provinzen und erhielt im März 1806 vom Kaiser Napoleon die Dekoration eines Großoffiziers der Ehrenlegion.

In dem Feldzuge gegen Preußen kommandirte er in Schlesien und zuletzt in Pohlen unter dem bayerischen Kronprinzen.

Auch im Feldzuge 1809 kommandirte er ein bayrisches Truppenkorps und wurde in der Schlacht von Wagram blessirt.


Fürst von Wrede.

Wrede, Fürst und Feldmarschall der Armee des Königs von Bayern, einer der ausgezeichnersten Männer unsrer Zeit, ausgezeichnet durch den Ruhm kriegerischer Tapferkeit und die hohen Würden, zu denen er erhoben worden.

Er wurde im J. 1772 zu Mannheim geboren, machte seine Studien in Heidelberg und widmete sich der Forstwirthschaft. Als Oberförster stellte er sich 1795 beim Uebergang der Franzosen über den Rhein und dem allgemeinen Aufgebote der Landleute als Hauptmann an der Spitze einer aus Jägern und Bauern gebildeten Compagnie, und zeichnete sich bei mehrern Gefechten am Rhein und Main, und bei dem Rückzuge der Franzosen durch den Odenwald vortheilhaft aus. Bei der Auflösung des freiwilligen Aufgebotes trat er bei der pfälzischen Armee in Dienste, ward Major und bald Commandant eines leichten Bataillons, an dessen Spitze er in den Feldzügen von 1799 und 1800 tapfer focht. Als Obrist nahm er an der Schlacht von Hohenlinden Antheil und erhielt dabei eine Wunde. Während der folgenden Friedensjahre wurde er Generalmajor, bildete sich in den militärischen Wissenschaften noch mehr aus, und commandirte beim Ausbruch des Krieges 1805 eine Division der bayerschen Armee. Von jetzt an beginnt eigentlich seine glänzende milit. Laufbahn.

Der Umschwung, den die bayersche Armee in Verbindung mit der französischen erhielt, sagte seinem lebendigen Geiste zu, und die darauf folgenden Feldzüge gaben ihm vielfache Gelegenheit zur Auszeichnung.

Im Jahre 1809 commandirte er die dritte Division der Armee, stand beim Ausbruche des Kriegs mit derselben an der Donau, zog sich dann längs derselben bis Abensberg zurück, und nahm an der Schlacht bei Abensberg den erfolgreichsten Antheil. Er verfolgte den Feind auf der Ferse über die Isar und lieferte ihm bei Neumarkt am Inn noch ein blutiges Gefecht. Ueber Salzburg, das er schnell eroberte, brach er in Verbindung mit den andern bayerschen Heersführern in Tyrol ein, warf bis Inspruck alles vor sich nieder, und zog nach wenige Tagen schon in dieser Hauptstadt Tyrols ein. Als man Tyrols Unterwerfung vollendet glaubte, zog er über Salzburg nach Linz, eilte von da in Eilmärschen nach Wien, und gab durch sein pünktliches Eintreffen der Schlacht bei Wagram den Ausschlag, wobei er eine leichte Wunde erhielt. Er trieb den Feind bis Znaim vor sich her, und kam nach erfolgtem Waffenstillstande wieder nach Salzburg zurück. Die in Tyrol von neuem ausgebrochenen Unruhen zwangen ihn, seine Truppen von neuem in diese Gebirgsschlünde zu führen.

Nach dem wieder hergestellten Frieden ernannte ihn der französische Kaiser zum französischen Reichsgrafen, und dotirte ihn im Innviertel mit Mondsee, Engelardzell u. s. w.

Zum General der Cavallerie ernannt, führte er mit Deroi 1812 die Bayern nach Rußland. Er focht in der denkwürdigen Schlacht bei Polotzk, und übernahm, als beim hervorbruche Wittgensteins Marmont und Gouvion St. Cyr verwundet und Deroi gefallen waren, das Commando.

Im Jahre 1813 übernahm er das Commando der neugebildeten Armee und führte sie am 12. August aus dem Lager von München an der Inn. Nachdem er hier zwei Monate lang der österreichischen Armee gegenüber gestanden hatte, schloss er den 8. Oct. Den merkwürdigen Vertrag von Ried, wodurch sich Bayern vom Rheinbunde lossagte und der Alliirten anschloss, übernahm nach der Ratification des Vertrages von beiden Höfen den Oberbefehl über die vereinigte bayrisch-österreichische Armee, und eilte mit äußerster Schnelligkeit mit derselben vom Inn an den Main. Er hatte Würzburg erobert, Frankfurt schon besetzen lassen, als Napoleon mit seinem ganzen Heere auf dem Rückzuge aus Sachsen bei Hanau ankam. Hier lieferte Wrede demselben am 31. Oct. die blutige Schlacht, in welcher er selbst schwer verwundet wurde.

Nach seiner Wiederherstellung eilte er zu seiner Armee nach Frankreich, lieferte die Schlacht bei Arcis sur l'Aube, anderer Gefecht nicht zu erwähnen.

Der König erhob ihn zur Fürsten und dotirte ihn mit dem im Nordgau liegende Ellingen, als einem Fürstenthume unter bayerischer Hoheit.

Er nahm sofort an dem Congresse in Wien großen Antheil, und zeigte sich hier als geistvollen Diplomatiker, wie er sich bisher als muthigen Heerführer gezeigt hatte.

Er wurde mit dem Marschallsstabe beehrt, stellte sich bei dem Wiederausbruche des Krieges 1815 an die Spitze seiner Armee und drang in Frankreich ein. Die schnelle Entscheidung dieses Feldzuges durch die Ereignisse in den Niederlanden öffnete seiner Armee den Weg ins Herz von Frankreich. Nach Beendigung dieses Krieges kehrte er nach Bayern zurück, und nahm nun an den Staatsgeschäften thätigen Antheil. Wrede vereinigt alle Eigenschaften eines ausgezeichneten Feldherrn: einem schnellen Ueberblick, große Besonnenheit, Feuer und Ruhe, eine unermüdete Thätigkeit und eine ausgezeichnete persönliche Tapferkeit. In Napoleons Schule gebildet, hatte er später Gelegenheit, seiner Talente gegen diesen großen Meister geltend zu machen.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.