Catharina Pawlowna Romanowa, Großfürstin von Rußland

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Catharina Paulowna (geb. den 21. März 1788), Königin von Würtemberg, Großfürstin von Rußland, jüngere Schwester des Kaisers Alexander und Wittwe des Prinzen Georg von Holstein-Oldenburg, welcher den 27. Dec. 1812 in Rußland gestorben war.

Vom Prinzen von Oldenburg leben zwei Söhne, welche am 30. Aug. 1810 und 26. Aug. 1812 geboren sind.

Ihrer Festigkeit allein scheint man es zu verdanken zu haben, daß Napoleon, ehe er mit der Kaisertochter von Oesterreich sich verband, nicht mit dem russischen Kaiserhaus verschwägert wurde.

Gleich ausgezeichnet durch Körperschönheit und Geistesgröße und eine beinahe männliche Besonnenheit und Entschlossenheit, hing sie stets mit der wärmsten Liebe an ihrem Bruder Alexander, und war seit 1812 in den Feldzügen in Deutschland und Frankreich, zu London und Wien häufig seine Gefährtin und gewiß von dem bedeutendsten Einfluß auf manche seiner verhängnißreichen Entschlüsse. Sie vorzüglich war es, wie man behauptet, welche im Mai 1814, die Verbindung zwischen dem Prinzen von Oranien und der Prinzessin Charlotte von Wallis hintertrieb, und die Vermählung dieses Prinzen mit ihrer und Alexanders jüngerer Schwester einleitete.

Schon 1813 hatte sie der damaligen Kronprinz Wilhelm von Würtemberg in Deutschland kennen gelernt und sie 1814 in Paris wieder gesehen. Seine Wünsche wurden erfüllt; er sah sich, nachdem er sich von seiner ersten Gemahlin, der jetzigen Kaiserin von Oesterreich, einer der edelsten Frauen, aus unbekannt gebliebenen Ursachen, getrennt hatte, den 23. April 1815 mit ihr zu Petersburg vermählt, und bestieg, nach dem Tod seines Vaters im October 1816, mit ihr den Königsthron von Würtemberg.

Catharina Paulowna erinnert vielfach an die Kaiserin Catharina, und ist durch ihren Einfluß auf die Angelegenheiten der letztern Jahre welthistorisch merkwürdig geworden. Als Landesmutter hat sie sich in dem Hungerjahre 1816 sehr wohlthätig bewiesen. Sie bildete Frauenvereine, suchte auf Volkserziehung einzuwirken; sie bemühte sich, nach den englischen saving Banks, für die untern Volksklassen Sparbanken einzurichten, und griff mannigfaltig in die kleine innere Oekonomie des Staats ein, wobei sie, wie es schien, vorzüglich immer Englands Einrichtungen nachzuahmen suchte.

Ein plötzlicher Tod machte schon am 9. Jan. 1819 ihrem edeln Wirken ein Ende, zu tiefen Schmerz des sie innig liebenden Gemahls und des ganzen würtembergischen Volkes, von welchem sie hoch verehrt wurde und das ihren Verlust wahrhaft betrauert.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.