Charles-François Lebrun

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Charles François Le Brun, Herzog von Piacenza.

Brun (Charles François Le), Herzog von Piacenza, Reichserzschatzmeister von Frankreich.

Er war Secretär von Maupeou und gilt für den Verfasser der Reden, welche Maupeou 1770 bei Gelegenheit seines Streits mit den Parlamentern hielt. Er lebte hierauf lange Zeit in Zurückgezogenheit, einzig mit der Erziehung seiner Familie beschäftigt.

Als Deputirter des dritten Standes von Dourban bei der Generalständeversammlung machte er sich durch seine Mäßigung bemerklich. Er wählte sich die Gegenstände der Polizei, der Finanzen und der Staatsverwaltung zu seiner Bearbeitung, und wirkte mehrere dieselben betreffende Beschlüsse aus. Nachdem er der Revolutionsregierung entgangen war, trat er in den Rath der Alten, wo er sich denselben Gegenständen widmete.

Die Revolution vom 18ten Brumaire begünstigte er, ward Präsident der einstweiligen Commission des Raths und figurirte nachher als dritter Consul. Im Jahre 1803 wählte ihn die dritte Classe des Instituts zum Präsidenten.

Napoleon, der in Lebrun ein seinen Absichten sich anpassendes Werkzeug kennen gelernt hatte, erhob ihn 1804 zum Reichserzschatzmeister, ertheilte ihm 1805 das rothe Band und übergab ihm das Generalgouvernement von Ligurien, welches 1806 Lebrun als französisches Departement organisirte. Später ernannte ihn Napoleon zum Herzog von Piacenza und endlich zum Generalgouverneur von Holland, woraus ihn das Waffenglück der alliirten und der Aufstand dieses Landes gegen Ende des Jahres 1813 vertrieben.


Die Wetterfahnen Frankreichs.

Lebrun (Charles-François). Verfasser einer Uebersetzung des Befreyten Jerusalems; Jesuit und Sekretair des Kanzler Maupeou; Mitglied der Assemblée constituante und des Raths der Alten; im Jahr 8. Dritter Konsul; Herzog von Piacenza; Prinz; Erzschatzmeister des Reichs; Generalgouverneur der Departements von Holland, unter dem Kaiser. Vom Könige am 4. Juny 1814 zum Pair von Frankreich ernannt. Abermals Pair von Frankreich, nach Napoleons Rückkehr, am 4. Juny 1815 u. s. w. Am 13. Pluviose 13. Jahr Grosskreuz der Ehrenlegion.

Im 24. Theil der Mémoires secrets vom 14. July 1772, liest man ein Epigramm auf Lebruns Namen.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

Hierauf kam er an Herrn Cambacérès, von dem Napoleon sagte, er sey der Mann der Mißbräuche, mit einer entschiedenen Vorneigung für die alte Regierungsform. Lebrun hätte im Gegentheil, sagte er, die äußerste Vorliebe für das entgegengesetzte System: er wäre, so äußerte der Kaiser, der Mann der Idealitäten (idéalités). Dieß waren die zwey Gegengewichte, bemerkte er, zwischen welche der erste Consul sich stellte, die man damals scherzhafter Weise das consolidirte Drittheil (le tiers consolidé) nannte.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Die Wetterfahnen Frankreichs oder unsere Zeitgenossen, wie sie sind. Herausgegeben von einer Wetterfahnen-Gesellschaft. Leipzig, bey Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1816.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.