Charles Alexandre de Calonne

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M. de Calonne.

M. de Calonne war Obereinnehmer in Paris, und nennet sich noch Staatsminister, er verschafte sich vor und während der Revolution großes Ansehen. Seine Talente erhoben ihn von einem geringen Stande während der monarchischen Regierung zu einem Platze, wo man unbeschränktes Zutrauen zu ihm hatte. Er war sehr bei der Königin angeschrieben, und seine Feinde beschuldigten ihn, daß er die Verschwendung Ihrer Majestät, der Brüder des Königs, und vorzüglich des Grafen von Artois, der jetzt den Titel Monsieur, oder erster Prinz vom Geblüt führet, unterstützt habe. Die Staatsschulden Frankreichs, die zuerst von Herrn Necker dem Publikum gezeigt wurden, kamen von vielen auswärtigen Kriegen, und einer ansteckenden erniedrigenden Verderbniß im Innern des Reichs her. Calonnes und Neckers ganz entgegengesetzte Verwaltung, führte nothwendig zu der Versammlung des Adels. Diese veranlaßte die Versammlung des großen Staatsraths, der die Nationalversammlung zur Folge hatte, sie ging der constitutionirten Versammlung voran, aus welcher die Republik entstand. Unter vielen wichtigen, einige werden vielleicht sagen, unrichtigen Behauptungen von Calonne ist diese: Frankreich besitze fast dreymal so viel baar Geld als Großbrittannien, und habe weit mehr Korn als es zur Unterhaltung seiner Einwohner gebrauche.


L. A. v. Calonne.

Calonne (L. A. v.), gebohren zu Douay aus einer Familie angesehener Rechtsgelehrten, vollendete auf eine glänzende Weise seine Studien auf der Pariser Universität. Seine Talente, das Angenehme und die Lebhaftigkeit seines Geistes hoben ihn nach und nach zu den Stellen eines Generalprokurators des Parlaments von Douay, eines Intendanten von Metz, von Flandern, endlich zum Generalkontroleur der Finanzen, Großschatzmeister, Kommenthur des heiligen Geistordens und Staatsminister empor.

Finanzkontroleur ward er nach dem ersten Abgange Neckers, und während seines Ministeriums berief der König die Notablen zusammen. Calonne beschuldigte vor diesen seinen Vorgänger als Urheber des Deficit. Seine Feinde schoben ihrer Seits wieder die Unordnung in den Finanzen auf seine Verschwendung, und daß er sich zu leicht habe mißbrauchen laßen. 1788 entzog ihm der König sein Zutrauen, nahm ihm das Band seiner Orden, und verwies ihn nach Lothringen.

1790 gieng er nach England. 1791 beriefen ihn die Brüder Ludwigs XVI. zu sich nach Koblenz und Calonne verwaltete einige Zeit ihre Finanzen. Er gab 1793 und 1799 einige schöngeschriebene politische Werke heraus.

Das Konsulargouvernement gab ihm 1802 die Erlaubniß, nach Frankreich zurückzukommen. Er legte einige Memoiren über die Finanzen vor, die aber schlecht aufgenommen wurden. Hierauf machte er abermahls eine Reise nach England und starb noch in demselben Jahre den 29sten Oktober zu Paris.

Quellen und Literatur

  • Anecdoten und Lebensbeschreibungen berühmter Männer aus verschiedenen Zeitaltern. Aus dem Englischen. Hannover, in der Administration der Ritscherschen Buchhandlung. 1798.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.