Charles Angélique François Huchet de La Bédoyère

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Karl Angelique Hugo de Labedoyre.

Labedoyre (Karl Angelique Hugo de) Obrist des siebenten Linieninfanterieregiments, merkwürdig als das erste Opfer der Strafgerechtigkeit, welche die französische Regierung gegen diejenigen ausübte, die im J. 1815 zu Napoleons Unternehmen mitgewirkt hatten.

Als der Usurpator am 7ten März gegen Grenoble heran zog, ging Labedoyre mit seinem Regimente ihm entgegen, und schloß sich zwischen Vizille und Grenoble, an die Truppe des Usurpators an. Umsonst war sein General ihm nachgeeilt, um ihn durch Bitten und Flehen zur Umkehr zu bewegen.

Bald nach der Rückkunft der Bourbons wurde er eingezogen. Es gelang ihm zwar dem Verhafte zu entspringen; aber am 3ten August fiel er in der Pariser Vorstadt Poissoniere der Polizey abermals in die Hände.

Am 14ten wurde er vor die zweite Section des Pariser Kriegsgerichts gestellt, und daselbst des Hochverraths, des Aufruhrs und Falschwerberey angeklagt. Als ein junger, schöner Mann von 29 Jahren, der in den Kriegen Napoleons immer mit Auszeichnung gedient hatte, überdieß als Haupt einer liebenswürdigen Familie, fand er sehr viele Theilnahme bey dem Publicum. Die Anzahl der Zuschauer war deßhalb bei dem Kriegsgerichte ausserordentlich groß. Man bemerkte unter denselben auch viele Fremde von Rang, namentlich den Kronprinzen von Preußen und den Prinzen von Oranien.

Der Angeklagte führte seine Vertheidigung selbst, nachdem sein Sachwalter erklärt hatte, daß er ihn für vollkommen fähig dazu halte. Indeß konnte er nichts weiter zu seiner Rechtfertigung vorbringen, als: er habe geglaubt, nach der Lage der damaligen Umstände, und nach der Stimmung seines Vaterlandes so handeln zu müssen, und seine Absichten seyen die reinsten gewesen.

Nachdem die Richter die Sache erwogen hatten, sprach der Präsident das Urtheil aus: daß er, des Hochverraths und der Rebellion überwiesen, zur Todesstrafe, nach vorhergegangener Degradirung als Obrist und Mitglied der Ehrenlegion, und zur Bezahlung der Proceßkosten verdammt sey.

Doch wurde ihm eine Zeit von 24 Stunden gelassen, um die Revision zu ergreifen. Dieß Rechtsmittel führte aber nicht zu dem bezielten Erfolge.

Auch war es umsonst, daß sich die Gemahlin des Verurtheilten dem Könige zu Füssen warf, und um Gnade flehte. "Wenn, sprach der Monarch, Herr von Labedoyre mich allein beleidigt hätte, würde er begnadigt werden; aber ganz Frankreich verlangt die Bestrafung des Mannes, der alle Geisseln des Kriegs über es gebracht hat. Nie ist es mir schmerzhafter gewesen, in der Nothwendigkeit zu seyn, eine Bitte abzuschlagen." Auch die Mutter des Obersten suchte in tiefer Trauer bis zum Könige zu gelangen; aber sie wurde nicht vorgelassen.

Die Vollziehung des Todesurtheils hatte am 19ten statt. Labedoyre wurde Abends um 6 Uhr, in einer Kutsche, in der sein Beichtvater bey ihm saß, begleitet von zahlreichen Gensdarmerieabtheilungen und mehrern Compagnien Veteranen, aus dem Abteygefängnisse auf die Ebene von Grenelle gebracht, wo eine große Menge Menschen versammelt war. Nachdem er, das Gesicht gegen die Mauer gerichtet, und knieend, ein langes Gebet verrichtet, und den Segen des Priesters empfangen hatte, stand er auf, und stellte sich den Veteranen gegen über, die auf ihn feuern sollten. Er ließ sich nicht nur nicht die Augen verbinden, sondern bestand auch darauf, selbst "Feuer!" commandiren zu dürfen. Die ersten Schüsse streckten ihn todt darnieder. Sein Leichnam wurde auf den Kirchhof Vaugirard gebracht, und daselbst beerdigt.


Labedoyere.

Ist in Paris von einer altadeligen Familie geboren und trat jung in Kriegsdienste. Muth und Talente haben ihn schnell, und er was im Feldzuge 1814 Oberster eines Infanterieregiments. Nach dem ersten Sturze Bonaparte's gab er öffentlich seinen Beitritt zu der neuen Ordnung der Dinge zu erkennen. Als Bonaparte im März 1815 wieder erschien, war Labedoyere der erste Regimentskommandant, der zu ihm stieß. Kurz nachher wurde er zum Maréchal de Camp erhoben, dann Adjutant des Kaisers und Pair von Frankreich. Er begleitete Napoleon nach Fleurus und Waterloo, kam nach der Niederlage desselben nach Paris zurück, und sprach am 23. Juni mit solcher Heftigkeit im Senat zu Gunsten Napoleon's II., daß er zur Ordnung verwiesen wurde. Späterhin wurde er verhaftet und dann erschossen. Er zeigte eine große Ergebung, viele Kaltblütigkeit und edle Standhaftigkeit, besonders aber eine Gegenwart des Geistes, die er selbst bei Anhörung seines Todesurtheils nicht verlor.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Minerva Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Für das Jahr 1816. Leipzig in der Expedition der Minerva.