Charles Jean Marie Barbaroux

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Barbaroux (Carl), Deputirter bey dem Konvent, gebohren zu Marseille, schlug sich mit ungemeinem Eifer auf die Seite der Revolution, kam im July 1792 mit einigen 100 Marseillern nach Paris, um daselbst eine Revolution gegen den Hof ins Werk zu stellen. Er hatte an dem Aufstande vom 10ten August vielen Antheil und trat im September als Departementsdeputirter in den Konvent ein, wo er zu mehrerenmahlen mit Heftigkeit gegen Marat, Robespierre, Tallien und andere sprach.

Er war einer der Konventsmitglieder, die am hitzigsten Ludwigs Prozeß verlangten, und las am 11ten November, im Nahmen des Ausschusses der 21, im Konvent die Verbrechensacte dieses unglücklichen Prinzen. Den 16ten Jäner votirte er des Königs Tod und doch suchte er darauf einen Verschub der Vollziehung bis nach der Verweisung Orleans und der übrigen Bourbons zu erlangen und forderte, daß man das Urtheil der Bestätigung des Volks übergebe.

Den 4ten May sprach er mit der größten Heftigkeit gegen die Anmassungen und Gewalt der Jakobiner, die über 9000 Stellen schon vergeben hätten.

Den 2ten Juny bey dem Sturze der Girondeparthey vertheidigte er sich lebhaft, wollte seine Entlassung nicht nehmen, erklärte, daß er geschworen, auf seinem Posten zu sterben, und hörte mit Ruhe das Dekret seines Arrests an, das noch denselben Tag vollzogen wurde.

Barbaroux fand Mittel, dem Gend'armen, der ihn unter seinen Augen bewachte, zu entkommen, flüchtete sich in das Departement Calvados und versuchte, in Uebereinstimmung mit mehrern andern, einen Aufstand gegen den Konvent zu veranstalten; mußte aber nochmahls fliehen, kam nach tausend überstandenen Gefahren in Quimber an, schiffte sich nach Bordeaux ein und ward daselbst den 25sten Juny 1794 guillotinirt.


Charakterschilderung.

Von Madame Roland.


Barbaroux.
Barbaroux, dessen Gesichtszüge die Mahler sich nicht schämen würden, zu einem Kopfe des Antinous zu nehmen; thätig, arbeitsam, offenherzig und brav, mit aller Lebhaftigkeit eines jungen Marseillers, war dazu bestimmt, ein Mann von Verdienst, und ein eben so nützlicher als aufgeklärter Bürger zu werden. In die Unabhängigkeit verliebt, stolz auf die Revolution, schon mit Kenntnissen genährt, einer lang anhaltenden Aufmerksamkeit fähig, gewohnt sich anzustrengen, empfindsam für Ehre und Ruhm: ist er Eins von den Subjecten, die ein großer Politiker gern zu Freunden haben möchte, und die in einer glücklichen Republik mit Glanz blühen müßten. Wer kann aber voraussehen, bis zu welchem Grade frühzeitige Ungerechtigkeit, Proscription, und das Unglück eine solche Seele niederdrücken, und ihre schönen Eigenschaften verdunkeln können? Nur mäßige Erfolge hätten Barbaroux in seiner Laufbahn erhalten, weil er den Ruf liebt, und alle nöthigen Eigenschaften besitzt, um sich einen sehr ehrenvollen zu verschaffen; aber die Liebe zum Vergnügen steht jener Liebe zur Seite; und wenn sie einmal die Stelle der Ehre einnimmt, welches eine Folge des Verdrusses über die Hindernisse, und der Unannehmlichkeit der Unfälle ist: so beugt sie ein vortrefliches Gemüth nieder, und läßt es seine edle Bestimmung hindansetzen.
Während Roland's erstes Ministerium hatte ich Gelegenheit, verschiedene Briefe von Barbaroux zu lesen, die mehr an den Menschen, als an den Minister gerichtet waren, und zum Zwecke hatten, ihm die Methode zu lehren, die angewendet werden müßte, um so hitzige und leicht aufzudringende Gemüther, als diejenigen aus dem Departement Bouches-du-Rhone, auf gutem Wege zu erhalten. Roland, ein genauer Beobachter des Gesetzes, und diesem an Strenge gleich, wußte nur eine Sprache zu führen, wenn er die Ausübung desselben zu besorgen hatte. Die Administratoren hatten sich ein wenig geirrt; der Minister schalt sie tüchtig aus; sie wurden aufgebracht; und nun schrieb Barbaroux an Roland, um der Reinheit der Gesinnungen seiner Landsleute das Wort zu reden, ihre Verirrungen zu entschuldigen, und Roland zu beweisen, daß eine sanftere Manier sie weit eher und sicherer zur nöthigen Subordination zurückführen würde. Diese Briefe verriethen den besten Verstand, und eine vollkommene erfahrene Klugheit; als ich daher ihren Verfasser sahe, erstaunte ich über seine Jugend. Sie machten den Eindruck, der bey einem gerechten Manne, welche das Gute wollte, unfehlbar war. Roland ließ in seiner Strenge nach; nahm einen mehr brüderlichen als administrativen Ton an; führte die Marseiller wieder auf den rechten Weg; und schätzte Barbaroux.
Nach der Abdankung des Ministeriums sahen wir ihn mehr; sein offener Character, und sein warmer Patriotismus, flößten uns Zutrauen ein; damals war es, als wir, indem wir über den schlechten Zustand der Dinge sprachen, und den Despotismus für den Norden fürchteten, das conditionelle Project einer Republik im Süden von Frankreich machten. "Dies soll uns der schlimmste Fall seyn, sagte Barbaroux lächelnd; aber die Marseiller, die hier sind, werden es uns ersparen, dazu unsere Zuflucht zu nehmen." Aus diesen und einigen andern ähnlichen Reden schlossen wir, daß eine große Insurrection bevorstehe; da aber die Vertraulichkeit sich nicht weiter ausließ, so fragten wir nicht mehr. In den letzten Tagen des July hörte Barbaroux mit seinen Besuchen auf, und sagte uns das letztemal, daß wir von seinen Gesinnungen gegen uns nicht nach der ersten Bemerkung seiner Abwesenheit urtheilen sollten, weil diese keinen andern Zweck hätte, als bloß uns nicht in Gefahr zu setzen. Nach dem 10ten August reisete er nach Marseille zurück; und kam als Conventsdeputirter wieder nach Paris. Hier hat er als Mann von Muth seine Pflicht gethan. Verschiedene seiner geschriebenen Abhandlungen zeigen eine vortrefliche Gründlichkeit im Denken, und Kenntnisse in dem administrativen Theil des Handels; seine Abhandlung über die Lebensmittel, ist nach dem Werke von Creuze-la-Touche, das Beste in diesem Fache. Doch würde es Barbaroux Mühe kosten, ein Redner zu werden.
Der einnehmende und lebhafte Barbaroux hatte sich mit dem empfindlichen und feinfühlenden Buzot verbunden; ich nannte sie Nysus und Euryalus; -- möchten sie ein besseres Schicksal als diese beyden Freunde haben! Louvet, feiner als der Erste, munterer als der Zweyte, und eben so gutherzig als beyde, vereinigte sich mit ihnen, vorzüglich aber mit Buzot, der ihm gleichsam zum Bande mit Barbaroux dient, zu dessen Mentor ihn gewissermaßen seine natürliche Ernsthaftigkeit macht.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Für das Jahr 1795. Im Verlage des Herausgebers.