Charles de Bonchamps

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Bonchamp (Artus de), hatte an den denkwürdigen Begebenheiten in der Vendee einen so wichtigen Antheil, daß eine kurze Darstellung seines in diesen blutigen Bürgerkrieg eingreifenden Lebens noch jetzt nicht ohne Interesse seyn kann.

Bonchamp war in Anjou im J. 1759 geboren, und stammte aus einer edeln und angesehenen Familie. Während des nordamerikanischen Krieges focht er mit Auszeichnung in Indien. Als im März 1793 die Insurrection in der Vendee ausbrach, bewohnte er ruhig sein Schloß; seine Meinungen waren sehr gemäßigt, er wirkte nicht mit, die Landbewohner aufzureizen. Aber als sie sich bewaffnet und bereits einige Vortheile über die gegen sie beorderten Truppen erfochten hatten, wollten sie Männer an ihrer Spitze sehen, die ihnen Achtung und Vertrauen einflößten; sie zwangen allenthalben die Angesehensten, ihre Anführer zu werden.

D'Elbée und Bonchamp wurden mit dem Anfang des Aprils zu Befehlshabern ernannt. Sie erlitten zuerst Unfälle, aber nach ihrer Vereinigung mit la Roche Jaquelein, den die Bauern eines andern Cantons zu ihrem Anführer gemacht hatten, erlangten sie eine entschiedene Ueberlegenheit über die Republikaner. Bressuire ward genommen, und Lescure, der gefangen worden, brachte einen neuen Landstrich unter die Waffen.

Man marschirte auf Thouars, und Bonchamp trug viel dazu bei, den Uebergang über den Fluß zu erzwingen, die diese Stadt vertheidigte. Hier fingen die glücklichen Erfolge der Vendeer an; damals gewann der Krieg eine Wichtigkeit, daß es einen Augenblick schien, als solle durch ihn das Schicksal Frankreichs entschieden werden. Alle Bewohner des linken Ufers der Loire, von Anjou, Bocage, der Grafschaft Nantes und vom Ausflusse der Loire waren aufgestanden und hatten die republikanischen Heere geschlagen und verjagt.

Dieser weit reichende Aufstand war aus einer großen Menge kleiner Armeen zusammengesetzt, die nicht übereinstimmend wirkten, deren Chefs sich kaum kannten und einander nicht untergeordnet waren; bald aber bildete die ganze Insurrection des rechten Ufers der Sevre, da sie ein gemeinschaftliches Interesse hatten, Eine Armee, welche man die große Vendee-Armee nannte. Hier befanden sich die Anführer, die sich am meisten ausgezeichnet haben; diese Armee erfocht die großen Siege, eroberte die umliegenden Städte, und erweckte bei der republikanischen Regierung gerechte Besorgnisse.

Bonchamp befand sich bei dieser Armee und focht gewöhnlich mit ihr, ohne jedoch eigentlich die Befehle eines Chefs anzunehmen. Er commandirte die Bewohner Anjou's von den Ufern der Loire und einige Bretagner, die über den Fluß gekommen waren, um sich mit ihm zu vereinigen. Von allen Anführern der Vendee war er der kriegerfahrenste, und man hatte die höchste Achtung für seine Rathschläge. In der That ward diese Armee, die mehr Muth als Erfahrung, mehr Feuer als Ordnung hatte, nur von Jünglingen, die den Krieg nicht kannten, und von kraftlosen Greisen, von Gutsbesitzern, Bürgern und Landleuten, die wenig Einsicht hatten, angeführt. Daher mußte ein Officier von Kenntnissen, zumal im Anfang, leicht das Uebergewicht erlangen. Außerdem hatte Bonchamp die besten Soldaten der Insurrection, und unter ihnen geschickte Officiere. Auch sein Charakter trug dazu bei, ihn in Ansehen zu setzen. Ohne Herrschsucht, ohne Eitelkeit, ruhig dem Erfolg der Sache sich hingebend, hatte er nichts Geräuschvolles noch Hervorstrahlendes in seinem Charakter, und, wenn er auch keinen Enthusiasmus erregte, so gewann er doch stets ohne Widerspruch die allgemeine Billigung. Er war nie in eine Intrigue, in einen Streit um den Vorrang verwickelt. Gegen die Besiegten war er gütig, und man führt von ihm keinen einzigen Zug von Härte und Grausamkeit an. Die Armee ward oft seiner Gegenwart beraubt; er hatte das Unglück, fast jedem Treffen verwundet zu werden.

Nach der Einnahme von Thouars führte er seine Division wieder nach Anjou, während die übrigen Anführer Fontenay angriffen. Dies Unternehmen mißlang; acht Tage darauf ward es erneuert, und dies Mal war Bonchamp dabei. Er drang mit den Ersten in die Stadt und ward dabei schwer verwundet. Dies war gegen das ende des Mai; erst gegen die Mitte des Juli erschien er wieder, nachdem die Vendeer Saumur und Angers eingenommen und von Nantes zurückgeschlagen worden. In dem ersten Treffen wurde Bonchamp am Armgelenk verwundet.

Einige Tage nachher gelang es d'Elbée, sich zum Generalissimus wählen zu lassen, wiewohl alle Einsichtsvolleren Bonchamp an die Spitze gestellt wünschten. Dieser hatte keinen Verdruß darüber, aber er fand es lächerlich, daß man den mittelmäßigsten von allen Anführern gewählt habe.

Gegen den September 1793 machte die republikanische Regierung, deren Unternehmungen gegen die Vendee so oft gescheitert waren, größere Anstrengungen, und beorderte zahlreiche Heere, gediente Soldaten und thätige Generale gegen sie.

Nieder-Poitou war bald überschwemmt, und Charette's Corps kam zerstreut und geschlagen an den Ufern der Sevre an, und bat um Hülfe bei der großen Armee. Die Anführer sahen wohl ein, daß das Heil der Sache auf dem Spiel stehe. Die ganze Armee versammelte sich; sie hatte die tapfere Garnison von Mainz gegen sich, die nach dem freien Abzug aus dieser Festung gegen die Insurgenten zu fechten bestimmt war. Alle Anführer der Vendee waren vereinigt; sie thaten Wunder der Tapferkeit, und zwangen ihre Soldaten, mehrere Stunden lang im Angesicht eines furchtbaren Feindes sich zu behaupten. Bonchamp, noch den Arm in der Binde, erschien mit seiner Division und entschied den Sieg. Er war vollständig. Die Republikaner, von allen Seiten umringt, in einem wilden Lande voller Schlupfwinkel, ließen Artillerie und Bagage im Stich. Am folgenden Morgen schlugen Lescure und Charette eine andere republikanische Division bei Montaigu. Aufgemuntert durch den Erfolg, verfolgten sie den genommenen Weg und trugen den Tag darauf einen neuen Sieg davon. Aber man hatte einen veränderten Plan gefaßt; die ganze Vendee-Armee sollte sich sammeln und die Garnison von Mainz auf ihrem Rückzuge angreifen. Bonchamp war nicht zeitig genug davon unterrichtet worden; er griff mit der Armee von Anjou allein an, und statt einer gewissen Niederlage erlitten die Republikaner nur einen leichten Verlust. Daraus erhoben sich Vorwürfe und Zwistigkeiten unter den Vendeechefs.

Ihre Uneinigkeit, und besonders die Art, wie Charette seine Sache von der Sache der großen Armee trennen wollte, zogen den Fall der Vendee herbei, die den Angriffen, welche von allen Seiten auf sie gerichtet wurden, nicht mehr widerstehen konnte. Chatillon, der Mittelpunkt des Bürgerkriegs, ward genommen; zwar vertrieb man die Republikaner wieder, aber unterdeß rückten die Mainzer von der Seite von Mortagne an. Lescure lieferte ihnen bei Tremblaye eine Schlacht, ward tödtlich verwundet und geschlagen, ehe Bonchamp ihm zu Hülfe kommen konnte. Die Republikaner drangen bis Chollet vor; es war unverkennbar, daß ein Schlag das Schicksal der Armee entscheiden müsse.

Bonchamp rieth, um eine Zuflucht zu behalten, im Fall einer Niederlage auf das rechte Ufer der Loire sich zurückzuziehen; hier hatte er Einfluß; er wußte, daß Bretagne zum Aufstand geneigt war; seine Landsleute waren seiner Meinung. Aber die Anführer von Poitou begriffen nicht, wie man den Boden der Vendee verlassen könne; sie wußten, daß ihre Soldaten nur für ihren Heerd fechten wollten, und sie bestanden darauf, daß man sie nicht entfernen solle. Dennoch setzte es Bonchamp durch, daß man einige Truppen detachirte, um sich des Uebergangs über die Loire zu versichern.

Am 17ten October 1793 wurden beide Heere vor Chollet handgemein. Die Vendeer fochten lange, und mit mehr Muth und Hartnäckigkeit, als man noch gesehen, aber nachdem Bonchamp durch die Brust geschossen und d'Eblée auf den Tod verwundet worden, mußten sie das Schlachtfeld räumen. Die Republikaner hatten den Sieg zu theuer erkauft, um ihre Feinde zu verfolgen und deren Uebergang über die Loire zu beunruhigen. Bonchamp konnte diesen traurigen Rückzug nicht sehen; er lag bewußtlos im Todeskampf, und verschied, als man ihn am jenseitigen Ufer aus der Barke hob.

Nie war seine Gegenwart nöthiger als jetzt; er sollte sie führen in diesem Lande, das er kannte; Niemand sonst war in seine Plane eingeweiht. Mitten unter der schrecklichen Beängstigung der Flucht hatte man kaum Zeit, an die Größe des erlittenen Verlustes zu denken, so sehr waren die Gemüther von den überstandenen und bevorstehenden Ungemach eingenommen. Bonchamp aber ward an dem Ufer der Loire beerdigt.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.