Charles de La Croix de Castries

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Castries (Herzog von), Sohn des Marschalls Castries, ward 1789 zum Deputirten des Adels der Untergrafschaft Paris bey der Generalständeversammlung ernannt, und zeigte sich hier als einen eifrigen Vertheidiger der Monarchie. Er gieng ins Ausland, und kommandirte 1792 eine Colonne Emigranten in die Champagne. Im Monath August 1794 errichtete er ein Korps Emigrirter für den englischen Dienst, das gegen Ende 1795 nach Portugal geschickt ward.

Der Marschall Castries starb im Jahre 1800 zu Wolfenbüttel im Braunschweigischen.


Das Volk wirft zu Paris die Fenster des Hotels von Castries ein, den 15. Nov. 1790.

Ueber den Zweikampf zwischen Castries und Lameth wollen wir hier nichts weiter sagen. Der Letztere stand damals bei dem Volke in Gunst; und die Parthei des Herzogs von Orleans, welche allenthalben im Hinterhalte lauerte, sucht sich seiner zu bedienen, um eine neue Bewegung hervorzubringen. Aber mit allen ihren Kunstgriffen richtete sie weiter nichts aus, als daß der Pöbel sich oben angegebene Beschädigung das Hotels von Castries erlaubte. 1) Die nähern Umstände dieser kleinen Ereigniß mußten nicht nach dem Geschmack der Freunde Orleans seyn; denn mitten unter den Unordnungen ward ein Bildniß Ludwig XVI. respektirt. Wir erzählen den ganzen, an sich unbedeutenden Auftritt nur aus dem Grunde, weil man das Volk vermocht hatte, das Eigenthumsrecht und die Freistätte eines seiner Mitbürger zu verletzen. Dies hätte auf die Gesetzgeber wirken müßen. Sie überließen es der Obrigkeit, fernern Beschädigungen vorzubeugen; und diese that es redlich. War das aber hinlänglich? Begieng nicht die Nationalversammlung einen sehr bedeutenden Fehler, als sie dieser kleinen Volksrache stillschweigend ihren Beifall zu geben schien? Wir können es nicht oft genug sagen; wenn man in den ersten Monaten unsrer Staatsumwälzung das Volk fleißig zur Ordnung zurück gerufen, wenn man den Muth gehabt hätte, einige warnende Beispiele aufzustellen -- dann würden die großen Verbrechen, welche leider! folgten, wie im gemeinen Leben, alles auf die ersten Schritte an. Unsere ersten Gesetzgeber wußten dies recht wohl; aber in ihren Handlungen gerecht zu seyn. Daher schreiben sich vielleicht all jene Uebel, all jene Verbrechen, die man jetzt unbilliger Weise einer Revolution ausbürdet, die auf den lautersten und heiligsten Grundsätzen beruhte. 2)

1) Der Pöbel warf nicht bloß die Fenster ein, sondern zertrümmerte auch alles, was im Hause war. Wäre Lafayette mit seinen Truppen nicht herbeigeeilt, wer weiß, was der rasende Haufe noch mehr gethan hätte? Der Uebers.
2) Wie kann man bei solchen Grundsätzen die Bestrafung der Rebellen zu Nancy tadeln? Der Uebers.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Allgemeine und unpartheiische Geschichte der Irrthümer, Fehler und Verbrechen, welche im Laufe der französischen Revolution sind begangen worden. Aus dem Französischen des L. Prüdhomme übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von M. Aschenberg. Düsseldorf, in der Dänzer'schen Buchhandlung. 1801.