Christian von Haugwitz

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C. H. L. Graf v. Haugwitz.

Haugwitz (C. H. L. Graf v.) preußischer Minister, löste im May 1792 den Baron von Jakobi in der Eigenschaft eines Bothschafters am Wiener Hofe ab, und begab sich im folgenden October nach Regensburg, um, in Vereinigung mit dem kaiserlichen Minister, die deutschen Reichsstände zur Koalition gegen Frankreich zu bestimmen. Kurze Zeit darauf ernannte ihn der König von Preußen zum Staatsminister für die auswärtigen Angelegenheiten und ertheilte ihm den rothen Adlerorden. Im März ging er nach Haag, um mit dem Lord Malmesbury in Betreff der Angelegenheiten Frankreichs zu unterhandeln, und im August 1796 unterzeichnete er mit Caillard, Minister der französischen Republik zu Berlin, einen Tractat wegen der Neutralitätslinie, welche der König von Preußen zur Deckung der nördlichen Deutschlands in Westphalen festsetzte. Seine ausgezeichneten Dienste unter drey auf einander folgenden Regierungen bewirkten, daß ihm zu Ehren im September 1801 zu Berlin eine Medaille geschlagen wurde. Damit verband der König im folgenden Jahre das Geschenk eines Gutes von 130000 Rthlr. an Werth.

Bald darauf trat der Graf Haugwitz das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten an den Baron von Hardenberg ab und ging auf seine schlesischen Güter. Doch brachte er die Winter in Berlin zu, und wohnte als Staatsminister den Kabinetssitzungen bey.

1805 wurde er als Unterhändler nach Wien an den Kaiser Napoleon gesandt, und brachte die Ausgleichung der Mißverständnisse zuwege, welche sich zwischen Frankreich und Preußen erhoben hatten.

Der Kaiser Napoleon schien mit seinem Benehmen äusserst zufrieden, und im folgenden Januar wurde Haugwitz ebenfalls mit wichtigen Aufträgen in Betreff des allgemeinen Friedens nach Paris geschickt. Wie wenig der Graf von Haugwitz im Stande war, den Krieg mit Preußen vermeidlich zu machen, hat der Erfolg hinlänglich bewiesen. Er folgte dem Könige ins Feld; die Niederlage von Auerstädt 1806 sprengte auch ihn in die Flucht. Er folgte dem Könige, bis er sich nicht länger verbergen konnte, daß er in Ungnade gefallen sey. Zum zweytenmahl zog er sich nun nach seiner schlesischen Herrschaft Krappitz zurück.


Christian Heinrich Carl, Graf von Haugwitz.

Haugwitz (Christian Heinrich Carl, Graf von), königl. Preußischer erster Staats- und Kabinetsminister, wurde 1758 in Schlesien auf einem seiner väterlichen Güter geboren.

Mit allen Mitteln seine geistlichen und körperlichen Kräfte auszubilden, verlieh ihm die Natur eine vorzüglich empfindsame, mit einem gewissen Grad von Idealität ausgestattete Gemüthsart. Auf ein so zartes Herz machte die unbefangne stille Betriebsamkeit, die reine und offene Denkart jener frommen Brüdergemeinde in dem benachbarten Herrnhut einen tiefen Eindruck; das stille patriarchalische Leben der ehrwürdigen Vorzeit stand vor seinem Auge, und ließ ihn in den Verhältnissen der Alltagswelt nur Zerstreuungen finden, welche den Menschen hindern, sich seiner bewußt, mit sich selbst vertraut zu werden. Daher die Spuren von Resignation, von stiller, einfacher, kein Aufsehn erregender Thätigkeit; daher der Hang zum unabhängigen Leben, und die Beweise von Uneigennützigkeit, von welchen Haugwitz's Leben nur ein fortschreitendes Muster aufstellt.

Er bezog die Universität Göttingen, und verweilte daselbst mehrere Jahre. Sein Denkweise befestigte sich, wie sein Gefühl und sein Geschmack für das Schöne sich freier zu bewegen begannen.

Er war nicht lange in seine Heimath zurückgekehrt, als er, der Neigung seines Herzens folgend, sich mit der Tochter des berühmten Generals von Tauenzien verband und mit ihr eine Reise nach Italien antrat. Hier weidete er seinen Geist an den Schätzen der Natur und Kunst, welche dies reichbegabte Land ihm darbot; mehrere Jahre lang fesselten ihn Venedig und Toscana. Zu Florenz trat er in ein freundschaftliches Verhältniß mit Leopold II.

Familienverhältnisse riefen endlich Haugwitz nach Schlesien zurück, wo er sich in der Verschönerung seiner Besitzungen gefiel, und durch seinen anspruchlosen Eifer, nützlich zu seyn, sich Achtung und Liebe erwarb. Die Schlesischen Stände gaben ihm davon einen öffentlichen Beweis, indem sie ihn zum General-Landschaftsdirektor wählten.

Indeß erwartete ihn bald ein höherer Wirkungskreis. Nach Josephs Tode hatte Leopold II. den Kaiserthron bestiegen. Dieser wünschte im Einverständniß mit Preußen gewisse weitumfassende Plane, die er entworfen hatte, auszuführen; aber seine durch den Preußischen Gesandten Jocobi-Klöst gemachten Anträge fanden in Berlin, wo Herzberg noch an der Spitze des Kabinets stand, keinen Eingang. Der Kaiser schrieb die Schuld dem Gesandten zu, und kam auf die Idee, Friedrich Wilhelm II. auf den Grafen Haugwitz aufmerksam zu machen und sich denselben zum Gesandten an seinem Hofe zu erbitten. Der König gab diesem Wunsche um so leichter nach, da die zahlreichen Widersacher Herzbergs diese Gelegenheit gern ergriffen, Haugwitz in dem günstigsten Lichte zu zeigen. So überraschte diesen sehr unerwartet der Antrag, sich als Gesandter nach Wien zu begeben; er wandte seine Unbekanntschaft und Ungeübtheit in diplomatischen Geschäften dagegen ein. Da er indeß einsah, daß er durch ausharrende Weigerung zwei mächtigen und erhabenen Fürsten mißfallen müsse, nahm er den Gesandtschaftsposten an, verbat sich jedoch jede Gattung der Besoldung, sich vorbehaltend, aus eigenen Mitteln die Würde seines Königs in der großen Kaiserstadt zu repräsentiren. Mit Haugwitz's Ankunft am Wiener Hofe schien Leopold seinen Zweck erreicht und einen erwünschten Vermittler zwischen sich und dem Preußischen Hofe gefunden zu haben.

Es ist wahrscheinlich, daß Haugwitz, noch zu wenig geübt in der Staatskunst und zu wenig vertraut mit seinem Wirkungskreise, an einer Reihe von Unterhandlungen Theil nahm, über deren Resultate er nicht zu entscheiden vermochte und welches Preußens wahren Interesse zuwider waren. Die Reichenbacher Convention und der Pilnitzer Vertrag werden als die Grundübel angesehen, durch welche Preußens Fall vorbereitet wurde. Die Folgen jener fehlerhaften Schritte fingen bereits an durch den unglücklichen Rückzug aus der Champagne, den zwecklosen Kampf am Rhein und in Polen sichtbar zu werden, als Herzberg von der öffentlichen Laufbahn abtrat, und Friedrich Wilhelm, der ein großes Vertrauen zu Haugwitz gefaßt hatte, diesen zu sich rief und beauftragte, alle Kabinetsverhandlungen einzuleiten. Er erhielt das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten, dirigirte als Präses alle Kabinetsverhandlungen, und wußte, trotz mancher kritischen Verwicklungen, Preußen in seiner Würde zu erhalten und gleichsam zum Mittelpunkt aller politischen Verhandlungen zu machen. Friedrich Wilhelm II. belohnte noch kurz vor seinem Tode die Verdienste seines Ministers mit den schwarzen Adlerorden.

Als Friedrich Wilhelm III. den Thron bestieg, behielt Haugwitz nicht nur seinen vollen Wirkungskreis, sondern empfing noch größere Beweise des königlichen Vertrauens. Man bemerkte in der Art, wie er die politischen Angelegenheiten leitete, ein entschiedenes Bestreben, Preußen und Frankreich einander zu nähern, und Frankreichs Machthaber wußten ihn dabei so zu begünstigen, daß er sein System mit einer Würde behaupten konnte, die selbst dem Preußischen Hause Vortheil gewährte. Preußens machte bedeutende Acquisitionen, und ward in seinem Vertrauen immer mehr befestigt.

Als aber im Jahr 1803 die Französischen Truppen Hannover besetzten, erschien dieser Schritt als gefährlich für die Neutralität des nördlichen Deutschlands, welche Preußen bisher zu behaupten suchte, und der König erhielt eine andere Ansicht seiner politische Lage.

Hardenberg vor allen bewirkte diese Veränderung. Seine Bekanntschaft mit allen politischen Verhandlungen, so wie mit den wichtigsten Männern, die auf dem Schauplatze der Welthändel figurirten, seine Verbindungen und Talente gaben seiner Meinung Gewicht.

Haugwitz, der aus inniger Ueberzeugung gehandelt hatte, konnte seine Grundsätze eben so wenig aufgeben, als sein friedlicher Charakter ihm Widerstand erlaubte. Unter dem Vorgeben, das einige Unpäßlichkeit ihn veranlaßt habe, beim König den Urlaub nachzusuchen, sich auf seine Güter zurückziehen zu dürfen, räumte er Hardenberg seinen Platz, der, um seines Vorgängers System nicht ganz zu verdrängen, eine strenge Neutralität geltend machte.

Indeß führte der Durchmarsch der Franzosen durch Anspach 1805 Differenzen herbei, die sogleich den Krieg zur Folge gehabt haben würden, wäre nicht der friedliebende König um so geneigter zur Unterhandlung gewesen, als bereits während seiner Rüstungen die Ereignisse von Ulm eingetreten waren. Aber Napoleon wollte nur mit einem Mann unterhandeln, dessen Grundsätze ihm schon eine erprobte Anhänglichkeit an seinen Ideengang verrieth; und so verließ Haugwitz die Ruhe des Landlebens, erschien in Wien, wo Napoleon sich eben zur Schlacht von Austerlitz anschickte, und war so glücklich, auch dies Mal die Würde Preußens durch eine leidliche Convention zu retten. Hannover wurde an Preußen übergeben und die Neutralität Norddeutschlands anerkannt. Haugwitz hatte zur Zufriedenheit seines Monarchen unterhandelt, und da sich das Berliner Cabinet wieder den Grundsätzen dieses Staatsmannes näherte, so ward ihm das vorige Vertrauen wieder zu Theil; er nahm neue aus Hardenbergs Händen das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten.

Während aber die Besitznahme Hannovers Preußens mit England entzweite, dem sich Frankreich um dieselbe Zeit näherte, trübten sich die Verhältnisse zwischen Frankreich und Preußen mehr als je. Haugwitz begab sich abermals als Vermittler nach Paris, kehrte aber Unverrichteter Sache zu seinem Könige zurück, den er bereits an der Spitze seines Heeres fand. Er war Zeuge der Jenaer Schlacht, zog sich nach derselben auf seine Güter in Schlesien zurück, und ging später, um dem feindlichen Heere auszuweichen, nach Wien. Er ist seitdem aus dem Privatstande nicht wieder hervorgetreten.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.