Christian von Massenbach

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Massenbach (von), königl. preußischer Obrist, Generalquartiermeisterlieutenant und Ritter des Ordens pour le mérite.

Aus dem Württembergischen gebürtig und um das Jahr 1782 bei der preußischen Armee angestellt, zeichnete er sich frühzeitig als Schriftsteller aus. Zu seinen ersten literärischen Producten gehörte ein kleines Werk über die Differentialrechnung.

Seinen ersten Feldzug machte er bei Gelegenheit der preußische Expedition nach Holland im J. 1787. Den Feldzügen am Rhein vom J. 1792 bis zum baseler Frieden wohnte er sammtlich als Offizier des Generalquartiermeisterstabes bei, und verfertigte während dieser Zeit Memoires, sowohl über streng militärische, als auch politische Gegenstände, in welchen letztern er stets die Ansicht geltend zu machen bemüht war: daß Preußens Wohl und dauernde Größe nur auf einer genauen Allianz mit Frankreich beruhe.

Nach dem baseler Frieden übergab er mehrere Memoires, die Organisation des Generalquartiermeisterstabes betreffend, die zum Theil berücksichtigt wurden.

Er unterhielt einen fortdauernden Briefwechsel mit dem Herzog von Braunschweig, den er, wie auch andre bedeutende Männer des preußischen Staats, für seine Ansichten zu gewinnen bemüht war, dabei aber viele Schwierigkeiten fand.

Beim Ausbruch des Krieges gegen Frankreich wurde er als Generalquartiermeisterlieutenant bei der Armee des Prinzen von Hohenlohe angestellt, und theilte durch die Capitulation zu Prenzlow am 28sten October 1806 mit seinem Feldherrn das Loos der Gefangenschaft.

Verschiedne ihm vorgeworfene Versehen veranlaßten ihn zur Herausgabe seiner historischen Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Verfalls des preußischen Staats seit dem Jahre 1794, denen er als eine Ergänzung Memoiren über seine Verhältnisse zum preußischen Staat, und insbesondre zum Herzog von Braunschweig in drei Bänden folgen ließ. Beide Werke enthalten eine Menge interessanter Darstellungen und Anekdoten, und wenn, wie billig, Preußens wieder aufgelebte Ruhm und neue Größe jene Unglücksfälle gewissermaßen aus dem Gedächtniß der lebenden Generation gern vertilgen sieht, so werden die Erzählungen des Wahrheitsliebenden Mannes, für welchen Massenbach stets zu halten ist, doch für den Geschichtsforscher und Staatsmann nie ihren Werth verlieren.

Uebrigens lebt der Obrist von Massenbach seit seiner Gefangennehmung im Privatstande.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Historische Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Verfalls des preußischen Staats seit dem Jahre 1794 nebst meinen Tagebuche über den Feldzug von 1803 von dem Obristen von Maßenbach. Amsterdam, im Verlage des Kunst- und Industriecomptoirs. 1809.