Claude Chappe

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Chappe (Claude), des Vorigen Neffe, geboren zu Brulon in Maine im J. 1763, hat sich durch die Erfindung des Telegraphen berühmt gemacht. Schon in einem Alter von zwanzig Jahren machte er sich durch eine große Menge interessanter Abhandlungen in dem Journal de physique rühmlich bekannt. Im J. 1792 ernannte ihn die philomatische Gesellschaft zu ihrem Mitgliede.

Der Wunsch, sich seinen einigen Stunden von ihm entfernt lebenden Freunden mitzutheilen, führte ihn auf den Gedanken, durch Zeichen mit ihnen zu sprechen, und diese Versuche gelangen so wohl, daß er wahrnahm, daß das, was anfangs nur ein Spiel hatte seyn sollen, zu einer wichtigen Entdeckung ausgebildet werden könne. Als es ihm nach mehrern Arbeiten gelungen war, seine Vorrichtung im großen auszuführen, übergab er 1792 der Nationalversammlung die Beschreibung der von ihm erfundnen und Telegraph (Fernschreibemaschine) benannten Maschine.

Der Anlegung der ersten telegraphischen Linie wurde 1793 befohlen; das erste Ereigniß, was dadurch gemeldet wurde, war die Einnahme von Condé. Der Convent erhielt diese Nachricht zu Anfang einer Sitzung, decretirte, daß Condé fortan Nord-libre heißen solle, und erfuhr noch derselben Setzung, daß das Decret bereits überbracht und unter der Armee verbreitet sey.

Je mehr man die Resultate der Telegraphen bewunderte, desto weniger konnte man begreifen, wie diese Erfindung nicht früher sey gemacht worden. Allerdings hatte man sich von Alters her verabredete Phrasen durch Zeichen mitgetheilt. Die Seefahrer bedienten sich dieses Mittels seit undenklichen Zeiten. Der Taktiker Aeneas erwähnt einiger Versuche, die Buchstaben des Alphabets in gewisser Entfernung durch Zeichen auszudrücken, und gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatte Amontons einen Versuch der Art gemacht. Aber das erste System erlaubt nur eine sehr beschränkte Anwendung; eine Nacht reicht kaum hin, zwei oder drei Worte nach der Methode des Aeneas zusammenzusetzen. Was Amontons betrifft, den man unter die Erfinder der telegraphischen Kunst setzt, so hat er von der Maschine, die er ausgedacht, keine Zeichnung hinterlassen. Das Problem war daher noch zu lösen. Es kam darauf an, Mittel zu erfinden, wie man mit Schnelligkeit nach allen Orten und zu allen Zeiten jede beliebige Idee hinbefördern könne.

Chappe ahmte zu diesem Zweck keine der bisher üblichen Maschinen nach, sondern erfand eine, deren Formen sehr sichtbar und deren Bewegungen leicht und einfach sind, die allenthalben aufgerichtet werden kann, die allem Wetter trotz, und die, bei ihrer Einfachheit, eine hinreichende Menge von primitiven Signalen gibt, um von diesen Zeichen eine genaue Anwendung auf die Ideen zu machen, der Gestalt, daß gewöhnlich nur ein, nie aber mehr als zwei Zeichen für eine Idee nöthig sind.

Die Ehre dieser Erfindung, welche ihm allerdings gehört, wurde ihm indeß von Vielen streitig gemacht, und der Kummer, den er darüber empfand, versenkte ihn in eine tiefe Melancholie, in der er im J. 1805 sein Leben plötzlich endigte.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.