Claude Fauchet

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Claude Fauchet.

Fauchet (Cl.) Priester, gebohren zu Dorne, Departement Nievre, den 22. September 1744.


Er war anfangs Großvikarius des Erzbischofs von Bourges und erwarb sich eine Art von Ruf durch sein Kanzeltalent, daß er königlicher Hofprediger wurde und die Abtey Montfort erhielt.

Er intriguirte lebhaft in den Versammlungen der Wähler und Sektionen 1789, zeichnete sich bey verschiedenen Unruhen aus, die die Einnahme der Bastille herbeyführten, wo er den Säbel in der Hand an der Spitze der Sturmlaufenden erschien, und figurirte ferner in dem Ausschuße des Municipalitätkörpers.

Im May 1791 ward er zum konstitutionnellen Bischof von Calvados gewählt. Er begab sich nach Bayeux, trug daselbst mit seiner gewöhnlichen Leidenschaft seine übertriebenen Meinungen vor, und ließ eine Broschüre erschienen, in welcher er das Ackergesetz (la loi agraire) vorschlug. Das Bezirksgericht dieser Stadt und hierauf der Justizminister dekretirten seine Anklage: allein im September suchten ihn die Wähler in seiner Wohnung auf, führten ihn im Triumphe in ihre Versammlung, ernannten ihn davon zum Präsident und hierauf zum ersten Deputirten bey der Gesetzgebung. Seine Aufnahme darin machte einige Schwierigkeiten; doch setzten es seine Freunde durch, und er wurde in der Sitzung vom 26. October aufgenommen.

Bey dem Blutbade des Septembers war er Mitglied einer Deputation, die in die Gefängniße der Abtey geschickt wurde; allein er blieb, so wie seine Kollegen, ruhiger Zuschauer der Greuel, welche darin verübt wurden.

Er zeigte sich in Ludwigs Prozeß gemäßigter, als es seine vorhergehenden Meinungen erwarten ließen. Er votirte seine Verhafthaltung.

Seine Verbindung mit der Girondeparthey zogen ihm bald die Verfolgung des Berges zu. Man strich ihn zuerst von der Liste der Jakobiner aus, weil er dem Exminister Narbonne einen Paß verschafft habe, und im Februar denunzirte ihn Lecointre, daß er an die Priester seiner Diözeß das Verboth, sich zu verheyrathen, habe ergehen lassen. Er seinerseits griff in seinem Journale, der eiserne Mund (la bouche de fer), mit Lebhaftigkeit die Parthey des Berges an, Barrere und Chabot beschuldigten ihn des Föderalismus, obgleich er sein Amt niederlegte, so wurde er doch arretirt, und als Girondist zum Tode verurtheilt, den 31. October 1793. Man beobachtete, daß er und Sillery die einzigen waren, die zu dem Beystande der katholischen Religion ihre Zuflucht nahmen.


Wichtige Anekdoten.

Fauchet, Stifter der Propaganda für ganz Frankreich, ist hinlänglich durch seinen sogenannten Cercle social bekannt, bei welcher Arbeit ihm Bonneville, ein eben so wüthiger Illuminat, wie Fauchet, unterstüzte. Fauchet ist es, der das bekannte mystische Circular an alle Freimaurerlogen aufsezte, das von einigen teutschen Logen beantwortet wurde, und in der Bouche de fer, einem Journale, das Bonneville schrieb, nachgelesen werden kann, auch in einem der Jahrgänge der Berliner Monatschrift gleichfalls zu lesen ist. Bonneville ist der nemliche, der mit dem verstorbenen Professor Friedel zu Paris das Theatre allemand herausgab, nach Friedels Tod sich seinen schriftstellerischen Nachlaß anmaßte, und unter seinem Namen herausgab. Fauchet war einer der schönsten Mannspersonen in Frankreich, und daher der Liebling der Damen. Er war es, der 1789 in einer Predigt den Ausdruck brauchte, die Aristokraten seyen es gewesen, welche den Heiland gekreuzigt haben. Seine Ränke, nebst der Revolution, machten ihn aus einem armen Abbe zu einem Bischoff. Fauchet, Bischoff von Calvados, Bestürmer der Bastille, weil er zuerst über die auf Kapitulation niedergelassene Brücke in das Schloß drang, war es, der im März 1792 das Kind der Frau eines Trommelschlägers auf der Vorstadt St. Antoine taufte, und ihm den Namen Pethion nationale pique beilegte. Der Vater schwur bei der taufe den Bürgereid für die Tochter, eine Bastillenfahne und rothe Müze zierten den Taufstein, während dem Gebete spielte man das ça ira, und der Bierbrauer Santerre, König der Vorstadt St. Antoine, schloß die Ceremonie mit einem prächtigen brüderlichen Schmauß.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Wichtige Anekdoten eines Augenzeugen über die französische Revolution. Ein unentbehrlicher Nachtrag zu Girtanner's historischen Nachrichten und Betrachtungen xc. Berlin und Leipzig 1800.