Cuthbert Collingwood, 1. Baron Collingwood

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Collinwood.

Collingwood, englischer Admiral, kommandirte den 22sten Oktober 1805 in dem Treffen bey Trafalgar unter Nelson, der in seinen letzten Lebensaugenblicken das größte Lob seinem Benehmen ertheilte. Collingwood folgte Nelson in dem Generalkommando und ward Pair von England.

Er hielt in der Folge fortwährend seinen Posten vor Cadix, wo Dukworth, Smith xc., die unter ihm standen, im Mittelmeere kreuzten.

Für sein Benehmen bey Trafalgar wurde ihm eine jährliche Pension von 2000 Pfund Sterling zugesichert.


Der Admiral Collingword.

Dieser große Seemann, welcher am 7. März 1810 am Bord des Linienschiffs, die Stadt Paris, bey Minorca starb, hatte sich während seines thatenreichen Lebens einen hohen Ruhm unter der an trefflichen Offizieren so reichen englischen Marine erworben. In einem öffentlichen Blatte las man, kurz nach seinem Tode, folgenden von einem seiner nächsten Verwandten verfaßten Abriß seines Lebens.

Collingword diente in der englischen Marine von unter auf, und hatte auf seiner Laufbahn mit vielen Mühseligkeiten und Beschwerden zu kämpfen. Er war fast 15 Jahre Midschipman, und konnte jungen Leuten seines Alters als Muster angestellt werden. Nachdem er Lieutenant geworden war, gieng sein Avancement schneller. Er zeichnete sich durch viele wichtige und schwierige Unternehmungen in Westindien, so wie an den blutigen und für die brittischen Waffen so glorreichen Tagen bey Kap St. Vincent und bey Trafalgar aus. Auch seine Fahrt durch die Dardanellen und seine Rückfahrt durch dieselben sind auffallende Beweise seiner hohen Klugheit und Geistesgegenwart. Ohne seine großen Talente hätte leicht seine ganze Flotte dem Untergange ausgesetzt werden können.

Collingword war zu Newcastle von einer alten und ehrwürdigen Familie gebohren, deren Glücksumstände jedoch sehr in Verfall gerathen waren. Unter seinen damaligen Mitschülern befand sich auch der jetzige Lord Eldon und Sir William Scott, über deren Auszeichnung und Beförderung er sich außerordentlich freute.

Er vermählte sich mit der Tochter des Alderman Blackett zu London, und zeugte mit derselben 2 Töchter, welche noch jezt unverheyrathet sind. Sein einziger Bruder starb in Amerika am gelben Fieber.

Lord Collingword war von mittlerer Größe, sehr mager, und von sanften Temperamente. Er trank wenig, und zeigte sich auch bey festlichen Gelagen ganz gegen die gewöhnliche Sitte der Seeleute als ein Feind jeder Art von Unmäßigkeit. Als Wirth bewieß er auch dem Geringsten seiner Gäste eine große auszeichnende Aufmerksamkeit.

Bey stürmischen Wetter, sagt sein Freund von ihm, und in Fällen, wo er zu Gefechten mit dem Feinde kommen konnte, pflegte er des Nachts sich nicht zu Bett zu legen, sondern ruhte in einem flanellenen Schlafrocke auf einem Sopha. Ich habe ihn in spätern Jahren sogar oft ohne Huth auf dem Verdeck gesehen. Sein graues Haar flatterte dann im Winde, indeß der Regen stromweise auf ihn herabfiel. Seine Augen blitzten durch die Nacht und spähten nach jedem Gegenstande, der ihm auffiel. Er achtete weder körperliche Leiden noch Entbehrungen, wenn es darauf ankam seinem Vaterlande einen Dienst zu erweisen, oder nur einen kleinen Theil seiner Pflichten zu erfüllen. in dem merkwürdigen Herbste von 1805, als er mit vieler Schwierigkeit das Linienschiff Dreadnought durch die Meerenge von Gibraltar führte, sahe er mit Lächeln 35 feindliche Seegel sich nähern, ob er gleich nur fünf Linienschiffe unter seinen Befehlen hatte, und als sie zurückseegelten folgte er ihnen, und blockirte sie in der Bay von Cadix.

Collingword hatte eine sehr gesunde treffende Urtheilskraft, einen durchdringenden Geist und eine natürliche Anlage zu witzigen Einfällen. Er war ein warmer Freund der Religion, ohne alle Bigotterie und Fanatismus.

Die lateinische Sprache, welche er auf der Schule erlernt hatte, übte er fortwährend, und wußte sich gut darinnen auszudrücken. Französisch verstand er wenig, doch immer so viel, um den Briefwechsel an den Küsten verstehen und besorgen zu können. In seinem Betragen lag Würde und Anstand, und sein Vaterland gieng ihm über Alles, weshalb er auch ziemlich viel Nationalstolz hatte. Er hielt es für die Pflicht jedes Engländers, die Franzosen als seine natürliche Feinde anzusehen, und sein Haß gegen diese Nation gieng oft bis zur Unvernunft und Barbarey. Gegen die Spanier hegte er gemäßigtere Gesinnungen, obgleich der Nationalstolz derselben den seinigen oft empfindlich kränkte.

Am 22. März 1780 wurde Collingword zum Postkapitain befördert; am 14. Februar 1799 wurde er Kontreadmiral der blauen Flagge; am 23. April 1804 Viceadmiral derselben Flagge, und nach dem Tode des Lord Gardner ward er am 4. Januar 1809 als Generalmajor der Seesoldaten angestellt. Wegen seines ausgezeichneten Benehmens in der Schlacht bey Trafalgar, wo er nach Nelsons Tode das Oberkommando übernahm und den Sieg vollendete, erhob ihn der König zum Baron der vereinigten Königreiche. Er war in der letzten Zeit immer kränklich gewesen, hatte wegen Magen und Steinbeschwerden wenig oder gar keine Lebensmittel zu sich nehmen können, und war eben im Begriff nach England zurück zu kehren, als ihn der Tod im 60sten Jahre seines Alters dahinrafte. Er hatte seit Nelsons Tode die englische Flotte im mittelländischen Meere befehligt, und war in den letzten fünf Jahren seines Lebens fast gar nicht am Lande gewesen.

Während er im Kanal diente, war er beständig zur See, aus Besorgniß, daß er den Feind verfehlen möchte. Wenn er sich im Hafen befand, blieb er immer am Bord seines Schiffes, und schlief blos am Lande, wenn sein Schiffszimmer durchaus gereinigt und ausgebessert werden mußte.

Bey diesem strengen Sinn für Pflicht und seinem rastlosen Diensteifer, hatte Collingword doch das innigste Gefühl für häusliche Freuden. Als er kurz vor seinem Tode ein Paquet mit Briefen von Hause erhielt, sprang er vor Freude auf und sagte: "wie sehr wünschte ich meine gute Frau zu sehen, aber sie weiß, das Vaterland bedarf meiner Dienste, und sie ist ein zu gutes Weib, als daß sie jezt meine Rückkehr verlangen sollte.

Der Verfasser dieser Skizze sprach einst mit Collingword über die Schlacht bey Trafalgar, da sagte er mit Nachdruck: "könnte ich eine solche Schlacht noch einmal erleben, so würde ich glücklich und zufrieden sterben!

Im Leben mit Nelson vereint wurde er auch im Tode nicht von ihm getrennt.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Historische Gemälde in Erzählungen merkwürdiger Begebenheiten aus dem Leben berühmter und berüchtigter Menschen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Freunden der Geschichte. Siebenzehnter Band. Leipzig, 1809. bey Johann Friedrich Hartknoch.