Dalberg

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Dalberg (Geschlecht der Freiherrn von), auch Dalburg.

"Ist kein Dalberg da?" so mußte ehedem bei jeder deutschen Kaiserkrönung der kaiserliche Herold fragend rufen, und der anwesende Dalberg beugte sein Knie vor der neugekrönten Majestät und empfing von ihr den Ritterschlag als erster Reichsritter. So groß waren die Verdienste der Urahnen der jetzigen Dalberge, der alten Kämmerer von Worms, und ihr Ansehn gewesen. Mit dem Verlöschen der deutschen Kaiserwürde (1806) schien auch dieses Prärogativ nur noch als ein schönes Andenken an die Ehrwürdigkeit vergangener Zeiten in der Chronik fortzuleben; aber Napoleon erinnerte an dieses Herkommen, an des zertrümmerten Thrones Ursprung, indem er festsetzte: daß der Ritterschlag der Dalberge künftig ein Attribut der französischen Kaiserwürde seyn und vor ihrem Throne gefragt werden solle: "ist kein Dalberg da?"

Auch finden wir in dieser Familie berühmte Mäcenaten der deutschen Literatur und Kunst, unter welchen hervorragt ein Johann von Dalberg (Dalburg), seit 1482 Bischoff und Kämmerer von Worms geb. 1445, gest. 1503 (s. G. W. Zapf über J. v. D. Leben und Verdienste, Augsb. 1789, 8.) umgearb. Aufl. 1796, 8. nebst Nachtrag, Zürich, 1798, 8.) der auch auf Veranlassung des Conrad Celtes die Societas literaria Rhenana s. sodalitas Celtica, welche zu Heidelberg ihren Hauptsitz hatte, stiftete, und ihr Vorsteher war; Adolf Freiherr von Dalberg, welcher 1734 die katholische Universität zu Fulda gründete, welche 1804 aufgehoben worden ist; ferner die vor kurzem verstorbenen Brüder der vormaligen Großherzogs von Frankfurt, nämlich:

1) Wolfgang Heribert, Reichsfreiherr von Dalberg, (vom Kaiser Leopold bei der Krönung zu Frankfurt zum ersten Reichsritter geschlagen, gest. zu Mannheim den 27. Dec. 1806 in seinem 86sten Jahre) ein warmer Freund und Beschützer der Wissenschaften und Künste. So lange die deutsche Gesellschaft in Mannheim noch blühte, war er ihr erster Präsident, und das Theater dieser Stadt, die Pflanzschule der ersten Schauspieler Deutschlands, eines Iffland, Beck, Beil und vieler anderer, dessen Intendant er bis zum Jahre 1803 war, verdankt ihm seine Stiftung und Erhaltung. Er ist als Schriftsteller und Dichter nicht minder vortheilhaft bekannt. Wir erinnern nur an seine Cora, ein Drama mit Gesängen, und an den Mönch von Carmel.
2) Der 1813 gestorbenen Johann Friedr. Hugo, Freiherr von Dalberg (geb. 17. Mai 1760; Domkapitular zu Trier, Worms und Speier, lebte zu Aschaffenburg,) ein höchst genialer Mensch, und von größeres Tiefe des Geistes und der Gelehrsamkeit, als sein fürstlicher Bruder. Auf den noch unbebautesten Feldern der deutschen Literatur, namentlich in der Aesthetik und Archäologie der Musik (man vergl. seine Schriften über die Musik der Indier; über den Ursprung der Harmonie; die Aeolsharfe ein Traum) - er war auch selbst ein geistvoller Tonsetzer und fertiger Clavierspieler - so wie überhaupt in seinen Forschungen über das Alterthum (man vergl. das Buch über den Meteorcultus der Alten) erntete er viele Lorbern ein.

Die Familie theilt sich in die Gernsheimer- und Dalberg-Dalbergische Linie).

Von der erstern sind, außer dem gewesenen Großherzoge Carl Theodor (s. d. Art.) noch am Leben:

Antoinette, Freifrau von Dalberg, geb. 11. Jan. 1757. Stiftsdame zu St. Marin im Capitel zu Cöln; wohnt zu Aschaffenburg.
Von der Großherzogs verstorbenem Bruder Wolfgang Heribert, leben drei Kinder, nämlich
1. Emmerich Joseph, geborner Freiherr, jetzt Herzog von Dalberg, geb. 30. Mai 1773, vormal. großherzogl. badn. Gesandter beim Kaiser Napoleon, wurde von diesem zum Herzog erhoben (1810), Er war Mitglied der provisorischen Regierung, welche der franz. Senat am 1. April 1814 nach dem Einrücken der Alliirten in Paris ernannte. Bei dem Wiener Congreß erschien er als zweiter französischer Gesandte. Seine Gemahlin ist Pelina, Marq. de Brignolet aus Genua, wohnen zu Paris.
2. Franzisca, geb. 7. Juni 1777, Gemahlin des Freiherrn von Lerchenfeld, königl. bayerschen Kämmerers.
3. Marie Anne, geb. 27. Sept. 1778, Gemahlin des Freiherrn von Venningen, großherzogl. badn. Obersilberkämmerer. Mit diesem schließt sich jetzt die Gernsheimer Linie.

Die Dalberg-Dalbergische Linie zählt nur zwei Familien mit acht Gliedern, nämlich

1. Friedrich Franz Carl, Kämmerer von Worms, Freiherr von und zu Dalberg, geb. 21. März 1751, großherzogl. Frankf. und fürstl. Primat. geheimer Rath; zeitheriger Geschlechts-Senior; wurde vom Kaiser Franz II. bei der Krönung zu Frankfurt 1792 zum ersten Reichsritter geschlagen. Gemahlin: Marie Anne, Freifrau von Greifenklau zu Vollraths; wohnen zu Aschaffenburg. Von dieser Ehe sind zwei Söhne und zwei Töchter vorhanden.
2. Carl Alexander, Freiherr von und zu Dalberg, geb. 4. Febr. 1775, großherzogl. Frankf. und fürstl. Primat. Kammerherr, Gem. Johanna, Freiin von Sturmfelder, verm. 1806; wohnen zu Aschaffenburg.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.