Direktorium

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Directorium, die oberste Leitung eines Geschäfts in einem gesellschaftlichen Verein und der Ausschuß, oder die Personen, welchen dieselbe übertragen ist.

Unter dieser Benennung verstand man ein Collegium von fünf Staatsbeamten, welchem nach der ehemaligen franz. Constitution die vollziehende Gewalt übertragen worden war, und welches auch in andern Staaten, wo diese einen herrschenden Einfluß hatte, als in der Schweiz, Holland u. s. w. nachgeahmt wurde.

Die beiden gesetzgebenden Räthe erwählten die Mitglieder dazu; alle Jahre ging eins ab, und ward durch ein neues ersetzt.

Ein Mitglied hatte auf drei Monate, unter dem Titel des Präsidenten, den Vorsitz, und fertigte die Staatsbotschaften unter seinen Namen aus.

Zahlreiche Ehrenwachen, prunkvolle Staatskleidungen, und Ueberfluß an allem, was den äußern Glanz befördern kann, verschafften diesem Vollziehungsrathe in den Augen des Volks ein noch größeres Ansehen, als ihm seine sehr ausgedehnte Gewalt schon an sich gewährte.

Er wachte über die Vollziehung der Gesetze, verfügte über die bewaffnete Macht, sorgte für die innere und äußere Sicherheit des Staats, unterhandelte mit den auswärtigen Mächten, ernannte und nahm Gesandte an, und verwaltete überhaupt alles, was die Constitution von 1791 der königlichen Gewalt übertragen hatte. Die sieben Staatsminister standen unmittelbar unter ihm, und er hatte freie Gewalt, sie ab- und einzusetzen.

Kein Bürger konnte übrigens Anspruch auf eine solche Stelle im Directorium machen, wenn er nicht vorher ein Mitglied des gesetzgebenden Körpers oder Minister gewesen war.

Durch die Revolution vom achtzehnten Brumaire wurde diese Autorität, wie die ganze damit in Verbindung stehende französische Constitution vom Jahr drei, durch Bonaparte aufgehoben.

Von Reisende.

Das Direktorium hat seinen Sitz in dem prächtigen Pallast Luxemburg, der jetzt Direktorialpallast heißt, und da herum ist auch die prächtige Garde einquartiert, ich weiß nicht, ob mehr zum Schutz oder zur Zierde. Nur bei öffentlichen Aufzügen und bei allgemeinen Audienzen erscheinen sie im kleinen und großen Kostum, das man für die Augen und Köpfe der Schwachen berechnet hat, während es vernünftigen und patriotischen Bürgern ein Gräuel ist. Es ist ein Gemisch von orientalischer, altrömischer und neuspanischer Tracht, und im großen Staat gehört ein breites römisches Schwert dazu, daß in einer reichen goldnen Binde hängt. Weiß, Roth und Blau sind mit Gold und Silber so grell und so dick nebeneinander angebracht, daß er eher einem Theaterkleide, als einem Volke ähnlich sieht, welches alle Tage erklärt, wie es die Völker zur Freiheit und republikanischen Tugend und Einfalt zurückführen wolle. In einem ähnlichen Stil, wie die Direktoren sind die Minister, Staatsboten, Sekretäre und manche andre öffentliche Bediente gekleidet. Allein die Volksrepräsentanten und Administratoren machen hievon eine ehrenvolle Ausnahme. Abgerechnet, daß man als Republikaner das Gold nicht so auf dem Kleide tragen sollte, ist ihr Kostüm sehr zweckmäßig. Sie sind fast ganz in Blau gekleidet, worüber sie einen rothen Mantel werfen, und den Kopf bedeckt eine Mütze, die noch immer an die alte vom Berge erinnert, an welcher ein dreifarbiger Federbusch schimmert.

Die ausübende Gewalt der Republik ruht allein auf den fünf Direktoren. Sie besetzen alle untergeordneten Aemter, und stehen allein unter dem gesetzgebenden Korps der Fünfhundert und dem leitenden Rathe der Alten, die als die heiligen und unverletzlichen Bewahrer der Freiheit und der Gesetze anzusehen sind. Von ihren hängt also das ganze Verwaltungssystem des Staats in letzter Instanz ab, und an ihnen muß die Nation sich halten, wenn sie glaubt, Ursache zur Unzufriedenheit mit ihnen haben zu müssen. Indessen greift doch Direktorium und Rath der Fünfhundert in mehrern Punkten so eng in einander, daß ich erst einige Worte von diesem sagen muß, ehe ich mich weiter auf einem Felde ausbreite, wo man so leicht irre geht.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Ernst Moritz Arndts Reisen durch einen Theil Teutschlands, Ungarns, Italiens und Frankreichs in den Jahren 1798 und 1799. Leipzig 1804. bey Heinrich Gräff.