Dominique Honoré Antoine Vedel

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Dominique Honoré Marie Antoine, Graf von Vedel, General-Lieutenant, geboren zu Monaco den 2. Juli 1773.

Vedel stammte von einer Familie aus Marsillargues, im Departement des Gard, wovon mehrere im Kriegsdienst sich ausgezeichnet hatten. Auch er trat 1787 in das Infanterie-Regiment von Nieder-Maine und stand 1792 als Capitän bei der Nord-Armee, wo er sich besonders im Gefechte bei Wirton auszeichnete. Zu Ende des Jahres begab er sich mit seinem Regimente nach Italien. Auf dem Wege dahin brach im Regimente ein Aufruhr aus, den er umsonst zu dämpfen sich bemühte. Fast hätte er darüber sein Leben verloren, wenn nicht Massena und die Offiziere der Nationalgarde des Var ihm zu Hülfe gekommen wären. Durch das Gesetzt vom 15. März 1793 wieder angestellt, wurde er nach Corsika geschickt und an die Spitze aller Compagnien Freiwilliger gestellt. Dort dienten er und seine Leute fast immer bei der Artillerie, während die Engländer bald diese bald jene Stadt mit einer Belagerung bedrohten. Bei der Belagerung von Calvi vereitelte er einen Sturm der englischen Armee auf das Fort Motzello, wo der Mauerbruch schon vollständig und die Kanonen demontirt waren, Darauf in den Generalstab der italienischen Armee versetzt, erwarb er sich Ruhm bei dem Uebergange über den Po und die Adda und in den Gefechten bei Lonato und Salo. Große Gefahr lief er auch in Tyrol, als er die Division Augereau auf Befehl des Obergenerals aufsuchen mußte. An der Spitze des 1. Husarenregiments machte er beim Uebergange über die Brenta 600 Gefangene, bemächtigte sich des Reserveparks der Oestreicher und drang zuerst in die Dörfer Feltre und Bassano ein. Im Gefecht bei Cerea, im Jahre 4, wurde er 25 Chasseurs nach Sanguinetto geschickt. Auf dem Wege dorthin hatte er mit 3 Escadrons, die staffelförmig aufgestellt waren, zu kämpfen: allein er besiegte alle Schwierigkeiten, langte an seinem Bestimmungsorte an und erleichterte so die fernern Bewegungen der Armee. In der Schlacht bei Rivoli bemächtigte er sich mit dem Bajonett des sehr wichtigen Postens bei der Capelle San Marco und vertheidigte ihn dann mit der größten Hartnäckigkeit; doch bekam er hierbei auch eine schwere Wunde. Dies war auch am 6. Germinal, im Jahre 7, der Fall, als er an der Spitze der aus der Division Grenier zusammengezogenen Grenadiere die östreichischen Schanzen, links von Bussolengo durchbrach. Auf dem Schlachtfelde als Todter zurückgelassen, gab er erst einige Stunden nachher einige Lebenszeichen von sich. Im folgenden Jahre wurde er Brigadier und Befehlshaber der 17. leichten Halbbrigade. An der Spitze derselben kämpfte er im Jahre 8 in Italien und im folgenden Jahre bei der Reserve-Armee und in Graubündten. Am 10. Nivôse schlug er die Oestreicher beim Berge Thonal, eroberte ihre Schanzen und machte viele Gefangene. Darauf stand er im Lager von Boulogne im 5. Armeecorps unter Lannes, bei Suchets Division, eroberte bei Ulm den Frauenberg und machte dabei 1200 Gefangene. Schon hatten 8000 Feinde in den Basteien von Ulm nach dieser Seite zu die Waffen gestreckt, als sie wahrnahmen, daß die Bewegung des Obersten Vedel nicht unterstützt wurde. Sie umzingelten ihn daher und er war zum Rückzug gezwungen. Am 2. Decbr. 1805, während der Schlacht von Austerlitz, deckte Vedel den wichtigen Posten Santon gegen 5 bis 6000 Russen, wurde darauf zum Brigadegeneral in der Division Suchet ernannt und focht am 10. October 1806 bei Saalfeld und am 14. bei Jena. Am 26. Dec. beim Gefecht bei Pultusk durchbrach er die beiden ersten russischen Reihen und entriß ihnen 12 Kanonen. Obgleich er am linken Knie verwundet wurde, verließ er doch das Schlachtfeld erst, als seine Schmerzen ihm nicht mehr längeres Verweilen gestatteten. Noch war er nicht hergestellt, als ihn Napoleon zum Gouverneur der Inseln Nogat und Marienburg ernannte, welche Stadt er wieder in Vertheidigungsstand versetzte, so wie er auch jenseits der Weichsel einen Brückenkopf anlegte, der den Beifall des Kaisers erhielt. Auch übertrug ihm derselbe die Organisation der zweiten Division vom Armeecorps des Marschall Lannes, welches zum glücklichen Ausgang des Krieges von 1807 so bedeutend mitwirkte. An der Spitze dieser Division verließ Vedel im Juni 1807 Marienburg, befand sich am 9. den Russen gegenüber, die er links von Guttstadt verfolgte und überließ dann dem General Verdier, der so eben, aus Neapel herbeigerufen, angekommen war, das Commando darüber, so wie er eine Brigade unter ihm befehligte. Abends um 10 Uhr am 10. Juni empfing er den Befehl, die russische Armee mit dem Bajonette anzugreifen, bemächtigte sich der von ihnen auf das hartnäckigste vertheidigten Schanzen und nöthigte sie, in der Nacht noch Heilsberg zu räumen. Er wurde aber dabei zweimal verwundet, so wie auch das 12. leichte und das 3. Linien-Infanterie-Regimente viele Leute einbüßten. Dennoch befand er sich (14. Juni) mit in der Schlacht von Friedland, durchbrach das russische Centrum, focht dann mit einem Regimente auf dem rechten Flügel, kehrte hierauf ins Centrum zurück und stand fast immer, vom Anbruch des Tages bis um 11 Uhr Abends, im Feuer. Der Kaiser überhäufte ihn mit Lobsprüchen und ernannte ihn nach dem Tilsiter Frieden zum Divisionsgeneral. Als solcher ging er zur 2. Division des 2. Armeecorps der Gironde unverzüglich ab, welches nach Spanien bestimmt war. Am 26. Juni 1808 schlug er in der Sierra Morena 4000 Spanier, ungeachtet sie sich auf das beste verschanzt hatten. Am 29. Juli, im Gefecht von Baylen, eroberte er 3 Kanonen, 2 Fahnen und machte 1500 Gefangene; doch in dem Augenblicke, wo er sich mit der ersten Division vereinigen wollte, von der ihn bis jetzt nur diejenigen getrennt hatten, die er so eben geschlagen, wurde ihm der Befehl ertheilt, die Feindseligkeiten einzustellen. Da er erst am andern Tage die Lage der französischen Armee erfuhr, so versuchte er alles mögliche, sich durchzuschlagen; allein auf dem Marsche nach Madrid bekam er abermals Befehl, sich den Spaniern, zufolge des von Dupont abgeschlossenen Vertrags, zu ergeben. Obgleich er dabei nur den Befehlen eines höheren Offiziers, dem er Gehorsam schuldig war, gehorchte, wurde er doch seiner würde entsetzt und erst 1813 bei der Reserve-Armee in Italien wieder angestellt. Zu Anfange des folgenden Jahres mit 4000 Mann nach Lyon gesandt, vertheidigte er bei Roman auf das hartnäckigste den Uebergang über die Durance, wurde nach dem Pariser Frieden General-Inspecteur in der 8. Militärdivision und im Juli 1815 in den Ruhestand versetzt.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.